Agent der Sterne von John Scalzi

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Agents to the Stars“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 400 Seiten.ISBN 3-453-52625-2.Übersetzung ins Deutsche von Bernhard Kempen.

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In Kürze:

Eines Tages kommen Außerirdische auf die Erde, um mit den Menschen eine friedliche Allianz zu bilden. Es gibt nur ein Problem: Sie sind abgrundtief hässlich und stinken zum Davonlaufen. Nicht einfach also, sich das Vertrauen der Erdbewohner zu erwerben. Die Aliens brauchen jemanden, der das »Geschäft« zwischen den beiden Völkern vermittelt. Und wer kann das besser als ein smarter Hollywood-Agent?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Witzig: Hollywood in Space“85

Science-Fiction-Rezension von Amandara M. Schulzke

Tom Stein, aufstrebender junger Manager einer Agentur in Hollywood, führt knallharte Geschäftsverhandlungen und betreut mit diplomatischem Geschick exzentrische Schauspieler. Da ruft ihn erstmalig der Big Boss Carl in sein Büro. Er eröffnet ihm die Chance seines Lebens. Er darf Agent einer friedliebenden, aber stockhässlichen, stinkenden, außerirdischen Spezies werden. So nimmt er Joshua, den Botschafter der Yherajk, in einer großen Wasserflasche mit nach Hause. Dabei erwischt ihn der aufdringliche Journalist Jim van Doren. Stein verweigert ein Interview und der daraus erfundene bösartige Beitrag macht es ihm außerordentlich schwer, seiner geheimen Mission ungestört nachzugehen. Neider nicht nur seines geschäftlichen Erfolgs in den eigenen Reihen warten nur auf die Gelegenheit, ihm eins auszuwischen. Bald kommt er in Schwierigkeiten, seine normale Agententätigkeit mit den Aufgaben durch Joshua in Einklang zu bringen. Aber er hat ja seine gewiefte Assistentin Miranda, die ihm den Rücken frei hält. Inzwischen freundet sich Joshua mit dem altersschwachen Retriever Ralf an. Doch gegen seine Langweile, wenn Tom anderes zu erledigen hat, reicht das auch nicht. Michelle, Superstar, seine beste Klientin und einzige Freundin, erwartet von Tom, dass er ihre wichtigen Probleme löst, wie z.B. wer ihren Friseur bezahlt. Außerdem will sie unbedingt eine völlig unpassende Rolle spielen.

Vom Klamauk zum Ernst

Der Heyne Verlag versucht, mit diesem Cover wieder einmal den Preis für das langweiligste und einfallsloseste Titelbild aller Zeiten zu gewinnen, das glücklicherweise absolut gar nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Es assoziiert billigste Technik- oder Military-Sci-Fi und lässt auf gute Sci-Fi erpichte Leser achtlos daran vorüber gehen.

Anfangs lässt uns Scalzi den ausgebufften Jungagenten Tom Stein begleiten, der Verhandlungen führt, dass es uns die Lachtränen in die Augen treibt. Ein Gag jagt den anderen, und wir bewundern Stein für seine Schlagfertigkeit. Köstlich auch die Dialoge mit dem tentakelartigen Joshua über unser menschliches Leben und die schizophrenen Attribute unserer Gesellschaft und der amerikanischen Filmindustrie. Eine witzig spritzige Satire. Schnell kann der Leser auch Sympathie aufbauen zu den anderen Charakteren. Zu Michelle, dem Superstar, die eher ein kleines Mädchen ist, zu Miranda, die alles bravourös regelt, zu Carl, der sich von seinem Elfenbeinturm herab begibt. Selbst der besessene van Doren gewinnt unser Mitgefühl. Es ist ein schnelles Buch, zum Ausruhen und Abschalten bestens geeignet.

Irgendwann gewinnt die amüsante Geschichte Tiefgang, als Michelle einen Unfall hat und in Lebensgefahr schwebt. Jetzt gilt es nicht nur, Journalisten fern zu halten. Möglicherweise sind die Yherajk die einzige Hoffnung auf Rettung für die Schwerkranke. Danach erinnert Scalzi besonders deutsche Leser an die unrühmliche Vergangenheit der Nazi-Zeit. Im Zuge dessen erlebt der Leser eine philosophisch-moralische Diskussion über den Wert des Lebens mit. Scalzi, der mit „Krieg der Klone“ praktisch über Nacht berühmt wurde und schnell auch deutsche Fans fand, hat schon in seinem Frühwerk, das er zuerst nur im Internet veröffentlichte, bewiesen, dass er Humor, Satire und Science Fiction geistreich verbinden kann.

Ihre Meinung zu »John Scalzi: Agent der Sterne«

geronimo zu »John Scalzi: Agent der Sterne«08.07.2010
Das Erstlingswerk von Scalzi - Köstlich!

Ein Roman voll von schlagfertigen Wortwitz. (Am liebsten würde ich alle Sprüche aus diesem Roman auswendig lernen, ich wäre damit der gefragteste Smalltalker auf jeder Party.) Ein Dank dem Übersetzer, der es geschafft hat, diesen amerikanischen Witz ins Deutsche zu transportieren.

Der freche Schreibstil tröstet mich dann auch über die Tatsache hinweg, dass dieser »Science Fiction« lediglich im heutigen Hollywood verortet ist und der Erstkontakt zwischen Menschen und Ausserirdischen durch einen einfachen Telefonanruf (anstelle einer ordentlichen Raumschiffslandung vor dem Weissen Haus) hergestellt wird.

Und da ein Hollywood-Schauspieleragent von den Aliens dazu auserkoren wird, ihr Image vor der Landung für die menschliche Öffentlichkeit aufzupolieren, erfahren wir in diesem Roman fast mehr über die Gebräuche im Showbiz als über die wackelpuddingartigen, übelriechenden Aliens selbst.

Hier setzt auch meine Kritik an: Scalzi entwirft nun (leider) keine fiktive »Pro-Alien« Marketingkampagne, sondern lässt ein Alien nach Bodysnatcher-Art den Körper einer hirntoten Hollywoodschönheit übernehmen. Mit diesem Starlet-Körper dreht das Alien einen Holocaust-Film [sic!], gewinnt für die darstellerische Leistung einen Oscar und outet sich auf der Preisverleihung – als Botschafter von Ausserirdischen mit freundlichen Absichten! Naja.

Ich persönlich kann die immer noch aktuelle, morbide Faszination vieler Amerikaner zum Thema Holocaust / Drittes Reich schwerlich nachvollziehen. Im Romankontext wird damit allerdings die wünschenswerte, friedliche Koexistenz verschiedenster Rassen (aka: Wackelpuddingaliens) thematisiert.

Deshalb von mir: 9/10 Punkte für den Wortwitz, jedoch nur 5 für die einfache SciFi-Rahmenhandlung.
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