Die Nacht der Wölfin von Kelley Armstrong

Buchvorstellungund Rezension

Die Nacht der Wölfin von Kelley Armstrong

Originalausgabe erschienen 2001unter dem Titel „Bitten“,deutsche Ausgabe erstmals 2002, 478 Seiten.ISBN 3-426-61811-7.Übersetzung ins Deutsche von Christine Gaspard.

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In Kürze:

Seit jeher leben die Werwölfe mit und von den Menschen. Unauffällig zu bleiben ist daher die Devise, doch nun bricht zwischen dem „;Rudel” und den rebellischen “;Mutts” ein Krieg aus, der ganz Nordamerika in seinen Bann zieht und die Tarnung auffliegen zu lassen droht. – Moderner Gruselroman, der den Werwolf-Mythos kräftig entstaubt und auf eine ";wissenschaftliche” Basis stellt. Erfreulicherweise leidet der Unterhaltungswert kaum darunter.

Das meint phantastik-couch.de: „Elegante Wesen der Nacht statt haariger Humpel-Monster“75

Fantasy-Rezension von Michael Drewniok

Sie sind schon ein rares Völkchen: Etwa 35 Werwölfe nur durchstreifen die Welt, doch da es keine Meldepflicht gibt, wissen sie es selbst nicht ganz genau. Eines ist allerdings sicher: Unter ihnen weilt nur eine einzige Werwolf-Frau, denn das entsprechende Gen wird ausschließlich in der männlichen Linie vererbt. Allerdings lässt auch der Biss des Werwolfs eines dieser mystischen Wesen entstehen, die sich in regelmäßigen Abständen in einen Wolf verwandeln müssen, der des Nachts Tiere und hier und da auch einen Menschen jagt. Üblicherweise überlebt das Opfer die Verwandlung zum Werwolf nicht oder wird getötet, doch Clayton hat den Kodex seiner Art stets recht flexibel ausgelegt. Liebe und Selbstsucht – die Übergänge sind bei einem Werwolf reicht fließend – brachten ihn vor nun über zehn Jahren dazu, seine damalige Verlobte Elena Michaels auf die beschriebene Weise zu seinesgleichen zu machen – für die junge, nach einer furchtbaren Kindheit ohnehin labile Frau der Beginn eines Martyriums, das mit dem Schrecken der ersten Verwandlung nur begann.

Ihr Überleben und Einfinden in die neue Existenz verdankt Elena Jeremy Danvers, dem gewählten Anführer oder ”Alpha-Wolf” des ”Rudels”, dem die meisten Werwölfe Nordamerikas angehören. Hier finden sie Rat und Hilfe in der Not, hier werden sie aber auch an die Kandare genommen, sollten sie allzu heftig über die Stränge schlagen, denn das oberste Gebot lautet: Vermeide die Aufmerksamkeit des Menschen! Jeremy hat ein schweres Amt angetreten; längst nicht alle Werwölfe gehören zum Rudel oder fühlen sich seinen Regeln unterworfen. Die ”Mutts” oder Streuner sind Einzelgänger, die nicht selten von ihrem Jagdtrieb überwältigt werden und dann vom Rudel zur Ordnung gerufen – oder ausgeschaltet werden müssen. Elena verwaltete bis vor einem Jahr das Archiv des Rudels. In Stormhaven, der palastartigen, streng abgeschirmten Zentrale im abgelegenen Norden des US-Staates New York, behielt sie die Population der Werwölfe im Auge. Doch der innere Konflikt und die Hassliebe zum besitzergreifenden Clayton ließen sie mit dem Rudel brechen. Inzwischen hat sich Elena im kanadischen Toronto eine Existenz als Journalistin aufgebaut und lebt sogar in einer fester Beziehung mit dem Geschäftsmann Philip, der es gelernt hat, sich mit den Marotten seiner Lebensgefährtin abzufinden, die des Nachts gern lange, einsame Spaziergänge unternimmt …

Doch nun ereilt Elena erneut der Ruf des Rudels: Gefahr droht durch den charismatischen, aber moralisch verkommenen Karl Marsten, der die Mutts zur Rebellion anstachelt. Unter seiner Führung sollen sie das Rudel auslöschen, so dass er allein das Territorium beherrscht. Jeremy hat die Bedrohung allzu lange nicht erkannt. Marsten blieb Zeit genug, seine Streitmacht zu formieren. Mit brutaler Zielstrebigkeit heuert er Lust- und Serienmörder an, bietet ihnen ein zweites Leben als Werwolf an und hetzt sie dann auf das Rudel. Die meisten Angreifer können abgewehrt werden, doch einige sind allzu erfolgreich. Als der Krieg der Werwölfe endgültig ausbricht, ist das Rudel bereits arg zusammengeschmolzen. Elena sieht sich auf Gedeih und Verderb an der Seite ihrer Gefährten, denn auch sie steht auf Marstens Liste: als exotische Sklavin an seiner Seite – oder als Todeskandidatin, sollte sie sich ihm in den Weg stellen …

Klassische Horrorkreaturen modern interpretiert

Wer hätte das gedacht: Manchmal geschehen nicht nur Zeichen und Wunder, sondern es erscheint hierzulande in einem Großverlag ein fest gebundener Horrorroman, der nicht Stephen King, Dean Koontz oder Anne Rice aus der Feder geflossen ist. Weil dies so selten vorkommt, hungert der echte Gruselfan nach Abwechslung, und hier wird sie ihm endlich einmal geboten. Noch besser: Armstrong nervt nicht mit telepathisch begabten Serienmördern, trügerisch liebreizenden Teufelskindern oder pseudoerotisch-dekadenten Neo-Vampiren, die man alle längst so satt hat. Statt dessen treten ganz klassische Gestalten ins Rampenlicht: Werwölfe, die – es wird immer besser – nicht als Projektionsgestalten spätpubertärer Mädchenträume verheizt, sondern in eine echte Handlung versetzt werden.

Daher vergesse man den nichtssagenden oder in die völlig falsche Richtung weisenden deutschen Titel möglichst umgehend: Hier steht nicht wie in den unfreiwillig grausigen Werwolf-Romanen der Alice Borchardt die mit den Elementen des Schauerromans notdürftig verbrämte Beschwörung des ungezähmten, wilden Weiblichen (kombiniert natürlich mit der diesem Prozess eigentlich diametralen, schwülstig-romantischen Suche nach Mr. Right) im Mittelpunkt, das sich ungehemmt anscheinend nur nach Mitternacht und im Gewand diverser Fabelgestalten entfalten kann. Statt dessen gibt es eine echte Story (mit dem Biss des Originaltitels), der die inneren Konflikte und Alltagsprobleme eines Werwolfs im 21. Jahrhundert untergeordnet bleiben bzw. klug an geeigneter Stelle in den Fluss des schwungvollen Geschehens eingeflochten werden.

Dabei ist diese Story – Rebellion im Reich der Wolfsmenschen – nicht gerade originell, aber sie wird flott und abseits allzu ausgetretener Pfade präsentiert. In gewisser Weise ist ”Die Nacht der Wölfin” Stephen Kings ”Brennen muss Salem” (”Salem’s Lot”, 1975) vergleichbar (oder Kathryn Bigelows ”Near Dark”-Film von 1987). Während Meister King einst den Vampir vom schweren Staub seiner literarischen Vorgeschichte befreite, widmet sich Armstrong nunmehr ebenso erfolgreich der Restauration des Werwolfs. Sie kippt endlich die tot erzählte Mär vom stets tragischen Schicksal des in einer Vollmondnacht im dunklen Wald gebissenen Nachwuchs-Werwolfs auf den Schuttplatz der lykanthropischen Literaturgeschichte und entwirft eine geheime, doch keineswegs verstohlene Gemeinschaft, die zwar strikt ihren eigenen Regeln folgt, sich aber trotzdem in die Welt der Menschen integriert hat (auch wenn diese davon nichts ahnen). Diese Werwölfe leben ganz im Hier und Jetzt – und sie leben gut, denn sie vergeuden ihre animalische Energie längst nicht mehr darauf, ausdrucksstark den Mond anzuheulen, sondern schlagen sich wacker im Big Business, lieben den Luxus und wissen nicht nur den des Nachts selbst gefangenen Hasen, sondern auch ein Fünf-Sterne-Menü zu schätzen.

Das angenehme Leben hat freilich seinen Preis: Armstrongs Werwölfe fürchten nicht nur Silberkugeln; jeder gut gezielte Schuss kann sie verletzen oder das Leben kosten. Wolfsmenschen im buchstäblichen Sinn sind sie trotzdem geblieben. Armstrong gelingt es auch hier, alte Zöpfe abzuschneiden. Die Gruppendynamik eines realen Wolfsrudels projiziert sie geschickt auf ihre Werwölfe, die dadurch als solche dem Leser wesentlich plastischer vor das geistige Auge treten. Für eine Heldin im politisch korrekten, weichgespülten Unterhaltungsroman der Gegenwart ist Elena Michaels erstaunlich unkonventionell geraten. Sie lügt, tötet und geht fremd, ohne sich darüber allzu viele graue Haare wachsen zu lassen; in einer zukünftigen Hollywood-Verfilmung würde dieser Aspekt werwölfischen Wesens garantiert unter den Tisch fallen. Bis es soweit ist, baut die Verfasserin ihre Gruselmär zur Serie aus: Der Zwang zur Fortsetzung ist der wahre Fluch, der nicht nur Werwölfe plagt …

Ihre Meinung zu »Kelley Armstrong: Die Nacht der Wölfin«

Ich zu »Kelley Armstrong: Die Nacht der Wölfin«13.12.2011
Schöne Rezension, trifft die Sache auf den Punkt. Muss allerdings bemängeln, dass hier Karl Marsten als Oberbösewicht dargestellt wird. Es fehlt die Information hierzu: Mutts dürfen nicht zu lange an einem Ort verweilen, werden vom Rudel gezwungen, ständig auf Wanderschaft zu leben und Karl Marsten schließt sich der Rebellion nur an, weil er es satt hat und ein eigenes Revier will. Dabei geht es ihm nicht um das Revier des Rudels, sondern einfach um ein eigenes. Auch will er nicht Elena als Sklavin, das ist Daniel, der hier auch den "Anführer" dieser Rebellion darstellt. Der Rest is recht ausführlich beschrieben, Daumen hoch ;)

Zum Buch selbst kann ich nur sagen: Toll!
Malou zu »Kelley Armstrong: Die Nacht der Wölfin«07.11.2010
Die Bücher sind wirklich wunderbar! Auch ich endeckte den ersten teil zufällig, da dieser im angebot war, habe mir danach sofort beide anderen teile gekauft und verschlungen... lese sie seitdem immer wieder... also kann ich nur sagen, super bücher... hoffe frostbitten (band 4) kommt bald auf deutsch....


die bücher haben nur einen fehler... die dauernden wiederholungen, dass elena der einzige weibliche werwolf ist... sonst wirklich SUPER
Nadl zu »Kelley Armstrong: Die Nacht der Wölfin«24.09.2010
Das Buch liest sich gut. Was ich allerdings etwas störend empfand, war die häufige Beschreibung, dass es nur einen weiblichen Werwolf gibt.

Ansonsten ist die Handlung spannend. Bisher kannte ich nur das Geisterbuch und weil mir dieses so gut gefallen hat, habe ich mir alle Bücher von Kelley Armstrong rund um die Wölfe und Hexen angeschafft.

Es sind keine typischen Teenie-Romane und das ist auch gut so. So ist die Werwolfgeschichte sehr verständlich und man kann sich auch gut in die Charaktere reinversetzen. Freue mich schon darauf, die anderen Bücher zu lesen ;-)
Klakki zu »Kelley Armstrong: Die Nacht der Wölfin«14.07.2010
Kelley Armstrong ist eine super Autorin!
Ihre Bücher sind klasse und die Handlungen sind super!
Bisher habe ich alle Bücher von ihr, die erschienen sind und ende des Jahres werde ich mir die nächsten 2 holen!
Am liebsten mag ich aber die Werwolf-Bücher.Klar die anderen sind auch gut..Aber die 3 Werwolf-Bücher haben es mir richtig angetan =D

Abe rich muss auch gleich mal was bemängeln:
In dem oben genannten Text wird "Karl Marsten" als der Anstifter gesehen! Stimmt aber garnicht Oo
Daniel war es, der diese "tolle" Idee hatte..

Ich hab die ganze Buchreihe von ihr, nun schon mehrfach gelesen =D
Einfach total genial..Diese Bücher fesseln einen und selbst in der Schule im Unterricht, konnte ich mich nicht von lossagen xD

Ich kann die Bücher nur weiterempfehlen =D
Und ich bin froh, dass nun "bald" die neuen Bücher rauskommen, sonst hätte ich sie mir auf englisch geholt und mich dadurch gequält xD
Eine Wölfin ;) zu »Kelley Armstrong: Die Nacht der Wölfin«06.07.2009
Ich habe von diesem Buch von einer Freundin gehört und da wir einen ähnlichen Geschmack haben, auch gekauft.

Schatzi, ich bin dir ja so dankbar!!! ;)

Ein sehr gelungener, moderner Fantasieroman, der mich nach anfänglicher Skepsis vollkommen überzeugt hat.

Er besticht vorallem mit der realistisch anmutenden Darstellung des Werwolfseins in der modernen Welt.
Die Charaktere sind echt eigen und einfach klasse! :D

Einziges Manko: Ich will jetzt auch einen Clay... :(
Kalahari zu »Kelley Armstrong: Die Nacht der Wölfin«16.02.2009
Die Nacht der Wölfin ist wirklich ein tolles Buch !
Kelley Armstrongs erzählweise ist einfach super und frisch.
Ich kann von den frechen Dialogen die in dem Buch stecken nicht genung bekommen.
Auch die Story gefällt mir. Elena ist eine moderne Frau mit der man sich gleich "versteht".
Klasse Buch, nur weiterzuempfehlen.
Heli zu »Kelley Armstrong: Die Nacht der Wölfin«11.10.2008
Kelley Armstrong ist für mich die beste Autorin schlicht hin. Ihr Erzhälweise und Ihren Wortwitz sind einfach stimmig. Ich habe lange nach einem Buch mit Werwölfen gesucht, die nach Ihre verwandlung nicht gleich zu blutrünstigen Bestien werden und jeglichen Verlust ihrer Kontrolle.

Im 2. Buch wirkt das Ende sehr unpassend. Die Autorin lässt Elene Michaelis zu einem blutigen Racheengel mutieren. Leser könnten über den persönglichen Wandel schockiert sein.

Aber wie am Anfange beschrieben, ist das Buch einfach nur weiterzuempfehlen!
Mo zu »Kelley Armstrong: Die Nacht der Wölfin«11.08.2008
Gerade ist mit die Nacht der Wölfin in meine gierigen Hände gefallen! Die Story beginnt mir schon auf den ersten Seiten zu gefallen. Ich hoffe das wird so bleiben bis zur letzen Seite denn ich habe mir auch schon D. Rückkehr d. Wölfin, D. Nacht der Hexen & Pakt der Hexen zugelegt. Da bei meinem Lesetempo ein Buch nicht lange hält.
Alli zu »Kelley Armstrong: Die Nacht der Wölfin«23.06.2008
Ich bin nur zufällig auf das 1. Buch gestoßen - es war im Angebot, also dachte ich ich nehme es einfach mal mit - und war total begeistert!!!
Dass es ein zweites Buch gibt, wusste ich, leider nicht wie es heißt. Das hat sich jetzt geändert und ich freue mich schon auf das nächste Leseabenteuer!!!
Grummelgnom zu »Kelley Armstrong: Die Nacht der Wölfin«22.06.2008
Fand das Buch nicht schlecht, die Idee für den Plot hat mir sehr gut gefallen, und war spannend und überzeugend beschrieben.
Aber die doch manchmal etwas überzogenen Liebesszenen erinnerten mich doch an die ganzen Schundromane die man so finden kann.
Das war leider ein kleiner Wermutstropfen.
Ansonsten ein Top-Titel.

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