Der Elbenschlächter von Jens Lossau & Jens Schumacher

Buchvorstellungund Rezension

Der Elbenschlächter von Jens Lossau & Jens Schumacher

Originalausgabe erschienen 2010, 320 Seiten.ISBN 3802582578.

»Der Elbenschlächter« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

In den Straßen Nophelets, der Hauptstadt des Königreichs Sdoom, werden in rascher Folge die Leichen von fünf Elbenjünglingen gefunden. Als bekannt wird, dass die Opfer auf magischem Wege ihres gesamten Bluts beraubt wurden, bricht Unruhe unter der Bevölkerung aus. Ein Fall für das IAIT, das Institut für angewandte investigative Thaumaturgie, das sich der Aufklärung magischer Verbrechen verschrieben hat. Seine besten Mitarbeiter, Meister Hippolit und der Troll Jorge, werden ausgeschickt, um dem mysteriösen Elbenschlächter auf die Spur zu kommen. Die Entdeckungen, die sie dabei machen, überraschen jedoch sogar die beiden erfahrenen Ermittler …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Elbenblut und Trollsprichworte“82

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

Der Elb Waiko wartet im verruchten Foggats Pfuhl auf Freier und trifft statt eines Kunden seinen Mörder. Unter unsäglichen Qualen für das Opfer extrahiert der Elbenschlächter mit thaumaturgischen (magischen) Mitteln Waikos gesamtes Blut und die Samenflüssigkeit. Der Elb ist bereits sein fünftes Opfer.

Die IAIT-Agenten Meister Hippolit und Jorge, der Troll werden mit dem Fall betraut. Während Hippolit die wissenschaftliche Untersuchung des Leichnams vornimmt, nutzt Jorge seine Szenekenntnis im Schenkenviertel von Foggats Pfuhl. Im Gasthof „Zur wilden Meuchelmuse“ gesellt sich ein Kollege Waikos an seinen Tisch, ein Strichjunge, der an der „Seuche“ leidet. Etliche Bierhumpen später hat der Ermittler eine erste, heiße Spur. Der Mörder lässt sich offensichtlich in einem Edelvulwoog (Automobil-Pendant) chauffieren.

Doch Jorges Bemühungen scheinen umsonst gewesen zu sein. Kurz darauf verkündet der Chef der Stadtwache, Glaxio, den Mörder gefasst zu haben. Publikumswirksam verhaften des Generals Soldaten den sich heftig wehrenden Benktram, der lautstark „Ich brauchte das Blut für Unja!“ lamentiert. Bei „Unja“ handelt es sich um einen tribekanischen Saugwurm, der sich von Blut ernährt und den der Beschuldigte illegal in seinem Keller gehalten hat.

Ist der Elbenschlächter wirklich schon gefasst? Mitnichten – ein altes Trollsprichwort könnte lauten: „Jetzt geht es erst richtig los“

Passt wie die Faust aufs Auge

Die Geschichte erinnert auf den ersten Blick an einen Krimi nach vertrautem Konzept. Ist hier der Plot mit einer phantastischen Welt, Fantasy-Figuren und etwas Magie aufgepeppt worden?

Das Gegenteil ist der Fall. Jens Schumacher und Jens Lossau haben Schauplätze und Figuren akribisch gezeichnet und bekannte Fantasyelemente neu interpretiert. In Sdoom scheint gegenüber den gängigen Anderswelten vieles auf den Kopf gestellt. Die zumeist als starke Rassen dargestellten Elben oder Vampire führen in der Stadt Nophelet ein Leben am Rande der Gesellschaft. Auch die magisch begabten Personen, die Versierten, sind keineswegs grundsätzlich den Nicht-Versierten überlegen. Eine breit aufgestellte Ordnungsmacht in Form der Stadtwache und des IAIT ändert nichts an dem Zerfall, der dem Land anhaftet. Andererseits gibt es bemerkenswerte Entwicklungen magischer oder dampfbetriebener Natur, wie den „Vulwoog“ oder den „Wortwurf“, was dem Roman einen Touch von „Steamfantasy“ verleiht. Widersprüchlich wirken auch die Hauptprotagonisten, gegensätzlicher könnten ihre Charaktere kaum sein.

Meister Hippolit ist der Weise; gebildet und erfahren, aber gezwungenermaßen unselbständig. Der Troll Jorge ist dagegen ein schlagkräftiger Typ, von einfachem Gemüt und unter der harten Schale herzensgut. Der greise Lichtadept und der Troll gelten beim IAIT als die besten Ermittler. Der 107 Jahre alte Hippolit steckt nach einer missglückten Verjüngungsprozedur im Körper eines albinoiden Teenagers, wodurch er nicht nur die fleischlichen Genüsse, sondern auch jegliche Autorität einbüßt. Sein Kompagnon Jorge hält nichts von den Vorschriften des IAIT oder einem nur annähernd maßvollen Alkoholkonsum. Ohne die schützende Hand des Meister Hippolit wäre Jorges Agentenlaufbahn schnell beendet. Für den thaumaturgisch ausgebildeten Meister wäre wiederum der praktische Teil seiner kriminologischen Arbeit ohne Jorge unmöglich. Nur gemeinsam sind sie stark. Bemerkenswert ist auch die Figur ihres Chefs, des Geheimrats Karliban. Als Gestaltwandler und Leiter des IAIT gibt er seinen Mitarbeitern mehr als nur ein Rätsel um seine Person auf.

Schumacher und Lossau schaffen es, dem Leser ihre Fantasywelt detailreich vor Augen zu führen, ohne dabei von der Story abzuschweifen. „Schnell hinein und Action“ könnte die Devise heißen, die Autoren bleiben hart an der Kernhandlung. Und die besteht aus einem Krimi: Morde, Ermittlungen, falsche Fährten und eine Auflösung, die nicht ganz überraschend kommt. Trotzdem ist höchster Unterhaltungswert garantiert, denn die Story ist immer in Bewegung und flott geschrieben. Allein das Ermittlerteam sorgt für Action der nicht gerade sauberen Art und amüsiert mal mit derbem, mal mit sinnfälligem Humor. Auch Nebenfiguren wie General Glaxiko haben die Lacher einer beißenden Satire auf ihrer Seite. Andere, wie Geheimrat K, sind für sinistre Überraschungen gut.

Bei dem hohen Tempo und aufgrund der Beschränkung auf das Wesentliche bleibt die ein oder andere Erklärung auf der Strecke, die ein etwas runderes Gesamtbild hätte vermitteln können.

Die Mischung macht es

Insgesamt überzeugt „Der Elbenschlächter“ als phantastischer Roman und als Krimi. Jeder Fantasy-Fan, der offen für einen etwas anderen Blickwinkel auf das Genre ist, bekommt mit diesem Roman spannende, schräge und witzige Unterhaltung geboten. Wer nicht genug von Meister Hippolit und Jorge, dem Troll bekommen kann, darf sich freuen. Schon im Oktober kommt das nächste Abenteuer in „Der Orksammler“ auf die beiden eigenwillig charmanten IAIT-Agenten zu.

Ihre Meinung zu »Jens Lossau & Jens Schumacher: Der Elbenschlächter«

tassieteufel zu »Jens Lossau & Jens Schumacher: Der Elbenschlächter«05.02.2014
Nophelet, die Hauptstadt des Königreichs Sdoom wird von einer raschen Folge grauenhafter Morde an Elben erschüttert, die Opfer wurden auf magische Weise ihres gesamten Blutes beraubt und starben unter großen Schmerzen. Die Taten rufen das IAIT, das Institut für angewandte investigative Thaumaturgie auf den Plan, dessen beste Mitarbeiter, Meister Hippolit und sein Gehilfe Troll Jorge sollen den Elbenschlächter nun so schnell wie möglich überführen. Doch im Lauf ihrer Ermittlungen machen die beiden Ermittler nicht nur seltsame Entdeckungen sondern geraten auch in brenzlige und gefährliche Situationen.

Elfen und Trolle, das ist sonst eigentlich nicht so mein Fall, aber die Bezeichnung „Fantasy-Thriller“ auf dem Buchdeckel machte mich doch neugierig und tatsächlich ist es den Autoren auch gelungen, mich mit ihrem ersten Band aus der IAIT-Reihe gut und spannend zu unterhalten, wobei ich das Wort Thriller im Zusammenhang mit diesem Buch eher unpassend fand!
Auch wenn der Krimifall nach klassischem Muster aufgebaut und gelöst wird, so bieten doch der fantastische Hintergrund und das ungewöhnliche Ermittlerduo reichlich Spielraum um sich von einem „gewöhnlichen“ Krimi zu unterscheiden.
Die Welt, die die Autoren hier kreiert haben, ist dabei durchaus ungewöhnlich. Elfen sind nicht die mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestatteten Lichtgestalten, die man sonst kennt und auch Vampire leben hier mehr am Rande der Gesellschaft und müssen sich von Tierblut ernähren. Personen mit magischen Fähigkeiten, die Versierten, müssen sich speziell ausbilden lassen und stehen keineswegs über den normalen Bewohnern. Das ist schon ein ganz interessanter Ansatz, der einen ungewöhnlichen Rahmen für die Geschichte bildet. Aber genau das führt auch gleich zu meinem großen Kritikpunkt. Die Autoren werfen den Leser nämlich recht unbedarft in ihre Welt. Über die Strukturen und Lebensweisen des Königreichs Sdoom erfährt man nämlich nur sehr wenig, dafür wird reihenweise mit Bezeichnungen und Wörtern wie Wortwurf, Thraumaturgie, Vulwoog, Krügerschwein etc. geradezu um sich geworfen. Es gibt Unmengen von Begriffen unter denen sich der Leser absolut nichts vorstellen kann oder nur eine ungenügende Vorstellung bekommt, dadurch wird das Lesevergnügen eindeutig geschmälert. Hier wäre auf jeden Fall ein Glossar hilfreich gewesen oder eine etwas ausführlichere Einführung in diesen Weltentwurf.
Das mir das Buch am Ende doch recht gut gefallen hat, lag an dem ungewöhnlichen Ermittlerduo. Meister Hippolit, der weise und erfahrene Ermittler, inzwischen schon über 100 Jahre alt und mit seinem hinfälliger Körper nicht mehr den Anforderungen eines Ermittlers gewachsen, wurde mittels einer Verjüngungskur die leider nicht ganz glückte, in den Körper eines Teenagers transferiert. Nun wird er nirgends ernst genommen, was seine Tätigkeit für das IAIT deutlich einschränkt. Daher bekommt er mit Troll Jorge einen Gehilfen an die Seite gestellt, der nicht nur säuft wie ein Loch und nichts von Vorschriften hält, sondern im Notfall auch mal ordentlich draufhauen kann um seinem Meister zur notwendigen Autorität zu verhelfen. Zusammen bilden sie ein unschlagbares Team, das mit seinen witzigen Dialogen und bissigen Kommentaren für launige und spannende Unterhaltung sorgt. Vor allem Jorges Trollweisheiten brachten mich öfter mal zum Grinsen und es gibt reichlich Situationskomik die für Abwechslung sorgt.
Der Krimifall verläuft recht rasant, es gibt weitere Morde, einige Ermittlungen fördern seltsames zu Tage und trotz diverser falscher Fährten erfolgt dann die Entlarvung des Mörders nicht ganz überraschend, zumindest für einen versierten Krimileser nicht, doch da das Ganze sehr flott, abwechslungsreich und kurzweilig geschrieben ist, trübt es das Lesevergnügen nicht, auch wenn man schon ahnt wer der Täter ist.

FaziT: sowohl spannende als auch launige Unterhaltung, die Fantasy und Krimifans gleichermaßen ansprechen dürfte! Wer aber einen ausgefeilten Weltentwurf erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht, denn der fantastische Hintergrund des Königreiches Sdoom bleibt weitestgehend blass und konturlos, auch wenn hier mal einen ganz andere Sicht auf Elben und Vampire geworfen wird.
M.Reinsch zu »Jens Lossau & Jens Schumacher: Der Elbenschlächter«14.03.2011
"Mir fällt da gerade en altes Trollsprichwort ein"

Das sind dann immer die Satzanfänge, bei denen ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen kann.

Doch zum Anfang. Fantasy und Thriller (Beide Gebiete lese ich sehr gerne, also zugreifen!). Buchrückenbeschreibung klingt sehr überzeugend, aber (wie schon von meinem Vorredner beschrieben), wird sie den Hauptfiguren nicht gerecht.
Wer bisher dachte Trolle sind einfach nur dumme Haudraufe, sollte Jorge kennen lernen! Für mich eindeutig der interessantere Part des Ermittlerduos. Ob nun freiwillig oder unfreiwillig hat er immer einem Lacher auf seiner Seite (siehe Titel).
Das Autorengespann hat eine recht stimmige Welt erschaffen, Schreibstyl ist flüssig und angenehm zu lesen.
Manche Aussagen/Angaben sind nicht wirklich Jugendfrei und leider muß ich auch den Thrill suchen (Fantasy-Krimi trifft es da wohl besser).

Fazid: Ein Buch für Fantasyfreunde, das mit Klischees aufräumt, spannend und gut geschrieben, viel Situations- und Personenkomik, der dem Buch aber nicht schadet! Kurzum ein Buch gegen Langeweile, aber nichts für echte Thrillerfans! Empfehlung!
Ich warte dann man auf weitere (angekündigte) Bände...
Micha
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
bemchan zu »Jens Lossau & Jens Schumacher: Der Elbenschlächter«14.10.2010
Na gut, also vielleicht ist die Wahl der Namen (mir ist besonders "Sdoom" als etwas aufdringlich in Erinnerung geblieben) nicht so gut geglückt, und die Charaktere sind auch, ähm, sagen wir etwas holzschnittartig. Und die Krimihandlung - ich würde sagen, 90% der geübten Krimileser wußten beim zweiten Auftritt des Böslings, wer denn der Bösling ist.

Und trotzdem ein gutes Buch, wie ich finde.
Keine hohe Literatur, aber wirklich unterhaltsam.
Ich habe einen angenehmen, auf die Couch gekuschelten Abend mit dem "Elbenschlächter" verbracht, und auch die Tüte Chips war nicht vergeudet dazu. Den Folgeband werde ich auch lesen.

Und warum?
Ganz einfach - es ist so wunderbar, daß mal nicht eine strahlende Heldentruppe ein magisches Dingsbums erlangen muß, um die Welt, speziell aber die Geliebte des Oberhelden, zu retten. Da macht es, zumindest mir, nichts aus, daß die Charaktere einen nicht zur Identifikation einladen.
Ich will ja schließlich mal etwas anderes lesen! Und voilà, da ist es schon!
Ihr Kommentar zu Der Elbenschlächter

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.