Das Albtraumreich des Edward Moon von Jonathan Barnes

Buchvorstellungund Rezension

Das Albtraumreich des Edward Moon von Jonathan Barnes

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „The Somnambulist“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 400 Seiten.ISBN 3-492-70157-4.Übersetzung ins Deutsche von Biggy Winter.

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In Kürze:

„Dieser Roman ist ein grässliches Konvolut von Unsinnigkeiten, bevölkert von wenig überzeugenden Charakteren, geschrieben in öder Prosa, oft genug lächerlich und durchweg bizarr. Sie werden kein Wort glauben, und doch ist alles wahr!“ Im Jahr 1901 ermittelt der Bühnenzauberer und Detektiv Edward Moon mit seinem Assistenten, einem zwei Meter großen, schlafwandelnden Giganten, in der Unterwelt des viktorianischen London: Eine bizarre Mordserie führt sie in ein Reich der Fliegenmenschen, Hellseher und Geheimbünde …

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Eine Tour de Force für Bauch und Hirn“95

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

London, im Jahre des Herrn 1901.

Kommen Sie herein, meine Damen und Herrn, immer nur hereinspaziert. Treten Sie ein, meine Herrschaften, hier sehen Sie etwas, das die Welt noch nie gesehen hat. Kaiser und Könige, Gelehrte und Industrielle haben die Wunder, die Sie in Edward Moons Zaubervorstellung erwarten, bereits begeistert, jetzt liegt es an Ihnen, sich dieser illustren Gesellschaft zuzugesellen. Der Eintritt ist gering, um so erstaunlicher sind die Darbietungen. So etwas haben Sie noch nie gesehen, so etwas werden Sie auch nie mehr sehen. Das gibt es nur bei uns und nur noch für kurze Zeit!

Doch was das Publikum über Jahre stundenlang um Karten hat anstehen lassen, das hat mittlerweile seine ganz große Faszination verloren. Da kann Moon noch so viele Schwerter in den nicht blutenden und schmerzunempfindlichen Leib seines Assistenten rammen, kann mit seiner besonderen Gabe die verborgensten Geheimnisse eines Zuschauers gnadenlos ans Licht der Öffentlichkeit zerren, der Saal bleibt halb leer. Damit nicht genug ist auch sein Stern am Himmel der besseren Gesellschaft im Sinken befindlich. Früher umschwärmter Mittelpunkt der Soireen, muss er jetzt froh sein, überhaupt eine Einladung zu erhalten.

Nach den letzten Misserfolgen als genialer Helfer Scotland Yards hat zudem sein Ruf als Detektiv gelitten. Anders als Sherlock Holmes, der vor seiner Langeweile Zuflucht in dem Genuss von Drogen suchte, kompensiert er seinen gesellschaftlichen Niedergang über den Besuch eines Bordells für Herren mit ganz besonderen Neigungen. Die Damen des Gewerbes weisen alle eine körperliche Deformierung auf. Nur in ihren Armen kann er den nur zu oft tristen Alltag, die Kränkungen und den Spott vergessen. Um der Langeweile zu entfliehen, fasziniert ihn nichts so sehr wie die Suche nach Täter und Motiv. So stürzt er sich voller Elan auf einen neuen Fall, der den Yard vor Rätsel stellt.

Zwei junge Männer aus guter, begüterter Familie stürzen zu Tode. Selbstmord, oder ein Verbrechen? Das Motiv bleibt auch bei näherem Hinsehen schleierhaft. Zusammen mit seinem geheimnisvollen Assistenten macht sich Edward Moon auf, die mysteriösen Vorgänge um die tödlichen Stürze zu untersuchen. Schon bald stoßen sie dabei auf Ungereimtheiten. Ausgerechnet die Mütter der Verstorbenen bauen eine Mauer des Schweigens auf, verbindende Elemente geschweige denn ein Motiv sind zunächst nicht zu entdecken.

Doch nicht nur der Yard ist an den Vorkommnissen interessiert. Auch das Direktorium, eine Art britischer Westentaschen-Geheimdienst hat Lunte gerochen. Auftritt für Mr. Skimpole, einem mehr als unangenehmen Zeitgenossen. Der Albino, der dem mysteriösen Direktorium vorsteht, verpflichtet Moon gegen dessen Willen zur Mitarbeit. Und wirklich finden Moon und sein Gehilfe, der riesenhafte, stumme Schlafwandler, endlich eine Spur. Gerüchte wissen von einem Schläfer zu berichten, der unter der britischen Metropole liegt und träumt. Träume von Machtübernahme, Träume von einer Umgestaltung der Gesellschaft, Träume von der Pantiskratie, die die Menschheit zu neuen Ufern führen soll. Geheimnisvolle Informanten, Wahrsager und Denunzianten, sie alle sind sich einig, in zwei Tagen wird London, wie wir es kennen, untergehen …

Ein bunter Strauss kurioser Gestalten, verrückter Einfälle und einer unvorhersehbaren Handlung

Was ist das für ein Buch, das auf der britischen Insel für Furore gesorgt hat, das Menschen quer durch alle Schichten fasziniert und an seine Seiten gebunden hat?

Ein Buch, das zu Beginn den Leser ausdrücklich von der Lektüre abrät: „;Seien Sie gewarnt – diese Buch besitzt keinen wie auch immer gearteten literarischen Wert“!

Oder aber auch:

„;Eine letzte Sache, eine letzte Warnung: Im Geiste der Fairness sollte ich noch einräumen, dass ich Beweggründe haben werde, Ihnen mehr als nur eine glatte Lüge aufzutischen“.

Es ist ein Buch, das anders ist, als alles, das ich bisher gelesen habe. Und wenn man, wie ich viel liest, dann ist allein dies eine Empfehlung für ein Werk. Damit nicht genug, ist dies ein Buch, der sich in keine Rubrik einreihen lässt. Kriminalroman, phantastisches Werk, ein historischer Roman – alle Elemente dieser Genres werden verwandt, fügen sich harmonisch zu etwas Neuem.

Es ist aber auch ein Buch der absonderlichen Gestalten und übersprudelnder Ideen. Sei es der Fliegenmensch, eine Jahrmarktsattraktion, der Schlafwandler, den scheinbar nichts umbringen kann, der aber gleichzeitig stumm wie er ist, nur über eine Tafel mit seiner Umwelt kommuniziert, ein Mann, der rückwärts in der Zeit lebt, ein toter, nur allzu präsenter Dichter, zwei nie versagende Mörder, Skrimpole oder Moon selbst – sie alle vereinigen sich zu einem wahren Kabinett der Kuriositäten.

Und nicht zuletzt ist es ein faszinierend spannendes Buch, das zum Schmökern einlädt.
Ein Buch, das stilistisch zu überzeugen weiß, das voller Zynismus fabuliert und dabei jederzeit überraschend bleibt.

Anders als bei vielen Detektiv-Geschichten kann der Leser nicht mitraten, kann sich aus den Hinweisen und Beschreibungen unmöglich selbst die Lösung erschließen. Hinter jeder Ecke lauern neue Erkenntnisse, tauchen weitere Geheimnisse und Verwicklungen auf. Dabei vermeidet der Autor geschickt, ausgetretenen Pfaden zu folgen. Einen Dr. Watson sucht man vergebens, der Schlafwandler bleibt über die ganze Länge des Romans hinweg rätselhaft, ist nie nur Stichwortgeber, sondern eher Teil des Mysteriums.

Auch der zunächst im Dunkel bleibende Erzähler, der gleich zu Anfang deutlich macht, dass er Moon verabscheut, dass er einen persönlichen Bezug zur Handlung hat und mit Neid und Missgunst die Taten unserer Spürnase dokumentiert, trägt zum Lesegenuss bei. Wenn auch das Finale ein wenig überstürzt daherkommt, bleibt die Handlung bis zum Ende hin überraschend und fesselnd.

Man merkt dem Buch einfach an, mit wie viel Freude am Fabulieren der Autor an sein Werk gegangen ist, eine Tour-de-Force für Bauch und Hirn, ein Titel, der allzeit überraschend, dabei aber letztlich folgerichtig und in sich logisch und spannend auf hohem Niveau zu unterhalten weiß.

Ihre Meinung zu »Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon«

LuMu zu »Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon«10.10.2010
Das uneingeschränkte Lesevergnügen war dieser Roman für mich nicht. Das liegt vor allem daran, dass sich Jonathan Barnes skurrile bzw. phantastische Ideen m.E. nie zu einem atmosphärischen Ganzen verweben, sondern immer Flickwerk bleiben.
Alle paar Seiten wird ein weiterer grotesker Charakter aus dem Hut gezaubert und hat seinen Auftritt, ohne für den Fortgang der Geschichte -atmosphärisch oder erzählerisch- wirklich unerlässlich zu sein. Das nimmt dem Buch sehr viel an Dichte und gegen Ende immer mehr an Spannung. Der einzig verblüffende Knalleffekt bleibt der Enthüllung der Person des Erzählers vorbehalten, ansonsten verzichtet der Autor nahezu vollständig darauf, den Leser durch eine mysteriöse, sorgsam komponierte Story zu fesseln. Dabei bietet doch gerade das Phantastik-Genre hierfür so viele Möglichkeiten.
Mein Fazit wäre also: Ein Autor mit Fantasie, der sich aber deutlich zu wenig Mühe mit dem Plot gegeben hat. (In Punkten: 58)
benfi zu »Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon«17.06.2010
Einen recht merkwürdigen, aber wirklich interessanten und fesselnden Roman erwartet den Leser mit diesem Buch. Die Geschichte um den letzten Kriminalfall von Edward Moon wird hier auf eine recht erfrischende Art und Weise erzählt, besonders durch die Tatsache, dass der Erzähler immer wieder seine persönliche Meinung und diverse Anmerkungen ein wirft. Dazu wird diese phantastische Story von allerlei skurrilen und auch schrulligen Figuren und Charaktere immer wieder interessant gehalten; man denke nur alleine an den Schlafwandler, welcher ausschließlich über eine Tafel und einem Stück Kreide Konversation betreibt; nur Milch als Getränk zu sich nimmt und ohne Verletzungen mehrere Messerstiche hinnehmen kann! Oder der eigenartige Mr. Thomas Cribb, der die Zeit scheinbar rückwärts durchlebt! Durch viele historische Fakten sowie geologischen Gegebenheiten des Ortes der Handlung – nämlich der Stadt London – wird der Roman ebenfalls aufgewertet. Der Autor Jonathan Barnes schafft es eigentlich ganz gut, den Leser bei der Stange zu halten, auch wenn das Buch gegen Mitte mal etwas zähflüssiger wird, als Moons Ermittlungen ins Stocken geraten. Dafür gibt es zur Belohnung ein wirklich spektakuläres und actionreiches Ende, das schon etwas im Kontrast zu der anfänglichen Atmosphäre und Dichte des Romans steht. Die eigentliche Handlung ist allerdings nicht der zugegebenermaßen unterm Strich etwas einfache Kriminalfall samt einer groß angelegten Verschwörungsgeschichte, welche der alternde Bühnenzauberer zu lösen hat, sondern die Person eben jenes Edward Moon selber. Dies sollte man sich immer bewusst sein; dann macht das Buch viel Spaß!
koepper zu »Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon«28.07.2009
Das Buch von Barnes hat mich enttäuscht. Das gut gestaltete Cover hat meine Kaufentscheidung beeinflusst. Erwartet hatte ich einen spannenden Krimi, kuriose Gestalten und typisch britischen Humor. Barnes wartet tatsächlich mit skurrilen Figuren, schrägen Typen und kuriosen Ereignissen auf. Aber das Buch hat keinen Rhythmus, es groovt nicht. Barnes hat Ideen und eine überbordende Phantasie. Aber er reiht seine Einfälle aneinander ohne dass die Geschichte, die er erzählen will so recht in die Gänge kommt. Seine Orginalität wirkt bemüht. Es kommt einfach keine Spannung auf und so dümpelt der Krimi so vor sich hin. Alles wirkt beliebig, die Figuren so schräg sie auch sind, sind nur oberflächlich angelegt.
Ich kann das Buch nicht empfehlen. Schade.
sadayorisan zu »Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon«27.07.2009
Dieses Buch lohnt sich für Leser, die bereit sind sich auf ein Panoptikum von merkwürdigen, liebenswerten, perversen, brutalen, bemitleidenswerten und Hassfiguren einzulassen.
Die Story ist in ein von Barnes meisterlich entwickeltes düsteres London (Sweeney Todd lässt grüssen) eingebettet.
Bemerkenswert finde ich, wie es dem Autor gelingt auch brutale und blutrünstige Szenen mit einem Augenzwinkern zu entschärfen.
Einzige "Schwäche" des Buches ist m.E. der zu lösende Fall selbst (Plot?): Hier reicht Barnes Phantasie nur zu einer "typischen" Verschwörung.

Mein Fazit: Morbide, ideenreich, witzig - genial.
rm2099 zu »Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon«29.05.2009
Trotz vieler Vorschusslorbeeren hat das Buch bei mir einen sehr zwiespäligen Eindruck hinterlasen. Einerseits hat der Autor durchaus einen guten Schreibstil und viele skurille Ideen für Ereignisse und bizarre Gestalten, mit denen er das viktorianische London zum Leben erweckt. Doch nach einem fantastischen Start kommt die Story überhaupt nicht in die Gänge, es wird in einer Tour um den heißen Brei herumgeredet. Und der angeblich brillante Detektiv Mister Moon kommt in seinem Bestreben, einen Kriminalfall zu lösen und die permanent zitierte schlimme Bedrohung abzuwenden, keine Schritt weiter, sondern stolpert nur von einer fruchtlosen Unterhaltung zur nächsten.
Zudem kommt wenig Spannung auf, da alle Figuren sehr distanziert und mit wenig ausgefeilter Charakterisierung beschrieben werden. Es sind eher skurille Abziehbilder ohne Innenleben, die herumlaufen und agieren, sympathisch wird einem niemand. Das große Finale ist dann zwar ganz nett, doch löst sich irgendwie alles auch in Wohlgefallen auf; irgendwie hätte man sich doch etwas mehr erwartet.
Schade drum, denn gute Ansätze sind in dem Buch durchaus vorhanden. So wurden viele sehr gute Ideen und viel Fantasie in einen schwachen Plot investiert.
tassieteufel zu »Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon«27.12.2008
London 1901, der Bühnenzauberer Edward Moon hat seine besten Zeiten längst hinter sich und der einstmals gefeierte Publikumsliebling langeilt sich, denn auch sein guter Ruf als genialer Helfer Scotland Yards hat nach einigen Mißerfolgen gelitten und seine Langeweile kompensiert er mit dem Besuch in einem ganz speziellen Bordell.
Als 2 junge Männer aus recht gut betuchten Familien auf bizarre Weise zu Tode stürzen, macht sich Monn mit seinem riesigen Assistenten, dem Schlafwandler auf die Jagd nach dem Mörder und stößt schon bald auf eine Verschwörung gigantischen Ausmaßes.
Da ich ein Faible für das neblige viktorianische London habe, andererseits aber nicht soo der große Fantasy Fan bin, war ich doch überrascht, das der Fantasyanteil recht gering war.
Das Buch ist eher ein Krimi mit skurilen und bizarren Figuren, die teilweise übernatürliche Fähigkeiten haben, als ein Fantsyroman. Das Flair des viktorianischen Londons ist ziemlich gelungen und gerade im ersten Teil des Buches herrscht viel Atmosphäre.
Die Story ist verzwickt, als Leser konnte ich am Anfang nicht so recht durchschauen wohin das Ganze steuert und war am Ende wirklich überrascht.
Edward Moon ist als Hauptfigur recht sympathisch obwohl oder gerade weil er ein wenig verlottert, zynisch und mit div. Schwächen behaftet ist. Das ganze Buch wimmelt von skurilen, bizarren Charakteren, wobei mir das fast zu viel war, da kaum jemand normal war. Die ersten 200 Seiten habe ich wirklich verschlungen, fand dann aber, das doch einige Längen aufkamen und das Buch ein wenig zäh wurde, da sich Moons Ermittlungen eher träge dahin schleppten. Am Ende gab es dann allerdings eine unverhoffte Wendung, die dem Ganzen dann wieder Spannung verlieh.
Fazit: Das Buch lebt vor allem durch seine skurilen Charaktere, wobei mir gerade Edward Moon eine so interessante Figur ist, das ich hoffe, von ihm noch mehr lesen zu können. Seine "alten" Fälle habe mich da richtig neugierig gemacht und Lust auf mehr geweckt. Der zu Anfang spannende verzwickte Plot hat in der Mitte einige Längen, wartet aber mit einem
überraschenden Finale auf. Der teilweise ein wenig bizarre britsiche Sinn für Humor ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber mir hat er ganz gut gefallen, so daß ich auf jeden Falle ein weiteres Buch des Autors lesen würde.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Boerne zu »Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon«05.08.2008
Den positiven Meinungen kann ich mich nicht anschließen.

Mit Susanna Clarke hat das Buch weder inhaltlich etwas zu tun, noch kann Barnes mit ihren sprachlichen Fähigkeiten mithalten. Dieser Vergleich hat auf dem Buch eigentlich nichts zu suchen.

Inhaltlich klingt die Story erstmal interessant und beginnt gleich mit einem Mord. Ein echtes mitfiebern ist später aber kaum möglich, da zuerst nur Fragen aufgeworfen werden, der Leser bleibt völlig im Dunkeln was da passiert. Irgendwann taucht, aus dem Nichts, eine Geheimorganisation auf, womit dann klar ist, wer hinter der Geschichte steckt, das eigentliche Ende wird vom Erzähler dann bereits 70-80 Seiten vor Ende verraten. Die Auflösung der Handlungs- und Beziehungsstränge ist unspannend, der Showdown der einigermaßen gut vorbereitet war und nochmal auf ein kleines Highlight hindeutete, war dann völlig verhunzt und ganz flott abgehandelt.

Die Charaktere, jaja, skurril sind sie ja alle, wirken meistens völlig aufgesetzt, kaum einer besitzt wirkliche Tiefe. Letztlich könnten auch alle „normale“ Menschen sein und es würde an der Geschichte nichts ändern. Der Hauptcharakter Edward Moon bleibt recht blass, eine Beziehung zum Leser entsteht nicht. Als Detektiv besitzt er weder die Coolness von Philip Marlowe oder die Genialität von Sherlock Holmes. Warum ist er eigentlich Hobbymagier? Bezug zur Geschichte? Kaum, er hätte auch Fleischer oder Kioskbesitzer sein können. Er rennt einfach von Ort zu Ort, von Informant zu Informant und irgendwann ist die Geschichte dann zu Ende. Sein Gehilfe, stumm, riesig, stark, unverwundbar, Rechtschreibschwäche etc. viele, viele Eigenschaften, die ein eigenes Buch füllen könnten, aber auch er bleibt nur schwache Figur unter vielen. Er ganz am Ende kommt dann doch noch Bewegung in seine Angelegenheiten.

Das Worldbuilding klingt in erster Linie vielversprechend, in einem alternativen London, aber auch hier fehlt die Tiefe. Die Stadt wird nur skizziert und die düstere, finstere Atmosphäre der verbrechenverseuchten Stadt, die kurz vor der „Apokalypse“ steht, wird nicht eingefangen. Dutzende von Autoren haben solche Settings schon wesentlich stimmiger umgesetzt (China Mièville oder Martha Wells als aktuelle Beispiele).

Barnes schafft es weder die Story wirklich spannend zu halten, seine skurrilen Charaktere interessant zu gestalten und schon gar nicht schafft er es die verschiedenen Komponenten sinnvoll miteinander zu verbinden, wie es beispielsweise Moers in Zamonien mit seinen verschiedenartigen Wesen schafft oder es ein Foster mehrfach gemacht hat.

Viel passt nicht zusammen, noch mehr Potential wurde verschenkt. Schade.
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Seerose zu »Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon«04.06.2008
Die ersten zwei Sätze lauten: „Seien Sie gewarnt. Dieses Buch besitzt keinen wie auch immer gearteten literarischen Wert." Nun, so würde ich das nicht sehen. Wer sein Buch mit solchen Worten beginnt, kann zumindest eine gewisse Originalität vorweisen. Und ich muss sagen, die Lektüre hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die ganzen kuriosen Gestalten und die völlig abgedrehte Handlung – cool!

Stark erinnert hat es mich von Anfang an an das Buch „Jonathan Strange und Mr. Norrell" von Susanna Clarke. Allerdings ist es mit 400 Seiten nur halb so lang und das ist auch gut so. Bei Jonathan Strange brauchte der Leser ja doch einiges Durchhaltevermögen, während man die Geschichte um Edward Moon locker durchlesen kann, ohne dass Langeweile aufkommt.
Trash Star zu »Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon«26.04.2008
Ein unglaublich tolles Buch. Ich konnte nicht aufhören zu lesen. Skurille Gestalten, eine verwickelte Geschichte, ein unerwarteter Plot. Einige Geheimnisse werden nur angedeutet, aber nicht aufgelöst. Doch das tut der Geschichte keinen Schaden an. Hier sprudelt der Ideenreichtum ungebremst, ohne dass die Geschichts überladen wird.

Und das alles in einem perfekten und packenden Stil geschrieben. Und dazu noch überaus "british". Es passt einfach alles.

Eindeutig eines der besten Bücher, die ich seit langer Zeit gelesen habe. Ich freue mich schon auf weitere Werke von Jonathan Barnes.
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Jana Lenz zu »Jonathan Barnes: Das Albtraumreich des Edward Moon«18.04.2008
Eine sehr skurrile Story die mit Absurdem nicht geizt.
Durch und durch anders, aber an machen Stellen etwas langatmig.
Trotzdem für alle Freunde des Morbiden sehr zu empfehlen.
Ihr Kommentar zu Das Albtraumreich des Edward Moon

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