Die Zwölf von Justin Cronin

Buchvorstellungund Rezension

Die Zwölf von Justin Cronin

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „The Twelve“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 832 Seiten.ISBN 3-442-31179-9.Übersetzung ins Deutsche von Rainer Schmidt.

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In Kürze:

Zu Anfang waren es zwölf Kriminelle, die auf die Todesstrafe warteten. Doch dann wurden sie auserwählt für ein geheimes Experiment. Es sollte den Fortschritt bringen, aus ihnen sollten mehr als nur Menschen werden. Doch es schlug fehl. Jetzt sind es diese Zwölf, die das Leben auf der Erde bedrohen und das Ende der Menschheit bedeuten könnten. Und die letzte Hoffnung ruht auf einem Mädchen. Amy ist die Einzige, die sich der Macht der Zwölf entgegenstellen kann. Aber der Gegner ist stark, und ihre Kraft scheint mehr und mehr zu schwinden …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Virals als überfordertes Konsumentennetzwerk“80

Science-Fiction-Rezension von Almut Oetjen

„Die Zwölf“ knüpft nicht unmittelbar an den Schluss des ersten Bandes der Übergangs-Trilogie an und hat auch nicht die Jagd nach den ursprünglichen Virals zum Thema. Im Wesentlichen werden die Ereignisse der Jahre Null, 79 n.V. (nach Virusbefall) und 97 n.V. erzählt und neue Charaktere eingeführt.

Zu den Figuren, entlang deren Geschichte der Krieg zwischen den Menschen und Virals erzählt wird, gehören der Veteran Bernard Kittridge, der im Jahr Null als „Last Stand in Denver“ zur Legende wird, der pädophile Lawrence Grey, der als Reinigungskraft im Projekt NOAH arbeitet, als die Zwölf geschaffen werden, Horace Guilder, der stellvertretende Direktor der Special Weapons Division, und die geisteskranke Ärztin Lila Kyle, Brad Wolgasts geschiedene Frau. Am Ende der Vorgeschichte sind die meisten Menschen tot.

Im Jahr 79 n.V. wird eine Gemeinschaft von Überlebenden vorgestellt, die eine unheimliche Begegnung mit einer schwarz gewandeten Frau und einer Gruppe Virals haben. Die meisten Menschen werden getötet, wenige mitgenommen.

Es erfolgt ein Zeitsprung in das Jahr 97 n.V., die Geschichten der Überlebenden aus dem ersten Band werden wieder aufgenommen und neue Handlungsstränge entwickelt. Die früheren Bewohner der ersten Kolonie, Amy, Alicia, Michael und Peter, rücken wieder in den Mittelpunkt. Amy ist in den vergangenen hundert Jahren zu einer jungen Frau herangewachsen. Sie kann mit den Zwölf telepathisch kommunizieren.

Es gibt eine Gruppe von Hybriden aus Mensch und Viral. Diese sind unsterblich, solange sie mit dem Blut der Virals versorgt werden. Sie haben ein totalitäres System gegründet, in dem Menschen versklavt werden. Rebellen bereiten im Untergrund den Umsturz vor. Zum Teil sind sie aus den Vorerzählungen bekannt.

Es wird religiös

In „Der Übergang“ führte uns Justin Cronin in seinen Alptraum vom Weltuntergang ein. „Die Zwölf“ ist der zweite Band in dieser Trilogie, in der ein Virus vom Militär benutzt wird, eine Gruppe durch die Rechtssprechung zu Todeskandidaten bestimmter Männer in Kampfmaschinen zu transformieren. Natürlich geht das Experiment schief, die Probanden werden zu mit Klauen und Krallen bewehrten, mit Haut wie einer Rüstung versehenen, sich vornehmlich von menschlichem Fleisch und Blut ernährenden Monstern, die ihrem Gefängnis entkommen und die Welt (offenbar nicht nur die USA) mit einem Katastrophenszenario beglücken, dem diese nichts entgegenzusetzen hat.

Nichts? Nicht wirklich: vereinzelt finden sich Menschen, die sich den mächtigen Feinden stellen. Ihre messianische Leitfigur nennt sich Amy. Und ist „Der Übergang“ noch ein sehr bodenständiger Horrorroman, wird es nun recht religiös. „Die Zwölf“ beginnt mit einer Zusammenfassung des Inhalts aus „Der Übergang“, der nicht nur im Ton biblisch gehalten ist, sondern eine sehr spezielle Schöpfungsgeschichte erzählt.

Das Endzeitszenario hat das mengenmäßige Verhältnis von Mensch zu Viral umgekehrt, die wenigen Überlebenden reichen kaum noch aus, das Riesenheer an Blutsaugern zu ernähren, die deshalb zu verhungern beginnen. Das kennen wir bereits: explodierende Weltbevölkerung und rücksichtslose Ressourcenausbeutung sind kein Szenario der Zukunft.

Cronin bringt die Handlung voran über die Charakterentwicklung. Zwar gehören Amy und Alicia zu den Hauptfiguren, sind aber nur zwei in einem größeren Figurenensemble und verschwinden, nachdem sie kurz in Erinnerung gebracht wurden, für bald 300 Seiten aus der Erzählung.

Menschen als gefährliche Monster – Ein Volk, ein Reich, …

Während „Der Übergang“ sich überwiegend mit dem Kampf einer Gruppe guter Menschen gegen das Böse (auch unter ihresgleichen) beschäftigt, mit ihrem Überleben in einer Welt der Auflösung, kehrt „Die Zwölf“ dieses Gefüge um und zeigt Virals, die nach wie vor gefährlich sind, aber einmal mit Haustieren verglichen und durch ihre menschlichen Unterstützer noch übertroffen werden.

An George Orwells „1984“ erinnern einige Passagen aus „Die Zwölf“ ebenso wie an historische Ereignisse. In Fort Powell, Iowa, gibt es das Homeland unter Herrschaft eines im doppelten Wortsinn blutdurstigen Herrschers, der ein Konzentrationslager betreibt, in dem Menschen, mit Plaketten markiert, die eine Nummer als ihren Namensersatz enthalten, durch Arbeit vernichtet werden, oder, die einzige Alternative, die ihnen zugestanden wird, den Virals als Opfer gebracht werden. Dieses Vaterland „Homeland“, wird von Handlangern in der Funktion von Aufsehern und Folterern am Laufen gehalten, die, auch in der deutschen Fassung, Human Resources Officers heißen. „Ein Volk! Ein Führer! Ein Homeland!“, heißt es in dieser faschistischen neuen Welt. Bekämpft werden sie von Rebellen, die auch Selbstmordattentate begehen.

Die Dialoge lassen darauf schließen, dass auch nach der Apokalypse und knapp hundert Jahren Krieg die Menschen eine gute Sprachausbildung in der Schule erhalten, die zudem einer zentralen Bildungsnorm genügt. Der Roman zitiert aus Dokumenten, die 1003 Jahre nach diesen Ereignissen auf einer Tagung diskutiert werden. Die menschliche Art und eine höhere Form ihrer Zivilisation gibt es dann also noch immer.

„Die Zwölf“ wechselt wie der Vorgänger zwischen Erzählebenen, folgt der Logik einer Handlungsentwicklung, die durch einen Cliffhanger unterbrochen wird, worauf es einen Szenenwechsel gibt, etc. Es gibt einige Vorgeschichten und Komplementärgeschichten zu erzählen, weshalb der Mittelband der Trilogie Personen, die im ersten Band nur eine kurze Rolle spielten, viel Raum gibt und eine Reihe neuer Figuren einführt. Da das Ensemble recht umfangreich ist, kommt es nicht zu Engpässen in der Erzählungsentwicklung, wenn die eine oder andere Hauptfigur das Leben oder die Menschlichkeit verliert. Gleichwohl ist dieser Abrieb erzählerisch notwendig, wenn die Gefährdung glaubwürdig bleiben soll.

Der Ton der Erzählung ist ein wenig unausgeglichen. Mal erzählt Cronin eine schnelle und streng auf das Ziel ausgerichtete Thriller- oder Horrorgeschichte, dann wird er ausladend sentimental, quasireligiös, bisweilen esoterisch oder auch kitschig. Es gibt harte Wechsel zwischen brutalen Gewaltszenen und markigen Dialogen, sagen wir: Männerliteratur, sowie unglaublich klebrigen Passagen, wie sie in schlecht geschriebenen Groschenheftchen für Frauen zu lesen sind. Ob Cronin damit die Genderproblematik literarisch gelöst oder sie durch harte Kontraste betont hat, mögen Leser und Leserinnen für sich entscheiden. Insgesamt aber ist Cronins Welt des Untergangs brutal und düster, nicht so gut wie der Vorgänger, aber immer noch sehr unterhaltsam.

(Almut Oetjen, April 2013)

Ihre Meinung zu »Justin Cronin: Die Zwölf«

benfi zu »Justin Cronin: Die Zwölf«17.03.2017
Wow, schon bei dem Prolog der Romans 'Die Zwölf' hat sich Autor Justin Cronin etwas Außergewöhnliches einfallen lassen: er packt die Zusammenfassung des mit über tausend Seiten nicht gerade kleinen Vorgänger-Romans in biblische Verse, die sich wie Psalme lesen lassen. Somit ist für jeden Quereinsteiger das Schmökern um einiges leichter gemacht worden, auch wenn ich nur wärmstens empfehlen kann, sich 'Der Übergang' zuvor zur Brust zu nehmen! Cronin wagt in diesem zweiten Teil der 'Passage-Trilogie' einen erklärenden Rückblick in das Jahr Null des Ausbruchs von dem tödlichen Virus und lässt den Leser dann die Geschehnisse in den verschiedensten Flecken in Amerika miterleben. Damit erzählt er gleichzeitig die Geschichte der Protagonisten aus dem ersten Teil weiter - adaptiert allerdings auch jede Menge neue Gesichter, von den man sich jedoch nicht alle behalten muss. Hilfreich ist hier der Anhang 'Dramatis Personae', welcher die wichtigsten Figuren auflistet. Mit wenigen langwierigen Kapiteln ist dem Autor ein nahezu gleichwertiger Roman gelungen, bei dem mich eigentlich nur manchmal die Visionen oder Träume der sich wandelten Amy etwas aus dem Lese-Rhythmus brachten. Die Spannung und Dramatik steuert durch die vielen Seiten zielgerichtet über die Dramatik auf dem 'Feld' und den Abscheulichkeiten in der gewalttätigen Stadt 'Homeland' auf ein großes Finale hin. Allerdings ist die gesamte Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt; der Abschlussband ist inzwischen erhältlich und so darf sich jeder begeisterte Leser der Romane auf den neuen Stoff freuen.
88°
K.O. zu »Justin Cronin: Die Zwölf«11.07.2016
" Es gibt harte Wechsel zwischen brutalen Gewaltszenen und markigen Dialogen, sagen wir: Männerliteratur, sowie unglaublich klebrigen Passagen, wie sie in schlecht geschriebenen Groschenheftchen für Frauen zu lesen sind. " (rez. A. Oetjen)

Aha, Männer lesen gerne markige Dialoge und Frauen schlecht geschriebene Groschenheftchen?

Muss dieser Alltagsexismus wirklich sein?
Buddy Schönholz zu »Justin Cronin: Die Zwölf«04.12.2015
Der zweite Teil ist sehr langatmig ohne besondere Handlungshöhepunkte. Das Thema : der Kampf ums Überleben und vernichten der Virales kommt stellenweise sehr zu kurz.
Ich habe zum Glück das Hörbuch und kann extrem öde Stellen leicht überspringen.
Auch ich weiß nicht ob ich mir den dritten Teil antun will.
Armin Stenger zu »Justin Cronin: Die Zwölf«29.05.2015
Während der erste Band sowohl stilistisch als auch inhaltlich überzeugen konnte, ist der zweite so unlogisch, widersprüchlich und z.T. extrem langatmig, dass er keinen Spaß mehr macht.
Man hat das Gefühl, dass Cronin ohne ein konkretes Ziel einfach daherphantasiert.
Kein Stil, keine Linie, keine Ahnung.
Dritter Teil? Höre ich mit Entsetzen!
rugrat zu »Justin Cronin: Die Zwölf«12.03.2015
Ich bin ehrlich gesagt noch am überlegen, ob ich mir den dritten Teil "antun" möchte.
Ich mag zwar Detailverliebtheit- aber wenn das Ganze dann derart unlogisch und gekünstelt wirkt, macht das Lesen irgendwie keinen Spass mehr.

Erst verschwinden Überlebende in der Versenkung- jeder geht von ihrem Tod durch die Virals us- und dann tauchen alle wohlbehalten wieder auf und natürlich finden sie sich auch wieder.

Kann man mögen- muss man aber nicht.

Insgesamt ist die Geschichte immer noch gut- wenn man von einigem seitenlangen gekünstelten Erzählen absieht- erst sind die Virals hirnlose Zombies und dann plötzlich haben sie doch Sehnsüchte und natürlich den Wunsch nach Sterben?
Und um den dritten Band noch zu rechtfertigen, wird natürlich der erste der Virals nicht besiegt.

Es ist mE immer noch eine gute Geschichte- fragt sich nur, ob diese Länge wirklich sein musste.
Zeherit zu »Justin Cronin: Die Zwölf«24.10.2014
das Buch ist schlecht.
Sicherlich haben die Ideen Potential, die Grundgeschichte ist ganz gut aber es werden hunderte von seiten mit Belanglosigkeiten gefüllt und am Ende gibt es keine innovative Auflösung sondern phantasielose Vorersehbarkeiten.
Wer erwartet, dass die Zwölf irgend eine Form von Charakter oder großen Moment in dem Buch erhalten wird maßlos enttäuscht.
Das Dritte werde ich nicht mehr lesen.
SpaceLord zu »Justin Cronin: Die Zwölf«08.03.2013
Dieses Buch hätte mich fast wieder vollkommen von Mr. Cronin überzeugt … wäre da nicht wieder die tödliche Mitte gewesen. Denn Cronin hat ein Händchen für Romananfänge und -ende, aber eben nicht für die etwa 500 Seiten, die bei einem Roman vom Kaliber wie DIE ZWÖLF dazwischen liegen.

Der Stil geht wieder ab, Cronin kann’s da echt mit jedem Literaten aufnehmen, und auch die Story ist sehr gut. Detailverliebtheit wie im ÜBERGANG; schöne Switche zwischen den Zeiten … alles schön und gut.

Doch der Plot wird in der Mitte immer unschlüssiger und komisch. Der Autor läuft auf der Stelle, macht unnötige Fingerübungen und zögert das Finale total unnötig heraus.

60° sind hierfür mit beiden zugedrückten Augen noch zu geben, denn das echte Ende ist dann doch etwas lageentschärfend :-D

Gezeichnet,

SpaceLord
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