Der Fall Jane Eyre von Jasper Fforde

Buchvorstellungund Rezension

Der Fall Jane Eyre von Jasper Fforde

Originalausgabe erschienen 2002unter dem Titel „The Eyre Affair“,deutsche Ausgabe erstmals 2004, 375 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Lorenz Stern.

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In Kürze:

Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der Literatur so wichtig genommen wird, dass es eine Spezialeinheit gibt, um sie vor Fälschern zu schützen? Als Geheimagentin Thursday Next ihre neue Stelle in Swindon antritt, ahnt sie schon, dass ihr die größte Herausforderung ihrer Karriere bevorsteht: Niemand anderes als der Erzschurke Acheron Hades hat Jane Eyre aus dem berühmten Roman von Charlotte Bronte entführt, um Lösegeld zu erpressen. Eine Katastrophe für England, das mit dem seit 130 Jahren tobenden Krimkrieg schon genug Sorgen hat. Aber Thurday Next ist eine Superagentin: clever und unerschrocken. Und wenn sie wirklich mal in der Klemme sitzt, erscheint aus dem Nichts ihr von der ChronoGarde ausgestoßener, ziemlich anarchistischer Vater, um für ein paar entscheidende Minuten die Zeit anzuhalten…

Das meint Phantastik-Couch.de: „Unkonventionelle Fantasy bester Güte“90

Fantasy-Rezension von Verena Wolf

„;Der Fall Jane Eyre“ ist erfrischend einzigartig. Etwas, was bestürzend wenige Fantasy-Werke von sich behaupten können. Jasper Fforde hat eine Parallelwelt geschaffen, die unserer sehr ähnelt, aber doch in entscheidenden Details sehr verschoben ist. Hier gibt es im Jahr 1985 Zeppeline statt Flugzeuge, der Krimkrieg zwischen England und dem Zarenreich Russland tobt seit 130 Jahren, Werwölfe existieren und Zeitreisen sind möglich. Vor allem aber ist Literatur in dieser Welt so wichtig, dass es riesige Fanclubs gibt und eine spezielle Geheimdienstorganisation Fälschungen und Diebstähle von Manuskripten klärt. Denn – welch ein brisanter Unterschied zu unserer Realität – ändert man ein Originalmanuskript ab, verändert sich die Geschichte in allen anderen Büchern, Auszügen und Abdrucken.

Zeitreisen, Dodos und Jane Eyre

Die patente Literatur-Spezialagentin Thursday Next jagt in dieser Parallelwelt in bester James-Bond Manier den Schurken Acheron Hades, dessen Bösartigkeit seine Passion ist: „;Güte ist Schwäche, Nettigkeit Gift, Zufriedenheit ist Mittelmaß, und Nächstenliebe ist was für Verlierer. Gemeinheiten muss man um ihrer selbst willen begehen!“

>Dem Meisterdieb ist gerade ein spektakulärer Coup gelungen, der in Thursdays Metier fällt: Aus einer verschlossenen Vitrine im Charles-Dickens-Museum hat er das Originalmanuskript „;Martin Chuzzlewit“ aus der Feder Dickens entwendet. Als wäre das nicht genug, bekommt Hades ein sogenanntes „;ProsaPortal“ in die Finger, die letzte Erfindung des Genies Mycroft (der zufällig auch Thursdays Onkel ist). Das Portal macht Reisen in literarische Welten möglich. Jeder kann damit wortwörtlich in Bücher abtauchen. Mit allen Konsequenzen. Prompt droht der Verbrecher in das Original-Manuskript zu reisen und Martin Chuzzlewit umzubringen, die Hauptfigur des Romans. Und um seine eigene Bösartigkeit zu toppen und ein wenig Druck aufzubauen, entführt er Jane Eyre aus dem gleichnamigen Klassiker. Thursday muss schnell handeln!

Rasante Mixtur verschiedener Genres

Thursday Next ist die Ich-Erzählerin des Romans. Aber Fforde wechselt auch, wenn es für das Verständnis nötig ist, Dinge zu erzählen, die Thursday nicht selbst erlebt, in die dritte Person. Das funktioniert ganz ausgezeichnet, auch wenn oft so getan wird, als müsse sich jeder Autor eindeutig entscheiden, wie er seine Geschichte erzählen will. Muss er nicht! Liebevoll startet jedes Kapitel mit einem pseudo-sachlichen Zitat, das die Richtung der nächsten Seiten vorgibt, Überraschungen und verblüffende Einfälle inbegriffen. Das unterhält aufs Beste.

Ein absoluter Pluspunkt ist die Hauptfigur, die man nicht mehr missen möchte. Thursday Next ist mutig, hat ihre Prinzipien, aber will vor allem sehr menschlich ihren persönlichen Weg finden in ihrer abstrusen Welt, die darin zumindest unserer aufs Haar gleicht. Die Mitdreißigerin mit dem Pferdeschwanz wirkt so echt, dass man glaubt, sie auf der Straße erkennen zu können, wenn sie vorbei käme. Sie liebt ihre leicht nervige Mutter, ihren verschrobenen Erfinder-Onkel und ihren Vater, der die Zeit anhalten kann, wenn er bei seinen Zeitreisen (er ist auf ewiger Flucht vor der ChronoGarde) mal kurz vorbeikommt. Aber einfacher wird ihr Leben durch ihre Familie auch nicht. Ihr Job ist außergewöhnlich, jedoch hat sie auch ihre ganz normalen Probleme. So erfahren wir, dass sie immer noch einer alten Liebe hinterher trauert, mit Modetrends und PR-Beraterinnen ihre Probleme hat und stur ihr Haustier Pickwick, einen geklonten Dodo, in jedes Hotelzimmer schmuggelt, damit er nicht einsam ist. Thursday Next schliddert von einer absurden Situation in die nächste, aber die Art, wie sie sich damit arrangiert, ist glaubwürdig und sehr gut ausgedacht.

Rasante Liebeserklärung ans Lesen

Jedem halbwegs passionierten Bücherwurm geht bei „;Der Fall Jane Eyre“ das Herz auf, denn das Lesevergnügen ist eine einzige Liebeserklärung an die Literatur. Es kann nicht schaden, sich ein wenig mit den britischen Klassikern von Bronte, Dickens und Poe auszukennen, weil man sonst manche Anspielungen und eingestreuten Witze verpasst. Aber es ist vor allem ein Riesenspaß, eine Achterbahn voller Kniffe, Wendungen und Wortwitz. Mit offensichtlicher Begeisterung streut der Waliser Fforde kleine liebevolle Details ein, wie zum Beispiel, dass Wales in seiner Version ein unabhängiges Reich ist.

Jasper Fforde brauchte einige Anläufe bis sein Buch veröffentlicht wurde, bestimmt auch, weil es nicht in die klassischen Vampir-Romantik- oder Tolkien-Abklatsch-Schublade passt. Ein wenig erinnert der Humor an Douglas Adams, die schwungvolle Erzählart an die Artemis-Fowl-Reihe, aber vor allem ist das Buch etwas vollkommen Eigenes: ein schräger Mix aus Agentenroman und Fantasy, mit viel Liebe zur klassischen Literatur. Vielleicht sollte man ab jetzt sagen: ein typischer Fforde. Hut ab. Nur eine brennende Frage bleibt: wo kriege ich einen Dodo her?

Ihre Meinung zu »Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre«

PMelittaM zu »Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre«20.08.2017
Thursday Next ist Literaturagentin bei den SpecOps. Sie ist hinter Acheron Hades her, der bereits einige Literatur-Verbrechen begangen hat und nur sehr schwer zu fassen ist – nicht nur Thursday kommt dabei mehrmals in Lebensgefahr.

Jasper Ffordes Reihe um die Thursday Next spielt in einer Parallelwelt zu unserer, der Krimkrieg tobt auch im Jahr 1985, in dem dieser Band spielt, noch, Wales ist eine Volksrepublik und Thursdays Onkel Mycroft hat gerade eine Maschine erfunden, mit der man sich in Bücher transferieren lassen kann. Der Autor erzählt vor dem Hintergrund dieser Welt eine bizarre und manchmal verworrene, aber sehr unterhaltsame Geschichte, wie es nur ein Engländer kann. Um eine solche Geschichte genießen zu können, muss man sich auf sie einlassen, auch ein bisschen literarisches Wissen kann nicht schaden, damit man versteht, worüber gesprochen wird, die im Titel genannte Jane Eyre sollte man z. B. kennen, um den Roman komplett würdigen zu können.

Thursday war mir schnell sympathisch, obwohl sie nicht immer einfach ist. Da sie selbst in Ich-Form erzählt, lernt man sich recht gut kennen. Zwischendurch gibt es immer wieder Passagen aus anderen Perspektiven, die in der 3. Person erzählt werden, z. B. wenn der Fokus auf Acheron schwenkt. Mir gefallen auch andere Personen gut, wie z. B. Thursdays Onkel, der im Erfinden zwar ein Genie ist, hin und wieder aber wie ein zerstreuter Professor wirkt, oder Thursdays Partner Bowden, der ein bisschen verliebt in sie ist. Manche Charaktere sind recht oberflächlich gezeichnet, z. B. auch der Antagonist Acheron, der vor allem eines ist: Böse.

Man muss aufmerksam lesen, sonst läuft man Gefahr, dass die Gedanken etwas abschweifen, zumal, wenn man als Leser noch nicht in der Welt der Reihe angekommen ist. Es gibt ein paar überraschende Wendungen und einige Tote, aber auch einiges an Humor. Auf die im Titel und im Klappentext erwähnte Jane Eyre muss man recht lange warten, aber es lohnt sich.

Sehr gut haben mir die (fiktiven) Kapiteleingangszitate gefallen, die z. B. aus Thursdays Tagebuch, aber auch aus Interviews, Briefen und wissenschaftlichen Werken, und die die Geschehnisse im jeweiligen Kapitel ergänzen oder Erklärungen liefern, manchmal aber auch zum Teil vorwegnehmen.

Dieser Roman ist der erste einer Reihe, von der bereits mehrere Bände veröffentlicht wurden. Ich werde auf jeden Fall noch mindestens einen Band lesen, mal sehen, ob und wie sich die Reihe weiterentwickelt. Wer Romane von Ben Aaronovitch, Terry Pratchett, Douglas Adams u. ä. mag, sollte zumindest einmal in die Reihe hineinlesen. 80"
Hakuchan zu »Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre«16.11.2012
Jasper Fforde ist definitiv mein ausländischer Lieblingsautor! Keiner kann so eine Welt, so einen Kosmos erschaffen wie er. Ich hab das Buch von einer Community empfohlen bekommen, nach dem ich beschlossen hatte etwas SiFi auszuprobieren. Ich kann dem Mitglied, der damals dieses Buch empfohlen hatte nur tausendmal danken, denn ohne eine Empfehlung hätte ich es nie in die Finger genommen. Der schlichte rote Einband versprach nicht gerade eine mitreisende Geschichte voller Abenteuer und so viel Humor.

Thursday Next ist einfach die beste Heldin, die ich bis jetzt entdeckt habe. Sie ist unerschrocken, gerissen und hat ne interessante Familie. Ihr Job und ihr Talent sich in Bücher zu lesen sind für das Buch elementar. Sie ist anders als diese oft weichen Frauen und Mädchen, die sich Heldin schimpfen. In ihr habe ich eine Schwester im Geiste gefunden. Auch wenn sie manchmal etwas unterkühlt wirkt, macht sie sich um ihre Mitmenschen immer Sorgen und lässt sich so in neue Abenteuer reissen.

Der erste Teil der Reihe führt einem in diesen komplexen Kosmos von Thursday Next ein. Diese Welt ist nicht nur anders als unsere, sondern hat auch noch eine Zwischenwelt, eine Buchwelt. Thursday Next kann sich mittels ihrer Gabe in Bücher hinein lesen und die Geschichte dort verändern. Doch das bleibt nicht das einzige, denn alle Bücher werden von Buchlingen oder besser Schauspielern in dieser Buchwelt gespielt. Der Hamlet-Schauspieler ist folglich nicht 100%ig so wie Hamlet aus dem Roman. Diese Details lassen den aufmerksamen Leser ab und zu schmunzeln.

Fforde versteht es eine vollkommene und verrückte Welt zu erschaffen, die wir mit Thursday Next entdecken und erfahren können. Ein Buch das mitreisst.
anna zu »Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre«27.10.2008
Ich finde es grossartig! Fforde schafft es ein ganz neues Genre zugründen, in dem alles mögliche und unmögliche, kausal und suptil mit einander verknüpft und auf erstaunlichen 375 Seiten einen Mirkokosmos zusammengescmolzen wirtd, in dem man sich als Leser wohlfühlt. Man ließt nicht, man verschlingt und staunt, wundert sich genauso wie man lacht und schmunzelt. Die Heldin ist authentisch und dank ihrer sowohl etwas männlichen Herangehensweise in den entscheidenden Augenblicken typisch weiblich. Fehlbar ist sie auf jeden Fall. Bei all dem Witz und Charm wird die Ersthaftigkeit und das was eben einen Fantasy/Sci-Fi/ auch Krimi-Roman ausmacht nicht vergessen, sondern betont. Ein Lesespaß verab von klassichen Vampiren, Elfen, Orks, Königen und Massenmördern.
tassieteufel zu »Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre«21.09.2008
Am Anfang war ich wirklich skeptisch, was das Buch betraf und habe es nur auf Empfehlung gelesen. Ein fiktives England, das seit 130 Jahren mit Rußland um die Krim kämpft, Wales hat sich von England abgespalten und ist eine kommunistische Republik, Literatur Agenten, Zeppeline und geklonte Dodos, das alles erschien mir ein wenig seltsam, aber nachdem ich einmal mit lesen angefangen hatte, war ich unweigerlich gefangen. Auf dem Buchdeckel stand "Dieses Buch liest man nicht, man liebt es" und genauso war es!
Jasper Fforde ist es gelungen , eine bizarre, absurde, aber in sich glaubhafte Welt zu schaffen. Seine Heldin Thursday Next ist eine ziemlich sympathische Person, der man gern durch den verrückten Plot folgt. Auch die anderen Figuren des Buches sind äußerst gelungen. Onkel Mycroft, der nicht nur das Prosa Portal erfunden hat,
sondern auch Pizza per Fax verschicken kann ist genauso gelungen wie der böse Erzschurke Acheron Hades, der in so einem Buch nicht fehlen darf und nat. der undurchsichtige Jack Schitt, einfach Klasse.
Ich weiß jetzt endlich, wie das Buch "Jane Eyre" zu seinem Ende gekommen ist und wer wirklich Shakespeares Stücke geschrieben hat (grins)!
Fazit: eine gelungene Mischung aus Krimi-Fantasy-Zeitreisen-Mix, eine Art Harry Potter für Erwachsene, ein bizarrer, abgedrehter Plot mit witzigen Dialogen der auf jeden Fall Lust auf mehr macht, allerdings sollte man sich etwas in der englischen Literatur-Geschichte auskennen, sonst bleibt wohl einiges unverständlich (Und ich will auch einen geklonten Beutelwolf (schnief)!!!!
tedesca zu »Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre«16.06.2008
Ein tolles Buch! Es verbindet Literatur, Witz, Liebesgeschichte, Spannung und Fantasy, und das in einer wirklich gelungenen, originellen Sprache, die mir auch in der deutschen Übersetzung viel Spaß gemacht hat.
blabla zu »Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre«17.06.2007
Lust ein absolut verrücktes Buch mit überraschenden Einfällen? Wenn ja, dann seit ihr bei Jasper Ffordes "Der Fall Jane Eyre" absolut richtig. Richtig spannend und witzig wird das Buch vor allem dann, wenn man den Originalroman von Charlotte Bronte "Jane Eyre kennt."
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