Interview mit Martin Clauß

„Ehrlich gesagt haben uns Tolkien und Rowling persönlich nie viel gegeben, wobei wir ihr herausragendes Talent nicht in Abrede stellen wollen!“

Martin Clauß geboren im schwäbischen Esslingen am Neckar, Jahrgang 1967, Schriftsteller und Japanisch-Trainer – arg viel mehr erfährt man nicht über eine der neuen Stimmen in der Deutschsprachigen Fantasy.

Phantastik-Couch.de: Hallo Martin und Maho, könntet Ihr Euch unseren Lesern einmal kurz selbst vorstellen – es ist ja nicht gerade üblich, dass eine gebürtige Japanerin einen deutschen Fantasy-Roman mit verfasst? – Habt Ihr beide Euch immer schon zur Phantastik hingezogen gefühlt?

Martin Clauß: Wenn ich gerade nicht meine Textverarbeitung quäle, quäle ich meine Japanisch-Schüler an der VHS oder in der Wirtschaft. Studiert habe ich Japanologie und Anglistik in Tübingen und Tokio. Maho studierte Internationale Beziehungen in Kioto, ist aber mittlerweile Hausfrau, Mutter und – ach ja, richtig – angehende Autorin. Kennen gelernt haben wir uns, als ich im Zuge meines Studiums drei Semester in Japan verbrachte. Das Interesse für Bücher und Phantastik war und ist ein gemeinsames Hobby. Wobei Maho eher viel liest und selten schreibt, ich dagegen viel schreibe und verhältnismäßig wenig lese. Das erste Date fand dann auch auf einer Ausstellung von Gerard Di-Maccio statt, einem französischen visionären Maler, der besonders in Japan sehr beliebt ist. Und wenn wir schon dabei sind: Der erste gemeinsame Kinobesuch war „;Bram Stoker’s Dracula“ von Francis Ford Coppola – das gab schon eine gewisse Richtung vor …Maho wuchs mit Tonnen von Mangas und Animes auf, von denen die meisten einen Phantastik-Bezug hatten, bei mir bildeten Märchen und Sagen, Comics (hauptsächlich von Marvel), Grusel-Heftromane und utopisch-phantastische Jugendbücher (z. B. von Rolf Ulrici oder Michael Ende) die Wurzeln für eine sicher lebenslange Liebe zur Phantastik. Ich schrieb schon im Alter von sieben Jahren erste Fabeln und Märchen in Schulhefte. Ein weiteres Hobby von mir sind Fremdsprachen, wobei außer Japanisch in den letzten Jahren alles schwer eingerostet ist. Ansonsten bin ich einfach gerne kreativ, gestalte hier mal eine Homepage, mache da mal ein Titelbild zu einem meiner Romane, bastle Podcast-Shows oder komponiere schon mal etwas synthetische Musik, letzteres allerdings so dilettantisch, dass man es wirklich nicht gehört haben muss. Maho lernt seit über einem Jahr Kenpo-Karate und ist ein Filmfreak.

Im Jahr 2000 kam Maho nach Deutschland. Anfang 2006 wurde unsere Tochter Alisha geboren und ist seither der unumstrittene Mittelpunkt unseres Lebens. Neben ihr, dem Job an der VHS und dem Schreiben bleibt momentan keine Zeit für anderes. Wenn Alisha ein bisschen größer ist, wollen wir ein paar Reisen in Europa und Asien unternehmen – ein weiteres gemeinsames Hobby, dem wir aber bisher noch nicht exzessiv nachgehen konnten.

Phantastik-Couch.de: Die Frage nach Vorbildern und Einflüssen darf nicht fehlen. Welche Bücher lest Ihr gerne, welche Autoren bewundert Ihr und warum ausgerechnet diese?

Martin Clauß: Maho liest breitgefächert, meistens historische und phantastische Literatur aus Japan. Ihre Favoriten sind Shôtarô Ikenami und Fûtarô Yamada. Von den Romanen des letzteren gibt es Manga-Adaptionen, die neuerdings auch auf Deutsch erschienen sind (die Serien BASILISK und YAGYU NINPO CHO bei Heyne). Sie schätzt z. B. Ikenamis Charakterisierungen, welche die handelnden Personen so lebendig erscheinen lassen, dass man sich emotional mit ihnen verbunden fühlt und ihre Abenteuer immer aufs Neue lesen muss, um sich wieder mit ihnen zu treffen. Da beide Autoren bereits verstorben sind, wäre sie gerne bereit, als Medium für automatisches Schreiben zu fungieren und die Texte niederzuschreiben, die sie nicht mehr umsetzen konnten ;-) Die Werke westlicher Autoren lernt sie meist durch Verfilmungen kennen.

Was mich betrifft, habe ich in meiner Romanheft-Zeit vor allem Jürgen Grasmück (Dan Shocker) gelesen, für mich trotz stilistischer Schwächen ein formidabler Autor, bei dem sich Sense of Wonder, bizarrer Grusel und menschliche Schicksale auf einzigartige Weise begegnen. Später habe ich Lovecraft wegen des eigenständigen Ansatzes seines Grauens sehr geschätzt. Tief beeindruckt war ich auch von den einfühlsamen, poetischen Kurzgeschichten des Ray Bradbury, und kürzlich habe ich Kai Meyer für mich entdeckt, m. E. ein enorm vielseitiger und talentierter Autor. Grundsätzlich habe ich ein Faible für Kurzgeschichten und knapp gefasste Romane – ich bin einfach zu ungeduldig für Seitenschinderei, und wenn eine Geschichte nicht vom Fleck kommt, werde ich richtig kribbelig.

Phantastik-Couch.de: Mit „DIE SAAT DER YOKAl“ geht Ihr ungewöhnliche Wege. Die Fantasy-Epen, die sich an Tolkienesquen Vorbildern orientieren, oder versuchen das Erfolgsrezept einer Rowling zu kopieren, haben zunehmend ausgedient, und die Autoren besinnen sich auf andere Handlungs- und Weltenansätze. Barry Hughart mit seinen drei Meister Li-Romanen und Lian Hearm mit den Clan der Otori haben es vorgemacht, Kai Meyers Wolkenläufer-Trilogie ging auch in die Richtung – der Asiatisch-Chinesisch-Japanische Fantasy-Roman ist auf dem Vormarsch. Wie kamt Ihr auf die Grundidee, die ja dann nochmals ganz anders als die vorgenannten ausgeführt wurde?

Martin Clauß: Ehrlich gesagt haben uns Tolkien und Rowling persönlich nie viel gegeben, wobei wir ihr herausragendes Talent nicht in Abrede stellen wollen! Bei „;Der Herr der Ringe“ bin ich im zweiten Band steckengeblieben, bei „;Harry Potter“ im ersten, und Maho wuchs ohnehin mit japanischer Literatur auf. Wir mussten uns also nicht erst von dieser Art der Fantasy freimachen, weil sie uns nie gefesselt hat. Auf mich hat das Asiatische schon seit jeher mehr Faszination ausgeübt als das Europäische, und da ich mit Japan am besten vertraut bin, war es naheliegend, darüber zu schreiben. Da ich mit Maho oft über meine Projekte spreche, bringt sie automatisch auch eigene Ideen ein. Der Anlass für das Manuskript „;Die Saat der Yôkai“ war Ueberreuters Ausschreibung zum Wolfgang Hohlbein-Preis 2008. Ich wollte definitiv über Japan schreiben, wartete jedoch noch mit gespitzten Lippen auf den Kuss der Muse. Wie gerufen kam ein Traum von Maho, der die Grundidee für den Roman vorgab. Dieser Traum war noch recht actionlastig und glich im Ansatz einem Konsolenspiel, doch als wir das Thema ausbreiteten, verlagerte sich der Schwerpunkt von der Action hin zu einem komplexen Netz aus menschlichen Konflikten, und das vor einem real existierenden historischen Hintergrund.

Phantastik-Couch.de: Wie und wo habt Ihr für den inhaltlich überzeugenden Entwurf recherchiert – durch die Herkunft Mahos und ihrer Verwurzelung in der japanischen Kultur habt Ihr sicherlich einen ganz anderen, intensiveren und intimeren Zugang zu den uns so fremdartigen, aber gerade deshalb interessanten Lebens- und Denkweisen gehabt?

Martin Clauß: Die Recherche war nicht einmal sehr aufwändig. Eine Vorbildung war ja schon vorhanden. Maho interessiert sich brennend für die, hm, dubioseren Aspekte der japanischen Historie (lies: für die Geschichte der Magie). Kaum stand das Thema fest, da spuckte ihr Bücherregal eine Reihe höchst seltsamer Schwarten aus, bei denen ich nicht einmal gewusst hatte, dass ich unter einem Dach mit ihnen wohnte, die sich aber als höchst nützlich erwiesen. Zwei weitere Bücher mussten wir uns aus Japan noch schicken lassen, und den Rest recherchierten wir im Internet, z. B. in der japanischen Wikipedia.

Phantastik-Couch.de: Interessant fand ich auch die Idee, mittels kalligraphischer Schriftzettel Magie zu beschwören – gab es hier entsprechende Hinweise oder Überlieferungen, oder Eure Phantasie?

Martin Clauß: Kalligraphische Amulette gehörten in Japan zum Basisinstrumentarium der Hofmagier – dass sich dadurch Kräfte von einem Menschen auf den anderen übertragen lassen, entsprang unserer Phantasie oder besser gesagt: Mahos Traum.

Phantastik-Couch.de: Nun kennen wir Dich Martin als Autor im Bereich des Gruselromans schon länger. Für die Romantruhe verfasst Du die Gruselserie „FALKENGRUND – SCHULE DES OKKULTEN“, im Eigenverlag erschienen kürzlich als Deutsche Erstausgabe Hodgsons Geschichten um den Detektiv „CARNACKI DEN GEISTERFINDER“, und im Atlantis Verlag ist unter dem Titel „DER ATEM DES RIPPERS“ ein weiteres Buch herausgekommen. Um was geht es in dem RIPPER, braucht der Markt wirklich eine weitere Gruselserie, und was willst Du bei Falkengrund anders machen als die Konkurrenten?

Martin Clauß: Was für eine Frage! Der Markt braucht ein Dutzend weitere Gruselserien, nur sollten sie wirklich anders sein als die alten. Falkengrund ist zumindest ein Versuch in dieser Richtung, ob gelungen oder nicht, das müssen andere entscheiden. Serien, in denen die Hölle jede Woche neue bunte Dämonen zu einem Geisterjäger schickt, der sie dann mit Silberkugeln und magischen Kreuzen pulverisiert, haben für mich nicht viel mit Gruseln zu tun. Das ist Fantasy. Gruseln entsteht, plakativ ausgedrückt, durch die Angst vor dem, was das Innere der Seele und die Weiten des Weltalls für den Menschen bereithalten. Falkengrund ist eine leise Serie, aber sie soll den Leser beschäftigen und irritieren. Der Schwerpunkt liegt nicht bei Vampiren, Werwölfen und Zombies, sondern bei den Geistern, den leisesten, menschlichsten, tragischsten, vielleicht eindringlichsten Gruselgestalten. Es geht um eine kleine Privatschule für Okkultes, angesiedelt im Schwarzwald. Ungewöhnlich an der Serie ist möglicherweise, dass sie mehr als ein Dutzend gleichberechtigte Hauptpersonen hat. Sie baut darauf auf, dass auch kleine, unscheinbare Gefahren Menschen bedrohen, verändern und zerstören können – wenn diese Menschen keine Superwaffen aus dem Ärmel schütteln können.

Der Roman „;Der Atem des Rippers“ dreht sich – natürlich – um Jack the Ripper, um die Umstände und Beweggründe, die zu seinen schrecklichen Taten führten. Ich wollte ein Experiment wagen, einen Jack the Ripper jenseits der gängigen Theorien und Profile kreieren, einen Menschen, der weder ein Frauenhasser noch ein Wahnsinniger ist und dennoch tut, was er tut. Der größte Teil des Romans wird aus der Perspektive des Täters erzählt. Der Text hat mir wirklich Bauchschmerzen bereitet und ist mit Abstand das Schaurigste, was ich in meinem Leben verfasst habe. Ich glaube, diesen Schauer wird jeder Leser spüren, sobald er anfängt, die Gedankengänge des Rippers nachzuvollziehen …

Phantastik-Couch.de: Hodgson – war das ein Herzenswunsch von Dir, wie reagieren die Leser – von denen ja viele wohl gar nicht wissen, dass es den Titel in deutscher Übersetzung zu kaufen gibt?

Martin Clauß: Die Rezensionen (von denen Du ja freundlicherweise selbst eine geschrieben hast), sind recht positiv ausgefallen, das Leserinteresse dagegen ist nahezu gleich Null, um das gleich zuzugeben. Meine Schuld! Es existiert kein Markt für dieses Buch, und ich mache keine Werbung dafür. Ich hatte die Storys mal für eine eBook-Veröffentlichung übersetzt, einfach, weil sie mir persönlich gefielen. Sie scheinen Lovecraft vorwegzunehmen und kommen mir in ihrem Inhalt äußerst eigenständig vor. Ich liebe das Retro-Feeling, wenn Carnacki seine knisternden Vakuumröhren zu einem elektrischen Pentakel zusammenfügt und in seiner Dunkelkammer Fotoplatten belichtet, um Geister darauf zu suchen. Man stelle sich mal vor: Altmodische viktorianische Gespenster und übermächtige namenlose Ätherwesen treffen auf einen Mann, der ihnen ein paar archaische elektrische Apparaturen entgegenhält, die er sozusagen mit der Magie unsagbar seltener und kryptischer Bücher gekreuzt hat. Das ist doch einzigartig! Gewissermaßen eine Art von Dark Steampunk, die man nicht alle Tage vorgesetzt bekommt. In den USA sind einige Computerspiele von der Serie beeinflusst worden, aber die Storys selbst scheint zumindest hierzulande niemand lesen zu wollen. Egal, man kann so was nicht erzwingen, und eine große Werbeoffensive dafür loszutreten, scheint mir sinnlos …

Phantastik-Couch.de: Nach welchen Kriterien entscheidest Du, welches Exposee, welches Manuskript Du welchem Verlag anbietest, wie findest Du Deine Themen, und um was geht es in „DIE SAAT DER YOKAI“?

Martin Clauß: Ich bin ein Feigling. Nach einigen von großen Verlagen zurückgesandten Manuskripten vor vielen Jahren reichte der Mut gerade mal dafür, bei Kleinverlagen vorzusprechen oder meine Werke als eBook oder bei BoD selbst herauszugeben. Bis ich mir einen Tritt in den Hintern verpasste und an der Ausschreibung zum WoHo-Preis teilnahm. Das Interesse des Ueberreuter Verlags hat mir gezeigt, dass ich jetzt auch große Verlage anvisieren darf. Zukünftige Kinder- oder Jugendbücher werde ich natürlich Ueberreuter anbieten. Falls ich etwas schreibe, was dort nicht ins Programm passt, muss ich mich umschauen wie jeder andere Autor auch. Oftmals entscheidet wohl eher der Zufall als tiefschürfende Überlegungen, wo man etwas anbietet.

DIE SAAT DER YOKAI spielt im Japan des achten Jahrhunderts. Die Kaiserstadt wurde im Jahr 784 von Heijô (Nara) nach Nagaoka verlegt, doch noch ehe der Kaiserpalast fertiggestellt wurde, häuften sich Krankheiten und Todesfälle im Kaiserhaus sowie Naturkatastrophen. Man ging von einem Fluch aus und verlegte 794 die Kaiserstadt fluchtartig noch einmal, diesmal nach Heian, das wir heute als Kioto kennen. Unser Roman geht von diesem historischen Hintergrund aus und wirft ein Schlaglicht auf die Onmyôji, die Hofmagier. Warum haben sie versagt, als sie einen sicheren Ort für die Kaiserstadt finden sollten? Was hat die neue Gefahr, die Bedrohung durch rund um Kioto auftauchende Ungeheuer, mit dem doppelten Umzug der Kaiserstadt zu tun? Der 14-jährige Handwerkersohn Hayate schlittert in Kämpfe mit unklaren Fronten hinein. Ein geheimnisvoller Schatten scheint die Yôkai (Ungeheuer der japanische Mythologie) zu säen. Hayate schließt sich einer von zehn Gruppen an, die dem Schrecken Einhalt gebieten sollen, doch der Leiter dieser Gruppen ist ebenso unbekannt und dubios. Dazu gibt es eine übermächtige Bedrohung aus dem gar nicht so fernen China, ein rätselhaftes Buch, in dem das Geschehen größtenteils vorweggenommen wird, und vieles mehr.

Phantastik-Couch.de: Ich nehme einmal an, dass eine Veröffentlichung bei einem etablierten Großverlag wie Ueberreuter auch finanziell ganz anders goutiert wird als eine Publikation in einem der Nischenverlage. Auf der anderen Seite hat ein Autor bei einem der Kleinverlage sicherlich mehr Mitspracherechte – wie siehst Du das, was reizt Dich und warum mehr?

Martin Clauß: Sicher sind von Veröffentlichungen bei Großverlagen bessere Einnahmen zu erwarten. Für mich ist Geld durchaus ein wichtiges Thema, da ich der Schriftstellerei sehr viel Zeit widme, damit meine Familie aber bisher nicht einmal ansatzweise ernähren konnte.
Das Mitspracherecht muss bei etablierten Verlagen nicht fehlen. Bei „DIE SAAT DER YOKAI“ hatte ich ein weitreichendes Mitspracherecht, was z. B. Titel, Cover und Änderungen im Text anging. Meine Lektorin war in jedem Punkt gesprächsbereit und nahm jeden meiner Wünsche und Vorschläge auf. In grundsätzliche verlegerische Entscheidungen kann der Autor auch bei Kleinverlagen nicht reinreden. Preis, Erscheinungsdatum und dergleichen bestimmt auch der Kleinverleger selbst, und das ist gut so.

Den Unterschied zwischen kleinen und großen Verlagen sehe ich nicht darin, wie ich als Autor behandelt werde, sondern in der Vielfalt der Publikationen. Nischenverlage können Texte bringen, die sich für einen großen nicht lohnen würden. Nischentexte eben. Sie können neuen Autoren leichter eine Chance geben, mit ungewöhnlichen Inhalten experimentieren oder für eine begrenzte Leserschaft publizieren. Sie sind zweifellos eine wichtige Bereicherung für den Buchmarkt. Große Verlage liefern dem Autor dagegen ein fachmännisches Lektorat und gute Werbestrategien. Ich will nicht heucheln – falls ich die Möglichkeit habe, in Zukunft bei Großverlagen zu publizieren, werde ich das tun. Trotzdem bleiben Kleinverlage für mich interessant und sympathisch. Dem Atlantis-Verlag und der Romantruhe werde ich sicher auch in Zukunft Manuskripte anbieten.

Phantastik-Couch.de: Wie lange hat es von der Idee bis zum letztlich fertigen Buch gedauert?

Martin Clauß: Das ging recht schnell. Im Oktober 2006 hatte ich von der Ausschreibung erfahren, bis November hat sich Maho Zeit gelassen, um den richtigen Traum zu träumen, der Dezember war mit Recherchen und Planungen ausgefüllt, Weihnachten fiel praktisch aus, kurz vor Jahreswechsel begann ich mit dem Schreiben, und am 27. März, vier Tage vor Einsendeschluss, ging das fertige Manuskript nach Wien raus.

Phantastik-Couch.de: Habt Ihr zuerst ein Exposee verfasst, oder als erstes Eure Welt angelegt, und wie habt Ihr intern die Arbeit aufgeteilt – habt ihr Kapitelweise oder Handlungsstrangweise gewechselt, oder war einer nur für das Setting, der Andere für die Personen zuständig?

Martin Clauß: In den Wochen nach Mahos Traum entwickelten wir die Handlung gemeinsam in groben Zügen. Wir zeichneten ein einfaches Schaubild, auf dem die Personen, ihre Eigenschaften und ihre Relationen zueinander vermerkt wurden. Nach Abschluss der wichtigsten Recherchen begann ich einfach zu schreiben, arbeitete mich von Szene zu Szene weiter und besprach mich häufig mit Maho, wenn ich mir bei einzelnen Handlungspunkten unsicher war. Als ich etwa in der Mitte des Romans angekommen war, löste ich mich weitgehend von Maho und legte im Alleingang die Einzelheiten für Finale und Auflösung fest. Ich finde, wenn man sich fast rund um die Uhr gedanklich mit der Handlung befasst, dann muss man keine großen Exposees schreiben, man hat die Details und Zusammenhänge im Kopf, ganz gleich, wie komplex die Handlung ist. Natürlich kann man mal ein paar Notizen machen, damit man nichts übersieht oder vergisst, aber es hemmt den kreativen Prozess auch, weil es etwas vorzeitig fixiert, was eigentlich noch im Werden begriffen ist und noch nicht festgelegt werden will. Aus diesem Grund versuche ich weitgehend ohne Exposees auszukommen.

Phantastik-Couch.de: Mir fiel bei der Lektüre auf, dass Ihr Euch für Dialog als Lösung, für ein Leben in Einklang mit der Natur stark macht (vgl. Seite 11: Natur nicht beherrschen, sich nicht einmal für einen Augenblick von ihr abwenden oder abkapseln, sondern stets an sie erinnert werden (S. 11 + S. 389). Wichtige Themen für Euch?

Martin Clauß: Leben in Einklang mit der Natur ist schon ein Thema für uns. Wir haben z. B. kein Auto und versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten schonend mit der Umwelt umzugehen (wahrscheinlich machen wir das alles wieder durch unsere Flugreisen nach Japan zunichte). Im Roman taucht das aber eher deshalb auf, weil diese Denkweise ein elementarer Bestandteil der japanischen Kultur und der buddhistischen Religion ist, also untrennbar zur Story gehört, nicht weil wir damit jemandem ins Gewissen reden wollten.

Phantastik-Couch.de: Wird es ein Wiedersehen mit den Gestalten des Buches geben -sprich: ist eine Fortsetzung denkbar?

Martin Clauß: Maho denkt schon recht intensiv über eine Fortsetzung nach, und den Schluss habe ich absichtlich so angelegt, dass sie nicht unmöglich ist. Ob sie kommt oder nicht, hängt auch von einem so nüchternen Umstand wie den Verkaufszahlen des Buches ab. Wie ich es verstanden habe, ist man bei Ueberreuter einer Fortsetzung grundsätzlich nicht abgeneigt.

Phantastik-Couch.de: Vielen Dank, dass Ihr Euch für uns Zeit genommen hast. Wir wünschen Euch alles Gute.

Martin Clauß: Wir haben zu danken!

Das Interview führte Carsten Kuhr