Der Orksammler von Jens Lossau & Jens Schumacher

Buchvorstellungund Rezension

Der Orksammler von Jens Lossau & Jens Schumacher

Originalausgabe erschienen 2010, 360 Seiten.ISBN 3802582586.

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In Kürze:

Aus dem Heerlager einer Militärstreitmacht, die seit Wochen in der Ebene von Torr auf ihren Einsatz wartet, verschwinden Nacht für Nacht Soldaten, allesamt Orks. Die Vermissten werden Tage später tot in der Karstwüste rings um das Lager gefunden. Jemand oder etwas hat ihnen mit roher Gewalt die Herzen aus dem Leib gerissen! Da Leichen und Tatorte Rückstände von Magieanwendung aufweisen, schickt man umgehend nach den beiden erfahrensten Ermittlern des IAIT, Meister Hippolit und Jorge dem Troll. Die beiden folgen der Fährte des Täters bis in die Mauern von Torrlem, der berüchtigten Grabstadt. Hier, umgeben von Abertausenden von Leichen, stoßen sie auf ein grauenhaftes Geheimnis …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der zweite Fall des ungewöhnlichsten Ermittlerduos der Fantasy“75

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Weit weg von den Metropolen der Welt, an einem Ort, wo sich Fuchs und Hase, pardon Ork und Troll, gute Nacht sagen, sammelt sich ein Heer. Während der General noch auf weitere Truppen wartet, sucht ein Monster die Söldner heim. Immer wieder verschwinden Orks, werden ihre Leichname kurz danach mit aufgerissenem Brustkorb und fehlendem Herz aufgefunden. Angst geht um im Heerbann, Angst vor einer alten Überlieferung – dem Orksammler.

Ganz klar, ein Fall für die besten Agenten des IAIT, des Instituts für angewandte investigative Thaumaturgie – denn ohne thaumaturgische Kräfte können die Verbrechen an den versierten Kämpfern ja wohl kaum begangen worden sein.

Und so müssen unsere beiden so ungleichen Ermittler ihren Urlaub abbrechen und sich in Richtung Torrlem, der Grabstadt, aufmachen. Meister Hippolit und sein Assistent, Jorg der Troll, besser bekannt unter dem Namen Jorge der Erwischer, machen sich auf, den Mörder der Grünhäutigen zu suchen.

Die Spur führt sie tief in die Katakomben Torrlems, der Stadt, in der alle Toten des Reiches ihre letzte Reise im Haus der ewigen Flamme, einen magisch befeuerten Hochofen, antreten, um zu geologisch unbedenklicher Asche verbrannt zu werden. Doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig. Um mit Jorge zu sprechen: sie suchen ein Monster, das nicht nur sauschnell und geübt dabei ist, Orks die Pumpe herauszureißen, sondern auch irgendwann zufällig neben einem Versierten stand, als dieser sich mittels Thaumaturgie die Stiefelriemen zugeknotet hat.

Kann es sein, dass ein Ghoul hinter den Verbrechen steckt, wie unser sorgfältig rasierter Troll vermutet? Doch eigentlich wurden die Leichenfresser vor mehr als eintausend Jahren ausgerottet. Dass Hippolit von einer hübschen, auf den ersten Blick etwas naiven Sekretärin abgelenkt wird, trägt auch nicht dazu bei, die Ermittlungen voranzubringen. Doch dann erweist sich seine Flamme Lith als unausgebildete Versierte, die ihn davor warnt, in die Gänge unterhalb der Stadt hinabzusteigen, erwarte ihn doch dort nur der Tod – doch haben Hippolit und Jorge schon jemals auf Ratschläge und Warnungen gehört?

Ein altes Trollsprichwort sagt: Bücher sind gut, solange genügend nackte Weiber und Vögelei darin vorkommen (S. 112). Nackte Weiber gibt es wenig, dafür knifflige Rätsel und skurrile Gestalten zuhauf.

Mit dem Orksammler legt das Autorenduo Jens Schumacher und Jens Lossau den zweiten Band der „Kriminalfälle des IAIT“ vor. Beide Autoren haben schon zuvor in diversen Projekten im Krimi- und Thrillerbereich zusammengearbeitet, sind aufeinander eingespielt und fabulieren wie aus einem Guss.

Inhaltlich löst man sich von dem sonst von Lyx gewohnten Urban- und Romance-Fantasy-Vorgaben und wendet sich einer ganz eigenen Mischung zu. Insoweit erhielt des Buch vom Verlag auch das Label Fantasy-Thriller, das so unzutreffend gar nicht ist.

In einer auf den ersten Blick typischen Fantasy-Welt, die neben den Menschen mit Zwergen, Elfen und Trollen besiedelt ist, muss ein ungleiches Ermittler-Duo magische Verbrechen aufklären. Die Welt selbst bietet sich dabei als eine phantastisch aufgepeppte Version des viktorianischen Zeitalters an. Dampfbetriebene Maschinen stehen Seite an Seite mit thaumaturgischen Gerätschaften, die phantastischen Rassen mit ihren jeweiligen Eigenheiten tragen zum Unterhaltungswert der Bücher bei.

Das Ermittlerduo lebt naturgemäß von seiner Gegensätzlichkeit. Auf der einen Seite der dank eines thaumaturgischen Unfalls im Körper eines zwölfjährigen Jünglings gefangene Meister Hippolit, immerhin Adept der neunten Stufe, also ein Meister seines Faches, das respektable Gehirn der beiden, auf der anderen Seite, der Muskelmann, Entschuldigung – Troll fürs Grobe mit seinen schlauen Sprüchen, der aber so tumb gar nicht ist, wie er immer tut. Hier Kultur, Wissen und Geist, dort Lebensfreude, Trunksucht und Sex, die Gegensätze könnten größer kaum sein, und doch funktioniert nicht nur die Zusammenarbeit sondern auch die Freundschaft der beiden.

Das Gebotene liest sich nach einem etwas behäbigen Auftakt dann spannend und flüssig auf einen Rutsch durch. Insbesondere die nicht immer ganz bierernsten Anmerkungen unseres ach so weisen Trolls tragen zum hohen Unterhaltungswert bei. Allerdings müssen die Verfasser aufpassen, es mit den Running Gags nicht zu übertreiben. Zwar ist es durchaus nachvollziehbar, dass der so distinguierte Hippolit mit seinem kindlichen Äußeren hadert, doch drohen sich die entsprechenden Lamentierereien totzulaufen.

Der Genremix aus Fantasy-Steam-Punk und Kriminalelementen dagegen wirkt frisch und spannend, zieht viel Faszination nicht nur aus den Gestalten sondern auch aus dem jeweiligen Ort der Handlung. Es geht natürlich in erster Linie um das „who did it and why“, dennoch reichern die Autoren ihre Suche nach dem Täter und dessen Motiven immer wieder durch markante, weil ungewöhnliche Ortsbeschreibungen und gar seltsame Unikate an Figuren an. Das hat Tempo und Humor, liest sich interessant und spannend und weckt Appetit auf mehr.

Ihre Meinung zu »Jens Lossau & Jens Schumacher: Der Orksammler«

tassieteufel zu »Jens Lossau & Jens Schumacher: Der Orksammler«16.03.2014
Meister Hippolit und sein Assistent Troll Jorge befinden sich eigentlich im wohlverdienten Erholungsurlaub, als sie zu einem neuen Einsatz gerufen werden. In der Ebene von Torr verschwinden Nacht für Nacht Orks aus einem großen Heerlager, dass dort auf seinen Einsatzbefehl wartet. Die Verschwundenen werden Tage später in der Karstwüste tot aufgefunden, allen wurde das Herz aus der Brust gerissen. Bei beiden Ermittler werden von der Heerleitung nicht gerade mit offenen Armen empfangen und besonders Hippolit hat wieder unter seinem jungenhaften Aussehen zu leiden, doch schon bald stellt er an einem der Tatorte Rückstände von Magieanwendung fest. Gemeinsam mit Jorge folgt er der Fährte des Täters nach Torrlem, der berüchtigten Grabstadt und stößt dort auf ein grauenhaftes Geheimnis.

In ihrem zweiten Fall verschlägt es die beiden ungleichen IAIT Ermittler in ein ganz anderes Setting als im Vorgänger. Die öden Ebenen von Torr und die bizarre Grabstadt bieten aber ein genau so stimmiges und interessantes Umfeld wie die Hauptstadt Nophelet. Die Idee, dass sich eine abgelegene Stadt allein mit der Beseitigung von Leichen aus dem ganzen Reich befasst, ist recht originell und warum das so ist, wird zudem schlüssig erklärt.
Nachdem man im ersten Teil recht abrupt und ohne große Erklärungen in die Welt des Königreichs Sdoom hineingeworfen und zudem mit jeder Menge unbekannter Begriffe konfrontiert wurde, was beim Lesen doch für etwas Irritation sorgte, schalten die Autoren hier etwas zurück, es gibt einige Erklärungen zum Weltentwurf und zur Geschichte des Königreichs und auch auf zu viele unbekannte Begriffe wird verzichtet, was ich beim Lesen als sehr angenehm empfand!
Das Gespann Hippolit/Jorge sorgt zudem wieder für gute Unterhaltung, vor allem Jorges witzig-freche Sprüche sind sehr unterhaltsam und amüsant und bringen den Leser zum Lachen.
Die Ermittlungen gestalten sich zunächst schwierig, es geht nicht so recht voran, zudem wird Hippolits Aufmerksamkeit durch amuröse Verstrickungen mit einer Sekretärin beeinträchtigt und es kratzt auch etwas an seinem Ego, dass Jorge mit seiner Vermutung, hinter den Morden könne ein Ghoul stecken, recht behält. Ein versierter Krimileser durchschaut das Konstrukt zwar eher als die IAIT Ermittler und ahnt schon wer der Täter ist, doch das ungewöhnliche Setting der Leichenstadt bietet hier genug Kontrast, um die Geschichte bis zum Schluß spannend und abwechslungsreich zu gestalten.
Der Schreibstil ist locker und flott, läßt sich flüssig lesen und bietet neben den launigen Szenen, auch reichlich atmosphärisch dichte Ortsbeschreibungen, die einen ungewöhnlichen Rahmen für den Krimifall bieten.

FaziT: gelungene Fortsetzung, die mir noch besser gefallen hat als der Vorgänger. Zwar ist der Krimifall ab einem bestimmten Punkt recht durchschaubar, aber das Buch lebt ohnehin von seinem konträren Ermittlerpaar und dem exotischen Schauplatz!
M.Reinsch zu »Jens Lossau & Jens Schumacher: Der Orksammler«21.03.2011
War ich vom ersten Band noch sehr beeindruckt, dank der neuen Sichtweisen und der neuen Art von Protagonisten, kann ich m eien Enttäuschung vom zweiten Band kaum verhelen.
Sicher haben Jorge und seien Trollsprichwörter mir wieder so manches Schmunzeln entlockt, aber das war mehr oder weniger das einzige große Plus.
Die Geschichte plätschert so da hin, kommt erst auf den letzten 50 Seiten richtig in Schwung und (hurra) hat einen Plot, den der aufmerksame Leser eigendlich schon selbst zusammengesetzt hat.
Irgendwo im Buch versteckt sich vielleicht ein bischen Thrill, das reicht aber bei weitem nicht um das buch als Fantasy-Thriller zu vermarkten!
Für mich tendiert es immer mehr zu einer Fantasy-Komödie. Hier fehlt auch das Düstere, das im ersten Buch noch einen gewissen Schauer brachte, alles wird mehr oder weniger ins lächerlich/lustige gezogen.
Einige unlogische Handlungen/Ereignisse werden nie geklärt und der Handlungsstrang ist dünn gewebt.
Wie schon geschrieben, sorgen Jorge und auch Meister Hippolith wieder für einige Schmunzler, auch andere bekannte "Fantasy-Rassen" bekommen ihr Fett weg - aber mir reicht das leider nicht...
60° und das ist noch recht hoch gegriffen
Micha
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