Plasma von Jeff Carlson

Buchvorstellungund Rezension

Plasma von Jeff Carlson

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „Plague War“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 400 Seiten.ISBN 3-492-26685-1.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Nach »Nano« der neue packende Endzeit-Thriller von Jeff Carlson: Nanoviren haben die Welt mit einer unsichtbaren, tödlichen Seuche überzogen. Doch da schafft die Forscherin Ruth Goldman das Unmögliche: Sie entwickelt einen Impfstoff gegen die winzigen Maschinen, denen die Menschen bislang machtlos ausgeliefert waren. Zusammen mit ihrem Gefährten Cameron Najarro bricht Ruth auf, um die Überlebenden in den Bergen mit Impfstoff zu versorgen. Allerdings hat die Regierung längst eigene Pläne für die Verwendung des Impfstoffs. Ruth und Cameron geraten zwischen die Fronten. So ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der letzte Flecken Erde unbewohnbar wird.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Kampf um die Weltherrschaft“72

Science-Fiction-Rezension von Eva Bergschneider

„Nano“ hieß der Auftaktroman dieser SF-Trilogie, in dem eine Maschinenpest in Form von tödlichen Kleinstrobotern jegliche höhere Lebensform ausgelöscht hat. Allein in den wenigen Lebensraumnischen im Hochgebirge, oberhalb von 3000 Metern, kämpft die Menschheit weltweit um das Überleben. Doch eine Impfung mit einem Antinano-Nano verspricht Rettung.

Bürger- oder Weltkrieg?

Die Wissenschaftlerin Ruth Goldmann befindet sich mit Cameron Najarro und dem Soldaten Newcombe auf der Flucht, denn die amerikanische Regierung in Leadville hat keinerlei Interesse daran, den neu entwickelten Impfnano der leidenden Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.
Leadville will weiterhin die sogenannte „Schneeflocke“, eine verheerende Waffe bauen. Doch nicht nur die Amerikaner planen einen erbitterten Kampf um die verbliebenen Lebensräume zu führen. Russen und Chinesen, denen noch weniger bewohnbarer Lebensraum, aber die Massenvernichtungswaffen geblieben sind, sehen ihre Chance, eine führende Macht in der postapokalyptischen Welt zu werden, gekommen.

Während Leadville die politischen Winkelzüge entwirft und zunehmend gegen eine Revolte der verbliebenen Bevölkerung und Teile des Militärs kämpft, verfolgen Ruth, Cam und Newcomb ein humanitäres Ziel. Sie kämpfen sich durch eine aus dem Gleichgewicht geratene Wildnis, um soviel Menschen wie möglich mit den Impfnanos versorgen. Doch die erlittenen Verletzungen und die schwierige Versorgungssituation fordern ihren Tribut. Bald stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller ist, zum Rebellenstützpunkt Grand Lake zu gelangen und dort an einem leistungsfähigeren Impfstoff zu arbeiten. Als der Gegner einen verheerenden Schlag ausübt, eskaliert die Situation. Folgt der Beinaheauslöschung durch die Kleinstroboter ein endgültiger Vernichtungskrieg?

Wieder ultraspannend und zunächst auch logisch

Es ist in „Plasma“ (orig: „Plague War“) nicht mehr die konkrete Bedrohung durch die Nano-Apokalypse, die auch diesen zweiten Teil der SF-Trilogie von Jeff Carlson zu einem Pageturner macht. Nicht die Frage nach dem, was Menschen, sondern was Regierungen in Extremsituationen tun könnten, zieht sich als roter Faden durch den Roman.

Zunächst folgt der Leser Ruth, Cam und Newcombe durch eine Landschaft, in der als Folge der Auslöschung höherer Lebewesen sich Insekten rasend schnell vermehren und breite Landstriche erobern. Eindrucksvoll beschreibt der Autor, wie die Gruppe ganzen Teppichen von Ameisen ausweichen und dadurch weite Umwege in Kauf nehmen muss, um sich nicht in Lebensgefahr zu bringen. Dazu gewinnen die Protagonisten hier durch offensichtliche Schwächen, interne Konflikte und komplexer werdende emotionale Bindungen an Profiltiefe.

In einer parallel spielenden Handlung geht der Autor endlich näher auf die politische Apokalypse ein. Ein verbissener Kampf um die Landstriche im Hochgebirge, letztendlich um die Vormachtstellung in der postapokalyptischen Weltordnung zeigt sein wahres, unmenschliches Gesicht. Ist es denkbar, dass der Regierungschef eines als demokratisch geltenden Landes seine eigenen Leute für den Bau einer Massenvernichtungswaffe im Kleinstformat opfert?

Jeff Carlson porträtiert sehr anschaulich einen amerikanischen Regierungssitz, der nicht nur geographisch auf die Welt herab schaut. Die Politiker und Generäle scheinen in einem Elfenbeinturm zu leben und die Bedrohung von außen, aber nicht die Not ihrer Bürger wahr zu nehmen.

Allein die dritte Storyline um eine Gruppe Marines unter dem Befehlshaber Hernandez und seiner schlecht versorgten, zunehmend frustrierten Truppe wirkt zusammenhanglos, denn der Leser versteht zunächst genauso wenig wie die Soldaten, was diese zur Geschichte beitragen.

Schwacher Schluss

Nach einer dramatischen Wende vereinigt der Autor die Handlungslinien, doch leider gelingt es ihm nicht, den bis dahin überwiegend nachvollziehbaren Kurs zu halten. Zum Schluss werden ähnlich wie im ersten Teil „Nano“ alle biologischen Gesetzmäßigkeiten konsequent ignoriert und Wunderwerke aus dem Hut gezaubert, frei nach dem Motto: Keep on running. Positiv ausgedrückt, könnte man das Ende als vollkommen unerwartet beschreiben, weniger wohlwollend betrachtet, stellt man fest, das nichts mehr zueinander passt.

Man darf weiter gespannt sein, welche Szenarien Jeff Carlson sich für das Finale der Trilogie einfallen lässt, aber es bleibt ein schaler Geschmack zurück. Der letzte Teil „Plague Zone“ erscheint im November 2009 in den USA, in Deutschland unter dem Titel „Infekt“ im Februar 2010.

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