Der Kuss des Morgenlichts von Leah Cohn

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010, 429 Seiten.ISBN 3810510742.

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In Kürze:

Als die Musikstudentin Sophie dem faszinierenden Cellisten Nathanael Grigori begegnet, ist es für sie die große Liebe. Doch schon nach einem kurzen Sommer der Leidenschaft verlässt er sie plötzlich und ohne Erklärung. Sophie ist am Boden zerstört, einzig ihre gemeinsame Tochter Aurora bleibt ihr als Erinnerung. Doch als Aurora sieben Jahre alt wird, verändert sie sich auf sonderbare Weise. Sophie ahnt nicht, dass um sie ein uralter Kampf zwischen Gut und Böse entbrannt ist. Denn Nathanael und Aurora sind Nephilim: unsterbliche gefallene Engel, die einen Auftrag zu erfüllen haben …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein solider Engelroman“72

Fantasy-Rezension von Verena Wolf

Man kennt die Zutaten zu dem Buch: schüchterne junge Frau, die nicht so recht in diese Welt zu passen scheint, verliebt sich in einen geheimnisvollen, schönen Mann, der sich zu ihrer eigenen Verblüffung für sie interessiert. Alles könnte so schön sein, aber Obacht, der Kerl ist gar kein Mensch, sondern ein Vampir, pardon Zombie, pardon Engel, ach, sagen wir einfach Unsterblicher. Das ist auch hier genau so.

Gefallene Engel am Cello

Aber was eine wirklich gute Idee war, das Ganze an eine Musikhochschule zu legen. Die Hauptfigur Sophie, eine zurückhaltende, hochbegabte Pianistin erscheint sehr glaubhaft, ist facettenreich dargestellt und wirkt dadurch lebendig. Die Annäherungsversuche von ihr und dem Cellisten-Star Nathanael, der natürlich – was erwartet man anderes von einem Engel – schön und beeindruckend daher kommt, ist spannend und fängt durch die guten Beschreibungen die Leser ein. Hier kommen diejenigen, die das verträumte Cover in hellblau, mit zarter Schrift und Romantik-Titel ansprach, genau auf ihre Kosten. Glücklicherweise verharrt das Buch hier jedoch nicht, sondern stellt den guten Engeln Böse zur Seite. Dass die heldenhaften Unsterblichen Gegenspieler auf Augenhöhe benötigen, wissen wir nicht erst seit gewissen Vampirromanen, aber Leah Cohn hat sich Gedanken gemacht und nicht nur vor sich hingeschrieben oder wild kopiert. Die Überlegungen, warum sind Engel wie, welche Talente haben sie, warum macht keine rein wissenschaftliche Analyse des Engelmythos aus „Der Kuss des Morgenlichts“, aber gibt dem Roman ein Fundament, das die romantische Geschichte gut trägt. Die Szenen sind stilsicher geschrieben, Cohn verhaspelt sich weder noch verliert sie die Charaktere noch die spannende Grundstimmung aus den Augen.

Ein zweigeteiltes Buch

Was auffällt, ist die deutliche Zäsur von „Der Kuss des Morgenlichts“. Auf Seite 98 springt die Geschichte sieben Jahre in die Zukunft. Die Affäre mit Nathanael ist längst Vergangenheit, Sophie ist jetzt ganz Mutter einer Siebenjährigen und zieht mit ihr aufs Land, da die Kleine plötzlich Anfälle hat, dann nicht ansprechbar ist und wohl Ruhe braucht. Sophie ahnt nicht – anders als der Leser -, dass in Wirklichkeit nur Aurorars unsterbliches Engel-Erbe erwacht. Diesen Wechsel in den Hauptrollen von Sophie als verlassene Geliebte hin zum Tochter-Mutter-Duo fand ich irritierend und es dauerte etwas, bis man wieder voll dabei war. Die Zwei geraten in Gefahr, denn auf dem Land lauern die alten Widersacher, die ein Auge auf die Halbengelstochter Aurora geworfen haben. Alles weiterhin anspruchsvoll beschrieben, stilsicher formuliert, Cohn versteht ihr Handwerk. Aber ich nahm vom Inhalt kleinkariert übel, dass Cohn trotz ihrer vorherigen detailgenauen Sorgfalt Sophie eine so große Erbschaft andichtet, dass sie weder als Künstlerin noch überhaupt „richtig“ arbeiten muss und so in das alte, ebenfalls geerbte riesige Haus aufs Land zieht. Das ist ein zu oft bedienter Winkelzug. Sophie wirkt jetzt auch oft wie eine klischeehafte Maid in Nöten aus einem englischen Roman des 19. Jahrhunderts, sehr romantisch und versonnen, aber nicht länger zeitgenössisch. Auch der böse Caspar von Kranichstein erscheint da der passende düstere Widersacher, der in sich zerrissen zwar tötet, doch Sophie auch nur begehrt. Eine Prise zu viel „Phantom der Oper“ statt Musikermilieu für mich, aber was soll´s.

Die Geschichte wird auf jeden Fall in „Der Kuss des Morgenlichts“ gut und solide weitergesponnen, die Hintergründe um die Nephilim und offene Fragen erklärt und so lässt man sich mit den Seiten neu einfangen und bleibt am Buch dran. Leichte Actionelemente bringen Fahrt zum Ende hin rein und nach der letzten Seite ist nach aktueller Fantasy-alles-muss-eine-Fortsetzung-haben-Manier klar: ein Scharmünzel ist gewonnen, der große Kampf steht aus. Mehr dazu erst in der Fortsetzung. Aber dafür kann Cohn ja wohl nichts. Alle, die das Thema mögen und beim Titel nicht zusammenzucken, sondern neugierig werden, finden mit dem Serienauftakt „Der Kuss des Morgenlichts“ bestimmt genau das Richtige.

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