Interview Stephan Russbült

„Mein großes Charaktervorbild ist und bleibt Thorin Eichenschild.“

Auf der diesjährigen Role Play Convention in Köln sprach Stephan Russbült nach seiner Lesung aus „Dämonengold“ und „Dämonenzeit“ mit uns. Der Autor, der selbst aktiver Rollenspieler ist, erzählte uns, was dieses Hobby mit seiner schriftstellerischen Arbeit verbindet, warum seine Figuren stets Ecken und Kanten haben und woher sein typischer trockener Humor kommt.

Phantastik-Couch.de: Wir kommen gerade aus Deiner Lesung im Rahmen der Role Play Convention zu Deinem aktuellen Roman „Dämonenzeit“ und dem Vorgängerroman „Dämonengold“. Wie wählst du eigentlich die Stellen aus, die Du Deinem Publikum präsentierst?

Stephan Russbült: Ich habe es ja eben schon während der Lesung erzählt. Da man mich nicht für besonders feinfühlig hält, suche ich mir ein Dutzend Stellen aus und präsentiere die meiner Frau. Sie ist Lehrerin und kann mir daher sagen, was gut herüber kommt und was passt, je nach Publikum. Man muss natürlich immer unterscheiden, ob man in einer geschlossenen Gesellschaft liest, oder wie hier auf einer Messe, wo auch viele Kinder zuhören. In der Hinsicht muss man darauf achten, dass die richtigen Stellen gelesen werden und meine Frau berät mich da immer ganz gut.

Phantastik-Couch.de: Wie ist diese skurrile Figur des Kriegerdämon Baazlabeth entstanden, der einerseits archetypisch und brutal ist, aber eben auch so witzig ist, dass man sich als Leser ein Stück weit mit ihr identifiziert?

Stephan Russbült: Der Humor kommt einfach durch die Geschichte selbst. Der Dämon ist eigentlich ein recht typischer Dämon, wie ihn sich alle vorstellen, mit Hörnern,Hufen und einem Riesenmaul mit scharfen Zähnen. Die Grundidee des Buches hat ihn einfach witzig werden lassen. Denn dadurch das er auf ehrliche Art und Weise Geld verdienen muss, stampft er natürlich ständig in irgendwelche Fettnäpfchen. Einerseits macht das die Figur witzig und andererseits die Tatsache, das er sich nicht verbiegen lässt. Es wird oft kritisiert, dass sich der Charakter Baazlabeth in den Büchern nicht weiter entwickelt. Genau das ist aber der Grundgedanke. Ich schreibe auch über Charaktere, die sich weiterentwickeln, aber bei Baazlabeth ist es nicht angedacht. Das wäre untypisch für ihn, ich glaube, dann würde er viel an Authentizität verlieren. Schließlich stellt er in den Büchern die Sünde Hochmut dar. Es wäre unglaubwürdig, wenn er sich von ein paar, aus seiner Sicht, Primaten verbiegen lassen würde.

Phantastik-Couch.de: Eine andere, so weit ich weiß in der Fantasy-Literatur einmalige Figur ist der Sagant oder (Halb-)Satyr Laferus in „Laferus-Zwei Hufe für eine Mahlzeit“. Wie kam es zu diesem Buch und zur Zusammenarbeit mit dem Verleger Ulrich Burger?

Stephan Russbült

Stephan Russbült: Zu meiner ersten Zusammenarbeit mit Ulrich Burger kam es durch das Kochbuch „Die Köche-Biss zum Mittagessen“. Dafür habe ich einen Beitrag geschrieben und ein Kochrezept beigesteuert. Im Rahmen dieses Projekts hat Ulrich Burger einen Autor gesucht, der die Geschichte dieses Kochs weitererzählt. Dafür habe ich mich zur Verfügung gestellt, weil mir einiges dazu einfiel. Ulrich Burger gab mir dann gewisse Vorgaben, z.B. die Figur des Satyr Laferus und wie sich die Geschichte ungefähr entwickeln sollte.

Phantastik-Couch.de: Stephan, es fällt auf, dass die Protagonisten Deiner Romane immer zu den, zumindest in der Vorstellung der meisten Leser, weniger heldentauglichen Rassen, wie Oger, Satyrn oder eben Dämonen gehören. Was fasziniert Dich ausgerechnet an diesen Figuren?

Stephan Russbült: Das Prinzip des Antihelden. Das ist für mich das entscheidendste und beste an solchen Figuren. Und das man nicht in die Fußstapfen derer tritt, die schon alles ausgelatscht haben.

Phantastik-Couch.de: Du bist ja auch aktiver Rollenspieler, von daher ist die Role Play Convention Dein Event. Bevorzugst Du auch im Rollenspiel Figuren dieser Art?

Stephan Russbült: Nein, beim Rollenspiel bin ich grundsätzlich Spielleiter. Und wenn ich tatsächlich mal zu einem eigenen Helden greife, spiele ich meistens einen Zwerg. Markus Heitz mag es mir verzeihen, aber mein großes Charaktervorbild ist und bleibt Thorin Eichenschild.

Phantastik-Couch.de: Welche Variante des Rollenspiels machst du eigentlich? LARP, Pen&Paper oder Computer-RP? Welche Rollenspiele hast Du schon gespielt?

Stephan Russbült: Nur Pen&Paper. Im Grunde genommen ausschließlich D&D (Dungeons and Dragons). Wir gucken uns gerade Pathfinder an, ob das etwas ist, aber ich glaube, wir werden bei der D&D Variante bleiben.

Phantastik-Couch.de: Bist auch du, wie so viele deutsche Fantasy-Autoren, über dieses Hobby zur Fantasy-Schriftstellerei gekommen?

Stephan Russbült: Klar könnte ich behaupten, ich sei durch das Rollenspiel zum Schreiben gekommen bin, vielleicht war das aber auch komplett unabhängig davon Es ist eher so, dass der Bezug zur Fantasy durch das Rollenspiel entstanden ist. Geschrieben habe ich schon immer gern, Geschichten erzählt habe ich auch schon immer, das kann meine Mutter bestätigen. Aber das Rollenspiel macht es um einiges einfacher, sich in die Fantasywelt einzuleben und darüber zu schreiben. Das Rollenspiel bringt eben ein großes Wissen an Magie, Ungeheuern, Waffen etc. mit sich und schränkt den Aufwand an Recherchearbeit stark ein. Ich muss eben gar nicht mehr nachlesen, wenn ich über Goblins, Oger und Trolle schreiben will. Das Wissen ist schon da.

Phantastik-Couch.de: Wie kamst Du schließlich zu Deiner ersten Romanveröffentlichung „Die Oger“?

Stephan Russbült: „Die Oger“ habe ich angefangen zu schreiben, als gerade „Die Orks“ von Stan Nicholls heraus kamen. Da dachte ich mir, wenn der über Orks schreibt, da kann ich doch drüber. Ich kann Figuren noch größer, noch brutaler und noch hässlicher machen. Und so habe ich dann über Oger geschrieben. Der Roman war 2006 fertig und 2007 habe ich ihn bei der Literaturagentur Schmidt und Abrahams eingereicht. Irgendwann meldeten die sich und sagten, der Bastei-Lübbe Verlag würde sich für den Roman interessieren. So ist das entstanden und schließlich wurden drei Romane daraus.

Phantastik-Couch.de: Deine Romane zeichnet ein besonders trockener Humor aus. Würdest Du sagen, dass der Dir als gebürtigen Friesen in die Wiege gelegt worden ist?

Stephan Russbült: Ja, auf jeden Fall. Trockener Humor liegt mir, glaube ich. Der kommt von meiner Mutter. Mein Vater war Berliner und meine Mutter kommt gebürtig aus Schleswig-Holstein und von ihr habe ich das. Mit ihren 86 Jahren sagt sie heute noch manchmal Dinge, über die ich regelrecht geschockt bin. Und so gehört das auch bei mir einfach unweigerlich dazu.

Phantastik-Couch.de: Ich habe gelesen, das mit „Dämonenzeit“ diese Reihe schon zu Ende geht? Warum brichst du aus dem derzeit bevorzugten Fantasy-Serienformat, der Trilogie, aus?

Stephan Russbült: Einfach weil die Geschichte zu Ende erzählt ist. Ich werde vielleicht auch einmal einen einzelnen Roman heraus bringen, wo es keinen Nachfolger gibt. Ist eine ganz spannende Sache, habe ich gehört.

Phantastik-Couch.de: Was können wir denn als nächstes von Dir lesen?

Stephan Russbült: Das darf ich bestimmt noch nicht sagen
(Der anwesende Bastei-Lübbe Lektor Ruggero Leò signalisiert, das er doch darf).
Als nächstes kommt von mir eine Kurzgeschichte über Hobbits oder Halblinge. Sie ist 80 Seiten lang und mein Beitrag zu einer Anthologie, die bei Bastei-Lübbe erscheint. Danach folgen zwei größere Projekte in 2013. In beiden wird es wie immer um Helden gehen, die ein paar Ecken und Kanten mehr haben, als gewöhnlich.

Phantastik-Couch.de: Werden die folgenden Bücher wieder bei Bastei-Lübbe erscheinen oder bist Du in Bezug auf Verlage mehrgleisig aufgestellt?

Stephan Russbült: Nein, ich werde weiterhin bei Bastei-Lübbe veröffentlichen, weil ich mich dort wohl behütet und gut aufgehoben finde. Ich bin sozusagen ein Verlagsauthist. Wenn ich jetzt noch für einen anderen Verlag schreiben würde, hätte ich die Befürchtung, den Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden. Schließlich sollen die Geschichten und der Spaß am Schreiben nicht unter zu vielen Verpflichtungen leiden.

Phantastik-Couch.de: Ist für Deine schriftstellerische Arbeit auch mal ein Genrewechsel zum Beispiel zur Urban Fantasy oder zu einem ganz anderem Genre denkbar? Gibt es schon Ideen?

Stephan Russbült: Ja, die Idee dazu existiert. An der Umsetzung hapert es leider noch etwas. Im Moment fühle ich mich in der reinen Fantasy, im High-Fantasy-Genre noch so wohl, dass ich dort erst einmal weiter mache.

Phantastik-Couch.de: Wie stehst Du eigentlich zum Thema „selfmade“ ebook Publikationen z.B. bei amazon? Wie beurteilst Du die Gefahr, dass gute Werke in zu vielen unlektorierten Machwerken untergehen könnten?

Stephan Russbült: Nein, das glaube ich nicht. Es ist eben so, dass komplett lektorierte Bücher mit einem Buchcover, die in den Handel gebracht wurden, eben ihren Preis haben. Aber ich will nicht abstreiten, dass Bücher, die im Selbstverlag als ebook erscheinen, gute Ideen haben und lesenswert sind. Das hängt natürlich von dem Autor ab, wie er dazu steht. Ich würde auch Bücher aus einem Selbstverlag lesen. Wenn die Geschichte gut ist und mich fesselt, warum nicht? Das Problem das man als Autor hat ist nur, um ein breiteres Publikum zu erreichen, braucht man doch einen Verlag, der das Buch publik macht. Ich könnte natürlich auch eigene Sachen kostenlos bei torrent ins Netz stellen oder sie über Books on demand vertreiben. Da bekäme ich dann 150 Downloads oder ein paar Euros und das wäre es. Man bekommt als Autor auf diesem Weg auch zu wenig Feedback. Man muss einfach sehen und abwarten, wie sich das entwickelt.

Phantastik-Couch.de: Was wirst Du Dir hier auf der Role Play Convention noch ansehen?

Stephan Russbült: Alles. Ich muss für meinen großen Jungen noch zwei mal Darth Vader fotografieren, und ich wollte auch noch einen Söldner fotografieren. Es sind neue D&D Sachen und andere Rollenspiele herausgekommen, das wollte ich mir noch ansehen. Und was mich besonders interessiert, sind so Dungeon Tiles und andere Rollenspielhilfsmittel zur Visualisierung, die man aufstellen kann. Da müssen wir noch gucken, wo wir die finden.

Phantastik-Couch.de: Stephan, DANKE erstmal, dass Du bereit warst, uns hier ein Interview zu geben und noch viel Spaß auf der Role Play Convention.

Das Interview führte Eva Bergschneider
Foto: Eva Bergschneider