Ein Herz für Lukretia von Jeff VanderMeer

Buchvorstellungund Rezension

Ein Herz für Lukretia von Jeff VanderMeer

Originalausgabe erschienen 2007, 290 Seiten.ISBN 392612671X.

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In Kürze:

Mit „Ein Herz für Lukretia“ liegen nun auch seine 'Gesammelten Erzählungen’ aus zwei Jahrzehnten auf Deutsch vor. Die Auswahl der Erzählungen basiert auf dem englischen Sammelband „Secret Life“. In Absprache mit dem Autor wurden jedoch einige frühe Erzählungen ausgespart und dafür neuere Texte aufgenommen. In diesem Buch zeigt sich die ganze Bandbreite von VanderMeers literarischem Schaffen: Von der düsteren SF-Novelle über verspielte surrealistische Texte bis hin zu Kleinoden des Magischen Realismus zieht er hier alle Register. Besonders hervorzuheben sind eine ganze Reihe von Erzählungen, die vor dem Hintergrund seines Romans Veniss Underground spielen – Bausteine eines im Entstehen begriffenen Phantastik-Universums.

Das meint Phantastik-couch.de: „Eine Reise durch die Phantastik“85

Fantasy-Rezension von Verena Wolf

Jeff VanderMeer hat nicht nur einen phantastischen Namen, sondern schreibt auch genau solche Erzählungen. In „;Ein Herz für Lukretia“ sind 23 Kurzgeschichten aus zwei Jahrzehnten versammelt. Sein Roman „;Stadt der Heiligen und Verrückten“ wurde vom bekannten Verlag Klett-Cotta herausgebracht, aber diese Sammlung verdanken wir dem Kleinverlag Shayol. „;Verdanken“, denn auch wenn Kurzgeschichten in Deutschland kommerziell eher schlecht laufen und deswegen wohl Klett-Cotta von dieser Veröffentlichung die Finger ließ, das Buch bietet einen höchst interessanten Querschnitt VanderMeers Arbeit.

23 Mal magischer Realismus

VanderMeer zählt sich zu den Vertretern des magischen Realismus und diese grobe Einteilung ist der einzige gemeinsame rote Faden der vielen unterschiedlichen Einzelwerke des Bandes: eine Verwandlung geschieht, plötzlich durchwehen phantastische Elemente die Wirklichkeit und ändern damit alles. Die Themen, Formen und Erzählstile variieren jedoch enorm. Fantasy wird mit surrealen Erzählungen gemischt, Science-Fiction besteht neben kleinen Märchen oder Szenen, die aus einem Kriegsroman stammen könnten oder Horror zuzuordnen sind. Aber das ist das genau das Besondere. Es macht nichts.

Furchtlos und unbeirrt erzählt VanderMeer, was ihm einfällt und spielt damit, ohne sich um Konventionen oder Regeln zu kümmern. VanderMeer experimentiert im besten Sinne. Zum Beispiel spielt „;Das geheime Leben“ in einem bizarren Bürogebäude, das die gesamte Welt der Bewohner darstellt. Eine Frau beginnt die Sprache der Mäuse zu lernen und eine riesige Kletterpflanze zerstört schließlich das Gebäude. Surreal, kafkaresk wie „;Verloren“ und fesselnd wie die brillante Geschichte „;Drei Tage in einer Grenzstadt“.

Einsame Figuren, surreale Welten

Die Figuren VanderMeers sind oft einsam und gleichzeitig mutig darin, wie sie sich der Wirklichkeit stellen, die meist melancholisch, fast wehmütig geschildert wird. So versucht ein Wärter sich in „;Fliegen ist die einzige Flucht“ mit dem knapp skizierten totalitären Regime zu arrangieren und in der Erzählung „;Das andere Leben des Bibliothekars Bob Scheffel“ lernt die Hauptfigur sich perfekt zu tarnen, um eine ganz andere Entdeckung zu machen. Aber auch das Wo und Wann der Erzählungen ändert sich ständig: „;Ein Herz für Lukretia“ , „;Balzacs Schlacht“ oder „;Detektive und Kadaver“ spielen in der fernen Zukunft, die zusammenhängenden Geschichten „;Die Antwort des Königs“ und „;Der Knochenkompass“ lassen die Zeit der Inkareiche und der spanischen Eroberung Südamerikas aufleben, inclusive Magie und Folter. Auch vor wahrem Legendenstoff lässt VanderMeer nicht die Finger. In „;Der Gott der Haie gegen den Gott der Kraken“ beschreibt er einen -erfundenen – Mythos der Fidschi-Inseln. Das nur zwei Seiten lange „;Vignettus“ persifiert klassische Märchen und Questen mit einem humorvollen Augenzwinkern, locker und leicht perlt es dahin. „;Errata“ und „;die Stadt“ sind ganz anders und recht schwer zugänglich, „;Der tote General“ mehr Kriegs-skzisse als abgeschlossene Geschichte. Genau diese Vielfallt reizt. Sollte ein Text den Leser weniger ansprechen, macht das nichts, der nächste tut es sicherlich um so mehr. Manche Erzählungen sind nicht ganz rund, aber dafür schafft Jeff VanderMeer jedes Mal etwas völlig Neues. Das muss man ihn hoch anrechnen. Die kurzen Kommentare des Autors, die fast jeder Geschichte folgen sind aufschlussreich und bereichern das Lesen.

Auch bei der Übersetzung wurde ein ungewöhnlicher Weg gewählt. Sie erfolgte – und das sehr gekonnt – im Rahmen eines „;Praxisprojektes Literaturübersetzung“ eines literaturwissenschaftlichen Studienganges an der FU Berlin.

 

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