Vier Autoren – vier Fragen – vier Antworten zu „Justifiers“

Phantastik-Couch.de: Der von Markus Heitz initiierten und einem einst populären SF-Rollenspiel nachempfundenen „Justifiers“-Reihe fügen verschiedene deutsche Phantastik-Autoren und Autorinnen ihre Stories hinzu und erschaffen so eine einzigartige Space-Fiction-Serie mit einem übergeordneten Kanon und voller actionreicher Abenteuer. Wir nutzten die Gelegenheit einmal nachzufragen, was die vier ersten, Christoph Hardebusch, Lena Falkenhagen, Thomas Finn und Nicole Schuhmacher zu „Justifiers“ motiviert hat und wie sie die Realitätsnähe dieser Welt einschätzen. Lesen Sie hier ihre persönlichen und nachdenklich machenden Stellungnahmen.

Phantastik-Couch.de: Man kennt Euch vier Justifiers-Autoren bisher eher aus Veröffentlichungen in anderen Genren, z.B. der Fantasy oder historische Romanen. Was hat Euch dazu motiviert, nun Science – oder vielmehr Space-Fiction zu schreiben?

Christoph Hardebusch: Bei mir waren Fantasy und SF schon immer große Leseinteressen. Ich könnte nicht sagen, in welchem Genre ich mehr gelesen habe. Deshalb war mein erster Gedanke, als Markus wegen der Justifiers angefragt hat, auch: Großartig!

Lena Falkenhagen: Der Schritt vom Historischen Roman zur Science-Fiction ist schon groß, ich bin aber schon lange ein Fan gut erzählter Zukunftsgeschichten. Von Star Trek DS9 über Firefly bis Battlestar Galactica 2003 – gute Geschichten hängen nicht vom Genre ab, sondern vom Thema, das sie erzählen. Aber ohne die tolle Email von Markus Heitz wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen, einen Space Fiction-Roman zu schreiben.

Thomas Finn: Zum einen bin ich mit SF-Geschichten in Kino, TV und Roman groß geworden, zum anderen erhält man als Autor derzeit nicht so oft die Gelegenheit, sich selbst mal in einem SF-Universum auszutoben. Ich habe daher sofort zugesagt, als mich Markus fragte, ob ich bei Justifiers mitmachen möchte. Und was soll ich sagen: MIND CONTROL hat wie erwartet einen riesigen Spaß gebracht. Und das nicht nur, weil ich so die Gelegenheit erhielt, mit so vielen bekannten Kollegen an dem gleichen Projekt zu arbeiten.

Nicole Schuhmacher: Science-Fiction war schon immer mein Lieblingsgenre der Unterhaltungsliteratur – ich bin mit den Großen Drei (Asimov, Clarke und Heinlein) groß geworden. Als Schulkind habe ich darum gekämpft, jede SF-Serie – animiert oder real – im TV anschauen zu dürfen, ich bin bekennender Star Wars-Fan, und wenn ich alles, was ich bisher so geschrieben (aber nicht veröffentlicht) habe, Revue passieren lasse, dann ist Military SF das Milieu, in dem ich mich am wohlsten fühle. Außerdem habe ich in den 90ern das Original-Justifiers-Rollenspiel gespielt ...
Als ich mit 'Zero Gravity’ die Chance bekam, die Abenteuer unserer ehemaligen Spielgruppe zumindest teilweise fortzuführen, konnte ich nicht 'Nein’ sagen! Natürlich habe ich meine damaligen Mitspieler gefragt, ob ihre Figuren auftreten dürfen.

Phantastik-Couch.de: Welcher Aspekt Deiner Justifier-Geschichte lag Dir besonders am Herzen?

Christoph Hardebusch: Für mich war wichtig, mit dem ersten Roman die Brücke zum Rollenspiel zu schlagen. Besondere Freude hat mir beim Schreiben hingegen die modernere Sprache bereitet, denn das war eine deutliche Abwechslung zu den bisherigen Büchern.

Lena Falkenhagen: Die Ich-Perspektive mit dem schnoddrigen Erzählton. Ich mag Noir-Stories und wollte etwas in der Richtung erzählen. Das Vertonen von Elyzeas Innenleben hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Thomas Finn: Ganz klar die Vernetzung mit den Kollegenromanen. Davon abgesehen habe ich mir natürlich intensive Gedanken darüber gemacht, welche Art von Geschichte die Justifiers-Reihe nach COLLECTORS, MISSING IN ACTION und UNDERCOVER brauchte. MIND CONTROL sollte darüber hinaus alles bieten, was einen soliden SF-Roman auszeichnet.

Nicole Schuhmacher: Zu zeigen, dass auch in einem 'bösen’ Konzern nur gearbeitet wird, dass die Grenze zwischen Natur und Kunst eine recht willkürliche ist …ach ja, und natürlich, dass es nie gut sein kann, die eigenen Angestellten so zu behandeln, als seien sie einem Hund vom Hintern abgefallen ^^.

Phantastik-Couch.de: Zur Zeit wird, verglichen mit Fantasy oder Horror, eher wenig Science-Fiction veröffentlicht. Glaubst Du, dass die Justifiers-Serie die deutsche SF wieder nach vorn bringen wird?

Christoph Hardebusch: Ich hoffe es auf jeden Fall. Ob es klappt, kann ich nicht sagen, aber ich weiß, dass es alle Beteiligten sehr freuen würde.

Lena Falkenhagen: Ich hoffe es zumindest. Wenn die deutsche Szene erst mal davon weg ist, das nur Science-Fiction ist, was wie Stanislav Lem daher kommt, kann das Genre auch wieder in Deutschland wachsen. Und ich denke, dass Justifiers diesen Weg mit bereitet.

Thomas Finn: Wer weiß? Persönlich glaube ich, dass die SF insgesamt eines kräftigen multimedialen Anstoßes von Außen bedarf, um wieder mehr Verbreitung zu finden. Justifiers funktioniert aber auch so, was nicht zuletzt der Bekanntheit von Markus Heitz geschuldet ist.

Nicole Schuhmacher: Das würde mir auf jeden Fall gut gefallen.

Phantastik-Couch.de: Kannst Du Dir persönlich vorstellen, dass in der Zukunft tatsächlich Konzerne die Welt oder das Universum regieren werden?

Christoph Hardebusch: Das mag jetzt pessimistisch klingen, aber meine Prognose ist, dass ich die Entwicklung dorthin noch erleben werde. Man kann sich fragen, ob die Unfähigkeit der Politik, aus der Finanzkrise Lehren zu ziehen und Regeln festzulegen, nicht ein besonders großer Schritt in genau diese Richtung ist.

Lena Falkenhagen: In der Zukunft? Ich schließe mich schon mal den Verschwörungstheoretikern an und behaupte, dass die Konzern-Lobbys mehr Einfluss auf tagespolitische Geschehnisse nehmen, als wir uns das so erträumen.

Thomas Finn: Ich persönlich kann mir grundsätzlich alles vorstellen. Deswegen übe ich ja auch den Beruf des Geschichtenerzählers aus.

Nicole Schuhmacher: …aber das tun sie doch schon!

Phantastik-Couch.de: DANKE, Christoph, Lena, Thomas und Nicole für Eure erhellenden Antworten.

Die Interviews führte Eva Bergschneider im Oktober 2011