Devices and Desires von K. J. Parker

Buchvorstellungund Rezension

Devices and Desires von K. J. Parker

Originalausgabe erschienen 2005, 706 Seiten.ISBN 1841492760.

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Das meint phantastik-couch.de: „Qualität und Gefühl“85

Fantasy-Rezension von Frank A. Dudley

Keine Drachen, keine Zauberer, keine Magie in irgendeiner Form: K. J. Parkers „Devices And Desires“ liest sich eher wie ein historischer Roman, der auf fiktiven Tatsachen beruht – und dabei phantastische Unterhaltung auf höchstem Niveau bietet.  Die Geschichte um den mezentinischen Waffeningenieur Ziani Vaatzes ist clever, dunkel und faszinierend menschlich.

Die Perpetual Republic of Mezentia ist ein Beispiel von kontrollmächtiger Verwaltung, die über eine perfektionistische Industrie- und Handelswirtschaft wacht. Mal subtil, mal rücksichtslos bauen die Gilden ihre Wettbewerbsvorteile aus, denn was in den Manufakturen nach strengsten Qualitätsmaßstäben fabriziert wird, ist in der gesamten bekannten Welt heißbegehrt. Nicht zuletzt die ausgefeilten Tötungsmaschinen der mezentinischen Rüstungsindustrie, aber diese Waren sind nicht für den Export bestimmt, unterstützen sie doch im Bedarfsfall die Diskussion mit unwilligen Handelspartnern.

Der Waffeningenieur Ziani Vaatzes fällt in Ungnade, als er eine Maschine anfertigt und sie gegenüber den Qualitätsrichtlinien in einigen Details verbessert. Auf den vorsätzlichen Bruch der mezentinischen DIN-Normen steht die Todesstrafe, die der pflichtgetreue Vaatzes kommentarlos akzeptiert. Als er jedoch erfährt, dass man seiner Familie die rechtmäßige Witwenrente verweigern will, flieht er aus der „Ewigen Republik Mezentia“ und wird dafür sorgen, dass ganze Fürstentümer umgeworfen werden, dass Kriege anders geführt und Zehntausende sterben werden.

Auf seiner Flucht gerät Vaatzes in die Gefangenschaft eremianischer Truppen, die sich gerade auf dem Rückzug von einer vernichtenden Niederlage gegen die hochgerüsteten mezentinische Armee befinden. Vaatzes überzeugt den Fürsten von Eremia, ein schwacher Herrscher, der nur mit Hilfe seines besten Freundes die Geschicke des Fürstentums lenken kann, dass er ihm die gleichen tödlichen Maschinen bauen kann wie den Mezentinern: Skorpione. Mit 12 Bolzenschüssen pro Minute halten diese quasi-mittelalterlichen Massenvernichtungswaffen jede feindliche Armee auf.

Während Vaatzes in Eremia mit der Serienproduktion von Skorpionen beginnt und die Mezentiner einen Rachefeldzug planen, beginnt der Untergang des Fürstentums von Eremia auf ganz andere Weise: Der machiavellistische Fürst der Vadani, früher ein Freund, jetzt ein ehemaliger Kriegsgegner, und die Frau des eremianischen Herrschers schreiben sich – natürlich geheime – Liebesbriefe. Als sein Stellvertreter einen dieser Briefe abfängt und versteckt, wirft ihm der Fürst von Eremia Hochverrat vor und lässt ihn einkerkern. Doch mit seinem wichtigsten Berater hat er auch seinen obersten Kriegsherrn weggeschlossen, was die Erfolgsaussichten im bevorstehenden Krieg gegen Mezentia trotz der todbringenden Skorpione stark reduziert.

Mehr Drama und weniger Technik, bitte

„Devices And Desires“ ist der Auftakt zur dritten Trilogie von K. J. Parker, nach „Die Farben des Stahls“ und „Der Kreis der Krähen“. Zugleich ist es eine Richtungsänderung, denn der erste Band der „Engineer Trilogy“ ist ein kein herkömmlicher Fantasy-Roman, sondern eine quasi-historische Geschichte mit technologisch unterschiedlich entwickelten Ländern und einer reichhaltigen Besetzungsliste von lebendigen Charakteren, die zu 100 Prozent glaubwürdige Motivationen, Stärken und Schwächen aufweisen. Selbstsucht, Dummheit und Verachtung sind nur einige von ihnen.

Mit beinahe psychologischer Feinheit beschreibt Parker die Gedankengänge und Gefühlswelten ihrer Figuren und stellt sie den Mechanismen und Abläufen von durchorganisierten Staatsapparaten wie Mezentia sowie den von höfischer Etikette und feudaler Macht geprägten Fürstentümern Eremia und Vadani gegenüber. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die Protagonisten wie die Steine eines Dominospiels – fällt einer, fallen als Folge der Kettenreaktion nach und nach alle, wie in einem klassischen Drama.

Schwächer in der Umsetzung erweist sich der Roman, wenn Parker über viele Seiten die Arbeit von Ziani Vaatzes an den Skorpionen beschreibt. Hier wäre weniger mehr gewesen. Auch die Gefechtsszenen lassen ausreichend Dynamik vermissen.

Fazit: Ein zeitloser und beinahe klassischer Plot aus zwischenmenschlichen und politischen Betrug machen aus „Devices And Desires“ einen spannenden und eigenwilligen Roman mit technologischer Komponente: Macchiavelli trifft da Vinci trifft Shakespeare.

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