Das Lied der Krähen von Leigh Bardugo

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Glory or Grave“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 592 Seiten.ISBN 3-426-65443-1.Übersetzung ins Deutsche von Michelle Gyo.

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Das meint Phantastik-Couch.de: Ungewöhnliches Setting und ein Hauch von Oceans 1188

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Auf der hier dargestellten Welt gibt es zwei Arten von Menschen – solche, die es nie zu etwas bringen, die immer nur buckeln und sich abrackern und die, die ganz oben schwimmen.

Kaz Brekker war einst ein einfacher Bauernjunge, der nach dem Tod seiner Eltern zusammen mit seinem großen Bruder nach Ketterdam kam. Hier, in der pulsierenden Küstenstadt wollten sie aus dem Wenigen, was ihnen der Verkauf des Hofes eingebracht hatte, ihr Glück an der Börse machen. Dumm, dass der Plan schief ging, der Bruder von einem der Ganoven über den Tisch gezogen wurde und dann an einer Seuche grausam zugrunde ging.

Seitdem hat Kaz nur zwei Dinge im Kopf – reich, unermesslich reich zu werden und Rache an dem Betrüger zu nehmen, der sie einst ausnahm wie die sprichwörtliche Gans.

Er hat sich in und durch seine skrupellose Art zur rechten Hand eines der Bandenchefs des Hafens hochgearbeitet, handelt mit Informationen und weiß über die Geheimnisse eines Jeden Bescheid.

Dies ist auch den mächtigen Handelsherren der Stadt nicht verborgen geblieben und sie engagieren ihn, einen unmöglichen Diebstahl auszuführen. Für die Summe von 30 Millionen Kruge soll er einen Wissenschaftler aus dem Ice Court, der am besten gesichertsten Festung der Welt befreien. Dass der dort gefangen Gehaltene eine Droge entwickelt hat, mit der sich die Kräfte der Grischa – das sind Menschen die besondere übersinnliche Talente ihr eigen nennen und ob dieser gnadenlos verfolgt werden – ins unermessliche gesteigert werden können, sorgt für Konkurrenz. Wer auch immer die Droge und Grischa beherrscht, der kann aus Blei Gold machen, kann ganze Kontinente versinken lassen oder umgestalten und alles und jeden heilen.

Kaz weiß, dass andere Nationen auch versuchen werden, den Erfinder zu befreien. Und er weiß, dass er es nicht alleine schaffen wird.

So sammelt er fünf Mitstreiter um sich – das Phantom, seine Spionin die mit den Messer ebenso unnachahmlich umzugehen weiß wie sie eine jede Wand erklimmen kann, einen spielsüchtigen Scharfschützen, eine Grischa die es gelernt hat ihre Gabe zum Töten zu nutzen, einen reichen Erben der ein Händchen für Explosives hat und einen Gefangenen, der einst in der Festung ausgebildet wurde. Zusammen machen sie sich an ihre unmöglich scheinende Mission …

Ein Auftakt nach Maß – und ein verdienter Erfolg, der sorgfältig durchgeplant wurde

Schon äußerlich merkt man dem Buch an, dass sich Herausgeber und Verlag große Mühe gegeben haben, den Titel aus dem monatlich erscheinenden Allerlei hervorzuheben. Rundumfarbschnitt, Prägedruck, dazu ein begleitender Trailer in den sozialen Medien – die Werbetrommel wird gar munter gerührt. Zu Recht – das war die Frage, die sich mir stellte.

Nun, der Auftakt war vielversprechend.

Man nehme die Handlung aus den Kino-Blockbustern um Ocean´s 11 / 12 / 13, versetze das Ganze in eine Fantasy-Welt, die zwar Gewehre und Panzer schon kennt, sich aber doch weitgehend auf Magie und geschliffenen Stahl verlässt – zumindest was die tödlichen Auseinandersetzungen anbelangt, fertig der Bestseller.

Nun, ganz so einfach ist es nicht, doch im Grund passt das Rezept gar wunderbar.

Dazu packt die Autorin einen jungen Krüppel – sowohl körperlich wie seelisch – der sich mühsam die Leiter des Erfolgs hochgearbeitet hat, und eine Bande von sympathisch gezeichneten Verbrechern.

Dass uns deren Schicksale rühren, dass sie über ihre Historie mit einer glaubwürdigen Motivation für ihren Charakter versehen werden ist fast schon Standard. Die Darstellung der magiekundigen Grischas aber ist etwas sehr Eigenes, das dem Buch sein Gepräge verleiht.

Und dann beginnt das große Abenteuer. Dieses Mal eben nicht mit großem Schwertgerassel, mit blutigen Kämpfen sondern eher mit interessanten Ideen, jeder Menge Geheimnissen – und Verwicklungen satt.

Statt Muskeln nutzt unser Filou lieber seinen Geist um seine Gegner auszumanövrieren, seine Ziele, allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz, zu erreichen.

Im Verlauf der „Befreiungsaktion“ lernen wir die Inquisitoren die sehr eindeutig als perverse, sadistische Folterknechte dargestellt werden kennen, erhalten immer wieder Hinweise auf die Geschichte der Welt und deren politische wie gesellschaftliche Auseinandersetzungen.

Ob und wie unsere Helden ihre Mission erfüllen, was auf sie wartet, wenn sie – egal ob siegreich oder geschlagen – zurückkommen, das ist das Interessante im Plot. Soviel sei verraten: Es gibt eine Fortsetzung – noch ist die Geschichte nicht abschließend erzählt.

Fazit:

So bleibt ein sehr munterer, unterhaltsamer und spannender Roman der ungewöhnlichen Figuren kredenzt, der weniger auf Gewalt als auf Raffinesse setzt und die Zeit der Lektüre wert ist – also klare Leseempfehlung!

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