Interview mit Victoria Schlederer

Des Teufels Maskerade ist ein bisschen eine augenzwinkernde Hommage...“

...an die frühe deutschsprachige phantastische Literatur und verneigt sich damit zwar nicht vor spezifischen Werken, wohl aber vor dem Genre und der Zeit an sich.

Phantastik-Couch.de: Hallo Victoria, zuerst einmal herzlichen Dank, dass Du Dich zu einem Interview bereit erklärt hast. Und natürlich herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Heyne-Wettbewerbs: „Schreiben Sie einen magischen Bestseller“. Erste Frage, natürlich zum Finale des Wettbewerbs: Wie war es, zu erfahren, eine der fünf Finalisten und Finalistinnen des Wettbewerbes zu sein – und dann schließlich das Finale für Dich zu entscheiden?

Victoria Schlederer: Zunächst ein bisschen unwirklich. Als beim Finale bei der Buchmesse zum Schluss nur noch ich und der erste Platz übrig waren, muss ich zu meiner Schande gestehen, dass es ein paar äußerst schräge Sekunden gedauert hat, bis ich begriffen habe, was das nun eigentlich bedeutet. Aber der Schockzustand ging ziemlich rasch und nahtlos in unverschämte Freude über!

Phantastik-Couch.de: Die Geschichte spielt im „Goldenen Prag“ der K&K-Monarchie – auch nicht unbedingt die offensichtlichste Wahl eines Handlungsortes, selbst wenn man von der Geschichtsträchtigkeit der Stadt (bis hin zu Rabbi Loews „Golem“) absieht. Warum gerade Prag – und warum diese Zeit?

Victoria Schlederer: Vielleicht ist Prag, aus dem Blickwinkel der heutigen, deutschsprachigen Fantasy-Literatur, kein sonderlich offensichtlicher Schauplatz. Aber wenn man ein bisschen zurückgeht in die Entwicklung der phantastischen Literatur, kann man eine ganze Reihe von Werken und Autoren, von Kafka über Meyrink bis Perutz, finden, die Prag (nicht ausschließlich als Handlungsort) eine zentrale Rolle beimessen. Aber auch unabhängig von der Literatur hat eine große Tradition der Mythen, Sagen, Geheimnisse: alleine schon die Vielzahl der Legenden, die sich um Kaiser Rudolf und seinen Hof ranken! Und schlussendlich kommt natürlich auch meine ganz persönliche Begeisterung für die Stadt, und ihre Geschichte hinzu. Pathetisch gesprochen war es Liebe auf den ersten Blick, als ich vor etlichen Jahren zum ersten Mal nach Prag kam.

Für die Zeit war zunächst vornehmlich mein persönliches Interesse für die letzten beiden Jahrzehnte der K&K Monarchie ausschlaggebend. Kultur und Politik etwa des „fin de siècle“ haben mich schon lange fasziniert.

Phantastik-Couch.de: Bernhard Hennen hat beim Finale zugegeben, dass er sich beim Lesen Deines (noch anonymisierten) Manuskriptauszuges einen „40jährigen Bohemien“ als Autor vorgestellt hat – was neben dem Setting sicherlich vor allem an der verwendeten Sprache und dem Schreibstil liegt. Hast Du diesen Stil extra für den Roman trainiert?

Victoria Schlederer

Victoria Schlederer: Trainiert – nein; allerdings habe ich, schon bevor ich mit der Arbeit an dem Roman begann, etliches aus jener Zeit gelesen, und mich selbstverständlich an damals üblichen Sprachgebrauch und Erzählstilen orientiert. Aber im Grunde hatten, als ich an „Des Teufels Maskerade“ zu schreiben begann, noch ohne konkret zu wissen, wie sich die Geschichte überhaupt entwickeln würde, die Figuren schon ihre eigenen „Stimmen“ und Arten, Sprache zu verwenden. Das galt insbesondere für den Erzähler, welcher übrigens tatsächlich ein 40-jähriger Bohemien ist. Abgesehen davon gefällt es mir auch, mich „im privaten“ etwas antiquierter Sprache zu bedienen.

Phantastik-Couch.de: Wie lange hast Du (bisher, Du bist ja immerhin jetzt noch mit der Bearbeitung der Endfassung beschäftigt) an Deinem Manuskript gearbeitet?

Victoria Schlederer: So genau kann ich das gar nicht sagen. Begonnen habe ich mit dem Roman schon vor ungefähr zwei Jahren – allerdings immer wieder mit längeren Unterbrechungen. Hinzu kommt, dass „Des Teufels Maskerade“ aufgrund des Settings von Anfang an ein ziemlich rechercheaufwändiges Projekt war.

Phantastik-Couch.de: Die Jury betonte die detailreiche, farbige Schilderung deiner Handlungsorte – wie viel Zeit hast Du auf Recherche verwandt, wie hoch war überhaupt der Rechercheaufwand für Deine Arbeit?

Victoria Schlederer: Wie schon angedeutet, hoch. Was aber auch daran liegen mag, dass ich zur Detailversessenheit neige. Um für mich persönlich das Flair der Epoche greifbarer zu machen, habe ich gerade in der Anfangsphase etliches recherchiert, dass schlussendlich (wenn überhaupt) nur am Rande im eigentlichen Text des Romans Erwähnung findet.

Phantastik-Couch.de: Hast Du literarische Vorbilder? Was – oder wen – liest Du selbst?

Victoria Schlederer: Vorbilder – da schwingt für mich ein bisschen die Implikation von (versuchter) Imitation mit, und das versuche ich im Allgemeinen zu vermeiden. Im konkreten ist „Des Teufels Maskerade“, ein bisschen eine augenzwinkernde Hommage an die frühe deutschsprachige phantastische Literatur und verneigt sich damit zwar nicht vor spezifischen Werken, wohl aber vor dem Genre und der Zeit an sich.

Ich persönlich lese so breit gefächert, dass ich mich nicht einmal so recht auf Lieblingsgenres festlegen kann, und die Liste der LieblingsautorInnen ist endlos (von Paul Auster bis Oscar Wilde, und dass ich mich nur sehr kurzfristig für Zola interessieren konnte, rächt sich jetzt und verkürzt mir meine A bis Z Liste ein bisschen).

Phantastik-Couch.de: Noch mal zu Dir persönlich: Wie empfindest Du Deinen Einstieg in die professionelle Autorenwelt jetzt, mit einigen Tagen Abstand? Was hat sich für Dich geändert? Was wird sich jetzt ändern?

Victoria Schlederer: Vor allem hat sich die Gewichtung der Wertigkeiten in meinem Leben geändert. Bisher war zu Schreiben ein großartiges, mir überaus wichtiges Hobby, das immer wieder hinter Studium und Jobs zurückstecken musste. Dass jetzt der Arbeit an „Des Teufels Maskerade“ Priorität zukommt, ist eine erfrischende Veränderung.

Phantastik-Couch.de: Herzlichen Dank für dieses Interview.

Dieses Interview führte Tom Orgel.