Schattenstunde von Kelley Armstrong

Buchvorstellungund Rezension

Schattenstunde von Kelley Armstrong

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „The Summoning“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 448 Seiten.ISBN 3-426-28341-7.Übersetzung ins Deutsche von Christine Gaspard.

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In Kürze:

"Ich heiße Chloe Saunders, und mein Leben wird nie mehr so sein, wie es einmal war. Ich wollte immer eine ganz normale Jugendliche sein. Doch heute weiß ich nicht einmal mehr, was das ist, normal sein. Alles begann an dem Tag, an dem ich meinen ersten Geist sah und er mich. Nun kommen immer mehr Tote auf mich zu, die irgendetwas von mir wollen. Und da das alles andere als normal ist, wurde ich nach Lyle House geschickt angeblich ein Heim für verhaltensauffällige Jugendliche. Aber da steckt mehr dahinter. Und die anderen Jugendlichen hier sind auch nicht einfach nur durchgeknallt. Irgendetwas stimmt hier nicht. Ich muss versuchen, den dunklen Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Denn nur so kann ich die Toten, die immer näher kommen, zum Schweigen bringen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Geisterflüsterin und das Haus der merkwürdigen Kinder“68

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Als kleines Kind litt Chloe unter Albträumen. Was bei anderen Kindern schnell mit einem Glas warmer Milch, ein bisschen Kuscheln oder dem Lieblingsstofftier behoben wird, das suchte sie nicht nur in ihren Träumen heim – sie sah Geister.

Nach dem Unfalltod ihrer Mutter aber gab es andere Probleme, die Nachtmahre der frühen Kindheit verzogen sich. Seitdem sucht die mittlerweile 15-jährige nach einem festen Halt. Ihr Vater, ein erfolgreicher Immobilienmakler, findet für seine Tochter kaum Zeit, sie ziehen laufend um, und so muss das Mädchen sich immer wieder neu in einer anderen Schule einfinden. Ihr Traum wäre es, endlich einmal zur Ruhe zu kommen, tiefe Freundschaften zu schließen, und vielleicht sogar einmal ein Date auszumachen. Stattdessen aber bekommt sie, für ihren Geschmack viel zu spät, das erste Mal ihre Regel, begegnet einem verbrannten Hausmeistergeist und flippt, verständlicherweise, aus.

Nach dem kurzfristigen Krankenhausaufenthalt wird sie, vorgeblich nur für zwei Wochen, in das Lyle House, eine private Einrichtung für, nun nennen wir sie einmal, schwierige Kinder aus begütertem Elternhaus gegeben. Doch auch hier, unter dem mäßigenden Einfluss der Pharmaindustrie und der Begleitung durch die Psychologen des Hauses begegnen Chloe weiterhin Verstorbene – ist sie wirklich, wie ihr ein Mitinsasse wahrmachen will, ein Nekromant, und was nur haben die anderen Kinder für besondere Gaben, dass man sie hier wegsperrt ...?

Glaubwürdige Jugendliche in einem etwas beschränkten Umfeld

Kelley Armstrong war eine der Autorinnen, die die Urban Fantasy initiiert haben. Als Autorin der ersten Stunde hat sie gemeinsam mit Laurell K. Hamilton und Charlaine Harris dafür gesorgt, dass paranormal Begabte in einer modernen Umwelt zu einem der literarischen Themen unserer Tage wurden. Dabei zeichneten und zeichnen sich ihre Romane insbesondere dadurch aus, dass sie immer wieder neue, andere Protagonisten und Fähigkeiten ins Zentrum ihrer Titel stellt, diese aber miteinander verknüpft, und so nach und nach eine umfassend andere Welt schafft, in der sie ihre Handlung dann platziert.

Unverständlich bleibt mir, dass sie im krassen Gegensatz zu ihren beiden vorgenannten Kolleginnen den großen Durchbruch bei uns noch nicht geschafft hat. Es mag damit zusammenhängen, dass sie eine allzu plakative Darstellung des Aktes oder brutale Gewaltschilderungen vermeidet, dass sie ihre Leser immer wieder mit neuen Personen und frischen Ansätzen verwöhnt oder aber, dass sie schlicht nicht immer dieselbe Geschichte erzählt.

Vorliegend beginnt sie, erstmals in ihrer Karriere, eine Jugendbuchtrilogie. Zwar ist auch diese in ihrer Welt angesiedelt, richtet sich aber ganz gezielt an ein jüngeres Publikum.

Armstrong stellt dabei ganz bewusst pubertierende Teenager ins Zentrum des Plots, um so für mehr Nähe und Identifikation des Lesers mit ihren Figuren zu sorgen. Und sie schildert, inhaltlich durchaus nachvollziehbar, deren Nöte. Man wird, gerade wenn man ein wenig anders als die anderen, vielleicht gar sonderbar ist, schnell mit einem Label versehen, landet in einer Schublade und erhält ganz genau das nicht, was man doch so dringend bräuchte. Verständnis, Wärme, das Gefühl der Geborgenheit, und das, obwohl die eigenen Hormone Achterbahn fahren, der Körper macht was er will, und man sich selbst nicht mehr mag. Dieses Gefühl, nicht verstanden zu werden, sich selbst und seinem Körper hilflos ausgeliefert zu sein, hat Armstrong sehr gut nachvollziehbar herausgearbeitet. Da ist die Diagnose der Schizophrenie auch nicht eben hilfreich, insbesondere, wenn es sich, wie vorliegend, um eine Fehldiagnose handelt.

Erstaunlich undefiniert aber bleibt, bislang zumindest, die Welt der Protagonistin. Wir lernen – kurz – ihre Schule kennen, dann das Haus, ansonsten erfahren wir so gut wie nichts von der Welt, in der Chloe lebt. Hier wäre Raum für mehr gewesen, vielleicht wird dies in den anderen beiden Titeln nachgeholt.

Insgesamt gesehen ein atmosphärisch dichter Roman, dessen Schwerpunkt auf der Zeichnung glaubwürdiger Charaktere liegt, der seine Leser in seinen Bann zieht, und mit einem veritablen Cliffhanger zum Finale aufwartet.

Ihre Meinung zu »Kelley Armstrong: Schattenstunde«

Ticva zu »Kelley Armstrong: Schattenstunde«13.06.2011
Chloe Saunders ist ein 15jähriges Mädchen, das mit Beginn ihrer Periode plötzlich Geister sehen kann. Da es aber in der normalen Welt so etwas nicht gibt, kommt sie in ein Wohnprojekt für psychisch gestörte Kinder. Ihre Diagnose: Schizophrenie.
Zunächst wirkt das Heim "Lyle House" eher wie ein Internat, und Chloe will lernen, ihren Zustand zu akzeptieren. Doch mit der Zeit und dem Austausch über die Diagnosen der anderen Teenager wird ihr immer bewusster, dass mehr hinter ihren "Halluzinationen" stecken muss. Und so beginnt sie mit Nachforschungen über ihre "Gabe", wobei sie Hilfe von Derek und Simon bekommt. Zwei Brüder, die ebenfalls wegen "psychischer Störungen" in diesem Heim gelandet sind.
Bei ihren Recherchen und praktischen Übungen mit Geistern kommen die Jugendlichen hinter ein düsteres Geheimnis von "Lyle House" und sind ab dem Zeitpunkt in großer Gefahr ...

Ganz langsam, was sehr realistisch wirkt, begreift Chloe, was ihre Erscheinungen für sie bedeuten und nimmt die neue Lebenseinstellung mit dieser "Gabe" an.
Doch nun stellt sich die Frage, wie sie aus diesem Heim fliehen kann. Denn lange kann sie ihren wahren Zustand nicht mehr geheim halten, was ihre Verlegung in eine geschlossene Anstalt bedeuten würde ...

Die Handlung war ebenso düster und ernst, wie das dunkelblaue Cover des Buches es schon ahnen ließ. Trotzdem fühlte ich mich in der Geschichte wohl, da die Schreibweise der Autorin recht jugendlich wirkte. Bestärkt wurde dies durch die entsprechende wörtliche Rede der Teenager.
Kelley Armstrong legt Wert auf Authentizität und gab mir so zu verstehen, was Chloe in "Lyle House" erleben musste. Alle Beschreibungen wirkten sehr real.
Nur die Rolle von Simon war mir anfangs nicht ganz klar. Auch wenn er Chloe darauf brachte, was mit ihr angeblich nicht stimmte, so war es doch sein Bruder, an den sie sich wendete, wenn sie Fragen hatte. Simon war im Grunde der Vermittler, obwohl auch er eine ungewöhnliche Gabe hatte.
Derek hingegen wuchs mir im Laufe der Geschichte immer mehr ans Herz, auch wenn er durch seine abweisende Art gefühlskalt wirkte. Doch er konnte Chloe besser verstehen und ihr eher helfen, als Simon und das wurde auch Chloe immer bewusster.

Erzählt wurden mir Chloes Erlebnisse aus ihrer Sicht und in Ichform. So bekam ich auch mit, was in ihrer Gefühlswelt geschah.
Zwischendurch führte sie einen inneren Monolog oder stellte sich vor, wie der Held in einem Film in gewissen Situationen, die ihr widerfahren, reagieren würde. Die Selbstgespräche in ihrem Kopf wurden zum besseren Verständnis kursiv abgedruckt.
Spannung baute sich zwar erst zum Ende hin auf, doch das tat dem Inhalt dieser Geschichte keinen Abbruch. Da es sich um eine Trilogie handelt, war mir von Anfang an bewusst, dass der erste Teil größtenteils als Einleitung gedacht ist.
Was ich trotzdem nicht sehr schön finde, ist der heftige Cliffhanger am Schluss. Mittendrin hörte die Handlung auf, was ich nicht gut finde, weswegen der Roman auch einen Stern abgezogen bekommt.

Fazit:
Ein schöner einleitender Auftakt der Trilogie "Die dunklen Mächte".
Doch durch das abrupte Ende gibt es einen Stern Abzug und somit vier von fünf Sternen.


Trilogie "Die dunklen Mächte":
1. Schattenstunde
2. Seelennacht
3. Höllenglanz

© 9.6.2011 Tikvas Schmökertruhe
Nadl zu »Kelley Armstrong: Schattenstunde«20.10.2010
Mal wieder ein gutes Buch von Kelley Armstrong. Zwar zielt dieses Buch eher auf die Jugend ab, aber dennoch ist es nur empfehlenswert. Ärgerlich ist nur, das die Fortsetzung erst im Dezember erscheint, denn das Buch hat ein offenes Ende und das Warten kann dann doch lange sein. ;-) Freu mich jedenfalls schon auf die Fortsetzung und kann das Buch nur empfehlen...
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