Die Suche von Jack McDevitt

Buchvorstellungund Rezension

Die Suche von Jack McDevitt

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Seeker“,deutsche Ausgabe erstmals 2007ISBN 3-404-24362-5.

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In Kürze:

Gegen Ende des 27. Jahrhunderts verließ das Raumschiff Seeker gemeinsam mit einem Schwesterschiff die Erde, um im All neue Freiheit zu finden. Auf einem fernen Planeten gründeten ihre Passagiere die Kolonie Margolia, die sich in der Folgezeit zu einer Legende entwickelte, ähnlich wie Atlantis. Tausende Jahre später fällt dem Antiquitätenhändler Alex Benedict ein alter Becher in die Hände, der von der Seeker zu stammen scheint. Gemeinsam mit der Pilotin Chase macht er sich auf die gefährliche Suche nach dem legendären Schiff, und stößt dabei auf das Geheimnis der verschollenen Kolonie …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Indiana Jones in der fernen Zukunft – oder die Suche nach der verschollenen Kolonie“85

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Alex Benedict und seine Assistentin Chase verfolgen einmal mehr eine seit Jahrhunderten erkaltete Spur auf der Suche nach verschollenen Überresten aus der menschlichen Geschichte. Als Antiquitätenjäger und Händler mussten sie in den letzten Monaten einiges an Kritik einstecken, selbst vermeintliche Freunde distanzieren sich von denen, die die mühsame, gefährliche und kostenintensive Drecksarbeit bei der Suche nach verschollenen Raumschiffen und Kolonien machen. Doch dann bekommt Alex eine Porzellantasse in die Hände, die von der „Seeker“ stammen könnte.

Vor Jahrtausenden kam es zu einem Brain-Drain ohnegleichen. Vor Bevormundung und Gängelung durch das damalige System entschlossen sich die Vordenker der Menschheit ihrer Heimat den Rücken zuzukehren und auszuwandern. Ihr Ziel sollte geheim bleiben, zwei Raumschiffe, die „Seeker“ und die „Bremerhaven“ brachte die Aussiedler in ihre neue Heimat, Margolia. Seit 9000 Jahren hat man von diesen nie wieder gehört. Existiert irgendwo in den Weiten des Alls eine blühende, ethisch wie technisch weit überlegene Gesellschaft oder fiel die Kolonie einer Katastrophe zum Opfer?

Alex und Chase nehmen allen Widerständen zu Trotz die kalte Spur auf und stossen auf immer neue Ungereimtheiten, Hinweise und stetig zunehmende Widerstände. Menschen werden bedroht, Anschläge, die ihnen gelten, fordern unschuldige Opfer. Als sie die „Seeker“ im All havariert finden, scheint das Rätsel gelöst, doch dann schlägt Alex´ Instinkt an und die Suche beginnt von Neuem, denn wo nur ist Margolia und was ist vor Tausenden von Jahren wirklich geschehen …

Abenteuer-SF mit Anspruch – McDevitt at his Best

Jack McDevitt hat sich in den letzten Jahren als einer der innovativsten Autoren der spannenden Abenteuer-SF positioniert. Neben den umjubelten und zurecht mit Preisen überhäuften Romanen um Priscilla Hutchins, die vornehmlich die Begegnung mit ausserirdischem Leben thematisieren, beleben seine Romane um Alex Benedict das Segment des Krimi / Detektivgenres.

Mit seiner Intelligenz und seinem Spürsinn gepaart mit Chases bodenständiger Gewieftheit machen die Zwei sich auf, die jeweiligen Rätsel zu knacken. Auffallend zunächst einmal, dass eigentlich so viel nicht passiert. Selbst die Anschläge auf ihr Leben werden eher distanziert geschildert. Grosse Actionszenen, Verfolgungsjagden oder Gewaltdarstellungen sucht man vergebens. Statt dessen stellt McDevitt die mühsame, aber eben auch faszinierende Suche nach den Hinweisen, die falschen Fährten, auf die unser Ermittlerpaar gelockt wird und die mühsame Kombinationsarbeit in den Mittelpunkt des Buches. En passent lässt der Autor dabei eine Welt vor den Augen seiner Leser Gestalt annehmen, die so oder zumindest so ähnlich vorstellbar ist. Das sind eben keine Übermenschen, das sind Personen wie Du und Ich, mit Träumen, Ängsten und Geheimnissen, die von nachvollziehbaren Motiven angetrieben und bestimmt werden.

So könnte die Zukunft aussehen – die Belohnung der Nebula 2007

Das Besondere an den Romanen McDevitts ist zum Einen die überragend realistisch erscheinende Darstellung der Menschen und Aliens der Zukunft, zum Anderen aber eben auch, dass er seine Personen immer in ihrer Figur überzeugend agieren lässt. Das sind Personen, die unsere Sympathie verdienen, aber auch Handelnde, deren Verhalten wir zwar aus ihrer Situation und ihrer Überzeugung heraus verstehen, wenn auch nicht billigen können.

Im Vordergrund der Bücher steht immer das intelligente Denkspiel – was ist damals passiert, wie wertet man die vorhandenen Indizien, wohin führen uns die Spuren? Das ermuntert das Mitraten, hält die kleinen grauen Zellen in Alarmzustand und fesselt den Leser förmlich an die Seiten. Dazu kommt, dass der Autor über die nunmehr drei Bücher eine gelungene, in sich geschlossene und überzeugende Darstellung des zukünftigen Lebens geschaffen hat. Die eine ausserirdische Rasse, die die Menschheit bislang in den Weiten des Alls entdeckt hat, wird mit Vorsicht, ja Argwohn beobachtet. Entsprechend sind bei einer Reise von Chase in das Imperium der „Lautlosen“, die sich mittels Telepathie verständigen, Ressentiments zuhauf vorhanden. Hier wird das Andersartige nicht beschönigend beschrieben, hier bleibt die instinktive Vorsicht und Ablehnung allezeit deutlich, und gerade deshalb wirkt die Überwindung der Ablehnung um so überzeugender.

Insgesamt gesehen ein Roman der beweist, dass McDevitt einer der unterhaltsamsten und intelligentesten SF-Autoren unserer Zeit ist und für diesen Roman zurecht sowohl den Nebula als auch den SESFA Award 2007 erhalten hat.

Ihre Meinung zu »Jack McDevitt: Die Suche«

H.S. zu »Jack McDevitt: Die Suche«28.09.2008
Durch einen Zufall kommt der Antiquitätenhändler Alex Benedict in den Besitz einer Tasse, die von einem, seit Jahrtausenden als verschollen geltenden, Sternenschiff stammen könnte. Die Seeker war eines von zwei Schiffen, das eine Kolonie aufbauen sollte: Margolia - seit langer Zeit gilt auch diese Kolonie als verschollen. Heute ranken sich viele Geschichten und Legenden um diese Kolonie. Gefunden hat sie niemand.
Die Suche handelt also von selbiger, nach der verschollenen Kolonie. In einem fiktiven Bericht, erzählt die Assistentin, Alex Bendicts in der Ich-Perspektive von dieser futuristischen Schatzsuche. Eine recht traditionelle Space Opera.
Seit seinem Debut “Gottes Maschinen” widmet sich der Autor McDevitt dem Thema “Xeno-Archäologie”. Zwar handelt dieser Roman von einer verlorenen menschlichen Kolonie- seinem Hang zu archäologischen Themen, bleibt der Autor jedoch treu. Legendäre untergegangene Zivilisationen sind in der Space-Opera nichts Neues (spontan fallen mir ähnliche Geschichten auch aus dem “Armageddon-Universum” von Hamilton und der “Sage der Sieben Sonnen” von Anderson oder dem “-Universum von Reynolds ein), der große Unterschied zu anderen Romanen, ist jedoch McDevitts eher zurückhaltende Erzählweise. “Die Suche” ist eine Space-Opera der leisen Töne, bei der nicht groß angelegte Weltraumschlachten und tausende verschiedener Alien Spezies für Farbe sorgen, sondern in der der Autor eine gradlinige Geschichte gekonnt erzählt, ohne dass es gleich um die Rettung der gesamten Galaxie geht. Während der nüchternen Ermittlungen der Hauptprotagonistin werden die ausufernden “Atlantis” Legenden (denn Margolia steht für nichts anderes), von verlorenen Welten nur am Rande abgehakt und zwar in Sims - einer Art interaktives Fernsehen. Dabei hat man des Öfteren das Gefühl, der Autor zwinkere einem zwischen den Zeilen zu “haste gedacht, diesen Weg nimmt die Story nicht”. Die Geschichte entwickelt sich also nicht so wie man vielleicht vermutet. Weniger spektakulär und trotz allem interessant.
Eine gute Idee sind auch die Avatare verstorbener Menschen, von denen gerade diejenigen berühmter Menschen mehrmals im Roman vorkommen. Also doch kein ewiges Leben, nur unsere grundlegenden Charaktereigenschaften werden bewahrt….
Eigentlich haben sich die Menschen auch in ferner Zukunft nicht wirklich weiterentwickelt. In McDevitts Science-Fiction Welt schlagen wir uns auch in Jahrtausenden mit ähnlichen Problemen herum wie heute, schauen fiktive “Sims”, streiten uns und sterben. Hier wird einem kein fantastisches Utopia vorgegaukelt. Meiner Meinung nach gibt’s es dafür schon mal zwei Zusatzpunkte für Realismus.
Die Story ist durchweg gut zu lesen und gerade am Anfang sehr spannend. Wie erwähnt entwickelt sie sich später nicht unbedingt so, wie man das erwartet, und ist so doch für die eine oder andere Überraschung gut, ohne den Leser vor den Kopf zu stoßen.
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