Echo von Jack McDevitt

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Echo“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 528 Seiten.ISBN 3-404-20646-0.Übersetzung ins Deutsche von Frauke Meier.

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In Kürze:

Im Laufe von 8.000 Jahren Raumfahrt sind die Menschen nur einer einzigen außerirdischen Spezies begegnet. Eines Tages taucht eine Steintafel mit fremdartigen Symbolen auf. Ist sie der Hinweis auf eine weitere Spezies? Der Archäologe Alex Benedict bricht zu einer kühnen Forschungsreise auf.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Sind wir alleine im All?“85

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

In all den Jahrtausenden, in denen sich die Menschheit über die Galaxis ausgebreitet hat, stieß man mit einer Ausnahme, den Stummen, nie auf andere Intelligenzen. Trotz des mutigen Einsatzes von Forschern und Behörden wurden nie Beweise dafür aufgefunden, dass wir nicht allein im Kosmos sind. Auch Alex Benedict, Aniquitätenhändler und Spezialist, wenn es darum geht, verschollene und versteckte Artefakte aufzufinden, ist der Auffassung, dass die Jagd nach unseren Brüdern im All sinnlos ist.

Dann aber bekommt er einen alten Stein angeboten, auf dem unbekannte Schriftzeichen zu sehen ist. Dass selbiger Stein, noch bevor Alex´ Beauftragte ihn abholen können, verschwindet, weckt sein Interesse. Er verfolgt die Herkunft des vermeintlichen Relikts zurück zu Sunset Tuttle, einem besessenen Forscher, der plötzlich und scheinbar unmotiviert mit der Suche nach intelligenten Rassen im All aufgehört hat. Was aber hat ihn dazu gebracht, seine Forschung, die sein Leben war, aufzugeben?

Dass Alex´ Nachforschungen gestört werden, dass Quellen plötzlich schweigsam werden, wenn sie erfahren, um was es geht, ist noch nicht das Schlimmste – nur durch Zufall entgehen Alex und seine Helferin einem Mordanschlag. Die Spur führt hinaus in All, zu einem der unberührten Planeten, den vor mehr als zwanzig Jahren ein Touristen-Raumschiff besucht hat – ein Planet, den ein Komet getroffen hat …

Einer hält die Fahne der Hard-SF hoch

Jack McDevitt gehört zu den Großen seiner Zunft. Kaum ein zeitgenössischer Autor wurde für seine Romane mit derart vielen Preisen ausgezeichnet, zumal der sympathischen Amerikaner einer der wenigen ist, die die Fahne der Science Fiction noch hochhält.

Neben einigen Einzelromanen lässt sich sein Oeuvre in zwei grosse Säulen aufspalten. Da sind zunächst die Hutch-Hutchinson-Romane um einer mutige Raumfahrerin, zum Anderen legt der Autor mit den bislang sechs Alex-Benedict-Titeln Werke auf, die das beste aus der Science Fiction mit einer faszinierenden Rätselsuche, die sich der Versatzstücke eines gelungenen Detektivromans bedient, verbindet.

Dies ist vorliegend nicht anders. Wie gewohnt macht sich unser Ermittlerpaar auf, ein mysteriöses Rätsel zu knacken. Und, wie ebenfalls erprobt, sorgen die Widerstände und Widersprüche nur dafür, dass sie um so verbissener und hartnäckiger ihrem Spürsinn nachgehen. Wie gewohnt aus Sicht von Alex´ Pilotin und Helferin Chase geschildert – die beiden sind kein Paar – erschließt sich uns im Verlauf der Suche einmal mehr die auch in Details überzeugende Ausgestaltung einer zukünftigen, im All verstreut lebenden Menschheit. Letztere scheint ihren Abenteuersinn verloren zu haben. Statt selbst zu den grandiosen Orten zu fliegen, die das All anzubieten hat, statt die Grenzen immer weiter hinauszuschieben, lehnen sich die Menschen zunehmend lieber zu Hause zurück und besuchen in virtuellen Welten ihre Umgebung. Es fehlt am Anreiz, das sichere Heim zu verlassen, sich der Mühe auszusetzen, zu reisen, Gefahren und Anstrengungen auf sich zu nehmen – es fehlt, so deutet McDevitt zwischen den Zeilen an, an einer Herausforderung. Hier nimmt der Autor ganz bewusst Bezug auf heutige Tendenzen, warnt unauffällig, aber deutlich vor Vereinsamung und Phlegma.

Daneben gelingt es ihm erneut mit leichter Hand, den Leser mit seinen Rätseln an die Seiten zu fesseln. Das ist beeindruckend, wenn er uns immer neue Informations-Schnippselchen anbietet, uns miträtseln lässt und schlussendlich dann im Finale doch überrascht. Wem die bisherigen McDevitt-Romane gefallen haben, der wird auch diesen Roman lieben – wer McDevitt noch nicht kennt, hat etwas versäumt.

(Carsten Kuhr, Dezember 2011)

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