Silberner Fluch von Lee Carroll

Buchvorstellungund Rezension

Silberner Fluch von Lee Carroll

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Black Swan Rising“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 512 Seiten.ISBN 3-453-52697-X.Übersetzung ins Deutsche von Kirsten Borchardt.

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In Kürze:

Als die junge Designerin Garet James in einem New Yorker Antiquariat auf eine Schatulle mit dem Symbol eines schwarzen Schwans stößt, ahnt sie noch nicht, dass darin ihr Schicksal verborgen ist. Denn der gleiche Schwan befindet sich auf dem Siegelring ihrer verstorbenen Mutter. Ein Zufall? Sie öffnet die Schatulle – und damit auch das Tor in eine magische Welt. Eine Welt der Feen, Vampire und Magier, voller Geheimnisse und Gefahren. Nur der zwielichtige Geschäftsmann Will Hughes scheint mehr darüber zu wissen. Mit seiner Hilfe erkennt Garet schließlich, dass das Siegel des Schwans sie zur letzten Hüterin des Tors zwischen den Welten macht …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die neue Büchse der Pandora wird in New York geöffnet“70

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Garet James und ihr Vater betreiben seit Jahren eine der angesehensten Galerien von New York. Ob ein Andy Warhole oder ein Picasso, durch ihre fachkundigen Hände gingen bereits Millionenwerte. Daneben hat sich Garet quasi als zweites Standbein die Herstellung und den Vertrieb von Medaillons aufgebaut.

Doch die Rezession schlägt auch bei ihnen unerbittlich zu. Selbst hochwertigste Gemälde finden kaum einen Interessenten, geschweige denn einen solventen Käufer, die High Society ist unter die Schnäppchenjäger gegangen, Handeln bis zur Schmerzgrenze ganz nach dem Motto „Geiz ist geil“ hält auch in die mondäne Welt der Superreichen Einzug. Ob und wie die Galeristen und deren Künstler überleben, schert die Upper-Class dabei wenig.

Eine eigentlich sichere Investition erweist sich als Ladenhüter, und schon ist die Haus mit der Galerie, ja ihre ganze Existenz in Gefahr. Nach dem entsprechenden Beratungstermin bei ihrem Hausanwalt sucht Garet auf dem Nachhauseweg vor dem Regen in einem Antiquitätengeschäft Schutz. Der alte, aber rüstige John Dee bewundert nicht nur ihren von ihrer Mutter geerbten Ring, sondern vertraut ihr auch ein kleines silbernes Kästchen an, das dasselbe Siegel ziert wie ihr Ring, und das sie in seinem Auftrag für eine durchaus nennenswerte Summe fachmännisch öffnen soll.

Kaum hat sie die Box geöffnet, überstürzen sich die Geschehnisse. Ihr Atelier und die Kunsthandlung wird überfallen, ihr Vater angeschossen, das geöffnete Kästchen wird gestohlen. Im Verlauf der weiteren Handlung erfährt Garet, dass sie mit der Öffnung des Kleinods zwei uralte Dämonen auf die Menschheit losgelassen hat. Zwietracht, Neid und Gewalt breiten sich, vom magischen Nebel des unsterblichen Alchemisten John Dee ausgesandt, in der Stadt am Hudson aus. Nur wenn es ihr gelingt, den Deckel innerhalb von ein paar Tagen wieder zu schließen, können die Dämonen gebannt werden. Doch vorher muss sie das gestohlene Kleinod erst einmal wieder in ihren Besitz bringen.Nach und nach findet Garet Verbündete im Kampf gegen das Übel – Helfer und Lehrer aber, die nicht ganz dem Bild des üblichen Cops oder Privatdetektivs entsprechen. Zu Oberon, dem König der Elfen, gesellen sich Drachen, Gnome und Meerjungfrauen, und im Vampir Will Hughes, der als Verwalter eines Hedge Fonds Millionen bewegt, findet sie einen weiteren, ungewöhnlichen Helfer, der zudem ihre Hormone gehörig durcheinanderbringt. Dennoch scheint der Kampf gegen die dunklen Pläne John Dees aussichtslos, bis Garet ihr Erbe als Wächterin der Türme anzunehmen bereit ist. Seit Jahrhunderten beschützen die Töchter ihrer Familie die Welt der Menschen vor der Bedrohung durch die Dämonen. Ihre eigene Mutter versuchte – bevor sie einem Anschlag der Dunklen zum Opfer fiel – sie vor diesem Schicksal zu bewahren, indem sie ihr das Erbe verschwieg. Jetzt ist sie auf ihre besondere Gaben und Fähigkeiten angewiesen, umso mehr, als scheinbar jeder, der sie unterstützt, seine eigenen Pläne mit dem Kästchen verfolgt …

Neue Ideen sucht man auch hier vergebens, dennoch leicht verdauliche, spannende Lesekunst

Die Urban-Fantasy-Welle scheint nicht nachzulassen. Immer neue Autoren wenden sich den mehr oder minder verborgen in unserer Welt lebenden übersinnlichen Völkern zu. Die zugrundliegenden Ausgangssituationen wiederholen sich zusehends, wirklich neue Ideen sucht man meist vergebens.

Dies trifft auch auf die Dark-Swan-Reihe zu. Einmal mehr leben – verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit – die übersinnlichen Völker unter uns, deren langsamer aber stetiger Machtverfall unübersehbar ist. Von der ständig wachsenden menschlichen Bevölkerung werden diese Arten förmlich an den Rand gedrückt, verlieren an Macht und Bedeutung, ja sterben nach und nach aus. Das erinnert immer ein wenig an die dahinvegetierenden Naturvölker Nord- und Südamerikas, aber auch aus Down Under und Ozeanien, die sich der Europäischen Kolonisten nicht zu erwehren wussten.

Dass die Verdrängten, um zu alter Größe zurückzukehren, bereit sind, alles zu riskieren und ihre eigenen Interessen vor das Wohl einer menschlichen Frau zu stellen, wirkt bedingt durch diese Motivation glaubwürdig. Insoweit bleibt lange offen, wem unsere Hauptperson überhaupt trauen kann und wie die unterschiedlichen Motivationen einzuschätzen sind. Dabei bleiben die Personen, mit Ausnahme des Vampirs und unserer Protagonistin, relativ unscharf. Über Oberon erfahren wir wenig, über John Dee und dessen Motive noch weniger. Andere Autoren versuchen, wenn sie schon keine detailreich ausgearbeitete übersinnliche Zivilisation präsentieren können, durch packende Action-Szenen zu punkten. Zwar gibt es auch vorliegend Kämpfe, doch diese sind kaum erwähnenswert. Nein, Carroll sucht ihre Leser insbesondere durch ihre Rätsel an die Seiten zu bannen. Dabei sind die Handlung und die darin begründeten Rätsel und Fragen zwar relativ kompliziert aufgebaut, aber auch durchaus interessant. Allerdings bleiben viele, fast zu viele Fragen unbeantwortet und harren ihrer Auflösung in den folgenden Bänden.

Erfreulich ist, dass die Romantik zwar kurz angesprochen, aber nie als Selbstzweck im Zentrum steht. Auf Schlafzimmer-Szenen wartet man glücklicherweise vergebens. Stattdessen trumpft Carroll mit einer atmosphärisch ansprechenden Darstellung ihrer vom Nebel und dem darin verborgenen Bösen heimgesuchten Metropole auf.

Insgesamt ein Auftakt, die der Welt der Urban Fantasies zwar nichts Neues hinzufügt, der sich aber angenehm flüssig liest, genügend Rätsel und Ansätze für weitere Bände birgt, und mit einer interessanten Hauptfigur aufwartet.

Ihre Meinung zu »Lee Carroll: Silberner Fluch«

deta zu »Lee Carroll: Silberner Fluch«28.01.2011
Eine nette Geschichte, die in „hier und jetzt“ verankert ist, aber mit übernatürlichen Wesen bevölkert wird, die jeder Shakespeare Leser kennt. Man wird mit der Geschichte in eine geheimnisvolle gleich nebenan existierende Wirklichkeit hereingeführt. Es gibt viel Schönheit in den farbvollen Beschreibungen der Nacht. Die Auslegung der Naturkräfte finde ich auch grandios. Die romantischen Gefühle bilden dort einen Leitfaden, drängen sich aber dem Leser nicht auf. Einfach schön zu lesen!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Iris53 zu »Lee Carroll: Silberner Fluch«14.08.2010
Hört sich interessant an, war für mich aber ein Flop. Ellenlange Beschreibungen von Stadtvierteln, Häusern, wer wo mal gelebt hat; Hat sich gelesen wie eine ausführliche Stadtplanbeschreibung. Ab und zu kamen mal spannende Momente, aber wenn ich mir dann wieder die Beschreibungen der Abwasserkanäle "anhören" muss, oder wie schön das Gebäude der City Hall immer noch ist mit seinen Säulen und Skulpturen und "paladianischen Sandsteinfassade"; Irgendwann kommt noch die französische Revolution und zu allem Überfluß auch noch hochgestochene Ausdrücke, wie Transmigration oder proterozonisch.
Ich lese wirklich gerne Bücher, aus denen man noch etwas lernen kann, aber - sorry - hier klingt es nur besserwisserisch.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tyler zu »Lee Carroll: Silberner Fluch«08.08.2010
Die Story ist nicht allzu fesselnd, aber die kleinen Rätsel und die immer wieder auftauchenden Hinweise auf Vergangenes und Erlebtes schon. Es gibt ein längeres hin und her wer denn nun zu den "Guten" und den "Bösen" gehört, und am Ende weiß man es noch immer nicht so recht, denn nicht umsonst ist dies der Auftakt zu einer neuen Serie.
Es gibt gute Beschreibungen von Elfen und allerhand anderen magischen Wesen die quer durch das Gemüsebeet auftauchen. Es gibt Romantik, eine schöne Stadt die meist im Nebel versinkt, mythische Helfer, liebenswerte Charaktere, gute Freunde, ein altes Rätsel... kurz alles was man für ein paar vergnügliche Stunden am Balkon, Strand oder Meer braucht.
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