Das Königshaus der Monster von Jonathan Barnes

Buchvorstellungund Rezension

Das Königshaus der Monster von Jonathan Barnes

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „The Domino Men“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 400 Seiten.ISBN 3-492-70176-0.Übersetzung ins Deutsche von Biggy Winter.

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In Kürze:

Dies ist die Geschichte des letzten Krieges, des Untergangs des britischen Königshauses, der Vernichtung unserer Welt. Sie werden Serienkillern begegnen, die sich wie Schuljungen kleiden. Männern mit Fischköpfen, mörderischen Rockmusikern, körperlosen Agentinnen. Und Henry, der gerade einen neuen Job angefangen hat und der uns alle retten wird …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Dr. Faust trifft auf Lovecraft“90

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Vor gut einem Jahr veröffentliche Carsten Polzin im Piper Verlag das Debütwerk des englischen Autors Jonathan Barnes. „Das Alptraumreich des Edward Moon“ überraschte und verzückte den Leser mit seiner bis dato unbekannten Mischung aus Versatzstücken gängiger Genres, einem bewusst und pointiert eingesetzten Stil und faszinierend anderen Figuren.

Nun, ein Jahr später erscheint die Fortsetzung – wenn man denn von einer Fortsetzung sprechen mag. Statt im viktorianischen London hat der Autor seine Handlung dieses Mal in der modernen zeitgenössischen britischen Metropole angesiedelt, nur einige mehr oder minder unsterbliche Figuren sind aus dem ersten Band übrig geblieben.

Gut eineinhalb Jahrhunderte ist es her, dass Queen Viktoria einen mehr als unheiligen Pakt eingegangen ist. Um die Herrschaft ihrer Familie, der Windsors, zu sichern und die Grenzen des Empires für Eroberer undurchdringlich zu machen, unterschrieb sie einen von drei Anwälten aufgesetzten Vertrag, der ihr die Unterstützung eines mächtigen Wesens, des Leviathans sicherte. Doch – wie alles – hat auch dieser Pakt mit dem Teufel seinen Preis. Nicht weniger als London selbst wurde als Bezahlung vereinbart. Mitte der sechziger Jahre wurde die Rechnung präsentiert, doch dem Direktorium, dem geheimsten der Geheimdienste Britanniens gelang es, den Leviathan in einer Falle gefangen zu setzen. Als einer der damaligen Top-Agenten des Direktoriums von einem Schlaganfall ereilt wird, setzen sich die Räder wieder in Bewegung.

Harold Lamb ist das, was man sich gemeinhin unter einem Loser vorstellt. Mitte Dreißig hatte er noch nie eine Freundin, sein vergangener Ruhm als Kinder-Fernsehstar nervt nur noch, und seine Tätigkeit in der staatlichen Archivverwaltung ödet ihn an. Als er seinen Großvater im Krankenhaus besucht, beginnt sich sein Leben rapide zu ändern – und das nicht nur zum Besseren.

Ein Fensterputzer stürzt vor seinen Augen fünf Stockwerke nach unten, nur um ihm eine mysteriöse Botschaft zu überbringen, er wird gegen seinen Willen zum Direktorium, dem allmächtigen Geheimdienst, versetzt, seine Vermieterin macht ihm erotische Avancen, und er lernt auf dem Londoner Riesenrad seinen neuen Vorgesetzten kennen, der in einem Tank aus Fruchtwasser lebt. Doch warum nur, wird er rekrutiert, was wollen alle von ihm?

Tief unter der Downing Street 10 begegnet er seiner Nemesis. Hier, im best bewachtesten Gefängnis der Insel sind Hawker und Boon, zwei unsterbliche Serienkiller, auch unter der Bezeichnung „Die Präfekten“ bekannt, untergebracht, und hier erhält Harold erste Hinweise auf den Krieg, der verborgen in Londons Straßen tobt, ein Krieg des Direktoriats gegen die Windsors, ein Krieg um die Zukunft Londons, ja der Welt …

Herrlich anders, erfreulich frisch und stilistische meisterhaft

Was ist das wieder für ein Roman, den Jonathan Barnes scheinbar mühelos aus dem Ärmel schüttelt. Agententhriller, Verschwörungsroman, Kriminalroman, Ode an Lovecraft und Goethe, eine Mischung, die so abstrus und eigen sie auch ist, den Leser in ihren Bann zieht, und nicht mehr loslässt. Die Handlung schäumt förmlich über vor Ideen, die der Autor über seinen Rezipienten ausschüttet.

Neben dem überwältigenden Ideenreichtum sind es insbesondere die markanten Figuren des Jonathan Barnes, die dem Buch sein Gesicht und Gepräge verleihen. Außer dem bodenständigen, introvertierten Protagonisten sind es die „Domino Men“ – wie die beiden Killer und das Buch selbst im Original heißen -, das Zwitterwesen einer mittels magischer Pille wiedererweckten Geheimagentin, die 007 blass aussehen lässt, und nicht zuletzt der Direktor des Direktoriums selbst, aber auch der dekadente, zunächst antriebslose Kronprinz Arthur, die den Leser in ihren Bann ziehen. Dazu gesellt sich das drohende, uralte, überwältigende Übel, Ingredienzen, aus denen Barnes seine ganz eigene Kreation zusammensetzt.

Verbunden werden diese Ideen durch einen präzise auf den Punkt verfassten Stil, seiner Fähigkeit, Handlungsplätze plastisch zu beschreiben, so dass der Leser sich unwillkürlich an den Ort des Geschehens versetzt sieht, jeder Menge rabenschwarzen Humor – man darf sich nur einmal die Hörner ansehen, die dem Kronprinzen scheinbar von seiner Gattin aufgesetzt werden ... – und einer immer rasanter ablaufenden Handlung, die in einem furiosen, so nie vorhersehbaren Finale enden.

Es ist eine wahre Tour de Force, die den Leser erwartet, ein bizarrer Plot, den ich so oder auch nur so ähnlich noch nie gelesen habe, und damit hebt sich der Roman erneut weit über die gängigen Publikationen hervor, mit denen uns die Verlage allmonatlich beglücken.

Ihre Meinung zu »Jonathan Barnes: Das Königshaus der Monster«

benfi zu »Jonathan Barnes: Das Königshaus der Monster«29.03.2013
'Das Königshaus der Monster' ist das zweite Werk des englischen Autors Jonathan Barnes. Sein Erstling 'Das Albtraumreich des Edward Moon' hatte die Leser begeistern können. Während in diesem aber hauptsächlich die skurrilen und verschrobenen Charaktere neben ungewöhnlichen Schauplätzen und Szenarien zu guter Letzt das Buch ausmachten, ist es in diesem Roman umgekehrt. Das Szenario trägt die Handlung sowie die Charaktere. Das Haus Windsor gegen das einstig untertänigste 'Direktorium' ist eine pikante Komponente, zumal die Windsors in dem Buch doch an die aktuellen Monarchen des britischen Empire erinnern - Prinz Arthur Windsor neigt schon zu einer abstrakten Parodie eines gewissen Prinz Charles; was das Cover der gebundenen Ausgabe des Piper-Verlags ziemlich unterstützt. Der Roman liest sich anfangs ziemlich undurchsichtig, da der Roman-Aufbau die Sichten beider Konfliktparteien aufweist. Nach guten hundert Seiten nimmt die Handlung aber an Fahrt auf und fesselt den Leser durch seine dramatische Steigerung. Auch hier nutzt Barnes wieder ein wenig die Eigenschaften von schrägen Charakteren; die bedeutendsten aber kommen aus seinem Erstwerk: die 'Domino Men' - so lautet übrigens auch der Titel der englischen Originalausgabe des Romans. Es ist schon begeisternd, die beiden Killer in 'Schoolboy-Uniformen' auf den Seiten des Lesestoffes zurück zu haben. Der Roman bietet gute Unterhaltung und sein Plot ist gelungen. Es hat mir Spaß gemacht, die Zwistigkeiten zwischen 'Direktorium' und den Windsors zu verfolgen, aber unterm Strich schlägt der zweite Roman von Jonathan Barnes seinen Vorgänger nicht! Trotzdem sehr lesenswert ...
80°
Nader B. zu »Jonathan Barnes: Das Königshaus der Monster«17.04.2012
Eines der besten Werke die ich in meinem kurzen aber lesereichem Leben bisher gelesen habe.
Die Präfken die dem Buch den Horror geben, das Direktorium das dem Buch den Scince-Fiction geben und der schwarze Humor machen aus dem Buch eine so Einzigartige Mischung wie ich sie noch nie gesehen habe. Am Ende ist es eine riesige Explosion von Ideen... vieleicht ein bisschen eine zu grosse Explosion...
Lilly H zu »Jonathan Barnes: Das Königshaus der Monster«09.05.2010
Das Buch ist wirklich klasse, wenn es auch manchmal ein paar Ideen weniger sein können.
Der Schluss von Athur Windsor ist besonders spannend; man weiß auf einmal nicht mehr, was ausgedacht, und was tatsächlich passiert ist. Den Schluss muss man jedoch unbedingt in einem Stück lesen, denn sonst bricht der Spannungsbogen plötzlich ab und lässt sich nicht wiederherstellen.
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