Der elektronische Mönch von Jeff Somers
Buchvorstellung und Rezension
- Fantasy
- Science-Fiction
- Horror
- Mystery
In Kürze:
Avery Cates ist ein sehr böser Mann. Manche würden ihn als Kriminellen bezeichnen. Er wäre sogar imstande zu töten – solange die Bezahlung stimmt. Doch momentan hat Avery Cates Angst. Er muss den Mönchen entkommen: Cyborgs mit menschlichen Gehirnen, verbesserten Roboterkörpern und einem kleinen Arsenal fortschrittlicher Waffen. Ihre Mission: Alles und jeden zur Elektrischen Kirche zu konvertieren. Die Sache hat nur einen Haken: Die Konvertierung bedeutet den sicheren Tod.
Das meint Phantastik-Couch.de: „Erlösung durch Ewigkeit“
Science-Fiction-Rezension von Frank A. Dudley
Avery Cates ist ein Killer, aber einer mit Gewissen. Auf welchen ethischen Grundsätzen sein Gewissen basiert, ist kompliziert, denn mal tötet er auftragsgemäß, mal nicht, auch wenn es seinen Interessen gedient hätte. Deshalb hat er regelmäßig Probleme mit seinen Auftraggebern. Und so fängt das Buch auch an, als ein Kunde ihm unverblümt sagt: „You screwed up, Mr. Cates.“
Was dann losgeht, ist eine Cyberpunk-Achterbahnfahrt, wie es sie seit Neal Stephensons „Snowcrash“ nicht mehr gegeben hat. Denn dieser eine Fehler hat Folgen, und Avery Cates findet sich unversehens im Visier der quasi omnipotenten Polizeitruppe der totalitären Weltregierung, die unter dem wenig schmeichelhaften Namen „System Pigs“ bekannt ist. Was aber fast noch normal wäre, wenn es nicht auch die „Electric Church“ auf den 27-jährigen Auftragsmörder abgesehen hätte.
Diese selbsternannte Religionsgemeinschaft gehört laut eigener Aussage zur am schnellsten wachsenden weltweit, und wenn es so weitergeht mit der Mission, dann wird sie in ein paar Jahren die einzige Religion auf Erden sein. Jede Glauben lebt von der Rekrutierung neuer Anhänger, aber die Elektro-Kirche verfolgt dabei einen besonderen Weg: Um ihr beizutreten, müssen sich die frisch Missionierten erstmal selbst umbringen – um dann als Cyborg mit menschlichem Gehirn weitere Ungläubige zu bekehren. Zwangsbekehrung ist zwar offiziell nicht vorgesehen, soll aber regelmäßig vorkommen, um die Menschheit auf den versprochenen „endless trail of sunsets“ zu führen.
Bitte keine Bekehrung!
Somers Welt ist eine, in der man nicht leben oder bekehrt werden möchte, keine Frage. Aber seine Beschreibung derselben und das wilde Abenteuer von Avery Cates zu lesen, macht Riesenspaß. Die Prosa ist im besten Sinne future-noir, der Plot ist einfach und wirkungsvoll, die Handlung wird mit zunehmender Seitenzahl immer spannender und die Charaktere haben Biss.
„The Electric Church“ nimmt das Cyberpunk-Garn auf, das William Gibson und Neal Stephenson gesponnen haben. Das steigert die Erwartungshaltung, aber Jeff Somers wird ihr voll und ganz gerecht. Sehr gut gemacht ist übrigens die Website zum Buch.
Diese Rezension bezieht sich auf die Originalausgabe „The Electric Church“


