Interview mit Martina André

Spaß, Spannung und Schokolade

Mit dem Genre-Mix Das Rätsel der Templer landete Martina André einen Überraschungserfolg. Nun erzählt sie im Gespräch mit der Phantastik-Couch über Spaß, Spannung und Schokolade.

Phantastik-Couch: Dein zweiter Roman „Das Rätsel der Templer“ ist von den Lesern sehr gut aufgenommen worden. Er zeichnet sich durch authentische Historie gemischt mit Mystery und Science-Fiction aus. Wo ordnest du dich selber als Autorin ein?

Martina André: Ehrlich gesagt ordne ich mich überhaupt nicht ein. Es war eher Zufall – oder sollte ich sagen Neigung – dass ich in beiden Büchern zu einem mystischen Thema gegriffen habe. „Das Rätsel der Templer“ habe ich zudem vor meinem ersten veröffentlichten Roman „Die Gegenpäpstin“ geschrieben, in dem der mystische Anteil meines Erachtens eher geringer ausfiel als bei den „Templern“.

Was meine Vorliebe beim Lesen und Schreiben betrifft, so bevorzuge ich History, SciFi und Fantasy – gern auch bunt gemischt. Es sollte sein wie bei einem Ü-Ei. Spaß, Spannung und Schokolade. Aber nur, wenn es den realistischen Rahmen nicht allzu sehr sprengt. Frei nach dem Motto „;Nichts ist unmöglich“. Das soll heißen – ich liebe fantastische Geschichten in jedweder Form, aber sie sollten hart an der Realität geschrieben sein. Die Recherche muss sitzen, die Handlung glaubwürdig bleiben und die Figuren sollten so echt wirken, dass man glatt denken könnte, es wären die eigenen Nachbarn.

Phantastik-Couch: Du berichtest im Nachwort zum „Rätsel der Templer“ von merkwürdigen Zufällen – von Ereignissen, die tatsächlich so eingetreten sind, wie du sie vorher beschrieben hast. Hast du einen Hang zum Spirituellen und glaubst du an übersinnliche Dinge?

Martina André: Eigentlich nicht. Wobei das Wort „;eigentlich“ naturgemäß eine Einschränkung ist. Während meiner Schreibphase zu den „;Templern“ – von November 2003 bis ca. Mai 2006 – hatte ich einige Synchronizitätserlebnisse (zuvor wusste ich gar nicht, was das war – danach habe ich mir mehrere Bücher von C.G. Jung zum Thema besorgt). Einiges davon war sehr beeindruckend – anderes eher beiläufig. Vieles in der Geschichte habe ich in geradezu visionären Bildern geschrieben, die überraschend plastisch in meiner Vorstellung kursierten – ohne bereits über die passende Recherche zu verfügen.

Z. B. den unterirdischen Gang in der Abtei Heisterbach – ich hatte ihn erfunden – glaubte ich zumindest – dann in der „;Nachrecherche“ stelle ich fest – er wurde tatsächlich zwei Jahre zuvor entdeckt – und er sah auch noch genau so aus, wie ich ihn beschrieben hatte. Höhe, Länge und Abflussrinne sowie Material stimmten überein, wie mir der Landeskonservator in Bonn bestätigte.

Die Beschreibung des L-förmigen Arkadengangs auf der Festung von Chinon sowie die unterirdischen Katakomben waren zunächst eine reine Erfindung. Ich habe im Internet nach einer Bestätigung gesucht, aber keine gefunden. Im Sommer 2005 bin ich dorthin gefahren – und siehe da – auf einem Modell der ehemaligen Burganlage war alles exakt so vorhanden, wie ich es beschrieben hatte.

Ein krasses Erlebnis war der beschriebene Stromausfall. Ich hatte ihn im Mai 2004 in mein Manuskript aufgenommen – dort heißt es u.a. „;von Wittlich ausgehend …über ganz Luxemburg, Rheinland-Pfalz, Saarland und Teile von Frankreich entsteht ein überregionaler, gigantischer Stromausfall, nachdem die geheime Anlage der Amerikaner in Himmerod explodiert ist“. Ich muss dazu sagen, ich hatte schon damals eine gute Freundin, die für mich vorab lektoriert hat – sie kannte die Geschichte – und es gibt noch zwei recht erstaunte Zeugen, die bestätigen können, dass ich es VORHER geschrieben habe. In meiner Geschichte findet der Stromausfall im November 2004 statt.

Tatsache ist, dass Anfang September 2004 dann tatsächlich dort (von Wittlich ausgehend, wie die Radionachrichtensprecherin am gleichen Abend berichtete) ein länderübergreifender Stromausfall stattgefunden hat, der über Stunden in Millionen Haushalten bis nach Frankreich und Luxemburg das Licht ausgehen ließ. Erstaunlich ist zudem, dass die Stromkonzerne wie in meinem Buch keinen sichtbaren Grund dafür finden konnten …Noch seltsamer ist, dass ich erst vor kurzem eine Leserin meines Buches kennengelernt habe, die mir den offiziellen Schadensbericht des Strombetreibers zugemailt hat, indem sich diese Tatsache nochmals bestätigte.

Martina André

Phantastik-Couch.de: Das zweite Buch vor dem ersten? War die Zeit noch nicht reif für die Templer?

Martina André: Wenn es meinem Agenten nach gegangen wäre, könnte ich diese Frage bejahen. Doch nicht das Thema „;Templer“ war das Problem. Es war der Genre-Mix und die hohe Seitenzahl (950), die es einem Erstlingsautor bei fast allen Verlagen schwer machen.
Also bat man mich zunächst, ein anderes Buch zu schreiben. Nur 400 Seiten und es sollte etwas über Maria Magdalena im Stil von Dan Browns Sakrileg sein. Im ersten Moment war ich entmutigt, weil ich dachte, darüber ist doch schon alles geschrieben worden. Außerdem hatte ich für ein solches Buch kein Konzept in der Schublade. Doch es scheint durchaus üblich, dass man als ernst zu nehmende, zukünftige Autorin in einem solchen Fall innere und äußere Hürden zu überwinden hat. Die Verlage sind in der Regel daran interessiert, dass der oder die betreffende AutorIn auch zu weiteren Werken fähig ist.

Und so hatte ich drei Tage, nachdem mein Agent das Exposé unter dem Titel „;Die Gegenpäpstin“ angeboten hatte, einen entsprechenden Vertrag des AUFBAU-Verlages Berlin in der Tasche. Mit der Option, je nachdem wie die Sache ausgehen würde, zudem meine „;Templer“ dort veröffentlichen zu können.

Anfang Oktober 2007 war es dann endlich soweit. Nachdem „;Die Gegenpäpstin“ ein echter Überraschungserfolg geworden war, durften die „;Templer von Bar-sur-Aube“ unter dem Titel
„;Das Rätsel der Templer“ endlich die Bühne betreten. Dass der Termin der Veröffentlichung beinahe zeitgleich mit dem 13.10.2007 zusammenfiel – ein echtes Templerjubiläum – wenn auch ein düsteres – und der Vatikan sich ausgerechnet jetzt der längst fälligen Rehabilitation des Ordens widmete, war nicht geplant. Ich verbuche es unter all den merkwürdigen Zufällen, die bis dahin geschehen sind.

Phantastik-Couch.de: Und worauf dürfen sich die Leser als Nächstes freuen? Wieder eine Auftragsarbeit?

Martina André: Halb und halb. Eine eigene Idee, die den wohlwollenden Zuspruch des Verlagsleiters bei Rütten&Loenig gefunden hat. Wieder etwas Historisches, etwas Aktuelles und etwas Mystisches. Ich versuche, dem Ü-Ei treu zu bleiben. Mehr wird noch nicht verraten – nur, dass es nicht ganz alltäglich ist und arbeitsintensiver als gedacht.

Phantastik-Couch.de: Die Frage, die in den wenigsten Interviews mit Autoren fehlt: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Martina André: Wie die Jungfrau zum Kind. Ich lese gern, meist Bücher mit einem fantastischen Touch. Und so fielen mir vor etwa sieben Jahren zwei Bücher gleichzeitig in die Hände. Einmal „Feuer und Stein“ von Diana Gabaldon und „Timeline“ von Michael Crichton. Am liebsten wäre mir eine Mischung aus beidem gewesen. Anstatt zu nörgeln, dachte ich mir, wenn es ein solches Buch nicht gibt, musst Du es eben selbst einmal versuchen und das war der Startschuss zu meinem Autorinnendasein.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich schon in sehr jungen Jahren die Bücherregale meiner Eltern unsicher gemacht habe. Besonders erinnern kann ich mich noch an „Götter, Gräber und Gelehrte“ und an Paul Fischauers „Weltgeschichte in Romanen“ und da ganz besonders an „Rienzi“ von E.L. Bulwer. In der Geschichte gab es einen Ritter, der hieß Adrian di Castello – ich bin mir mittlerweile sicher, dass er die unterbewusste Vorlage für Gero von Breydenbach war.

Mit Sechzehn habe ich meinen ersten, abgeschlossenen Roman verfasst. Eine Science-Fiction Story. Wenn ich mich recht erinnere, war es eine amüsante Geschichte, ähnlich wie die von E.T., dem Außerirdischen. Allerdings dachte ich niemals daran, etwas zu veröffentlichen. Dass es beinahe dreißig Jahre später dann doch passiert ist, war eher ein Zufall und sicher auch eine gute Portion Glück.

Phantastik-Couch.de: Und welche Autoren findet man heute vor allem in deinem Bücherschrank?

Martina André: Mein absolutes Lieblingsbuch hat nichts mit History und Mystery zu tun – es ist von Elke Heidenreich und heißt „Kolonien der Liebe“ – neun ironische, zärtliche oder melancholische Kurzgeschichten über die Liebe in unserer Zeit, bei denen ich es schon als magisch empfinde, wie mich die einzelnen Handlungsverläufe zum Lachen und gleichzeitig zum Weinen bringen können.

Mein zweitliebstes Buch ist „Feuer und Stein“ von Diana Gabaldon. Darin steht für mich im Vordergrund, wie die Autorin es sprachlich schafft – ebenfalls in einer spannenden Zeitreisegeschichte – die Protagonisten und das 18. Jahrhundert so absolut echt wirken zu lassen, dass man noch während des Lesens meint, selbst am Geschehen teilzunehmen.

Mein drittliebstes Buch ist Ken Folletts „Die Säulen der Erde“. Es besticht durch einfache Sätze, die aufgrund ihrer Kombination eine gigantische Wirkung entfalten.

Es gibt aber noch unzählige andere Bücher (ich muss langsam schon wieder neue Regale anschaffen), wie Wilbur Smith, Kai Meyer, Andreas Eschbach und auch meine zahlreichen KollegInnen von der Autorenvereinigung „Quo Vadis“ nicht zu vergessen, die allesamt klasse Historienbücher schreiben.

Phantastik-Couch.de: Wie hat sich dein berufliches und privates Leben durch den Erfolg als Autorin verändert?

Martina André: Nicht sehr. Ich habe immer noch einen Hauptberuf und ich schreibe in meiner Freizeit. Beides empfinde ich als längst nicht so spektakulär, wie manche vielleicht meinen. Wenn man einmal davon absieht, dass ich durch die Veröffentlichungen natürlich etliche neue Kontakte gewonnen habe. Z. B. zu Leuten, die mir geschrieben haben, weil ihnen meine Bücher gefallen oder zu RedakteurInnen von Radio, Zeitschriften und Fernsehen, die gerne einen Bericht machen möchten.

„Sie sind ja auch nur ein Mensch“, schrieb mir vor Kurzem jemand in einer E-Mail, der einen Rat zum Thema „;Schreiben“ von mir wünschte.
„Da bestehe ich drauf“, habe ich geantwortet. Und dabei wird es auch bleiben. Ganz gleich, wie viele Bücher ich noch schreiben werde.

Phantastik-Couch.de: Vielen Dank dafür, dass du dir für unsere Leser Zeit genommen hast.

Das Interview führte Peter Kümmel