Dämonen von J. M. Dillard

Buchvorstellungund Rezension

Dämonen von J. M. Dillard

Originalausgabe erschienen 1986unter dem Titel „Demons“,deutsche Ausgabe erstmals 1991, 239 Seiten.ISBN 3-453-05008-8.Übersetzung ins Deutsche von Andreas Brandhorst.

»Dämonen« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Fast vierzig Jahre lang arbeitete eine archäologische Expedition auf Beekmans Planet. Als die ersten Wissenschaftler zurückkehren, haben sie, ohne es zu ahnen, ›Dämonen‹ in ihrem Gepäck. In geheimnisvollen Artefakten hat ein bösartiges Virus jahrtausendelang überlebt und infiziert den friedfertigsten aller Planeten mit der Seuche des Wahnsinns. Auch Spocks Familie bleibt nicht verschont.

Die letzten Wissenschaftler werden von der Enterprise nach Hause gebracht. Während des Flugs kommt es zu einem scheußlichen Mord. Und Captain Kirk muß annehmen, daß der Täter unter den Männern und Frauen seiner Crew zu suchen ist.

Während des Landurlaubs auf Vulkan breitet sich der Wahnsinn auch unter den Enterprise-Offzieren aus. Bald ist das Schiff in der Hand von Besessenen. Nichts scheint die ›Dämonen‹ aufhalten zu können.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Emotions-Eruptionen auf dem Planeten Vulkan“75

Science-Fiction-Rezension von Michael Drewniok

Der Hydrilla-Sektor war für die Archäologen vom Vulkan fast vier Jahrzehnte eine reiche Fundgrube. Nun endet die Grabungskampagne auf Beekmans Planet. Der Erfolg wird durch eine Reihe außerordentlich grausiger Morde getrübt. Da dieses Verbrechen unter den gefühlskontrollierten Vulkaniern quasi ausgestorben ist, schickt die Föderation das Raumschiff „Enterprise“ unter dem Kommando von Captain Kirk aus, um die Forschercrew zu bergen und zum Vulkan zu bringen.

Der Wissenschaftsoffizier Spock und die telepathisch begabte Dr. Anitra Lanter haben den Auftrag, die Mordfälle zu untersuchen. Dass die Zeit drängt, wird offensichtlich, als es auch an Bord der „Enterprise“ zu brutalen Morden kommt. Als die Ursache entdeckt wird, ist die Katze bereits aus dem Sack: Team-Leiter Starnn ist vor seinen Leuten auf den Vulkan gereist. In seinem Gepäck hatte er eine Reihe mysteriöser Behälter, die sich als Brutstätte körperloser Wesen entpuppen, die in die Hirne ihrer Opfer schlüpfen und diesen ihren Willen aufzwingen.

Die Kreaturen finden Gefallen daran, Schrecken und Tod zu säen. Über die „Enterprise“ und über den Planeten Vulkan wollen sie die gesamte bewohnte Galaxis unter ihr Joch zwingen. Schon sind prominente Bürger Vulkans zu Marionetten geworden. Sie bereiten die eigentliche Invasion vor.

Auch auf der „Enterprise“ gewinnen die Parasiten die Oberhand. Spock, Bordarzt Dr. McCoy und Dr. Lanter gelingt die Flucht aus dem sabotierten und antriebslosen Schiff. Heimlich reisen sie mit einem kleinen Raumgleiter zum Vulkan, um die Föderation vor der Bedrohung durch die dämonischen Wesen zu warnen. Auf der „Enterprise“ versucht Captain Kirk, die Herrschaft über sein Schiff zurückzugewinnen. Auf Vulkan wie im Weltall steht die Sache allerdings schlecht für die Widerständler, bis diese diverse Trickkästen öffnen …

Aus alt mach neu – aber nur in Maßen!

Ein Unterhaltungskonzept stellt seine Kraft dort am eindrucksvollsten unter Beweis, wo es über viele Jahre buchstäblich zuschanden geritten wurde, ohne darüber zu verenden. Das „Star-Trek“-Franchise scheint in dieser Hinsicht über mehr Leben als die sprichwörtliche Katze zu verfügen. Ein halbes Jahrhundert ist es alt und bildet die Kulisse für eine kaum noch überschaubare Zahl zukünftiger Abenteuer, die sich – verstärkt durch ihre Einförmigkeit – eigentlich längst zu einem schwarzen Loch zusammengeballt haben sollten. In den 00er Jahren dieses Jahrhunderts schien es tatsächlich soweit zu sein, aber ein Relaunch hat das Franchise unverhofft wieder Fuß fassen lassen.

Es war beinahe unter der Last eines Regelwerkes kollabiert, das allzu nachdrücklich auf die Bewahrung des Status Quo beharrte. Veränderungen eines erfolgreichen Konzeptes werden von denen, die es primär bzw. ausschließlich als Goldesel betrachten, höchst ungern gesehen. Auch das „Star-Trek“-Franchise war (und ist) stets auf der Suche nach dem größten gemeinsamen Publikums-Nenner. Möglichst viele Konsumenten sollten möglichst kostengünstig produzierte Unterhaltung kaufen. Dies bedingt – Science Fiction paradox! – ein quasi genormtes Universum, dessen Bewohner auf die Wiederholung bewährter Handlungselemente und Verhaltensweisen beschränkt bleiben.

Auch Dämonen ist ein Standardprodukt des Franchises. J. M. Dillard hat es nach fixierten und autorenbindenden Vorgaben gestaltet. Überraschungen bleiben deshalb aus. Was sich an Bord der „Enterprise“ und auf dem Planeten Vulkan ereignet, kann sich der Leser bereits aus den Handlungsansätzen erschließen. Dessen ungeachtet bietet Dämonen gute Unterhaltung. Was nicht nur auf den ersten Blick merkwürdig wirkt, lässt sich durch die einzige Freiheit erklären, die dem „tie-in“-Autoren bleibt: die Variation des Bekannten, was als echte Herausforderung betrachtet werden kann. Die meisten „Star-Trek“-Autoren waren (und sind) ihr nicht gewachsen oder wollen sich ihr nicht stellen. Sie fabrizieren mechanisch Fließbandware, die ihrer Kundschaft das ursprüngliche „ST“-Feeling bescheren soll.

Bekannte Bedrohung sorgt für erhoffte Unterhaltung

Dillard erkennt die Sehnsucht des „ST“-Publikums, das nach den geliebten Qualitäten sucht. Sie gibt ihm das Gewünschte. Also verziehen Vulkanier keine Miene – scheinbar, denn viele Seiten werden dem Beweis gewidmet, dass unter der gleichmütigen Oberfläche durchaus Gefühle lodern. Spock ist ein Sohn, der es dem Vater recht machen will, und Mutter Amanda hat den strengen Gatten Sarek sehr gut im Griff. Das wussten wir, aber wir lassen uns gern noch einmal dieses Besseren belehren, wenn es so unterhaltsam geschieht.

Ebenso ausgeprägt ist Dillards Gespür für das Dreieck Kirk-Spock-McCoy. Es bildet die Dreifaltigkeit des „klassischen“ Franchises, aber die hier beschworenen Werte – Freundschaft, Toleranz, Unternehmungsgeist usw. – tauchen in den späteren „Star-Trek“-Inkarnationen wieder auf. Der Draufgänger, der Mentor, der Mahner: Immer wieder verkörpern die drei Hauptfiguren der ursprünglichen „Enterprise“-Crew diese Rollen. Sie ergänzen einander perfekt, während sie sich gleichzeitig unterhaltsam aneinander reiben. Vor allem McCoy ist wichtig als Skeptiker und Mittler. Dabei scheint er als Arzt schon etwas älteren Jahrgangs dem agilen Kirk und dem allwissenden Spock unterlegen zu sein. In Dämonen schleppen ihn die beiden lange nur mit, bis McCoy seine Nische findet und seinen Teil zur Rettung der Galaxis beiträgt.

Der Rest der Stammbesatzung liefert die üblichen Gastauftritte. Für Sulu, Chekov, Scott und Uhura gibt es keine echten Daseinsberechtigungen in dieser Geschichte. Doch die Handlung spielt u. a. auf der „Enterprise“, und die Leser würden eine Abwesenheit der beliebten Figuren nicht verzeihen. Also erfüllt Dillard – ganz Profi – diesen Wunsch, obwohl mehr als einmal deutlich wird, dass dies das Geschehen nicht voranbringt.

Das Häubchen auf der Sahne

Bekanntes wirkt „neu“, wenn es durch fremde Augen betrachtet wird. Das prominente Stammpersonal wird in der Regel durch zusätzliche Charaktere ergänzt. Dafür gibt es die berüchtigten und entbehrlichen „Redshirts“, die von Monstern gefressen werden oder in Raumspalten stürzen, um für tragische Momente zu sorgen. Daneben treten Figuren auf, deren Zweck darin besteht, die allzu vertraute Gruppendynamik der Brückenbesatzung aufzulockern.

Dieses Mal übernimmt Anitra Lanter diesen Job. Sie ist eine Frau aber politisch korrekt unerhört klug, weshalb sie gleichzeitig hübsch sein darf. Als Figur ist sie dennoch einem „Redshirt“ allzu ähnlich: Hin und wieder überkommen sie geniale Einfälle oder telepathische Eingebungen, die der Handlung auf die Sprünge helfen. Dies kann nicht verdecken, dass Spock Lanters Rolle problemlos übernehmen könnte. Aber auch hier greifen die Franchise-Gebote: kein „Star-Trek“-Abenteuer ohne mindestens eine Frau, denn schließlich gilt es auch ein weibliches Publikum abzukassieren!

Zwischen ihren Geistesblitzen dient Lanter als Knochen, um den sich Spock und ein liebeskranker McCoy raufen. Ihren Stress baut sie mit kindischen Scherzen ab, denen u. a. Kirk zum Opfer fällt. Sie schwimmt nackt in einem Höhlensee und wird von Vulkaniern überrascht. Anders ausgedrückt: Lanter mag überleben, aber wir wissen sehr schnell genau, dass sie nach Abschluss dieses Abenteuers auf Nimmerwiedersehen aus dem „Star-Trek“-Universum verschwinden wird. Vermissen dürfte sie niemand.

Rettet (zwischendurch) die Galaxis!

Die bösen Parasiten mögen den Plot bevölkern, bleiben aber im Handlungsverlauf blass. Besonders intelligent sind sie nicht, ihr Lebensziel ist übersichtlich. Bedrohlich wirken sie höchstens durch ihre Fähigkeit, Fremdgehirne zu übernehmen: Dillard gelingen spannende Szenen, in denen unsere Helden rätseln, wer von ihnen bereits zu den Besessenen gehört.

Geschürt soll die Gefahr durch den Befall des Planeten Vulkan werden. Dessen Bewohner repräsentieren, was die Dämonen nicht sind. Ausgerechnet die Vulkanier werden nun bösartig und hinterlistig. Da u. a. auch Spocks Eltern ins Visier der Invasoren geraten, ist Dillard die Aufmerksamkeit ihrer Leser sicher.

Die richtige Entscheidung war es schließlich, die Dämonen-Geschichte flott und flüssig zu erzählen. Dillard verzichtet gänzlich auf die Schilderung nur scheinbar fremdartiger Sitten und Bräuche, mit denen andere „ST“-Autoren ihre Werke aufblähen. Solche Einschübe sollen Tiefgründigkeit suggerieren, sorgen aber in erster Linie für Langeweile. Dämonen ist (beinahe) frei davon und wirkt deshalb viele Jahre nach dem ersten Erscheinen so frisch wie am ersten Tag – eine Qualität, die nur wenige „Star-Trek“-Romane teilen!

 

Ihre Meinung zu »J. M. Dillard: Dämonen«

Ihr Kommentar zu Dämonen

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.