Der Magierkadett von James M. Ward

Buchvorstellungund Rezension

Der Magierkadett von James M. Ward

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Midshipwizard Halcyon Blithe“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 400 Seiten.ISBN 3-404-20590-1.Übersetzung ins Deutsche von Angela Koonen.

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In Kürze:

Halcyon Blithe, ein junger Mann aus gutem Hause, hat das Talent zur Magie geerbt. Um dieses Talent voll zu entfalten, sucht er sein Glück auf See. Er tritt an Bord eines überwältigenden Drachenschiffs seinen Dienst als Magierkadett an. Das Besondere an diesen Schiffen: Sie sind auf dem Rücken von riesigen Seedrachen gebaut. Schon bald bekommt Halcyon es mit widerlichen Gestaltwandlern vom Volk der Maleen zu tun. Und zu seinem Entsetzen erkennt er bald, dass diese Gestaltwandler längst nicht die schlimmsten Gegner sind, die auf ihn lauern …

Das meint Phantastik-Couch.de: „;C. S. Foresters “;Horatio Hornblower„ lässt grüßen“60

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Achtung, strammgestanden, ein neuer Offiziersanwärter kommt an Bord. Halcyon Blithe heißt der junge Mann, gerade 16 Jahre alt geworden und aus einer der angesehensten Adelsfamilien der Königsreiches Arcanien stammend und macht sich auf, Karriere zu machen. Als Magierkadett fünfter Klasse meldet er sich an Bord seiner Majestät „;Zuversicht“, einem Dreimaster der sagenumwobenen Drachenlinienschiffe.

Spät erst haben sich seine magischen Kräfte bei ihm offenbart, schon schien es, dass er mit der Familientradition König und Reich, an Bord der Flotte im Kampf gegen den Gestaltwandler der Maleener zu dienen, würde brechen müssen. Innerlich hatte Halcyon sich schon auf einen Dienst beim Heer eingestellt, da erfüllte sich sein Traum, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, doch noch. Als siebter Sohn eines siebten Sohnes verfügt er gar über ein wahres Übermaß an Kraft. Als Taubesprecher, Wettermagier mit einer Neigung sowohl zur Luft als auch zur Wassermagie und dazu noch mit der Fähigkeit bedacht, sich mit den Drachen zu unterhalten, scheint sein steiler Aufstieg in Diensten ihrer Majestät Flotte gesichert zu sein.

Während er an Bord des lebenden Drachenschiffes übers Meer segelt, dabei nicht nur lernt zu kämpfen und sich einzuordnen, sondern auch in der Nutzung seiner besonderen Kräfte geschult wird, sorgt er mit einem kleinen Wetterzauber dafür, dass dem Schiff ruhige See und Sonnenschein beschieden ist. Ungeschickt dabei ist nur, dass der Regen und das schlechte Wetter, das eigentlich angesagt ist, sich nicht einfach wegzaubern lassen, sondern sich über die Tage und Wochen hin zu einem Orkan aufbauen, der Schiff und Mannschaft bedroht.

Damit nicht genug, hat sich einer der Gestaltwandler an Bord eingeschlichen und droht das Herz des Drachen und mit diesem Schiff und Besatzung zu zerstören. Ausgerechnet an dem in Ungnade gefallenen Halcyon liegt es, sich der Gefahr entgegenzustellen, und den Gestaltwandler zu enttarnen – und das mitten in seinem ersten Seegefecht …

James M. Ward ist dem Freund phantastischer Literatur bislang durch seine Arbeit an der Shared-World-Serie „;Forgotten Realms“ ein Begriff. In Nachfolge der „;Fluch der Karibik“-Blockbuster und Naomi Noviks erfolgreichem Fantasy-Zyklus um die „;Feuerreiter seiner Majestät“ (dt. Blanvalet) sucht der Bastei-Lübbe Verlag mit den Romanen um die phantastischen Abenteuer des Flottenmagiers Blithe zu punkten.

Und wirklich liest sich der Auftaktband recht flott. Man nehme ein gerüttelt Maß an Horatio Honblower, füge lebendige Drachenschiffe a la Robin Hobb hinzu und mixe dann einen jugendlichen, entwicklungsfähigen Magier mit übergroßem Talent hinzu, und schon scheint der Bestseller fertig. Was sich ein wenig wie das Rezept eines bunten Mischmaschs anhört, das funktioniert erstaunlicherweise in der Praxis ganz gut.

Halcyon hat bei all seinem Charisma genügend Ecken, Kanten und vor allem Fehler um ihn menschlich wirken zu lassen. Die Identifikation mit dem jungen Mann, der sich voller Elan in seine Aufgabe einbringt, der es allen, nicht zu letzt seiner Familie recht machen will, gelingt ohne Mühe, sein Talent selbst befähigt ihn, entscheidend in die Handlung einzugreifen.
Gemixt wird dieser übernatürliche Teil mit der altbekannten Windjammer-Romantik. Da wird zum Ausguck aufgeentert, da werden die Lafetten gestopft, die Geschützpforten geöffnet, Pulverdampf und knallendes Segelleintuch kombiniert mit einer streng hierarchisch gegliederten Flottenstruktur, das hat etwas.

Nicht verhehlen darf man hier aber auch die Schwächen des Buches. Die Handlung bleibt über weite Strecken hinweg vorhersehbar, die Darstellung der Personen schematisch und damit uninteressant. Doch die Ausgangssituation selbst birgt Chancen für eine deutliche Ausweitung der eigenständigen Elemente in den nächsten Bänden. Zwar ist bereits jetzt absehbar, dass der Aufstieg unseres Helden zu den Schalthebeln der Macht innerhalb der Flotte ein zwar steiniger aber steiler sein wird, doch hoffe ich darauf, dass insbesondere die dieses Mal noch recht unscharf gebliebenen Gestaltwandler als finstere Gegner und die Animositäten, die jede militärische Gattung unweigerlich mit sich bringen, deutlicher herausgearbeitet werden, dass das Augenmerk sich auch auf die positiven Ansätze der in der Flotte gleichberechtigt dienenden Frauen und den sich daraus ergebenden Problemen richten wird.

Ingesamt ein schnell und flüssig zu lesendes, spannendes Abenteuergarn, das zwar noch nicht ganz den Absprung von den Vorbildern geschafft hat, das aber Potential bietet, zu etwas ganz Eigenem entwickelt zu werden.

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