Mein fahler Freund von Isaac Marion

Buchvorstellung und Rezension

  • Fantasy
  • Science-Fiction
  • Horror
  • Mystery

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Warm Bodies, deutsche Ausgabe erstmals 2011 , 298 Seiten. ISBN 3-608-93914-8. Übersetzung ins Deutsche von Daniel Sundermann.

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In Kürze:

R ist ein Zombie. Es ist ihm peinlich, dass er sich nur an den ersten Buchstaben seines Namens erinnern kann. Wie die anderen Zombies verbringt R seine Zeit mit Herumstehen und Stöhnen. Was die Wenigsten wissen: Tot sein ist leicht. Bei einem der Raubzüge in der Stadt trifft R auf Julie. Dummerweise hat er gerade das Hirn ihres Freundes gegessen. R weiß nicht warum, aber er verliebt sich unsterblich in Julie – ausgerechnet in ein lebendes menschliches Wesen. »Mein fahler Freund« erzählt die Geschichte des bestaussehenden und charmantesten Zombies aller Zeiten.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Und sie schlurfen wieder – die Zombies sind in der Hobbit-Presse angekommen“ 78

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Letzte Jahr im Herbst geisterte es durch die Frankfurter Messehallen – der nächste große Trend nach den Vampiren, den Werwesen, Engeln und Dämonen geht zu den lebenden Toten. Zombies waren angesagt – wo man hinschaute und hinhörte, bereiteten die Verlage entsprechende Werke vor.

Nun ist die Hobbit-Presse des Klett-Cotta Verlages dafür bekannt, dass man gewiss nicht jedem kurzlebigen Trend hinterherläuft. Von der Urban Fantasy hielt man sich ebenso fern wie von der Romantic Mysterie, dazu ist ein gewisses literarisches Niveau Grundvoraussetzung, um im Stuttgarter Verlag publiziert zu werden.

„Wenn das Hirn abstirbt, klärt sich das Leben darin“ (S. 82)

„Ich bin tot, aber es ist nicht so schlimm“ – so stellt sich unser Ich-Erzähler im ersten Satz des Romans dem Leser vor. Er ist ein Zombie in einer Welt der wandelnden Toten. Leichen sagen sie zu sich selbst ungern, weckt es doch negative Gefühle. Und diese haben sie – wenn auch rudimentär – immer noch, insbesondere unser Erzähler R – an den Rest seines Namens kann er sich nicht erinnern.

Dass seine neue Zombiefrau ihn betrügt, soweit dies schlaff und trocken, stumpfsinnig sich aneinander reibend überhaupt möglich ist, stört ihn wenig, denn R hat ein Geheimnis. Nach dem Verzehr eines frischen Gehirns eines Jungen und der Übernahme der Erinnerungen des Jungen hat er dessen Freundin mit nach Hause genommen. Das zuhause erweist sich als Flughafen, genauer gesagt eine Boeing 747. Hier versteckt er die lebendige Julie vor den Knochen und den Zombies und baut nach und nach eine emotionale Beziehung auf.

Während die Zombie-Kinder in der von den Knochen geleiteten Schule lernen, wie man das Essen, sprich die lebenden Menschen jagt und zur Strecke bringt – geht immer auf die Kehle, Kinder, erst wenn sie wirklich tot sind, kommen die Gliedmaßen und das leckere Gehirn dran – hören sie in der Business Class Rs Plattensammlung, die gerade einmal bis 1999 reicht, zusammen an. Doch dann versuchen die Knochen, Julie habhaft zu werden, und den beiden bleibt nur ein Ausweg – aus dem Flughafen zu fliehen und sich dem Stadion und Julies Vater zu stellen …

Die ergreifende Geschichte einer wahren Liebe

Isaac Marions Zombieroman ist ein wenig, nein, wenn ich ehrlich bin, sehr viel anders als die herkömmlichen Plots gängiger Zombiewerke. Zwar schlurfen auch Marions Untote mehr oder minder langsam und ungerichtet durch die Gegend, doch regt sich, zögerlich zunächst, später deutlicher, eine gewisse Intelligenz, ein Sehnen nicht nur nach stumpfsinniger Triebbefriedigung, sondern nach einem echten Wandel, ja nach Erlösung.

Geschickt, ja ergreifend, hat der Autor seine Liebesgeschichte aufgebaut, hat darin das zarte Pflänzchen der Hoffnung, das zunächst sehr vorsichtig sprießt, gehegt und gepflegt. Nun ist weder R noch Julie gängiges Heldenmaterial. Der Untote, so fürsorglich und bemüht er sich auch zeigt, ist nach wie vor ein Zombie, ernährt sich von den Lebenden, wirkt auf den ersten, oberflächlichen Blick damit natürlich abstoßend und ekelhaft.

Dass es dem Autor gelingt, uns diese Figur dann nahezubringen, ist erstaunlich. Wo sonst zumeist der Kampf der wenigen nicht infizierten Menschen gegen die stumpfsinnigen Horden der wandelnden Toten im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, richtet der Autor vorliegend den Fokus auf die emotionale Seite der beiden so Ungleichen, lässt eher im Hintergrund das Bild einer zerstörten Welt einfließen, und überrascht am Ende mit einer Hoffnung für eine bessere Zukunft, die tatsächlich zum Handlungsbogen passt.

Ihre Meinung zu »Isaac Marion: Mein fahler Freund«

Synapse11 zu »Isaac Marion: Mein fahler Freund« 12.01.2012
Hoffnung zwischen Tod und Leben

Inhalt:
Das Buch ist aus der Perspektive eines Zombies geschrieben. Wie alle Zombies kann er sich nur noch an den Anfangsbuchstaben seines Namens “R” erinnern. Er ernährt sich von lebenden Menschenfleisch und deren Gehirnen. Wenn er Hirn verspeist, hat er kurzzeitig die Erinnerrungen der betreffenden Person. Nachdem er das Hirn von Perry, dem Freund von Julie, gegessen hat, beginnt er sich in Julie zu verlieben. Letztendlich wird “aufgeklärt” woher die Zombies kommen und welche Gefahr für die Lebenden auf dieser Erde besteht. Gibt es Hoffnung? - Hier sei noch nicht zu viel verraten.


Meine Meinung:
Zombies und reine Liebesromane sind nicht so mein Fall. Doch dieses Buch ist eine interessante und gelungene Mischung beider Genres. Gegenwart, Fantasy und Liebe sind “geschmückt” mit etwas Humor, Ekel und Zynismus geschickt miteinander verwoben. Besonders hat mich der literarische Aspekt des Buches fasziniert. Selbst die wortarmen Zombie-Dialoge erscheinen durch das hohe literarische Feingefühl weder leer noch hülsenhaft.
Allerdings zieht sich die Handlung selbst, sehr schleppend durchs Buch. Um es als Jugendbuch lesen zu können, fehlt meiner Meinung nach Action und Spannung. Bis ca. zur Hälfte des Buches habe ich mich öfter gefragt, “Was lese ich hier eigentlich?”. Handlung, Zusammenhang und Sinn blieben vorerst schleierhaft. Dies ändert sich jedoch im letzten Drittel und ich bin froh, das Buch nicht voreilig beiseite gelegt zu haben. Erst im Rückblick wird die Handlung nachvollziehbar und der gesellschaftskritische Aspekt des Werkes kommt zum tragen. Eine positive Überraschung mit ungewöhnlichem Schluss.

Meine Lieblingstextstelle:
“Ich verdiene sie nicht. Ihre warmen Erinnerungen. Ich würde gerne die nackten Gipswände meiner Seele mit ihnen bemalen, aber alles, was ich darauf male, scheint nicht zu halten.” (S. 230)

Fazit:
Ein empfehlenswertes Buch mit hohem literarischen Anspruch. Gesellschaftskritisch und eine gute Mischung unterschiedlicher Genres.
Synapse11 zu »Isaac Marion: Mein fahler Freund« 30.12.2011
Hoffnung zwischen Tod und Leben

Inhalt:
Das Buch ist aus der Perspektive eines Zombies geschrieben. Wie alle Zombies kann er sich nur noch an den Anfangsbuchstaben seines Namens “R” erinnern. Er ernährt sich von lebenden Menschenfleisch und deren Gehirnen. Wenn er Hirn verspeist, hat er kurzzeitig die Erinnerrungen der betreffenden Person. Nachdem er das Hirn von Perry, dem Freund von Julie, gegessen hat, beginnt er sich in Julie zu verlieben. Letztendlich wird “aufgeklärt” woher die Zombies kommen und welche Gefahr für die Lebenden auf dieser Erde besteht. Gibt es Hoffnung? - Hier sei noch nicht zu viel verraten.


Meine Meinung:
Zombies und reine Liebesromane sind nicht so mein Fall. Doch dieses Buch ist eine interessante und gelungene Mischung beider Genres. Gegenwart, Fantasy und Liebe sind “geschmückt” mit etwas Humor, Ekel und Zynismus geschickt miteinander verwoben. Besonders hat mich der literarische Aspekt des Buches fasziniert. Selbst die wortarmen Zombie-Dialoge erscheinen durch das hohe literarische Feingefühl weder leer noch hülsenhaft.
Allerdings zieht sich die Handlung selbst, sehr schleppend durchs Buch. Um es als Jugendbuch lesen zu können, fehlt meiner Meinung nach Action und Spannung. Bis ca. zur Hälfte des Buches habe ich mich öfter gefragt, “Was lese ich hier eigentlich?”. Handlung, Zusammenhang und Sinn blieben vorerst schleierhaft. Dies ändert sich jedoch im letzten Drittel und ich bin froh, das Buch nicht voreilig beiseite gelegt zu haben. Erst im Rückblick wird die Handlung nachvollziehbar und der gesellschaftskritische Aspekt des Werkes kommt zum tragen. Eine positive Überraschung mit ungewöhnlichem Schluss.

Meine Lieblingstextstelle:
“Ich verdiene sie nicht. Ihre warmen Erinnerungen. Ich würde gerne die nackten Gipswände meiner Seele mit ihnen bemalen, aber alles, was ich darauf male, scheint nicht zu halten.” (S. 230)

Fazit:
Ein empfehlenswertes Buch mit hohem literarischen Anspruch. Gesellschaftskritisch und eine gute Mischung unterschiedlicher Genres.
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