In der Hölle von John Shirley

Buchvorstellungund Rezension

In der Hölle von John Shirley

Originalausgabe erschienen 2001unter dem Titel „The View from Hell“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 152 Seiten.ISBN 3937897224.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

H, V und Z sind Wesen einer höheren Dimension, die unerkannt die Erde beobachten. Grausam wie Kinder, die Spinnen die Beine und Fliegen die Flügel ausreißen, führen sie schreckliche Experimente mit den Menschen durch und zwingen sie zu irrsinnigen Bluttaten. Als H endgültig die Kontrolle verliert, streben die Experimente einem ebenso bizarren wie mörderischen Höhepunkt entgegen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Zur Hölle? Gleich hier entlang!“92

Science-Fiction-Rezension von S.B. Tenz

Während das Fantasy-Genre größtenteils von Trollen, Zwergen, Elfen und viel magischen Schnick-Schnack bestimmt wird, stehen Vampire, Zombies und ähnlich „;untotes Gezücht“; Äquivalent für das Horror-Genre. Auf Dauer dürfte dieses Faktum selbst hartgesottenste Fans ermüden. Einen ganz anderen Weg schlägt John Shirley ein, der mit seinem Roman „;In der Hölle“; komplett auf Genre-übliche Stereotypen verzichtet. Er bedient sich des alltäglichen und wuchert in den dunkelsten Winkeln menschlicher Psyche. Was dabei zum Vorschein kommt und sich in seinem Roman wiederspiegelt, ist Horror pur und nichts für feinnervige Gemüter.

H,V und Z sind körperlose Wesen aus einer anderen Dimension, die unbemerkt die Erde beobachten. Interdimensionale Touristen -wenn man so will- die von Neugier getrieben unsere Welt erforschen. Es genügt ihnen jedoch nicht, die Menschen nur zu beobachten. Sie wollen mehr und machen die Erdenbürger zu willenlosen Geschöpfen ihrer grausamen Experimente. Experimente, die so unvorstellbar brutal und böse sind, dass sie jeder Beschreibung spotten. Dabei dringen sie in das Bewusstsein ihrer Opfer ein und verwandeln diese in skrupellose Mordmaschinen. Sie manipulieren Ereignisse und führen Katastrophen herbei, die lediglich ihrer Unterhaltung dienen. Eines dieser Wesen geht dabei besonders erbarmungslos vor und steigert sich in einen mephistophelischen Rausch, der selbst bei seiner eigenen Art Unbehagen auslöst. Ungeachtet dessen treibt „;Es“; seine Versuche gnadenlos voran und plant ein dämonisches Finale. Das Experiment gerät jedoch völlig außer Kontrolle und die Qualen der Opfer nehmen unvorstellbare Ausmaße an. Die gequälten Seelen durchleben jede für sich eine eigene Hölle bis sie sich schließlich alle an einem gemeinsamen Ort der Verdammnis wiederfinden. Was ihnen dort bevorsteht, würde selbst Luzifer Albträume bereiten.

Im Hades ist die Hölle los

Dieser Roman ist „;Death Metall-Horror“;. Kraftvoll, schnörkellos und so richtig böse. Ein frischer Wind, der das ansonsten vor sich hin dümpelnde und etwas leblos gewordene Genre mal so richtig durchbläst. John Shirleys Hölle ist keine klassische Variante des Hades. In seiner Hölle gibt es zunächst alles, was das Sünder-Herz begehrt. Alkohol und Drogen im Überfluss, begleitet von angenehmem „;New-Age-Sound“;, der dezent im Hintergrund spielt. Ein Treffpunkt für kaputte und gescheiterte Freaks, die auf dem „;American Way of Life“; ins straucheln geraten sind. Die Vorstellung, an solch einem Ort zu landen – wenn man denn schon in die Hölle muss – klingt zunächst verlockend. Auf jeden Fall besser als die klassische Variante des Hades, die uns das Papsttum anbietet. Aber der Schein trügt. Der Begriff „;Ewige Verdammnis“; kommt hier voll und ganz zum Tragen. Bald schon gibt es für die Protagonisten nur noch eine einzige Abwechslung – und das ist der Tod.

Wie Wegelagerer bricht nun das Grauen plötzlich aus dem Unterholz. John Shirly schickt den Leser auf einen Horrortrip, der sich mit einfachen Worten kaum noch ausreichend beschreiben lässt. Ein wenig erinnert das alles an Filme wie „;Saw“; oder „;Cube“;, jedoch verzichtet der Autor auf maßlos übertriebene Splatter Effekte. Einige gut geschärfte Rasiermesser in den Händen völlig durchgeknallter Protagonisten erzielen schon den gewünschten Effekt. Bevor es jedoch so weit kommt, muss der Leser sich ein wenig in Geduld üben, was allerdings nicht heißen soll, dass der Roman auch nur eine Sekunde langweilig wäre.

Ort der Verdammnis

Schon der Prolog lässt keinen Zweifel daran, dass dies kein Roman für zarte Gemüter ist. Shirley bedient sich einer Sprache, die nicht nur brutal, sondern bisweilen auch extrem vulgär und gossenhaft daherkommt. Nach dem Prolog wechselt er jedoch zu einer etwas gemäßigteren Ausdrucksweise und reduziert seine verbalen Entgleisungen von nun an auf wenige Passagen. Überhaupt geht es nach der Einleitung erst einmal etwas gemächlicher vonstatten. Den Leser erwartet alltäglicher Horror, wie er überall auf der Welt und zu jedem Zeitpunkt stattfinden kann. Szenarien, die uns allen gegenwärtig sind und vor denen wir gerne die Augen verschließen, so als fänden sie außerhalb unseres Wahrnehmungsbereiches statt. Shirley beleuchtet zunächst die menschlichen Abgründe seiner Protagonisten, bevor er sie in die Hölle schickt. Der Weg dorthin führt über den „;American Way of Life“;. Börsenmakler, Filmproduzenten und korrupte Aufsichtsratsvorsitzende stellt er an den Pranger. Aber auch notorische „;Latte-Trinker“; sind dem Autoren allem Anschein nach ein Gräuel. Unverkennbar, dass der Punk in ihm ein Wörtchen mitzureden hat. Aber keine Angst, längst überholte „;No Future-Parolen“; bleiben uns erspart, stattdessen erwartet den Leser ein gesunder Anarchismus, der ohne langweilige Phrasen auskommt und sogar ein wenig zum Nachdenken anregt.

Es sind zunächst kurze Episoden, über die dem Leser die einzelnen Protagonisten näher gebracht werden. Das alles wirkt anfangs recht zusammenhangslos und scheint wenig Sinn zu ergeben. Doch dies ist sozusagen nur der Countdown zu einem beklemmenden Finale, in dem Shirley sein Feuerwerk des Grauens entzündet. Eine Atempause gibt es auf diesem schauerlichen Weg nicht, denn Shirleys Erzählung ist geprägt durch schnelle und rasante Schnitte, die fast schon einem Drehbuch zu einem längeren Videoclip gleichkommen. Die unterschiedlichen Figuren kommen und gehen und scheinen zunächst nicht mehr zu sein, als sich schnell verflüchtigende Randerscheinungen, die jederzeit austauschbar sind. Wirklich sympathisch wirkt zudem keiner der Protagonisten. Egoistisch, oberflächlich und von Neurosen geplagt hetzen sie rücksichtslos durch ihren Alltag und werden somit zu prädestinierten Opfern der übernatürlichen Wesen aus der höheren Dimension.

Seinen absoluten Höhepunkt erreicht der Roman, wie schon erwähnt, schließlich im letzten Drittel, wenn die unterschiedlichen Protagonisten sich an einem Ort zusammen finden. Von nun an gibt John Shirley so richtig Vollgas und lässt die Sache eskalieren. Zusätzlich entbehrt das Ganze nicht einer gewissen morbiden Komik, die aber keineswegs ungewollt daherkommt, sondern dem Leser gezielt ein verstörtes Lächeln entlockt. Es ist dieses verschmitzte Lächeln hinter vorgehaltener Hand, bei dem man sich fragt, ob man eigentlich noch ganz dicht ist und sich ungern ertappen lässt. Mordlüsterne Irre, denen allerdings das eigene Sterben wichtiger ist als das Töten anderer, sind letztendlich Schuld an diesem Umstand. Wenn John Shirley, Meister der Absurditäten, die Pforten seiner Hölle wieder verschließt, wird der eine oder andere Leser sicher eine Fortsetzung dieser Geschichte in seinen Albträumen erleben.

Fazit

Wer einen kurzen Horror-Trip abseits von King, Koontz, Straub oder ähnlichen Autoren sucht, der findet in diesem Roman mehr als nur eine willkommene Abwechslung. John Shirleys „;In der Hölle“; ist ein kleines Highlight der phantastischen Literatur. Schnell, hart, abgrundtief böse und mit zahlreichen Überraschungen versehen. Nach knapp 160 Seiten ist der Spaß zwar schon vorbei, aber bis es soweit ist, erwartet den Leser Spitzen-Unterhaltung und Gänsehaut pur. Allerdings sollte man den Roman möglichst zügig, ohne längere Pausen, durchlesen, denn nur so kommt der ganze Horror so richtig zum Tragen. Lesern, die am Ende behaupten, Shirleys „;Hölle“; hätte sie kalt gelassen, ist dann auch nicht mehr zu helfen.

Ihre Meinung zu »John Shirley: In der Hölle«

Alexi1000 zu »John Shirley: In der Hölle«24.01.2010
Knapp 160 Seite plakativer Gewalt! Als kleines Highlight angekündigt, hab ich mich drauf gefreut, aber schon nach kurzer Zeit war das alles nur noch langweilig und öde, in den sich immer höher aufschraubenden Gewaltorgien...

evtl. hab ich auch den tieferen Sinn dahinter nicht verstanden (Klar, den Menschen soll ein Spiegel vor das Gesicht gehalten werden)...

aber für mich war das nichts. Keine Ahnung wie sowas bei den sonst sehr guten EditionPhantasia landen konnte...
mase zu »John Shirley: In der Hölle«06.05.2008
Grosses „Hm“! Das Buch beginnt sehr krass, denn dem Leser werden sämtliche Grausamkeiten, die wir Menschen uns gegenseitig antun, deutlich vor Augen geführt.

Als die Wesen dann aber ihre „Forschungsarbeit“ beginnen und in die Träume der Menschen eindringen und deren Wahrnehmungen verändern, um diese zu manipulieren, wurde es mir zu plump. Die Dialoge und Erlebnisse der Menschen sind mir zu einfach und unoriginell geschrieben, während die Dialoge der Wesen nur mühsam zu lesen sind, da der Lesefluss ständig durch „Übersetzungen“ in die "menschliche Sprache" unterbrochen werden. Der unnötige Einsatz von etlichen Fremdwörtern, die ich noch nie gehört habe, machte es auch nicht leichter, aber das wird wohl an meiner Unwissenheit liegen. Vielleicht habe ich auch schlicht zu wenig Fantasie, um mich mit solchen Wesen abzufinden? Nein, das war nichts für mich, aber das Cover des Buches ist bockstark.
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