Das Rad der Welten von Horus W. Odenthal

Buchvorstellungund Rezension

Das Rad der Welten von Horus W. Odenthal

deutsche Ausgabe erstmals 2015, 728 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

Ein Zeitalter geht zu Ende. Das Rad der Welten dreht sich und ein Umschwung steht bevor. Über New Zion, der Metropole an der Westküste der USA, brütet ein Unwetter. „Odin ist tot. Aber wir kehren zurück." Unsere Welt. Heute. Jem vanRey und Cat Bertini werden unvermittelt aus ihrem normalen Leben gerissen. Ein gespenstisches Unwetter über der Stadt kündet von Gefahr und Veränderung. Die Diener der Verlorenen Hierarchien sind ihnen bereits auf den Fersen. Schon lange besuchen sie unsere Welt, doch hielten sie sich bisher meist im Verborgenen. Schattenhunde durchstreifen die Straßen von New Zion. Der Grenzgänger, den die meisten nur für einen Großstadtmythos halten, führt einen Krieg gegen die Lieferanten einer neuen geheimnisvollen Droge. Unter den Straßen der Stadt erstreckt sich eine Labyrinth, das tief hinab bis in die Grenzbereiche dieser Welt führt und in dem mächtige und grauenvolle Geschöpfe die verschollenen Relikte einer anderen Welt hüten. Wesen, die wir sonst nur aus Legenden kennen, gehen erneut in der Welt der Adamssöhne um und liefern sich hier ihre Kämpfe und Intrigen. Und ein Gestaltwandler verfolgt bei all dem seine ganz eigenen Pläne. Jem und Cat ahnen nicht, dass ihr Leben mit dem Schicksal einer fremden Welt verknüpft ist.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Urban Fantasy aus deutschen Landen – die sich wahrlich nicht verstecken muss“89

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

New Zion, das hört sich ein wenig an wie New Orleans oder New York. Und doch ist die Weststaaten-Metropole ganz anders, als die beiden vorgenannten Orte. Hier herrscht das Vergnügen, doch anders als in Las Vegas ist das nichts für Zartbesaitete.

Auf der Vergnügungsmeile – eigentlich sind es mehrere Meilen, ja man kann auch die ganze Stadt als einzige Vergnügungsmeile ansehen – ist ein neuer süchtig machender Stoff, der seine Opfer willenlos macht, unterwegs. Zwei Banden liefern sich einen gnadenlosen Krieg um die Vorherrschaft, und doch kommt es noch weit schlimmer.

Als die ersten Leichen auftauchen, denken die Cops noch, dass es sich um die üblichen Auseinandersetzungen zwischen den Gangs handelt. Dann werden die Tatorte immer sonderbarer – den Opfern wird mit einer scharfen Klinge das Haupt abgeschlagen, es rührt sich etwas tief unter der Stadt. In den Höhlensystemen und Katakomben spürt man es. Das Böse, das lange verborgen war regt sich und bereitet sich darauf vor, die alte Herrschaftsposition wieder anzustreben. Dass so etwas ohne Blutvergießen nicht abgehen kann und wird ist klar.

Jem van Rey ist ein Kind dieser Stadt. Einst gehörte auch er eine der beiden Banden an, doch inzwischen hat er seinen eigenen Weg gesucht und gefunden. Geholfen hat ihm dabei sein Freund und Mentor Richard. Dieser hat nicht nur seine Kampftechnik verfeinert, ihn Tricks und Kniffe gelehrt, sondern auch seine Selbstständigkeit und seinen Geist gefördert. Dieser Prozess soll über ein geheimnisvolles Ritual in der Wüste zum Abschluss gebracht werden – doch dann taucht just dort ein merkwürdiges Wesen auf und ermordet den Lehrer.

Die Diener der Verlorenen Hierarchien agierten bislang im Verborgenen – jetzt aber durchstreifen Schattenhunde die Straßen New Zions, der Grenzgänger macht von sich reden und die Welt der Adamssöhne steht vor ihrer größten Prüfung …

Grosses Kopfkino in einer markanten Kulisse

Ein paar Jahre lang war die Urban Fantasy the next bis thing. Kein Verlag, der nicht entsprechende Angebote in seinem Programm hatte, die Buchhandlungen quollen über vor den zumeist dicken Bänden um laszive Vampir-Beaus, waschbrettbauch gestählte Werwesen und sexsüchtigen Hexen. Die Welle ebbte ab, die besseren Serien wurden von ihren Verfasser-innen fast alle beendet, der Leser wandt sich neuen literarischen Ufern zu.

Doch Vorsicht – mit den oben beschriebenen Urban Romancies hat Horus W. Odenthals Schöpfung nichts, aber auch gar nichts gemein. Sicherlich, die Handlung spielt im Hier und Jetzt in einer fiktiven Stadt der USA, doch es geht nicht darum, sexuell frustrierte Frauen den Blutkuss zu verpassen, oder Liebestränke anzurühren. Odenthal schreibt härter, brutaler, schneller und damit letztlich erwachsener, als die einstigen Bestsellerautorinnen. Bei ihm wartet eine Handlung auf den Leser, die ihn mit großem Kopfkino der durchdachten Art verwöhnt.

Mehr noch – aus den bisherigen sechs Teilromanen hat der Autor einen wahren Prachtband gebastelt. Schon das im allgemeinen Vertrieb erhältliche Paperback weist Ziegelsteinformat auf, die limitierte, signierte Hardcoverausgabe aber kommt noch weit beeindruckender daher. Der Interessierte weiss, dass Horus W. Odenthal einst als gefeierter Comic-Zeichner Preise abgeräumt hat. Nun hat er in vorliegender Ausgabe weit über 100 seiner damaligen Zeichnungen als Illustrationen mit einfließen lassen. So wird der Text immer wieder von entsprechenden schwarz-weiß Illustrationen unterbrochen, nein, eigentlich ergänzt, die den Text nicht nur auflockern, sondern um eine grafische Variante ergänzen.

Inhaltlich wartet eine gar ungewöhnliche Mischung auf den Leser. Da mischen sich Großstadtmythen mit klassischen Elfen, Motorradgangs mit FBI-Ermittlern und einem markanten Filou als Erzähler. Das hat unheimlich Tempo, nimmt klassische Vorbilder aus der Fantasy, aber auch aus gängigen, erfolgreichen TV-Serien (Akte X, Sons Of Anarchy) und präsentiert uns ein Unikat an klasse beschriebenen Kampfszenen.

Dabei ist der Tonfall bewusst auf modern getrimmt, spiegelt gut das Milieu, aus dem Jem stammt wider, sucht man lustige Szenen vergebens. In der Welt, die Horus uns vorstellt geht es brutal zu, ist das Böse auf lauten Sohlen unterwegs und das merkt man sowohl dem Tonfall wie auch dem Inhalt an. Vieles lief bei mir während der Lektüre im Kopf wie ein Film ab, gerade die Kampfszenen erinnerten frappierend an entsprechende cineastische Beispiele. Dabei verbindet der Autor sehr geschickt, auch wenn man dies zunächst kaum für möglich hält, klassische Fantasy Versatzstücke mit seiner aktuellen Jetztzeithandlung, vereinen sich Schwerter mit MPs und einem Kabinett von schrägen Figuren sowie jede Menge fieser Bösewichte als Kanonenfutter. Die vielen Perspektivwechsel sorgen für weiteres Tempo, und Detailreichtum, so dass man trotz der vielen Handlungsstränge weder die Übersicht noch die Lust oder gar Spannung verliert.

Das ist Urban-Fantasy vom Feinsten, eigenwillig, düster, mystisch und gewaltbetont – aber auch gleichzeitig unterhaltsam, rasant und modern.

Ihre Meinung zu »Horus W. Odenthal: Das Rad der Welten«

FantasyFan123 zu »Horus W. Odenthal: Das Rad der Welten«09.05.2017
Was mir an "Das Rad der Welten" besonders gefällt: Die Erzählstimme ist eine andere, wie ich finde bessere, als man es von den meisten Autoren gewohnt ist. Insbesondere wird hier ernsthaft erzählt, nicht wie man es zur Zeit in der Fantasy häufig findet, flapsig.
Und ich stimme Christine zu: Die Actionszenen sind zum größten Teil sagenhaft gut.
Besonders gefallen mir allerdings häufig die ruhigeren Szenen, z.B. die Nixenszene. Eine Szene, wie es sie 1000fach in der Fantasy gibt, aber beim Lesen der Beschreibung hier, kam es mir vor, als würde ich sie zum 1. Mal von einem tatsächlichen Augenzeugen erzählt bekommen, eine Szene, die alle anderen zu "stiller Post" verblassen lässt.
Christine Ulrich zu »Horus W. Odenthal: Das Rad der Welten«26.04.2017
Dem stimme ich aber so was von zu! Abgesehen davon, dass diese so unglaublich gute, harte und schnelle Geschichte so erfrischend romantikfrei ist, muss man lange suchen, um jemanden zu finden, dem Actionszenen so genial aus der Feder fließen wie Horus W. Odenthal :) Das sprengt sozusagen die Buchseiten.
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