Feuertaufe von Lilith Saintcrow

Buchvorstellung und Rezension

  • Fantasy
  • Science-Fiction
  • Horror
  • Mystery

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel The Devil´s Right Hand, deutsche Ausgabe erstmals 2009 , 380 Seiten. ISBN 3802581962. Übersetzung ins Deutsche von Katrin Mrugalla und Richard Betzenbichler.

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In Kürze:

Dante Valentine, Nekromantin und Kopfgeldjägerin, wird vom Teufel persönlich einbestellt und für einen Auftrag angeheuert, den sie nicht ablehnen kann: Sie soll vier aus der Hölle entflohene Dämonen wieder einfangen und zu Luzifer zurückbringen. Mit einer Truppe angeheuerter Söldner und ihrem Geliebten Japhrimel, dem ehemaligen Top-Killer Satans, macht sich Dante daran, den Auftrag zu erfüllen. Doch was sich zunächst einfach anhört, wird schon bald zum Himmelfahrtskommando …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Wenn die Linke nicht weiß, was die Rechte tut“ 30

Fantasy-Rezension von Tom Orgel

Dante Valentine kehrt in „The Devil’s Right Hand“ für einen dritten Auftritt dieser Serie von Lilith Saintcrow zurück. Allerdings trifft es diesmal wohl nicht zu, dass aller guten Dinge drei sind, denn das Buch wirkt insgesamt erstaunlich uninspiriert.

Eine starke Frau in einer dämonischen Welt?

Dabei ist der Hintergrund der Welt, die Frau Saintcrow entworfen hat, mehr als vielversprechend. Eine Version einer post-apokalyptischen Welt, die nicht durch einen Krieg, sondern durch das Auftauchen von magischem Talent und Dämonen, dem so genannten „Awakening“ radikal verändert wurde, steht sie auf den nur am Rande wiedererkennbaren Trümmern unserer Zivilisation. Anleihen in der Neo-Gothic, dem Cyberpunk und dem Shadowrun-Universum sind sicherlich kein Zufall, aber Frau Saintcrow hat aus diesen Versatzstücken eine Welt gestrickt, die durchaus jede Menge Potential für spannende und vor allem originelle Geschichten bietet.

Dante, die Hauptakteurin und Erzählerin der Serie, ist inzwischen nicht nur Nekromantin, Kopfgeldjägerin und Meisterschwertkämpferin, sondern verwandelte Halb-Dämonin und Geliebte des Elite-Dämons Japhrimel. Als solche wird sie vom Fürsten der Hölle, Luzifer persönlich, einbestellt und für einen Auftrag angeheuert, den sie nicht ablehnen kann. Vier Dämonen sind aus der Hölle geflohen, um ihr eigenes Süppchen zu kochen, und Dante soll die Ausreißer wieder einfangen und zu ihrem Herrn zurück bringen.
Dante lässt sich widerwillig, nichts desto Trotz geschäftstüchtig, auf das Geschäft mit dem Herrn der Finsternis ein. Und gleich darauf macht sie sich mit einer angeheuerten Gruppe von mit übernatürlichen Fähigkeiten reichlich ausstaffierten Spezialisten und ihrem Geliebten Japhrimel (der früher einmal nichts weniger als Luzifers Top-Killer und rechte Hand war) daran, den Auftrag zu erledigen. Dabei ist sie tough, tödlich und sarkastisch und mit einem untrüglichen Gespür für Menschen und Gefahren jeder Situation gewachsen, die entsteht, wenn man sich auf Geschäfte mit dem Herrn der Lügen einlässt.

So hätte es zumindest sein können. Leider aber hat man am Ende des Buches, trotz aller Action samt Rudeln Geifer triefender Höllenhunde irgendwie das Gefühl, dass nichts passiert ist. Nichts, außer einer langen, langen Reihe von Rückblicken auf die Handlungen der ersten beiden Bücher und darüber hinaus (was ermüdend, weil unnötig für Kenner der vorangegangenen Bände ist, und ermüdend, weil nichts erklärend für Neuleser), schier endlosen Mutmaßungen über die Eigenschaften und das Denken von Dämonen (die wieder nur wenig erhellend sind, da sie aus dem sehr unwissenden Blickwinkel der Ich-Erzählerin erfolgen) und einigen eher lose zusammenhängenden Handlungsszenerien. Dabei hat das Buch die Wirkung, als würde es nicht von einem roten Faden durchzogen, sondern allenfalls einer „roten Perlenkette“.

Dante springt von Szenerie zu Szenerie, wird angegriffen oder verfolgt (oder fühlt sich angegriffen oder verfolgt) – und springt in die nächste Szene, in der das Spiel von vorn losgeht. Dabei hat sie die meiste Zeit weder eine Ahnung davon, was eigentlich passiert, noch einen erkennbaren Plan. Und dann ist es irgendwann vorbei. Einfach so. Ohne, dass die Geschichte einen annehmbaren Spannungsbogen oder befriedigenden Höhepunkt oder Abschluss entwickelt hätte.

Aber wir haben dich doch lieb, Dante! Bitte nicht mehr schlagen!

Der einheitlichste rote Faden dabei ist vielleicht, dass sie, die Hauptperson, derart zerrissen, sozialphobisch und von Selbstmitleid zerfressen erscheint, dass man sie irgendwann im Laufe der Geschichte tatsächlich anbrüllen will.

Sie misstraut ihrem Liebhaber, der ihr keinen auch nur annähernd einleuchtenden Grund dafür gibt, sie misstraut den Leuten die sie anheuert, sie misstraut jedem, der ihr einen guten Rat gibt, sich schützend zwischen sie und ein Maschinengewehr im Dauerfeuermodus wirft, sie heuert sich Leibwächter an, nur um ihnen das Leben dadurch schwer zu machen, dass sie ihnen misstraut und bei jeder unpassenden Gelegenheit davon läuft und alle um sich in unnötige Gefahr bringt, sie misstraut Luzifer (na okay, das vermutlich mit Recht), sie misstraut sich sogar selbst.

Das Ganze garniert mit ätzenden Bemerkungen, unprovozierter Aggressivität und ständigen wilden Beschuldigungen und Beleidigungen, für deren stoisches Ertragen einige der Figuren einen Mutter-Theresa-Orden verdient hätten.

Und das Schlimmste: Saintcrow lässt Dante sich auf schier endlos erscheinenden Seiten in Selbstzweifeln und mentaler Selbstgeißelung ob eben jenes Misstrauens ergehen, so dass man sich wünscht, irgendjemand würde sie endlich über’s Knie legen und ihr Verstand einbläuen, sie wahlweise zumindest in einen Keller sperren, wo sie wenigstens nur eine Gefahr für sich selbst, nicht aber für ihre komplette Umwelt wäre – oder sie zu erschießen, damit das Drama ein Ende hat.

Kein gutes Jahr für Tante Valentine.

Und auch wenn das überspitzt ausgedrückt war – dieses eigentlich handlungsfreie Buch hat die Figur Dante Valentine auf keinen Fall sympathischer gemacht.

Es gibt einige zerbrochene, zynische und misstrauische Detektiv-Figuren in der Literatur, deren rumpelige, kantige Art sie nur sympatischer macht, von den Film-Noir-Charakteren des Philip Marlowe-Typus bis hin zu den tragischen Gestalten der „Sin-City“-Geschichten Frank Millers. Saintcrow hat sich denn auch sichtlich davon inspirieren lassen. Das Ergebnis ist, wie Eingangs gesagt, allerdings leider (in diesem Band) sehr uninspiriert, denn Dante wirkt über den größten Teil des Buches eher trotzig, grundlos beleidigt, weinerlich und am Rande einer handfesten Hysterie, vor allem aber ganz und gar nicht in irgend einer Weise handlungsbestimmend.
Also keine Figur, mit der man sich als Leser identifizieren kann – oder möchte. Leider.

Es bleibt also nur zu hoffen, dass dieses Buch ein deprimiertes (und deprimierendes) Zwischenspiel war, das sich in den Folgebänden aufklärt und auflöst und sich wenigstens in Zukunft dann in irgend einer Form als handlungstragend und lesenswert erweist.

Wenn man Dante Valentine nicht schon aus den ersten beiden Romanen schätzen gelernt hat, wird man mit „The Devil’s Right Hand“ keine große Freude haben. Als Stand-Alone oder Einsteiger in die Serie ist es auf keinen Fall zu empfehlen und selbst im Rahmen der Serie erschreckend schwach.

Ihre Meinung zu »Lilith Saintcrow: Feuertaufe«

asta zu »Lilith Saintcrow: Feuertaufe« 14.01.2010
Ausnahmsweise teile ich einmal die Meinung dieser Rezension (also hier Tom Orgers). Mich haben Dante und ihre Selbstzweifel, die nahezu unhaltbar waren, auch in den Wahnsinn getrieben. :-(
Obwohl ich ihre beiden vorangegangenen Teile der Serie äußerst interessant fand.
Ich hoffe, dass Lilith Saintcrow den Bogen im nächsten Buch wieder spannt und ich nicht vor Jammer und Elend und unverständlichen Missverständnissen aus dem Diesseits springe...
Trotzdem, allein wegen ihrer schrillen Welt, gebe ich ihr eine Wertung von 55 %. Sie ist wirklich ausbaufähig!!!!!
Vielleicht macht die Autorin ja gerade eine schwierige persönliche Phase durch. Ich drücke ihr die Daumen!
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