Willkommen in Otopia von Justina Robson

Buchvorstellungund Rezension

Willkommen in Otopia von Justina Robson

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „Keeping It Real“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 320 Seiten.ISBN 3-442-24467-6.Übersetzung ins Deutsche von Cornelia Holfelder-von der Tann.

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In Kürze:

Seit jenem Tag im Jahre 2015, da eine verheerende Explosion in einem texanischen Forschungszentrum das Gewebe des Universums zerrissen hat, ist auf der Erde nichts mehr wie zuvor. Denn die Explosion hat Tore zu anderen Sphären geöffnet – magischen Sphären, in denen Elfen, Dämonen und noch viel fremdartigere Wesen hausen. Sechs Jahre nach diesem Ereignis erhält Spezialagentin Lila Black – zur Hälfte ein junges, gut aussehendes Mädchen, zur Hälfte eine erbarmungslose stählerne Kampfmaschine – den Auftrag, einen Elf zu beschützen. Doch wie soll das gehen – wenn sie sich noch nicht einmal der Herrschaft über den eigenen Körper sicher sein kann …? · Fantasy für eine neue Generation! · Die härteste Heldin der Fantasy – Lila Black lässt Lara Croft ziemlich blass aussehen

Das meint Phantastik-Couch.de: „Eine neue Buffy, doder doch eher eine Tomb Raiderin?“20

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Buffy, Angel und Co. sei Dank, dass das Subgenre des phantastischen Romans mit einer Welt, die der unsrigen gleicht, in der sich aber allerlei übernatürliche Wesen tummeln, blüht und gedeiht.

Kein grosser Verlag, der sich nicht mindestens eine der verkaufsträchtigen Reihen gesichert hat. Ständig versuchen aufstrebende Jungautoren wie alte Hasen das Genre neu zu erfinden, ihre Leser mit frischen oder althergebrachten Ideen in neuem Kleid zu entzücken. Was mit den Anita Blake-Romanen aus der Feder von Laurell K. Hamilton begann (dt. Bastei-Lübbe) , mit den Rachel Morgan- von Kim Harrison (dt. Heyne) und Sookie Stockhouse-Titeln von Charlaine Harris (dt. Feder & Schwert / dtv) ihre Fortsetzung fand, das ist zwischenzeitlich bei „Lila Black“ angelangt.

„Mit Lila Black beginnt ein neues Zeitalter der Fantasy“ – so zumindest der Werbespruch des Verlages. Die Grundsituation ist schnell erzählt: Ein wissenschaftliches Experiment spaltet die Welt in sieben Ebenen. Manch ein Wissenschaftler sagt auch, dass die Passagen in sieben Dimensionen geöffnet wurden. Seitdem tummeln sich auf Otopia, zu der man früher Erde sagte, Elfen, Dämonen, Feen und anderes Gezücht. Unsere Heldin Lila Black ist eine moderne Version des 6 Millionen Dollar-Mannes. Im Reich der Elfen hat ein Zauber ihre Arme und Beine förmlich weggeschmolzen. Modernste High-Tech hat die fehlenden Extremitäten ersetzt und macht Lila zur gefährlichsten Kampfmaschine Otopias. Obwohl sie das Trauma ihrer Verletzung innerlich noch nicht richtig verarbeitet hat, wird sie dienstfähig geschrieben und in den Einsatz entsandt. Es geht darum, einem glamourösen Popstar als Leibwächter zu dienen. Das wäre ja nun nicht ganz so schlimm, wenn es sich beim Sänger der angesagten „No Shows“ nicht ausgerechnet um einen charismatischen, egozentrischen Elfen handeln würde. Und wie das bei den Langohren so üblich ist, beginnt Zal sogleich ein Spiel mit seiner Bodyguard – kann Lila dem magischen Charme des Elfen widerstehen, will sie es überhaupt?

Nur zu bald aber wird deutlich, dass die Morddrohungen gegen den arroganten Star ernst gemeint sind. Agenten des Geheimdienstes der Elfen verfolgen Lila und ihren Schützling und entführen Zal ins Reich der Elfen. Lila hat nur eine Chance, ihre Mission erfolgreich zu erfüllen – sie muss ins Feenreich, dem Ort ihrer grössten Niederlage und nur ein Elf kann ihr dort helfen – der Geheimdienstagent, dem sie ihre Verstümmelung zu verdanken hat …

Fantasy meete Matrix

Fantasy meets Matrix, so könnte man die Handlung des temporeichen Auftaktbandes überschreiben. Es gibt massenweise Kls, intelligente Motorräder und vernetzte Organisationen, die glamouröse Welt der gefeierten Rockstars, das Ganze dann gewürzt mit Elfen, Feen und Dämonen, die alle ihr ganz eigenes Süppchen am kochen haben. Das ist hip, das ist krass und bietet jede Menge rasanter Action – Bestsellermaterial für die jugendliche Klientel der PC-Games und Kino-Blockbuster, aber so richtig gepackt hat mich das Buch dennoch nicht. Woran lag dies begründet?

Toughe Frau im Cyborgkörper

Zum Einen sicherlich in der Wahl der Erzählerin. Lila Black, das ist eine toughe Frau in einem Cyborgkörper, die angesichts ihrer Historie und den ihr nun offenstehenden Möglichkeiten der machtvollen Maschinerie, über die sie verfügt, Angst und Bang sein müsste. Zwar wird ihre innere Unsicherheit thematisiert, wird der Prozess der Verdrängung angesichts ihrer Verwundung angesprochen, dies jedoch so nebenbei, dass dies einfach nicht überzeugend wirkt.

Man muss sich dies vorstellen: da ist eine junge Frau, deren Arme und Beine ihr bei vollem Bewusstsein weggeschmolzen werden. Mal abgesehen von den Schmerzen, allein die Tatsache mit dem Verlust und dem späteren Ersatz der Gliedmassen fertig zu werden müsste eigentlich für eine handfeste Neurose sorgen. Und dann wird diese Person, der keinerlei Kontakt mit ihrer Familie – die annimmt, dass sie verschollen oder tot ist – mehr erlaubt ist, ausgerechnet mit einem Elfen als zu bewachendes Objekt betraut. Nicht genug damit, dass sie diese Zumutung, die eigentlich dafür sorgen sollte, dass sie durchdreht, einfach schluckt, später solle sie gar noch mit dem Verursacher all ihrer Pein zusammenarbeiten, ja diesen retten – das ist weit hergeholt, das ist sowohl von der Konstruktion her, als auch von der Darstellung nicht überzeugend, ja hahnebüchen.

Mehr noch, über weite Strecken des Buches bleibt die Ausgestaltung der Welt überzeichnet. Die Erde besteht scheinbar nur noch aus dem Westen der USA. Alle Bewohner entsprechen dem Schönheitsideal der durchtrainierten, sonnengebräunten West-Coast Beauties, die Feen und Elfen bilden jedes entsprechend denkbare Klischee ab.

Erst als sich die Handlung in die Welt der Elfen verlagert kommt, ein wenig Flair auf. Zwar erfahren wir von der Heimat der Elfen nur, dass diese aus unberührter Natur mit weiten, tiefen Wäldern und weich geschwungenen Wiesen besteht, doch dann entwickelt zumindest die faktische Herrscherin der Elfen ungewöhnliche Charakterzüge. Habgier, Machtbesessenheit, Egoismus, Betrug – alles Wesenszüge, die man gemeinhin bei Lichtelfen eigentlich vergeblich sucht. Das Finale ist – obzwar vorhersehbar – zumindest rasant, wenn es auch inhaltlich ein wenig in der Luft hängt.

Insgesamt ein Roman, der bestimmt keinen tiefen Eindruck hinterlässt, der versucht, eine unheilige Allianz zwischen dem Anhängen an eine erfolgreiche Modeerscheinung und der Verbindung mit aktuellen Entwicklungen im Kino und Game-Markt zu bilden, und dabei letztlich scheitert.

Ihre Meinung zu »Justina Robson: Willkommen in Otopia«

Marlene zu »Justina Robson: Willkommen in Otopia«09.06.2008
Für mich war dieses Buch etwas ganz Neues. Normalerweise meide ich Literatur mit Zukunftsszenarien eher. Aber dieses Mal hab ich es einfach mal probiert, und ich muss sagen es war gar nicht so schlecht. Es hat zwar das letzte Quäntchen noch gefehlt, damit ich so richtig mitfiebern konnte, aber dennoch fand ich die Geschichte und das Thema sehr interessant. Zustimmen muss ich aber, dass die Bestimmung eines Genres schwerfällt. Denn einerseits kommt Spannung vor, aber sie wird nicht vollendens herübergebracht. Ebenso verhält es sich mit den Liebesszenen, wo halt einfach das gewisse Gefühl leider fehlt. Dennoch war dieses Buch nett zu lesen!
Dyke zu »Justina Robson: Willkommen in Otopia«19.11.2007
Ich mag ja Justina Robson ob ihrer SF-Romane und war daher neugierig auf die Neuerfindung der Fantasy. Tja, erinnere ich mich sogar an Thomas Zieglers Flaming Bess mit mehr Euphorie.
Irgendwie nicht Fisch noch Fleisch und statt Feuerwerk und Orgasumus-Wellenduchfluteter Körper, wäre es einfach einmal etwas anderes gewesen: Elfen-Dämon und Mensch-Cyborg haben’s probiert, aber es hat nicht funktioniert.
Schade, versucht auf den fahrenden Zug aufzuspringen und im überfüllten Schweinetransporter gelandet
JaneDoe zu »Justina Robson: Willkommen in Otopia«21.09.2007
Ich habe bisher noch nicht sehr viele Fantasy-Romane gelesen. Aber dieses äußerst spannende Buch hier hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die Protagonistin Lila Black fand ich interessant und sympathisch. Ich könnte mir auch eine Elfenwelt mit ihren Bewohnern, so wie hier dargestellt, durchaus vorstellen. Warten wir doch das Jahr 2015 erst mal ab :-)
Lucius zu »Justina Robson: Willkommen in Otopia«31.08.2007
"Lila Black" zeichnet sich vor Allem durch Eines aus: große Worte, denen Kleines folgt. Schon auf dem Buchdeckel wird der Roman als Zukunft der Fantasy gepriesen - sollte dem so sein sieht diese sehr düster aus.
Einzig lesenswert waren für mich die wenigen Prologseiten, die ein potenziell spannendes Szenario schildern. Leider wird kein einziger der Charaktere diesem Szenario gerecht. Vielmehr glänzt das Buch durch eine brach liegende Spannungskurve und klischeebehaftete Figuren wie sie einfallsloser kaum sein könnten. Ein Jammer ist's mitanzusehen, wie dieses eigentlich vielversprechende Szenario frontal gegen die Wand gesetzt wurde.
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