Kanon der Melancholie von Jens Lossau & Jens Schumacher

Buchvorstellung

Kanon der Melancholie von Jens Lossau & Jens Schumacher

Originalausgabe erschienen 1998, 176 Seiten.ISBN 3930304066.

»Kanon der Melancholie« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

14 Erzählungen zwischen Kürzestgeschichte und Novelle, die natürliche und übernatürliche Irrungen der menschlichen Existenz erfahrbar werden lassen. Nächtens sich manifestierende Alpdrücke …eine Agentur, die sich auf die Auslöschung von Leben spezialisiert hat …alles, was die Grenzen des menschlichen Geistes zu sprengen vermag, vereint sich im ohrenbetäubenden Kanon der Melancholie

Ihre Meinung zu »Jens Lossau & Jens Schumacher: Kanon der Melancholie«

candyman zu »Jens Lossau & Jens Schumacher: Kanon der Melancholie«18.07.2010
Von den beiden Jenses hab ich schon länger den Band ENTITÄTEN gelesen, der mich doch zumindest streckenweise überzeugen konnte. Die dort drin enthaltene Geschichte "Der Hundertausendjährige" zum Beispiel ist ein fast vollkommenes Meisterstück subtiler psychologischer Phantastik à la Ligotti oder Aickman.
Ich hoffte beim vorliegenden Buch also auf ähnliche Geniestreiche, leider umsonst. Die in dem Band enthaltenen Geschichten sind durchwegs infantil und ziemlich wahllos in ihrer Aneinanderreihung von Horror- und Splatter-Effekten, allerdings wirkt die Sprache stellenweise so gespreizt und aufgeplustert, dass es nur noch einer Parodie gleichkommt.
Und doch mangelte es eigentlich nicht an Ideen, Wahnsinn und Obsessionen sind doch immer wieder gut für die eine oder andere unheinliche Story. Aber da können die Protagonisten noch so effekthascherisch ihre kleinen Baby-Söhne mit Nägeln traktieren, wenn ich keinen Bezug zu dem Protagonisten habe, geht das an mir vorbei. Im besten Fall ist das noch pervers zu nennen, wirklichen Grusel erzeugt es aber nicht.
Und wieder einmal ist mir aufgefallen, dass deutsche (Horror-)Autoren so gerne englische Namen und Szenarien verwenden, für ihre verwässerten King-Pastichen. Und man kennt dann trotzdem keine Zurückhaltung, in denselben anglo-philen Szenarien böse Nazi-Lehrer heraufzubeschwören, für mich ein Widerspruch. Die Stories sind zwar durchaus abwechslungsreich, was aber nicht heisst, dass die auch originell sind. Wie gesagt bedient man sich gerne bei Barker, King und Lovecraft, ohne dass wirklich Eigenständiges dabei herausgekommen wäre. Aber vielleicht zieht man mit dem "Kanon der Melancholie" (welche ich in diesem Buch übrigens vergeblich suchte) ein bisschen zu Hart ins Gericht. Es ist ja immerhin eine Art Erstlingswerk und man hat ja schon gesehen, dass die Autoren sich entwickelt haben.
[Bewertung=50]
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Kanon der Melancholie

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.