Macht arm an Euro, aber reich an Eindrücken – die Leipziger Buchmesse 2012

Arm machen vor allem die Übernachtungspreise in den Hotels, die sich zu Buchmessezeiten locker verdreifachen. Aber da muss der geschätzte Messebesucher und Berichterstatter durch, wenn er denn auch das abendliche Treiben in Leipzig erleben will. Letzteres bleibt dem aus Berlin pendelnden Besucher, von denen ich einige traf (und zu denen ich im nächsten Jahr möglicherweise auch gehören werde) versagt.

Mit vielen anderen schönen Dingen wird man reichlich beschenkt.

Mit Büchern. Nein, für umsonst gibt es die nicht (insofern gehören die für die meisten zum „macht arm“ Thema), aber die schiere Vielfalt an tollen Büchern, auch abseits des allgegenwärtigen Mainstreams, ist überwältigend und die Erfahrung wert.

Mit Autoren. Das who is who der deutschen Phantastik-Szene findet sich an der Fantasy-Leseinsel ein und ist entweder im WerkZeugs VIP Bereich zu bewundern, oder hautnah zu erleben. Denn nach den Lesungen finden Signierstunden statt und alle Autoren beweisen eine bewundernswerte Ausdauer, beim Unterschreiben und Beantworten von Fragen.

Mit bunten Kostümen und schrillen Figuren. Mancher belächelt sie, ich mag sie. Sie gehören inzwischen selbstverständlich dazu und bereichern das Bild in und zwischen den Hallen und auf den Außenanlagen – die Cosplayer.

Mit persönlichen Einsichten. Das schönste Geschenk sind die Eindrücke aus Gesprächen abseits der offiziellen Termine. Mit Kollegen, aus dem eigenen Lager und von anderen Portalen, mit Autoren, mit Verlegern, Lektoren, Übersetzern und allen, die daran teilhaben, das wir phantastische Bücher genießen können. Jeder hat so seine persönliche Sicht der Dinge auf die Literaturszene und das -business. Diese Erfahrungen zu teilen ist so spannend, wie lehrreich und zählt zu meinen persönlichen Highlights der Buchmesse Leipzig.

Doch davon gab es noch mehr:

1. Am Donnerstag fand die Verleihung des Buchpreises der Phantastischen Akademie, des Seraph statt. Von den Juroren waren vorab in die „Shortlist“ gewählt worden:
in der Kategorie „Bestes Debüt 2011“:

  • Thilo Corzilius: Ravinia (Piper)
  • Jürgen Magister: Katharsia (Dresdner Buchverlag)
  • Nina Maria Marewski: Die Moldau im Schrank (Bilger Verlag)

in der Kategorie „Bestes Buch 2011“:

Gewonnen haben den Seraph:

  • für das beste Debüt: Nina Maria Marewski: Die Moldau im Schrank
  • für das beste Buch: Christian von Aster: Der letzte Schattenschnitzer

Zu den Qualitäten des als bester Roman ausgezeichneten "Der letzte Schattenschnitzer" brauchen wir hier nichts mehr zu sagen, denn die geht aus Marcel Bülles Rezension hervor, der zudem den Autor im Interview zu dem Buch befragte.

Es sei allerdings verraten, dass Christian von Aster auf Lesungen immer als ein wahrer Unterhaltungskünstler auftritt. Was mir schon vor zwei Jahren auffiel und was er nun auf der abendlichen Lesung der Preisträger erneut eindrucksvoll unter Beweis stellte. Ein weiteres Highlight bot die ausgezeichnete Debütantin Nina Maria Marewski, als sie aus ihrem Werk „Die Moldau im Schrank“ las. Die Lesung machte wirklich neugierig auf den Titel. Denn sie präsentierte eine faszinierende Idee, nämlich die einer Reise in eine andere persönliche Realität und begeisterte durch eine sprachliche Finesse, wie man sie in Debütromanen nur selten findet. Aber mehr möchte ich dazu nicht verraten, denn der Titel ist bereits zur Rezension vergeben.

Diesen Messebesuch habe ich hauptsächlich der Kontaktpflege gewidmet und bin daher am Freitag nicht bei allen Lesungen auf der Fantasy-Leseinsel dabei gewesen. Bei einigen aber doch und hier möchte ich exemplarisch drei vorstellen, die ein wenig hervorstachen:

2. Thomas Plischke alias Jonas Wolf las aus „Heldenwinter“ – und das in einem lila Anzug und mit Bart. Hinter dem schrillen Outfit steckt eine lustige Geschichte, die der Autor vielleicht selbst mal öffentlich enthüllt, oder auch nicht.

3. Markus Heitz las aus „Die Legenden der Albae – Vernichtender Hass“ und stellte sich gewohnt souverän den Fragen der Fans. Unnachgiebig wurde wieder die nach der Zwergenwitz-Pointe gestellt, aber die nimmt der Autor nach eigenem Bekunden mit ins Grab.

4. Torsten Low, Oliver Plaschka und Diana Wolter lasen aus der Anthologie „Die Einhörner“ Hier war Raum für ein wenig Poesie. Oliver Plaschka hat für die Anthologie ein Gedicht von Peter S. Beagle übersetzt und zu Gehör gebracht. Ein besonders schöner Abschluss der Freitagslesungen auf der Fantasy Leseinsel.

Für mich war der Buchmesse Freitag in Leipzig der letzte Messetag. Um ein paar Euro ärmer, aber um tausende Eindrücke reicher ziehe ich ein positives Fazit und schließe mich meinem Vorredner vom letzten Jahr an: „Schön war’s wieder mal. Wir sehen uns.“

Eva Bergschneider

Fotos: Eva Bergschneider