Grabesruhe von Jim Butcher

Buchvorstellung und Rezension

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  • Science-Fiction
  • Horror
  • Mystery

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Grave Peril, deutsche Ausgabe erstmals 2007 , 352 Seiten. ISBN 3-426-63442-2. Übersetzung ins Deutsche von Jürgen Langowski.

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In Kürze:

Wo die Polizei nicht weiterweiß, kommt er ins Spiel: Harry Dresden, der Privatdetektiv mit den besonderen Fähigkeiten. Er musste es schon mit einer ganzen Reihe unheimlicher Gegner aufnehmen – von skrupellosen Vampiren und düsteren Dämonen bis zu gigantischen Skorpionen. Doch nichts von alldem hat ihn auf die Gefahr vorbereitet, der er sich nun stellen muss: Überall in Chicago werden Menschen von Geistern attackiert, die nur ein Ziel kennen – Rache an allen Lebenden. Kann Harry sie aufhalten?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der etwas andere Columbo“ 20

Horror-Rezension von Carsten Kuhr

Stellen Sie sich mal Peter Falk in seiner Paraderolle des etwas trotteligen, aber liebenswerten Inspektor Columbo vor. Nur, dass er statt in LA in Chicago ermittelt und das auch nicht immer im Auftrag der Polizei. Nun geben Sie, um dem ganzen noch zusätzliche Würze zu verleihen, noch eine Prise Magie, übernatürliche Wesen und Dämonen hinzu, rühren alles gut um und fertig ist Butchers Geniestreich um Harry Dresden.

Die ersten beiden Romane um den chaotischen Magier und Detektiv, der in einem Chicago unserer Zeit insbesondere in übernatürlichen Ermittlungen auftritt, überzeugten durch Tempo, Witz und skurrile Charaktere. Auch der Auftakt von Band drei ist vielversprechend. Da macht sich unser Detektiv zusammen mit einem Streiter Gottes, der nicht nur das Gewand eines Templers zu seinem Flanellhemd und den Sicherheitsstiefeln trägt, sondern auch „Amoracchius“, eines der drei heiligen Schwerter mit einem Nagel aus dem Kreuz Christi, sein Eigen nennt, auf, die in letzter Zeit immer massiver umgehenden Geister und Dämonen zu bannen. Was nur schreckt die Toten auf und warum ist die Grenze zum Niemalsland so dünn und durchlässig wie noch nie?

Verfolgt von Geistern und seiner Patentante Lea – immerhin eine waschechte Angehörige der hohen Sidhe -, schlittert Harry immer weiter in die Bredouille. Seine Freunde werden von rachsüchtigen Geistern verfolgt, von Alpträumen gemartert und ausgeschaltet. Als er eine förmliche Einladung zum Ball der Vampire erhält, die er als offizieller Repräsentant des weissen Rats der Magier unmöglich ablehnen kann, weiss er, was die Stunde geschlagen hat. Mit seiner Freundin Susan hat die Vampir-Baronin Bianca das ideale Druckmittel gegen Harry in der Hand. Da hilft es wenig, dass sich unerwartete Verbündete auf Harrys Seite schlagen. Nach Jahrhunderten droht eine neue Auseinandersetzung – der Krieg zwischen Vampiren und Magiern, der Krieg der alles auslöschen kann …

Ein Neubeginn muss nicht immer gut sein

Tempo, Ideenwitz und markante Gestalten, so habe ich zu Beginn dieser Besprechung die ersten beiden Bände um Harry Dresden zusammengefasst. Vorliegender dritter Teil der Reihe ist sowohl vom Aufbau her als auch von der Handlung anders angelegt als die vorhergehenden Teile.

Harry als Person ist eingeführt, seine Umgebung wurde beleuchtet, hier erwartet den Leser nichts wirklich Neues. Während andere Autoren ihren Protagonisten nun im Auftrag verzweifelter Eltern, getäuschter Geschäftspartner oder gehörnter Ehefrauen auf die Suche nach übernatürlichen Bösewichtern geschickt hätten, versucht Butcher seine Handlung auf eine grössere Ebene zu heben – und scheitert dabei.

Was bislang in einem lokalen Kolorit gehalten wurde, und hier gerade durch die fast schon kleinstädtische Vertrautheit der Handelnden untereinander und deren verbale Auseinandersetzungen Pep und Spritzigkeit bekam, das funktioniert auf der grösseren Bühne nicht. Lange bleibt die Handlung rätselhaft, vom Motiv des Verantwortlichen für die Eskalation allerorten gar nicht zu sprechen. Viel der Faszination der ersten Bände erreichte Butcher durch die Darstellung einer uns bekannten, hochtechnisierten Welt, in der eben diese hochgezüchtete Technik ein ums andere Mal das Nachsehen gegenüber der Magie hat. Sei es, dass technische Geräte in der Reichweite unseres Helden dazu tendieren, ihren Geist aufzugeben und Harry daher in einer Souterrain-Wohnung ohne fliessend heisses Wasser oder Heizung sein oftmals kärgliches Dasein fristet, oder die Polizei mit all ihren CSI-Methoden an Schauplätzen okkulter Verbrechen ratlos dasteht – das wirkte in sich überzeugend. Gleichzeitig nahm der Autor so manche Technikgläubigkeit augenzwinkernd auf die Schippe. Dazu gesellte sich die Beschreibung eines Junggesellen, der trotz aller Gaben, die ihm in der Theorie Macht und Ansehen verschaffen sollten, ein chaotisches Leben ohne Glanz und Gloria, dafür mit um so mehr Sorgen und Frust führt. Butcher rührte mich mit seiner Beschreibung des zwar schlitzohrigen, aber nur zu oft scheiternden Helden.

Statt eines trotteligen, aber liebenswerten Helden plötzlich ein Magier

Ganz anders in „Grabesruhe“. Hier entfesselt Harry plötzlich magische Feuer, die Schuldige wie Unschuldige gleichermassen zu Asche verbrennen. Hier wird aus unserem kleinen, unwichtigen Rädchen im Rat der Magier plötzlich eine wichtige Person, deren Vernichtung wegweisend für das Schicksal der Welt sein soll. Plötzlich gelingen Harry die Bannsprüche, scheinbar mühelos wechselt er zwischen Niemalsland und unserer Welt hin und her und ist vom eigenen Unvermögen, das gerade die Person Harry so sympathisch gemacht hat, kaum mehr etwas zu entdecken. Diese Entwicklung, diese Änderung im Auftreten, in den Fähigkeiten wird uns nicht erklärt und bleibt damit unglaubwürdig. Das ist nicht mehr mein Harry, der im Grunde seines Herzens die Beine baumeln lassen will, der sich nach Ausgleich sehnt und dessen Vorstellung eines guten Tages viel mit Ausschlafen, Essen, Faulenzen und sich-mit-seiner-Freundin-vergnügen zu tun hat, das ist ein Magier, der Verantwortung sucht und übernimmt, nicht weil er vom Schicksal dazu gezwungen wird, sondern weil er ist. wer er ist. Auf der Strecke bleibt dabei viel der Vertrautheit mit unserem Ganover-Helden, statt dessen erwartet den Leser ein weiterer Aufguss der angesagten und inhaltlich fast austauschbaren „Buffie-Angel-Soaps“ ohne eigenes Flair. Ich kann nur hoffen, dass der Autor sich alter Stärken besinnt und wieder zu seinen wesentlich überzeugenderen Wurzeln zurückkehrt.

Ihre Meinung zu »Jim Butcher: Grabesruhe«

sue82 zu »Jim Butcher: Grabesruhe« 12.08.2009
Meiner Ansicht nach, der beste Teil von denen die ich bisher gelesen habe. Spannend, mit einer gewissen Protion an Wortwitz an der richtigen Stelle. Gute Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite. Der Schreibstil ist besser und die Nebenfiguren machen hier viel aus.
Die Story beginnt sehr plötzlich und man ist mittendrin im Geschehen. Gleich zu Anfang taucht Micheal, ein Ritter, auf. Wobei ich während des Lesens mehrmals das Gefühl hatte, als würde zwischen "Wolfsjagd" und "Grabesruhe" noch ein Teil fehlen. Geister drehen durch im Niemalsland und es gilt heraus zu finden wer dahinter steckt. Bis es dann zum großen Showdown bei den Vampiren kommt. Klare Empfehlung, die Reihe wird von Buch zu Buch besser.
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