BioShock. Rapture von John Shirley

Buchvorstellungund Rezension

BioShock. Rapture von John Shirley

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „BioShock. Rapture“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 448 Seiten.ISBN 3833223251.Übersetzung ins Deutsche von Tobias Toneguzzo und Andreas Kasprzak.

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In Kürze:

Am Abgrund. Das Ende des Zweiten Weltkriegs und der vernichtende Schlag gegen Japan haben nicht nur Euphorie in den Köpfen der Amerikaner hinterlassen. Der geniale Selfmade-Milliardär Andrew Ryan träumt von einem Utopia am Grunde des Meeres, wo Unterdrückung, Doppelmoral und Zensur der Wissenschaft keinen Platz mehr haben. Was schließlich daraus wurde, ist jedem Spieler der BioShock- Reihe hinlänglich bekannt: Ein einziger Alptraum. Dies ist seine Geschichte

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Mythos von der conditio humana“93

Science-Fiction-Rezension von Almut Oetjen

Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, Roosevelts Politik hat die USA verändert, die Steuern sind hoch wie nie, der Abwurf der Atombomben über Japan hat die Möglichkeit der Auslöschung der Menschheit in das Bewusstsein der Menschen gebracht.

Geheime Regierungsorganisationen gewinnen an Einfluss, Demokratie und Bürgerrechte befinden sich im Abbau. Unter den Menschen, die sich dieser Entwicklung entgegenstellen, befindet sich der Immigrant Andrew Ryan, der den Weg aus der Armut geschafft hat und nun einer der reichsten und am meisten bewunderten Menschen der Welt ist. Als russischer Immigrant Andrei Rianofski kam er 1918 kurz nach der Machtübernahme durch die Bolschewiki mit seinem Vater als Flüchtling aus Russland in die USA. Er ist enttäuscht von Regierungen, die zum Umverteilen Steuern erheben, was für ihn eine Form von Diebstahl ist. Er ist enttäuscht von den Gewerkschaften und staatlichen Eingriffen in das Leben der Menschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Abwurf der Atombomben ist er überzeugt, dass der Menschheit die Verstrahlung des Lebensraums durch Atomkriege bevorsteht. Da er zudem nicht mehr in der, wie er sie nennt, menschlichen Ameisengesellschaft leben will, entwickelt er ein Projekt und macht sich sogleich an dessen Umsetzung: Rapture, eine große Stadt auf dem Boden des Nordatlantik. Sein wichtigster Helfer und Vertrauter ist der Ingenieur Bill McDonagh. Das Projekt wird geheim gehalten, nur sorgfältig ausgewählte Menschen werden darüber informiert. Aber die logistischen Aktivitäten erregen Aufmerksamkeit. Ein Gegenspieler erwächst Ryan mit dem dubiosen Frank Gorland, einem angeblichen Barbesitzer, gegen den das FBI ermittelt.

Mehr als die Romanversion eines Spiels

Den Ausgangspunkt der Geschichte einer Stadt unter dem Meer bilden die Spiele „BioShock“ und „BioShock 2“. John Shirley bringt nicht einfach nur ein Videospiel in Romanform. Er bettet den Spielinhalt und vor allem die Hintergrundgeschichte in einen komplexen Roman ein, der auch die Vorgeschichte zu den Ereignissen in den Spielen erzählt. „Bioshock: Rapture“ besteht aus einem Prolog und drei Hauptteilen, die durch die so genannten Zeitalter Raptures bestimmt sind.

Die Geschichte beginnt mit der Entwicklung Raptures und endet mit dem Bürgerkrieg 1959. Sie wird erzählt in der dritten Person Singular, als ein Ensembleroman. Der Erzähler nimmt die jeweiligen Perspektiven der Figuren ein. Ein wenig heraus aus dem Ensemble sticht Bill McDonagh, der Klempner und Ingenieur, der zu Beginn am Boden liegt. Der Gründer von Rapture, Andrew Ryan, sieht in ihm eine Art Bruder im Geiste und baut ihn zur wichtigsten Person im Hintergrund seines Projekts auf. McDonaghs Aufstieg in der Welt von Rapture und der Preis, den er dafür schließlich zahlen muss, sind eins der Hauptthemen des Romans und von Shirley spannend, mit Tiefgang und sehr lesenswert aufbereitet.

Aufbruch in die neue Welt, die die alte sein soll

Die Bewohner von Rapture schließen einen freiwilligen Vertrag, der vorsieht, zum Schutz der Gemeinschaft die Stadt nicht zu verlassen. Dennoch beschweren sich manche Bewohner bereits kurz nach ihrem Einzug. Obwohl sich offenbar kaum jemand genauer informiert hat, werden vielfach Erwartungen der Bewohner enttäuscht, Erwartungen, die sich offenbar erst so richtig unbeschwert herausbilden können, wenn man keine Ahnung hat. Die Bewohner entwickeln Bedürfnisse nach vielen Dingen, die auf Rapture gemäß Vereinbarungen nichts zu suchen haben. Frank Gorland, der sich unter dem Namen Fontaine als Fischereiunternehmer in Rapture niederlässt nutzt diese Bedürfnisse, um mit Schmuggelware reich zu werden. Weitestgehend verhalten sich die Menschen nach einem bekannten psychologischen Muster, das sich so formulieren lässt: sie wollen aus den gewohnten Bahnen heraus zu etwas Neuem aufbrechen, das aber bitte vom Bekannten sich nicht unterscheiden soll, außer dass es einem vielleicht ein wenig besser geht.

Freies Unternehmertum und Wissenschaften

Wirtschaftliches Konkurrenzdenken wird schnell in das Extrem der Vernichtung des Konkurrenten gedacht. So sind nicht alle Unternehmer in der Abfallbeseitigung zufrieden mit ihren Bezirken, sondern einer sucht die Existenz eines anderen zu vernichten und dessen Bezirk zu übernehmen. Obwohl Ryan solche, wie er sie nennt, Haifische ablehnt, kann er nichts gegen sie unternehmen, ohne seine Prinzipien zu verleugnen.

In der Unterwasserkolonie arbeiten zwei Wissenschaftler in der genetischen Forschung. Yi Suchong hat Nikolade entwickelt, eine nikotinhaltige Süßigkeit, die sich großer Beliebtheit erfreut. Die Genetikerin Dr. Brigid Tenenbaum, die früher für die Nazis Menschenversuche durchgeführt hat, betreut in Rapture schwangere Frauen und macht versteckt auch hier Menschenversuche.

Als in der Stammzellenforschung mit Seeschnecken zuerst eine Heilsubstanz für offene Wunden entdeckt wird, bemerken Suchong und Tenenbaum ein Nebenprodukt, das in Menschenversuchen zu Plasmiden verfeinert wird. Diese Versuche sind illegal, aber der Geldgeber Fontaine, der sich davon enorme Profite verspricht, macht den Wissenschaftlern ein Angebot, vor dem sie kapitulieren. Mit der Vermarktung der Plasmide bekommt Ryans Utopia starke Risse. Die Plasmide, die Fontaine Futuristics herstellt, gibt es für alle gewünschten Zwecke, Verschönerung, Zunahme der Körperkraft, Telekinese, über kurze Distanz mögliche Teleportation, bis hin zum Einsatz als Waffe. Die Konsumenten werden schnell abhängig und langsam wahnsinnig. Die Junkies werden Splicer genannt. Fontaine kümmert sich auch um die abgewrackten Splicer, betreut deren Kinder in einem Waisenhaus. Man benötigt nicht viel Phantasie, um Nächstenliebe und Profitgier, Waisenhaus und Fontaine Futuristics zu vereinen. Das Ende des Romans ist sehr traurig, aber folgerichtig.

„Wann immer jemand möchte, dass ein anderer ihm die Arbeit abnimmt (...), beruft er sich auf die Nächstenliebe.“

Fazit

Dystopien sind seit einiger Zeit sehr in Mode, zumeist im Jugendbuchmarkt. „Bioshock: Rapture“ ist eine der besten Dystopien, nicht nur, weil John Shirley auf unterhaltsame und hervorragende Weise zeigt, dass Utopie und Dystopie gedankenblutsverwandte sind. Shirleys Hauptanliegen scheint zu sein, sauber zu entwickeln, warum die Gesellschaft von Rapture nicht funktionieren kann. Das Ende wäre dann nur noch notwendiger Vollzug.

„Bioshock: Rapture“ ist Shirleys seit Jahren bestes und vielschichtigstes Buch. Der Roman spielt in der Vergangenheit, trägt dort die Saat der Zukunft aus und erntet einen zeitlosen Beitrag über die Unveränderbarkeit der Welt.

(Almut Oetjen, Februar 2012)

Ihre Meinung zu »John Shirley: BioShock. Rapture«

Ginger zu »John Shirley: BioShock. Rapture«27.09.2014
Ich habe die Spiele geliebt - die Atmosphäre, die Stimmung, die Story und überhaupt alles! Als dann das Buch kam, musste ich es natürlich haben und war mehr als begeistert!

Man erfährt, wie alles begann, wieso weshalb warum sich alles so entwickelt hat.

Wer sie Spiele nicht kennt, sollte sich aber trotzdem nicht scheuen, zu Lesen. Es ist eine gute, spannende Story, die vielleicht dem ein oder anderen doch Lust auf's Spielen macht.
Heinz zu »John Shirley: BioShock. Rapture«04.01.2012
Das Buch zu lesen frischt die Erinnerung an Ereignisse und Personen aus den Spielen sehr Gut auf. Wer Die Spiele noch nicht gespielt hat, könnte
darauf Appetit bekommen. Jules Verne hätte es nicht
besser ersinnen können. Rapture,eine Bizarre Unterwassergesellschaft auf engem Raum. Also ich
finde das Buch gut und unterhaltsam geschrieben.
Prima Ergänzung zu den Spielen!
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