Firebird von Jack McDevitt

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Firebird“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 496 Seiten.ISBN 3-404-20683-5.Übersetzung ins Deutsche von Frauke Meier.

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In Kürze:

Vor 41 Jahren ist der Physiker Chris Robin verschwunden. Seine Theorien über Paralleluniversen waren sehr umstritten. Alex Benedict und Chase Kolpath finden heraus, dass einige Raumschiffe Robins außerhalb des Planetensystems verschwunden sind. Sie folgen der Spur Robins – eine Reise ins Ungewisse.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Seele der Maschinen, die verschwundenen Raumschiffe und das Schnüffler-Paar“83

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Alex Benedict ist als Antiquitätenhändler immer am Ankauf oder in Kommissionsnahme von Nachlässen interessiert. Als seine Assistentin und Pilotin Chase Kolpath eines Tages das Angebot erhält, den Nachlass des einst berühmten Forschers und Komponisten Christopher Robin zu sichten und für die Veräußerung vorzubereiten, ist sie zunächst skeptisch. Wird irgendjemand überhaupt Interesse an den Besitztümern eines fast vergessenen Mannes haben?

Bei näherer Nachforschung stoßen Alex und Chase auf Ungereimtheiten des vor Jahrzehnten spurlos Verschwundenen. Vor 41 Jahren kaufte der Physiker immer wieder alte, heruntergekommene Weltraumyachten auf und meldete sie kurz danach als verschollen.

Mehr noch, statt zu dem bei der Raumkontrolle hinterlegten Ziel zu fliegen, unternahm er Expeditionen nach Villanueva, einem Planeten, der vor Jahrtausenden von den Menschen verlassen wurde. Eine tödliche Staubwolke zwang die Bewohner zu fliehen. Millionen, die gegen allen Rat zurückblieben, starben bei der Vereisung des Planeten durch eine vorüberziehende Dunkelwolke. Einzig die künstlichen Intelligenzen blieben zurück und entwickelten sich in den Jahrtausenden seither weiter. Seit dieser Zeit wird jeder, der den Planeten anfliegt von den Maschinen gejagt und getötet – ein Schicksal, das auch Christopher Robin in Kauf nahm, als er den Planeten besuchte. Warum ging er trotzdem das Risiko ein getötet zu werden, nach was nur suchte er?

Auf ihrer Jagd nach der Aufklärung des Geheimnisses entdeckt Alex, dass der Physiker einer bahnbrechenden Entdeckung auf der Spur war. Seit Anbeginn der Raumfahrt gehen immer wieder Raumschiffe verloren. Über die Jahrtausende wurden Sichtungen von unbekannten Raumschiffen dokumentiert, über die nichts weitere bekannt ist. Raumschiffe, deren Bauweise längst überholt ist, hinter deren Luken aber Licht brennt und sich Gestalten bewegen. Robin scheint das Auftauchen dieser Raumschiffe vorausberechnet zu haben. Nur sein Notebook könnte die zur Berechnung notwendigen Formeln und Erkenntnisse liefern – doch dieses ist verschollen. Was geschah damals, vor knapp 50 Jahren und was ist dem Forscher zugestoßen? Fragen, denen sich Alex und Chase in gewohnt hartnäckiger Natur widmen …

Nach einem etwas ausufernden Beginn entwickelt sich der Roman zum Pageturner nicht nur für SF-Fans

Der sechste Band um das ungewöhnliche Ermittlerpaar vereint gleich zwei Handlungsstränge zwischen seinen Deckeln. Neben der Suche nach dem verschollenen Forscher und dessen bahnbrechenden Erkenntnissen geht es um die auf dem von Menschen verlassenen Planeten zurückgebliebenen KIs, die sich selbst als Betas bezeichnen. Können KIs, können Betas eigene Intelligenz entwickeln, werden die programmierten Computerprogramme zu Wesen, die eine Seele entwickeln?

Im Rahmen dieser Überlegungen beschäftigt sich McDevitt mit Fragen, die weit über das Übliche eines SF-Romans hinausgehen. Gibt es ein Leben nach dem Tod? Existiert Gott? Haben nur Menschen eine Seele? Wann wird aus einer künstlichen Intelligenz ein Lebewesen? – Das ist zunächst starker Tobak.

Der dieses Jahr als Ehrengast bei dem Elstercon in Leipzig zu Gast gewesene Autor hat diese Themen allerdings so geschickt in seine zwei mitreißenden Handlungsfäden integriert, dass die Auseinandersetzung mit solch tiefgeistigen Topics kaum auffällt. Und er liefert Antworten, die er aber dem Rezipienten nicht aufzwingt. Jeder soll hier selbst überlegen, soll für sich selbst entscheiden, was und an was er glaubt.

Nach einer etwas zähen Anfangsphase, in der die eigentliche Handlung vorbereitet, die Personen und Geschehnisse vorgestellt werden, nimmt der Plot den Leser dann gefangen. Dabei bedient der Autor SF-Fans wie Krimi-Leser gleichermaßen. Fasziniert verfolgen wir die spannende Jagd nach der Auflösung der Rätsel, suchen nach verschollenen Raumschiffen und setzen uns mit intelligenten KIs auseinander. Das Ganze entfaltet Suchtcharakter, packt den Leser und lässt ihn erst auf der letzten Seite los. So muss gute SF aussehen, da können sich viele Kollegen McDevitts ein Beispiel nehmen.

(Carsten Kuhr, September 2012)

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