Die Ufer der neuen Welt von Kage Baker

Buchvorstellungund Rezension

Die Ufer der neuen Welt von Kage Baker

Originalausgabe erschienen 1999unter dem Titel „Sky Coyote“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 500 Seiten.ISBN 3-453-52351-2.

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In Kürze:

Im 24. Jahrhundert gelingt es Wissenschaftlern, einen uralten Menschheitstraum zu verwirklichen: die Möglichkeit, durch die Zeit zu reisen. Und damit die Möglichkeit, den Verlauf der Geschichte zu ändern. Doch in welchem Ausmaß soll man das tun? Ein Team aus jungen Männern und Frauen wird zusammengestellt und in die verschiedensten Epochen der Menschheitsgeschichte geschickt. Dies sind ihre Abenteuer …Eine faszinierende Mischung aus Zeitreise-Geschichte, historischem Roman und romantischem Abenteuer – für Leserinnen und Leser weit über die Science Fiction hinaus.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Zeitreisen – Lieferung verlorener Preziosen inklusive“10

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Willkommen in der Welt von Dr. Zeus. Sie möchten ein unbekanntes Gemälde von van Gogh, eine ausgestorbene Rosenart oder doch lieber eine Erstausgabe der Werke Shakespeares – kein Problem, Dr. Zeus entsendet einen seiner unsterblichen Agenten durch die Zeit, um ihnen das Gewünschte zu besorgen. Und wenn es sein muss, werden auch ganze Dörfer komplett mit ihren Bewohnern in die Zukunft verfrachtet – alles lediglich eine Frage des Honorars.

Zwei Einschränkungen gibt es – die Zeitreisenden können die dokumentierte Vergangenheit nicht ändern, und nur Babies sprechen auf die medizinische Umgestaltung ihres Körpers zu nicht alternden Homo Superiors an.

Rothäute ohne Federschmuck

Dieses mal begleiten wir die Botanikerin Mendoza und den Inquisitor Josef, aus dessen Sicht der Roman erzählt wird, in die Neue Welt. Ein Auftraggeber hat einen ganzen Indianerstamm geordert und so macht sich Josef in der Verkleidung des Coyotengottes der Humashup auf ins 16. Jahrhundert. Behutsam soll er die Indianer auf die Umsiedelung vorbereiten, soll ausgehend von deren Mythen und Überlieferungen für einen behutsamen Übergang sorgen …

Wo bleibt die überzeugende Darstellung einer indianischen Kultur? Langeweile Pur!

Wer aber Kämpfe der Rothäute gegen die vordringenden Spanier erwartet, der sieht sich ge- und enttäuscht. Es passiert kaum etwas in diesem Roman. Nach einer überflüssigen Einführung, die uns das Leben in einem der Erholungszentren Dr. Zeus´ auf gut 100 Seiten präsentiert, hatte ich erwartet, dass es einmal in Kalifornien angekommen in die Vollen geht. Zwar präsentiert uns die Autorin ein paar indianische Sagen und Mythen, die Darstellung des Indianerstammes selbst aber ist schlicht lachhaft. Da werden uns die Rothäute als imperialistisch-kapitalistische Super-Unternehmer präsentiert, die ihre Arbeiter ausbeuten, sich ihre Muschelgeldschnüre um den Hals hängen und sich im Kanumacher-Verband etc. organisieren sowie eifersüchtig über ihre Monopole wachen. Das ist schlicht unglaubwürdig, in der Ausführung langatmig, ja langweilig.

Wo bleibt das so hochgelobte Lokalkolorit Bakers, wo die glaubwürdige Darstellung einer realistischen Vergangenheit?

Es passiert so gut wie nichts auf den fast 450 Seiten, statt die kulturellen und gesellschaftlichen Errungenschaften der Indianer in den Vordergrund zu rücken, dienen diese als Persiflage auf moderne Börsianer und Aufsichtsratsvorsitzende. Immer wieder einmal blitzt das Erzähltalent Bakers auf. En passent wirft sie die Fragen auf, wer hinter Dr. Zeus steckt, was mit verschwundenen Agenten passiert ist, wie die unsterblichen Agenten beeinflusst und im Zaum gehalten werden. Hier zeichnet sich vage ein Geheimnis ab, das hoffentlich in einem der Folgeromane thematisiert werden wird. Vorliegendes Buch aber ist schlicht überflüssig und verlorene Zeit. Der Inhalt bleibt uninteressant, auf spannende Szenen, historische Glaubwürdigkeit oder faszinierende Ideen wartet der Leser leider vergebens.

Ihre Meinung zu »Kage Baker: Die Ufer der neuen Welt«

Hauke K zu »Kage Baker: Die Ufer der neuen Welt«27.07.2008
Ich habe das Buch gerade ferig gelesen. Dem Urteil des Hauptrezensenten kann ich mich keinesfalls anschließen. Das Buch ist spannend, streckenweise urkomisch und interessant.

Dass der Rezensent Carsten Kuhr Frau Bakers Schreibstil und Ihrem eingestreuten Zeitkolorit nichts, aber auch gar nichts abgewinnen kann, ist eine Sache. Dass er sich aber die Mühe macht, sich durch ALLE DREI Romane zu quälen, nur um sie herunterzuschreiben, ist billig und langweilig.

Frau Baker hat - was im SF-Genre selten geworden ist - eine neue Idee spannend und interessant umgesetzt. Sie bezieht Position gegen political correktnes und Religion. Die Bücher (gelesen habe ich bislang Band eins und zwei) sind spannend.

Ian Banks und Richard Morgan haben andere stärken - sie haben einen männlicheren Erzählstil, was mir als Mann durchaus entgegen kommt. Aber im Gegensatz zu einigen anderen weiblichen Autorinnen sind ihre Bücher interessant, abwechslungsreich, sprühen vor Ideen und sind nicht über hunderte Seiten mit dem eigenen Männerhass übersäht.

Wer spannende und neue SF sucht, wird hier fündig. Wer historisch korrekte Romane sucht oder bereits den ersten Band nicht leiden konnte, soll als Rezensent doch bitte den Mund halten.

Warum nur meinen Leute, die irgend was nicht leiden können, sich nicht nur in einer Rezension, sondern gleich in Rezensionen über alle Teile eines Zyklus äußern zu müssen?

Es ist langweilig, von einem Weichei einen Actionfilm besprochen zu bekommen. Es würde Frauen zu Recht nerven, wenn ich Liebesromane mit all dem Hass und der Verachtung überschütte, die ich für solchen Schund aufbringen kann. Und die Rezensionen des Hauptrezensenten sollte niemanden davon abhalten, sich mal den ersten Band anzuschauen und selbst zu urteilen. Ich denke, viele werden überraschender Weise ihren Spaß haben. Da Band 2 aus der Sicht eines Mannes geschrieben wurde, ist er für meine Begriffe eher besser als der erste, auch wenn die "Wilden" eher so eine Art coole Kalifornier ohne Errungenschaften der Technik sind. Das ganze ist extrem lustig, spannend und hat mir Spaß gemacht. Wenn ich Hochliteratur suche, greife ich zu Shakespeare.

Wer aber bereits den ersten Teil öde fand, sollte die Finger von diesem hier lassen.
Bernhard Hutterer zu »Kage Baker: Die Ufer der neuen Welt«27.05.2008
Die Idee, einen Indianerstamm mal als gewiefte Geschäftsleute darzustellen statt wie üblich als "edle Wilde im Einklang mit der Natur", und daneben das Innenleben des skrupellosen Global Players Dr. Zeus zu schildern, ist mal was erfrischen anderes.
Und die Erzählweise von Kage Baker ist anregend und kurzweilig.
Macht Lust auf mehr !
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