Interview mit Ralf Isau

„Ich bin ja Phantast – also kann ich mir eine Menge vorstellen“

Für Ralf Isau ist die Bibel das wichtigste Buch. Der gläubige Christ hat jedoch keine Probleme damit, in seinen Büchern Kirchenvertreter zu kritisieren und kontroverse Themen wie Intersexualität und Neokreationismus zu thematisieren. In seinem neuen Buch „Die Dunklen“, das Ende September 2007 erscheint, stellt er synästhetische Empfindungen, Geheimbünde und Verschwörungen in den Mittelpunkt. Und er zitiert Heinrich Heine, wenn er von der Kritik an seinen Büchern spricht.

Phantastik-Couch.de: Vor ein paar Jahren haben Sie sich den Traum vieler Menschen erfüllt, indem Sie ihren bürgerlichen Beruf an den Nagel gehängt haben und sich nun mit ihrem Hobby, Romane schreiben, ihren Lebensunterhalt verdienen. War das rückblickend betrachtet ein mutiger Schritt oder einfach nur das Resultat einer langen Entwicklung?

Ralf Isau: Der Übergang vom Hobby- zum Vollerwerbs-Schriftsteller war fließend. Schon 1996 hatte ich mich in meinem Informatikberuf selbständig gemacht, um mehr Freiraum für die Schriftstellerei zu finden. Dieser Schritt war mit dem Verzicht auf ein geregeltes Einkommen verbunden erforderte wohl genauso viel Mut wie die etwa sechs Jahre später umgesetzte Entscheidung, fortan nur noch von der Literatur zu leben. Die große Akzeptanz meiner Bücher, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Japan und in anderen Ländern half mir sicherlich dabei, diesen Schritt zu vollziehen.

Phantastik-Couch.de: Ihre erste Romanveröffentlichung „Der Drache Gertrud“ haben sie auch einer Begegnung mit Michael Ende zu verdanken. Glauben Sie, dass Sie auch ohne seine Starthilfe ähnlichen schnell als Autor erfolgreich gewesen wären?

Ralf Isau: Sicher nicht. Da hatte ich großes Glück gehabt. Allerdings erforderte es auch einigen Mut, auf den Großmeister der deutschen Phantastik zuzugehen, ihn anzusprechen und ihm meine Geschichte in die Handzudrücken. Übrigens geschah dies nicht in der Absicht, an einen Verlag weitervermittelt zu werden. Das ergab sich später ohne mein Zutun, weil Michael Ende meine Drachengeschichte gefiel und er sie an seinen Lektor weitergegeben hatte.

Phantastik-Couch.de: Welche Autoren lesen Sie selbst? Beeinflussen diese ihr Werk?

Ralf Isau: Das Spektrum der von mir gelesenen Autoren ist weit. Seit der Kindheit und Jugend habe ich verschiedene Lesephasen durchlebt. Da gab es die Mickey-Mouse- und Donald-Duck-Zeit. Auch Superman, Asterix und Perry Rhodan habe ich nicht verpönt. Aber am wichtigsten sind natürlich die Bücher. Klar, dass ich auch Karl May verschlungen habe – nach 25 Bänden war allerdings Schluss. Bald fing ich an, mich für phantastische Literatur zu begeistern. Der Herr der Ringe, Die Unendliche Geschichte, Momo, die »Belgarion«- und die »Maloreon«-Saga von David Eddings. Aber auch Fabeln wie »Unten am Fluss« von Richard Adams oder »Der Stein von Duncton« von William Horwood haben mich begeistert. Es gibt für mich weder ein absolutes Lieblingsbuch noch einen solchen Autor. Ich lese, was mir gefällt. Und da gibt es einiges. Heute ist natürlich auch eine Menge Fach- und Sachliteratur darunter, da ich für meine Romane enorm viel recherchiere. In der knappen freien Zeit darf’s dann auch mal ein Schmöker à la Dan Brown oder Tom Clancy sein. Derzeit lese ich – quasi als literarischen Snack zwischendurch – die Schachnovelle von Stefan Zweig.

Phantastik-Couch.de: Sie haben ihre Schriftstellerkarriere mit Kinder- und Jugendliteratur begonnen. Wie muss ihrer Meinung nach ein Roman beschaffen sein, um die Kids von der Spiele-Konsole weg zu locken?

Ralf Isau

Ralf Isau, geboren am 1. November 1956 in Berlin, lebt mit seiner Familie in Stuttgart und ist mittlerweile ein sehr populärer deutscher Fantasy-und Kinderbuch-Autor.

Ralf Isau: Spannend. Das ist das A und O. Junge Leser schmeißen viel eher ein langweiliges Buch in die Ecke als Erwachsene. Für mich gehört immer auch eine Prise Phantastik dazu. Der Leser identifiziert sich zudem gerne mit dem Helden oder der Heldin. Der Protagonist muss das dazu nötige Potenzial bieten.

Phantastik-Couch.de: Sind auch Sie ein „Harry Potter“-Fan? Was macht diese Serie ihrer Kollegin J.K. Rowling so erfolgreich?

Ralf Isau: Nein. Ich habe den ersten Band gelesen und das hat mir genügt. Auch Frau Rowling hatte Glück.  Die Mischung aus Zauberei und einem Waisenjungen, der ein Internat besucht, traf genau den Zeitgeschmack der Leserschaft. Nicht von ungefähr gehört zu meinen erfolgreichsten Werken die – lange vor Potter geschriebene – Neschan-Trilogie: Der Held hat eine besondere Gabe und lebt in einem Internat. Natürlich wäre es zu einfach, den Erfolg eines Buches auf diese Ingredienzien zu reduzieren – sonst könnte ja jeder einen Megaseller schreiben. Zumindest glaube ich, die Pottermania hat absatzsteigernde Auswirkungen auf den gesamten Jugendbuchmarkt gehabt. Nun greifen auch Kids zu Büchern, die diese Art Unterhaltung bisher verschmäht haben. Vielen Dank dafür an Frau Rowling.

Phantastik-Couch.de: Die „Herr der Ringe“ Filme„ und die “Potter-Manie"  haben der phantastischen Literatur einen Erfolgsschub beschert. Wie beurteilen Sie die Zukunft und die Qualität der aktuellen deutschsprachigen Phantastik?

Ralf Isau: Ich will mich nicht erkühnen, das beurteilen zu können. Dazu müsste ich ja einen Großteil der Bücher gelesen haben, was nicht der Fall ist. Aus Gesprächen mit Kollegen höre ich nur immer wieder, dass ein Großteil der heutigen Fantasie epigonal sei, also ein wenig qualitätvoller Abklatsch der Klassiker. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, dass etliche Buchhändler die Augen verdrehen, wenn sie das Wort »Fantasy« hören – sie haben einfach schon zu viel Schlechtes gelesen, um sich für diese Literaturform noch begeistern zu können. Als Folge davon lehnen sie gleich alles ab, was in das Genre der Phantastik fällt. Das Phänomen der Mittelmäßigkeit beschränkt sich übrigens nicht allein auf deutsche Phantastik. Das finde ich schade, denn es gibt ohne Frage in Deutschland wie auch anderswo unter den Autoren und ihren Werken würdige Vertreter der Literaturgattung.

Phantastik-Couch.de: Woher nehmen Sie die Themen für ihre Bücher? Wie wird aus einer Idee die Grundlage für einen Roman?

Ralf Isau: Meine Ideen nehme ich aus der Welt, in der ich lebe. Man muss nur die Augen aufsperren und sieht mehr Wunder als man für möglich hält. Was dann noch hinzukommt, ist meine Fantasie. Die beiden Komponenten ergeben dann die explosive Mischung, aus der meine »Phantastik-Feuerwerke« aufsteigen. Die Einfälle kommen mir, wo ich gehe, stehe oder liege. Manchmal sogar in der Badewanne. Sie sind meistens am Anfang ganz klein und fangen dann in meinem Kopf an zu wachsen wie eine Zwiebel: Schicht um Schicht, bis ich sie ernten kann.

Phantastik-Couch.de: Ihr vorletzter Roman „Die Galerie der Lügen“ hat ein geteiltes Echo hervorgerufen, viele waren begeistert, es gab aber auch harte Kritik. Wie gehen Sie damit um?

Ralf Isau: Bezug nehmend auf Lord Byron schrieb einmal Heinrich Heine: »Dem Talent wird schon nachgerade verziehen, aber gegen das Genie ist man unerbittlich!« Nun bin ich weit davon entfernt, ein Genie zu sein, aber eine Person erfährt umso mehr Kritik, je etablierter sie in ihrem Metier ist. In dieser Disziplin sind wir Deutschen, glaube ich, Weltmeister: Einerseits prahlen wir mit unseren Leistungsträgern in Kunst, Sport und Wissenschaft, andererseits lassen wir kein gutes Haar an ihnen. Wer sich mit seiner Arbeit an die Öffentlichkeit wagt, der muss auch Kritik einstecken können. Als ich Die Galerie der Lügen schrieb, wusste ich von vornherein, dass dieses Buch die Leserschaft polarisieren wird. In der Geschichte geht es ja schließlich darum, aufzuzeigen, wie in Fragen, die eigentlich nur mit sachlichen Argumenten geführt werden sollten, in beiden Lagern polemisiert, indoktriniert und diffamiert wird. Obwohl ich für den Roman enorm viel Zustimmung erfahren habe, mussten sich zwangsläufig auch jene zu Worte melden, die anderen Meinungen als den eigenen auf Gedeih und Verderb kein Forum bieten wollen. Insofern haben diese Kritiker zur Bestätigung dessen beigetragen, was der Roman beschreibt.

Phantastik-Couch.de: „Die Galerie der Lügen“ beschäftigt sich mit der Lebenssituation der Intersexuellen. Ihrer Darstellung im Roman haftet allerdings etwas Artifizielles an. Denken Sie nicht, dass diese Darstellung im negativen Sinne missverstanden werden könnte?

Ralf Isau: Artifiziell? Diese Einschätzung höre ich heute zum ersten Mal. Die Intersexuellen empfinden das offenbar nicht so. Ich habe, während ich an dem Buch arbeitete, mit einigen Intersexuellen Kontakt aufgenommen und mich mit ihnen ausgetauscht. Auch nachher habe ich aus ihren Reihen eine Menge Zustimmung erfahren. Viele Situationen aus dem Roman sind aus wahren Lebenserfahrungen intersexueller Menschen entnommen, sind also alles andere als künstlich. Das mag dem Leser nur so erscheinen, weil wir eben gewohnt sind, zweigeschlechtlich zu denken. Die Gefühle und Gedanken eines Hermaphroditen nachzuempfinden, ist für Nichtbetroffene naturgemäß ziemlich schwer. Heute wird ein brisantes Thema aus lauter Angst, gegen die Political Correctness zu verstoßen bisweilen gar nicht erst angesprochen. In diese Falle wollte ich nicht tappen. Sicher, der Roman ist ein Buch, über das man kontrovers diskutieren kann, aber ist das nicht allemal besser als eines, das im Windkanal der Angepasstheit geglättet wurde? Nicht von ungefähr endet der Roman mit einem Zitat von Friedrich Hebbel: »Es ist jedenfalls besser, ein eckiges Etwas zu sein, als ein rundes Nichts.«

Phantastik-Couch.de: Ihr neuer Roman „Die Dunklen“ verarbeitet wieder ein breites Themenspektrum, wie z. B. das physiologische Phänomen der Synästhesie oder die Lebensgeschichte des Musikers Franz Liszt. Wie lange haben sie für den Roman recherchiert?

Ralf Isau: Alles begann im Februar 2003, als ich eine Fernsehreportage zum Thema »Synästhesie – Wenn die Sinne sich vermischen« gesehen habe. Dabei hat es in meinem Kopf klick! gemacht. Von diesem Zeitpunkt an habe ich Material gesammelt: über die Menschen, die bei einem Sinnesreiz gleich mehrere Sinneseindrücke haben, die also beispielsweise Musik sehen können; über außergewöhnliche Musikinstrumente; über die Freimaurer; über das faszinierende Leben von des Klaviervirtuosen und Komponisten Franz Liszt und, und, und. Zu den Recherchen gehörten auch Reisen nach Weimar oder nach Zürich, wo an der Universität über Synästhesie geforscht wird. Schon früher hatte ich andere Orte der Handlung besucht, etwa Paris, Rom, Kopenhagen oder Budapest, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Dunklen ist bisher das Romanprojekt, für das ich die umfangreichsten Recherchen durchgeführt habe.

Phantastik-Couch.de: Die Musik steht  als ein Machtinstrument, das den Geist beeinflussen kann, im Mittelpunkt des Romans „Die Dunklen“. Welche Musik hören Sie gern und was vermag sie bei Ihnen auszulösen?

Ralf Isau: Je nach Lust und Laune höre ich Pop, Rock oder auch Klassik. Da ist es vorzugsweise die romantische Instrumentalmusik: Chopin, Debussy, Tschaikowsky usw. Wie schon in meiner zuvor über meine Lektüre gegebenen Antwort habe ich auch in der Musik nicht den absoluten Lieblingsinterpreten oder -komponisten. Ich suche mir aus jeder Richtung das Beste heraus.

Phantastik-Couch.de: Es gibt im Buch auch einen Hinweis darauf, dass im Wahlkampf des russischen Präsidenten Putin Musik gezielt als manipulatives Element in TV-Spots eingesetzt wurde. Halten Sie es für möglich, dass die Parteien der deutschen Kanzler Schröder oder Merkel auch zu solchen Mitteln greifen?

Ralf Isau: Die Grenze zwischen psychologisch ausgeklügelten Werbemethoden und unterschwelliger Beeinflussung ist fließend. Tatsache ist, dass die Parteien heute mehr Kraft und Geld darin investieren, den Wähler – ich sag’s mal ganz salopp – »herumzukriegen« als ihn tatsächlich programmatisch zu überzeugen. Das liegt sicher zum Teil auch an unseren Konsumgewohnheiten. Viele wollen gar kein Parteiprogramm in die Hand nehmen. Die Zapper-Generation ist es gewohnt, kleinste Informationsschnipsel zu verarbeiten. Doch zur Manipulation gehören immer zwei. Das habe ich in allen meinen Romanen, etwa schon im Netz der Schattenspiele, immer wieder betont. Man kann seinen Geist auch gegen Beeinflussung wappnen, das bedeutet allerdings aktive Auseinandersetzung mit Inhalten und Werten und eine eigene feste Positionsbestimmung in unserer verwirrend schnelllebigen Welt. Viel interessanter als die Frage, wie weit Politiker mit sublimer Wahlkampfwerbung gehen, ist für mich daher die Frage, wie wir uns vor suggestiver Beeinflussung schützen. Gilt das Selberdenken in breiten Bevölkerungsschichten heute noch als erstrebenswert oder haben wir uns längst angewöhnt, Meinungen überzustreifen wie die neueste Mode von Adidas, Puma, Gucci oder Versace?

Phantastik-Couch.de: Synästhesie soll, mal mehr, mal weniger, bei allen Menschen ausgeprägt sein. Sind Sie auch ein „Synnie“ oder wären Sie gern einer?

Ralf Isau: Bei mir gibt es höchstens die literarische Synästhesie: Ich verbinde Worte mit Bildern, manchmal mit Farben, Klängen und Formen.

Phantastik-Couch.de: „Die Dunklen“ ist auch ein Roman über Geheimbünde und Verschwörungstheorien. Haben Dan Brown und seine „Illuminati“ ein wenig Pate gestanden?

Ralf Isau: Bereits im Romanzyklus Der Kreis der Dämmerung – lange vor dem Dan-Brown-Hype – habe ich mich mit dem gleichnamigen Geheimbund befasst, der ja auch ein kurzes Comeback in meinem neuesten Werk feiert. Verschwörungsgeschichten haben Literaten zu allen Zeiten fasziniert und wesentliches Element solcher Plots sind eben immer wieder auch Geheimbünde. Insofern folge ich einer langen Tradition, der sich auch Kollegen wie der von Ihnen genannte angeschlossen haben.

Phantastik-Couch.de: Wie in vielen Ihrer Bücher geht es auch in „Die Dunklen“ um Kirche und Religionsgeschichte. Was bedeuten Ihnen Religion und Glaube?

Ralf Isau: Ich bin gläubiger Christ. Die Bibel ist für mich nach wie vor das bedeutendste Buch der Literaturgeschichte. Allerdings wurde im Namen der Religion, auch des christlichen Glaubens, immer wieder viel Unheil angerichtet. Das berührt mich zutiefst, weshalb auch in meinen Büchern immer wieder religiöse Fragen reflektiert werden. Einige Religionsvertreter schneiden in meinen Büchern nicht sonderlich gut ab, andere sind wahre Helden. Es kommt also immer noch darauf an, was der Einzelne aus seinen Überzeugungen macht. Und da sind wir wieder beim Thema: dem Selberdenken.

Phantastik-Couch.de: Zurzeit werden viele Fantasy-Werke verfilmt, demnächst kommt „Der Goldene Kompass“ von Philip Pullman in die Kinos. Könnten Sie sich vorstellen, dass mal eines ihrer Werke verfilmt wird? Stünden Sie für einen Cameo-Auftritt zur Verfügung oder würden Sie eine kleine Rolle übernehmen wollen?

Ralf Isau: Ich bin ja Phantast – also kann ich mir eine Menge vorstellen. Es hat tatsächlich schon einige Anfragen gegeben, die Neschan-Trilogie oder Das Museum der gestohlenen Erinnerungen zu verfilmen. In der Schule war ich in einer Laienspielgruppe. Warum also nicht à la Alfred Hitchcock einmal selbst kurz durchs Bild laufen? Das hinge sicherlich von der Umsetzung des Stoffes ab.

Phantastik-Couch.de: Ihre Bücher werden in viele Sprachen übersetzt, einige sogar auf Japanisch. Bemerken Sie Unterschiede bei den Leser-Reaktionen aus anderen Kulturkreisen im Vergleich zu denen der deutschen Fans?

Ralf Isau: Ja. In Japan, wo tatsächlich ein Großteil meiner Titel erscheinen, kann der Stoff gar nicht fantastisch genug sein. Aber auch die Vermittlung von Werten wird gerade in der Jugendliteratur dort noch mehr geschätzt als in unserem Kulturkreis. In Deutschland wird viel eher vom erhobenen Zeigefinger gesprochen als in Fernost. In einer hierzulande bisher nicht erschienen Kindergeschichte von mir, sagt ein kleiner Rabe: »Vielleicht ist es gar nicht so wichtig, ob einer krächzt, kräht, grinst, trompetet, lächelt, gluckst, gickelt, gackert, kikeriki! macht oder schallend lacht. Hauptsache er ist glücklich und froh.« Dieser Appell an die Toleranz, an das Recht auf kulturelle und individuelle Eigenständigkeit erschien dem deutschen Verlag zu moralinsauer. In Japan hat man die Geschichte mit Begeisterung unter Vertrag genommen.

Phantastik-Couch.de: Woran arbeiten Sie im Moment und wann können wir ein neues Werk erwarten?

Ralf Isau: Das Romanprojekt heißt: »Minik – An den Quellen der Nacht«. Darin geht es um Minik, einen jungen Inuk (»Eskimo«), der mit seinem Vater und Freunden 1896 von dem Polarforscher Robert E. Peary nach New York gebracht wurde. Dort wurden die Inuit gegen Eintrittsgeld wie exotische Tiere dem Publikum vorgeführt und lebten einige Zeit im Keller des Naturkundemuseums. Die meisten Nordländer starben jedoch binnen kurzer Zeit an den Keimen, gegen die ihr Immunsystem keine Abwehrkräfte besaß. Minik wurde in die Familie eines Museumsmitarbeiters aufgenommen und wuchs scheinbar zu einem normalen amerikanischen Jungen heran. Bis er entdeckte, dass im Museum das Skelett seines Vaters ausgestellt wird. Von da an wollte Minik nach Grönland zurück. Der Roman ist keine Fantasy, aber wie viele andere meiner Romane eine packende Lebensgeschichte von einem Grenzgänger, von einem Wanderer zwischen den Welten. Und das Erstaunliche daran ist eben: Minik hat vor noch gar nicht so langer Zeit tatsächlich gelebt.

Phantastik-Couch.de: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Isau!

Ralf Isau: Ich habe zu danken. Herzliche Grüße auch an Ihre Leser.

Eva Bergschneider und Frank Dudley führten dieses Interview