Das Sternenprogramm von Ken MacLeod

Buchvorstellungund Rezension

Das Sternenprogramm von Ken MacLeod

Originalausgabe erschienen 1995unter dem Titel „The Star Fraction“,deutsche Ausgabe erstmals 2001, 508 Seiten.ISBN 3-453-18788-1.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Nach dem Dritten Weltkrieg ist Europa ein zersplitterter Kontinent. Politische Gruppierungen von ultrarechten Nationalisten über religiöse Fundamentalisten bis hin zu Neokommunisten zerfleischen sich gegenseitig, und während die Vereinten Nationen, gestützt auf die orbitalen Kampfstationen der USA, den Status quo aufrecht zu erhalten versuchen, verelendet das Land immer mehr, grassieren Hunger und Seuchen, von denen viele aus tödlichen Biowaffen stammen. Die Lage scheint aussichtslos, doch der „Uhrmacher“, ein genialer Programmierer, hat das Unheil vorausgesehen und schon vor Jahren die Weichen für eine mögliche Rettung gestellt: das Sternenprogramm, eine künstliche Intelligenz, die insgeheim auf allen Computern mitläuft und den Menschen den Weg zu den Sternen weisen wird.

Das meint phantastik-couch.de: „Kommunist, Computerexperte und Ultrakiffer“90

Science-Fiction-Rezension von S.B. Tenz

Der dritte Weltkrieg hat den europäischen Kontinent in seiner politischen Stabilität vollkommen zerbrechen lassen. Viele unterschiedliche politische Gruppierungen bekämpfen sich gegenseitig. Ganz Europa steht vor dem endgültigen Kollaps. Hunger und Seuchen verelenden das Land. Die Vereinten Nationen versuchen mit Unterstützung der USA und deren orbitalen Kampfstationen den Status Quo aufrecht zu erhalten.

Söldnertruppen werden von den einzelnen Parteien angeworben. Vorrangig zum Objekt- und Personenschutz, aber auch um unliebsame Kontrahenten zu liquidieren. Die Söldner leben dabei nicht schlecht in diesen schweren Zeiten.

Einer der besten von ihnen ist Moh Kohn. Seines Zeichens Kommunist, Computerexperte und drogenbegeisterter Patriot. Trips, Aufputschmittel aller Art, Dope und sein Gewehr gehören zu seiner Standardausrüstung. Wobei letzteres sein wohl wichtigstes Utensil darstellt. Eine hochmoderne Waffe, ausgestattet mit einer speziellen Schnittstelle, die in ständiger Verbindung zu einem gigantischen Computernetzwerk steht. Der Clou aber ist, dass Moh auch ausgiebige Gespräche mit seinem abgefahrenen Ballermann führen kann. Das Gewehr ermittelt für ihn die Aufenthaltsorte verschiedener Personen, entwickelt Strategien und trifft hin und wieder auch gerne mal eine eigene Entscheidung. Ein perfektes Team, wie man meinen könnte.

Doch dann geschieht etwas merkwürdiges. Moh´s Gewehr startet selbstständig einen Download und lädt ein Programm aus dem Netz herunter, das sich als in dieser Form nie zuvor dagewesene, „;Künstliche Intelligenz“; erweist. Hinter all dem steckt ein genialer Programmierer, den man den Uhrmacher nennt. Vor vielen Jahren schon hat dieser eine KI geschaffen, die sich Schritt für Schritt im gesamten Netz ausbreitete. Dabei handelt es sich um das Sternenprogramm. Diese KI soll die Weichen für eine mögliche Rettung der Menschheit stellen. Moh Kohn wird, gemeinsam mit der Biologin Janis, plötzlich zur Hauptfigur einer Revolution, die weniger auf dem Schlachtfeld, als vielmehr im weltweiten Datennetz stattfindet. Dabei ist der Weg zu den Sternen eine mögliche Option zur Bewahrung der menschlichen Rasse.

Abgedreht …

Ken MacLeod schrieb fast 6 Jahre an seinem ersten Roman „;The Star Fraction“;, der schließlich 1995 erschien und gleich mit dem Prometheus Award ausgezeichnet wurde.

„;Wow! Was für eine abgedrehte Story.“; Das war mein erster Gedanke, nachdem ich die letzten Seiten gelesen hatte. Science Fiction für eine neue Generation. Schnell, rasant und herausfordernd. Ein Vergleich mit Neil Stephenson (Snow Crash, Diamond Age), sei an dieser Stelle gestattet. Solche Bücher sind dazu prädestiniert Kultstatus zu erreichen. Die Dialoge finden auf hohen Niveau statt und die Figuren wirken glaubwürdig und besitzen Überzeugungskraft.

Schwerpunkt der Geschichte sind die politischen Auseinandersetzungen zwischen den vielen unterschiedlichen Parteien. Die USA als alles beherrschende Großmacht, die alle Ereignisse in Europa durch ihre orbitale Vormachtsstellung überwacht. Radikale Grüne, die aus dem Untergrund heraus operieren und einer terroristischen Gruppierung sehr nahe kommen, Kommunisten und Trotzkisten, die eine sozialistische Revolution anstreben sowie Splittergruppen von hirnamputierten Neofaschisten und ewig gestrigen Bekloppten. Kurz gesagt, eine Chaos-Welt, die dabei ist, sich den letzten Rest zu geben. Dabei läßt Ken MacLeod nichts aus. In seiner Welt gibt es sogar eine Grüne Khmer, die das „;Babylonische Bangkok“; besetzt.

 …und erschreckend

Zu Anfang mag das alles sehr abwegig und fast albern erscheinen. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird daraus jedoch eine erschreckende Zukunftsvision eines instabilen Europäischen Kontinents und einer nach bedingungsloser Macht strebenden und zugleich sterbenden Zivilisation.

„;Wir müssen den Leuten klarmachen, daß Toleranz keine Schwäche ist“;. Eine Aussage, die mir besonders gut gefallen hat. In Anbetracht jüngster politischer Ereignisse sicher ein Gedanke, über den es sich nachzudenken lohnt.

Afghanistan-Krise, weltweiter Einsatz von biologischen und chemischen Waffen, Kritik an der Politik der USA. (Den meisten mag dies nach dem 11.September 2001 vielleicht zu makaber erscheinen!) Für mich ist es jedoch ein Zeichen dafür, dass ein Ken MacLeod sich über diese Dinge schon vor einigen Jahren Gedanken gemacht hat, was die meisten Politiker der westlichen Welt leider versäumt haben. Wie schnell aus Science Fiction Realität werden kann, zeigt MacLeods Roman auf eine beängstigenden Weise.

Moh Kohn, die Hauptfigur des Romans, wird dem Leser jedenfalls noch lange im Gedächtnis bleiben. Fazit: Für den anspruchsvollen S.F. – Leser ein Muss.

Ihre Meinung zu »Ken MacLeod: Das Sternenprogramm«

Amtranik zu »Ken MacLeod: Das Sternenprogramm«31.01.2013
Es gibt mehrere Gründe, warum ich diesen Roman und letztlich auch den ganzen Weltentwurf welcher im Original 4 Romane umfaßt ( Nur 3 wurden bisher übersetzt ) nicht wirklich empfehlen kann. Ärgerlich, wenn auch nicht entscheidend ist zunächst einmal mehr die Art und Weise wie ein Heyne hier mit einer völlig unpassenden Umschlaggestaltung das Interesse des Käufers in eine völlig falsche Richtung lenkt. Man könnte meinen es handle sich um einen normalen SF-Entwicklungsroman der beschreibt wie die Menschheit ins All aufbricht. Das diese Welt alle andere als das ist kommt in der obigen Rezension gut raus.

Kritik:

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2013 und aus meiner Sicht wirkt der knapp 16-17 Jahr alte Roman bereits sehr angestaubt. Aus jedem Kapitel schreit einem der Zeitgeist der 90iger Jahre des letzten Jahrhunderts entgegen und ich bin sicher das man heute eine solche Welt nicht mehr beschreiben würde. Desweiteren komme ich nicht umhin festzustellen das dies Werk unmöglich seine britischen Wurzeln zu verleugnen vermag. Somit bietet sich mir hier eine für meine Begriffe äußerst beschränkte, in Ihrer Ideologischen Ausführung doch arg limitierte Weltsicht (ein Brite extrapoliert eine Entwicklung Europas und ist dabei fest im Zeitgeist verankert ) dar, die ich letztlich nur deshalb noch halbwegs unterhaltsam fand, weil dem Autor zumindest mit Moh Kohn ein Protagonist gelungen ist, der interessant ist und mit dem man mitfiebern kann. Die Welt ist im wahrtsen Sinne des Wortes chaotisch, was aber leider auch dazu führt, das der Leser nur eher schlaglichtartige Vorstellungen davon bekommt wie das ganze eigentlich zusammenspielt, wie die Metaebene dieser Welt aussieht bleibt nicht fassbar. Und so lustig einem ein hingeworfener Brocken wie bspw grüne Khmer auch sein mögen, was hab ich davon wenn ich ausser der bloßen erwähung des Namens so gut wie nix davon erfahre? Überhaupt ist der tatsächliche Informationgehalt über die einzelnen Fraktionen äußerst dünn und stellenweise gar ein wenig arg platt und klischeebeladen. MacLeod kratzt kaum mehr als an der Oberfläche, sodaß die ganze Story für mich recht schnell zum teilweise ermüdenden Geduldsspiel wurde. Sein Entwurf einer chaotischen anarchistischen Welt ist schon arg speziell, sodaß es aus meiner Sicht nicht aussreicht, Politiksequenzen zu mögen oder eine an Action eher arme Handlung zu goutieren. Man muss schon mit seinem Stil warm werden - das ist mir leider nicht gelungen, so gern ich das auch gewollt hätte. Spätestens mit dem Nachfolgeband " Die Mars-Stadt" deren Inhalt eigentlich so gut wie nichts mit einer Stadt auf dem Mars zu tun hat, ist es dem Autor gelungen mich derart zu langweilen, das mein Ausflug in die Welten des Ken MacLeod damit auch enden werden.

Für mich ist es, anders als bspw bei Autoren wie IanMcDonald oder Adam Roberts, logisch nachvollziehbar, das Werke dieses Autors seither keine Berücksichtigung in der deutschen Übersetzung mehr fanden. Themen und Stil dieses Autors dürften sich nur für eine sehr kleine Gruppe SF-Fans eignen. Ich fand hier keine Exotik, keine Phantastik, keine nennenswerten technischen Beschreibungen, keine Raumfahrt, keine Aliens, dafür umso mehr biedere Alltagsbeschreibungen einer chaotisch anarchistichen Zukunftswelt, die manchesmal gar ins absurde abdriftet.
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