The Lost von Jack Ketchum

Buchvorstellungund Rezension

The Lost von Jack Ketchum

Originalausgabe erschienen 2001unter dem Titel „The Lost“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 432 Seiten.ISBN 3-453-67551-7.Übersetzung ins Deutsche von Joannis Stefanidis.

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In Kürze:

Ein Campingplatz im Wald. Ein heißer Sommertag. Zwei Frauen. Opfer für den Teenager Ray, der töten will. Ein Blutbad, bei dem seine Freunde tatenlos zusehen. Ray kommt ungeschoren davon. Nur zwei Cops lassen nicht locker. Sie wollen den Mörder, um jeden Preis. Ray sieht nur einen Ausweg. Sein Amoklauf explodiert in einem Inferno von Hass, Gewalt und Blut. Ein Alptraum, der alle mit sich reißt.

Der psychopathische Ray Pye wird von seinen Freunden Jennifer und Tim gefürchtet und vergöttert. Sie ahnen nicht, wie weit der Größenwahn des charismatischen Ray geht: An einem idyllischen Sommertag wird er zum Mörder. Vor ihren Augen löscht er brutal die Leben zweier Frauen aus. Fünf Jahre später: Obwohl Ray der Hauptverdächtige war, konnte er nie überführt werden. In jenem Sommer, in dem Amerika seine Unschuld verliert und die Charles-Manson-Morde der Love&Peace- Generation alle Illusionen nehmen, lebt er immer einen Schritt vom Abgrund entfernt. Dann bröckelt seine Scheinwelt aus Drogen, Sex und krankhaftem Egoismus. Ray dreht durch – und für Tim und Jennifer beginnt der Horror von Neuem. Ray Pye ist Jack Ketchums Sinnbild für die zerstörten Träume einer verlorenen Generation. Mit psychologischem Feingefühl und sprachlicher Finesse beschreibt er die aufgestauten Aggressionen, die hinter der Fassade der Gesellschaft lauern – und sich in einer Gewaltexplosion von alptraumhafter Intensität entladen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ende der 60er war die Welt noch in Ordnung – oder vielleicht doch nicht?“74

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Wir schreiben den Sommer des Jahres 1969. Während Nixon sich auf seine Asienreise begibt, der erste Mann auf dem Mond spazieren geht und die Manson-Morde die Öffentlichkeit aufrütteln, scheint das Leben in Sparta noch seinen geregelten Gang zu gehen. Bis vor ein paar Jahren waren Gewaltverbrechen ein Fremdwort, die Polizei damit beschäftigt, Katzen aus Regenrinnen zu retten und dafür zu sorgen, dass die Öffnungszeiten der Lokale eingehalten wurden.

Doch es gab und gibt eine andere, dunklere Seite von Sparta. Im Sommer 1965 wurden zwei junge Frauen, die in der Wildnis campten, brutal und ohne Motiv überfallen und erschossen. Während die eine ihren Verletzungen sofort erlag, dämmerte das andere Opfer jahrelang im Koma vor sich hin. Der Täter wurde, obwohl man den Teenager Ray Pye verdächtigte, nie gefasst.

Ray, der als Mann für alles im elterlichen Motelbetrieb seine Brötchen verdient, ist ein kleingewachsener Egomane aus dem Bilderbuch. Was ihm an körperlicher Größe fehlt, das macht sein übersteigertes Ego mehr als wett. Er hüpft von einem Bett ins nächste, versucht über das Ausleben seiner sexuellen Begierden und über das Dealen von Drogen sein Selbstwertgefühl zu steigern.

Als er die aus San Francisco zugezogene, attraktive Katherine kennenlernt und sich in die mit allen Wassern Gewaschene verliebt, kommen die Dinge ins Rollen. Das erste Mal in seinem Leben wird er von einer Frau verlassen, mehr noch, auch bei der jungen Freundin des früheren Cops Ed kann er nicht landen, seine langjährige Gespielin beginnt eine Affäre mit seinem bislang so unterwürfigem Freund. Das Kartenhaus an Selbstgefälligkeiten, mit dem er sich bislang emotional über Wasser gehalten hat, stürzt haltlos in sich zusammen. So kann man mit ihm nicht umgehen, das lässt er sich nicht gefallen. Die drei Frauen, die ihn, den Besten der Besten, den charismatischen Lover schlechthin verschmäht haben, müssen dafür bezahlen – teuer bezahlen, in Blut und Schmerzen …

Neben der ketchumtypischen Härte bannen faszinierende Charakterzeichnungen

Jack Katchum ist dem Leser nun nicht unbedingt als Autor des subtilen Horrors bekannt. Schon immer bevorzugt er es in seinen Büchern, seine Leser zu schocken. Das vorliegende, bereits 2001 erstveröffentlichte Buch nimmt diese Prämisse für seine Verhältnisse ein wenig gemäßigt auf, verbindet sie geschickt mit einer detailreichen und glaubwürdigen Zeichnung einer US-Amerikanischen Kleinstadt Ende der 60er Jahre und einem Psychopathen, der es in sich hat.

Eingebettet in die Realität der Woodstock-Generation glänzt der Autor dabei insbesondere mit der Zeichnung seiner Figuren. Jede wird interessant und detailreich hinterfüttert, es tun sich Schicksale auf, die den Leser anrühren. Demgegenüber wirkt dann die Brutalität, die Gefühlskälte, mit der Ray zu Werke geht, geradezu schockierend unterkühlt. Dazu kommt die geradezu genial beschriebene Entwicklung Pyms, der sich plötzlich, und für ihn selbst völlig unerwartet, nicht mehr als Mittelpunkt der Welt sieht, sondern, man glaube es kaum, von den Schnepfen zurückgestoßen, ja verlassen wird. Sein ganzes Weltbild, das er sich in Jahren sorgfältig zusammengezimmert hat, bricht Stück für Stück zusammen. Sein Stolz ist tödlich verletzt, dafür müssen die, die ihm einen Spiegel vorhalten, die ihn zwingen, sich selbst einmal wirklich wahrzunehmen, büßen. Diese Entwicklung wird regelrecht exemplarisch dargestellt.

Hin- und hergerissen zwischen Abscheu ob der sich offenbarenden kranken Gedankenwelt des Protagonisten und der Unterhaltung, die von diesem so plastisch beschriebenen abartigen Geist ausgeht, wird der Leser in die Handlung gezogen. Dass diese dann – ketchumtypisch – in Sex und Gewalt endet, ist absehbar und doch wieder in seinen Details überraschend und schockierend. Für Fans ein Geschenk, für Neuleser eine Entdeckung wert.

Ihre Meinung zu »Jack Ketchum: The Lost«

Borussen-Fohlen zu »Jack Ketchum: The Lost«26.02.2015
*The Lost* von Jack Ketchum, auch ein Roman nach einer wahren Begebenheit, ist in meinen Augen eines der besten Bücher von ihm, wenn nicht sogar das Beste. Zuerst möchte ich erwähnen, in welchem Jahr die Geschichte spielt und warum es von elementarer Bedeutung ist. Die Story spielt kurzzeitig im Jahr 1965 ( ein Rückblick ) und dann geht es im Jahr 1969 weiter. Vielleicht fragen sich jetzt einige, was daran so wichtig sei und was das mit der Story zu tun hat. Ganz einfach. Es war die Zeit des Vietnamkriegs, die Zeit von Woodstock, Love & Peace und Unmengen an Drogen und Alkohol. Die Gewaltbereitschaft stieg und auch die Abneigung gegen andere" Menschen. In der Geschichte wird ein ums andere Mal erwähnt, wie es noch in den Jahren zuvor gewesen war, als die Leute noch ihre Haustüren unverschlossen lassen konnten, als die Nachbarn einfach vorbei kamen um sich das Eine oder Andere zu leihen, auch wenn niemand daheim war. Das war, als die Gewalt noch keinen Einzug in Ihre Stadt gehalten hat.

Jack Ketchum führt einem deutlich vor Augen, dass sich alles im Leben ändern kann und auch ändern wird, denn es gibt keinen Stillstand. Seine Art wachzurütteln, zu kritisieren und aufmerksam zu machen ist einmalig. Er geht mit dem Thema Gewalt, Alkohol und Drogen sehr offensiv um man merkt sofort, was sich damals abgespielt hat, was für die Jugendlichen wichtig war, und man wandert wie von selbst zurück in das Jahr 1969. Mit der Figur Ray hat er eine grandiose Figur erschaffen, in die man eintaucht, in der man lebt und förmlich gefangen ist und das, obwohl sie absolut selbstverliebt und zerstörerisch ist und für die das Wort Ablehnung ein Fremdwort ist. Schon nach wenigen Seiten spürt man was auf einen zukommt und weiß, dass die Tat am Anfang nicht alles gewesen sein kann. Ketchum treibt einen immer mehr in Rays Fänge und man wartet förmlich darauf, dass sich der noch am Anfang langsam köchelnde Hass immer mehr aufbaut, um schlussendlich in einer Eskalation zu enden. Aber nicht nur Ray, sondern auch alle anderen Figuren sind Ketchum sehr gut gelungen, und man begleitet sie voller Spannung im Wechsel durch die Story. Jeder mit seinen eigenen Problemen, jeder mit seinem eigenen Päckchen, welches er zu tragen hat, aber der Dreh und Angelpunkt ist natürlich Ray, bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Die Story bereitet einem einen trockenen Hals, der das Schlucken von dem fest sitzenden Kloß unmöglich macht. Es ist wie eine sich langsam nach oben ziehende Achterbahn, die einen dann im freien Fall auf der anderen Seite hinab stürzen lässt. Unten angekommen fühlt man wie nach einem Schlag mit dem Hammer, denn die Geschichte ist mit dem Zuklappen des Buches noch nicht zu Ende. Sie liegt schwer im Magen und das Verdauen zieht sich hin. *The Lost* ist eine perfekte Mischung aus Psychothriller und psychologischem Horror, ein Werk, dass man sich nicht entgehen lassen darf.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
SpiderMike zu »Jack Ketchum: The Lost«12.01.2014
Auch von mir 90%

The Lost ist mein Lieblingswerk von Ketchum. Gerade weil sich das Buch viel Zeit für seine Protagonisten nimmt und nichts überstürzt, fand ich es so überzeugend.

Ich habe alle Bücher Ketchums´ gelesen und fand jedes davon gut, allerdings hatte ich mir oft gewünscht, dass sich die Story mehr Zeit lässt und das Buch über die für Ketchum typischen 280 Seiten hinaus geschrieben wird.

Ich hoffe wirklich in naher Zukunft erscheint mal ein richtiger Schinken von ihm, mich würde wirklich interessieren wie sich eine 800-Seiten Story von Ketchum liest.
Konrad Wolfram zu »Jack Ketchum: The Lost«28.01.2011
Wer sich hier einen Splatter-Roman erhofft, der dürfte enttäucht werden. Wer aber einen perfekt gemachten Roman liebt, der neben einer ungeschönten Härte auch eine tiefgehende Charakterzeichnung seiner Protagonisten vorweisen kann, der sollte sich THE LOST unbedingt holen.

Neben THE GIRL NEXT DOOR (EVIL) braucht sich THE LOST nicht zu verstecken. Ein Buch das den Leser nicht nur fesselt, sondern ihn direkt zu einem Teil der Geschichte selbst macht, da man sich in die einzelnen Protagonisten perfekt hineinversetzen kann.

Damit hat der Heyne Verlag das Jahr 2011 perfekt eingeläutet. Locker verdiente 90°.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Alexi1000 zu »Jack Ketchum: The Lost«20.01.2011
Meine Rezi bezieht sich auf das Original, welches ich schon vor längerem gelesen habe, als es hier noch schwierig war an Ketchum' s heranzukommen.

Mittlerweile erlangt er auch einen immer größeren Bekanntheitsgrad. Zurecht!

Ketchum schreibt Thriller, die einen oftmals wie einen tritt in die Magengrube treffen; bleibt aber trotz aller Detailfreudigkeit in den Gewaltdarstellungen nie plakativ und setzt sich so mit leichtigkeit über eine ganze Herde von (Horror)Autoren hinweg.

Im vorliegenden THE LOST verarbeitet er ein Amerikanisches Trauma, was öfter ein wiederkehrendes Element bei Ihm ist.

Ray Pye ist ein Psych allererster Güte, gesellschaftliche Konventionen spielen für Ihn keine Rolle alles was Ihm irgendwie in die Quere kommt wird "beseitigt"...das ganze muss zwangsläufig in einer Gewaltexplosion kulminieren...

für mich einer der intensivsten Ketchums (bis dato); ich hoffe für den deutschen Leser, das Heyne-Hardcore in der Übersetzung nicht "geschönt" hat!

als Sammler hab ich mir das Buch natürlich trotz der Kenntnis des Originals zugelegt, und freue mich drauf, das irgendwann mal wieder zu lesen!

wirklich verdiente 90°.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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