Höllenritt von Lilith Saintcrow

Buchvorstellungund Rezension

Höllenritt von Lilith Saintcrow

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „Dead Man Rising“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 400 Seiten.ISBN 3802581954.Übersetzung ins Deutsche von Katrin Mrugalla und Richard Betzenbichler.

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In Kürze:

Der Job einer Kopfgeldjägerin ist nicht immer leicht, aber wenigstens sorgt er dafür, dass Nekromantin Dante Valentine eine Zeitlang ihre wahren Probleme vergessen kann das dämonische Blut, das in ihren Adern fließt, und die Erinnerung an den Tod ihres Geliebten Japhrimel. Doch dann werden überall in der Stadt übersinnlich begabte Menschen umgebracht, und ein Teil von Dantes Vergangenheit kehrt mit Macht in die Gegenwart zurück. In dem Dickicht aus Ahnungen und Vermutungen fällt es Dante schwer festzustellen, wer Freund und wer Feind ist. Da erhält sie einen Anruf des Teufels …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die später Rache des Kinderschänders“75

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Dante Valentine ist zugelassene Nekromantin und Kopfgeldjägerin. Nachdem sie im Auftrag Luzifers dafür gesorgt hat, dass einem Dämon das Handwerk gelegt wird, wird sie im zweiten Band der Abenteuer mit ihrer eigenen, leidvollen Geschichte konfrontiert.

Ist es nicht eigentlich schon genug, dass sie zu einer Halbdämonin gewandelt und ihres Dämonen-Liebhabers beraubt wurde, nein, jetzt hat es ein Serienkiller auf ehemalige Schützlinge des magischen Internats, das auch Dante besucht hat, abgesehen. Statt damals unter öffentlicher Verwaltung zu lernen, mit ihren übernatürlichen Gaben umzugehen, hat der verantwortliche Heimleiter die Waisen gequält und missbraucht. Jetzt, mehr als zehn Jahre nachdem der Schänder von den Schülern selbst zur Rechenschaft gezogen wurde, tauchen von Unbekannten zerfetzte Leichen seiner alten Schützlinge auf. Allen Schutzmaßnahmen zum Trotz werden die Nekromanten, Sexhexen und Zauberer in ihrem eigenen Heim grausam zerstückelt. Die Spuren weisen in Richtung des Waisenheims, einem Ort, dem sich Dante nie wieder auch nur nähern wollte. Nun aber ist sie gezwungen, sich ihren Ängsten und Erinnerungen zu stellen und an den Ort ihrer psychischen wie physischen Marter zurückzukehren …

Eine postapokalyptische Welt als Schauplatz der Aufarbeitung eines Kindsmissbrauchs

Egmont-Lyx setzt die längst überfällige Herausgabe der mittlerweile auf insgesamt fünf Titel angewachsenen Reihe um die Nekromantin und Kopfgeldjägerin Dante Valentine mit vorliegendem Band fort. Was aber nun unterscheidet die Bücher der Saincrow von den unzähligen Urban-Fantasy-Epen, die die Verlage allmonatlich über uns ausschütten?

Zunächst ist ihre postapokalyptische Welt anders als viele der Vorbilder. Es gab ein so genanntes Awakening, in dessen Verlauf sich Dämonen und magische Talente – die sogenannten Psion-Gaben – offenbarten. Die katholische Kirche, das Christentum, ist, nachdem die Verwicklung der Vatikanstadt in die Finanzierung von Terrorakten und die Fälschung von Evangelarien nachgewiesen wurde, förmlich ausradiert worden. Die alten Götter Anubis und Co haben den frei gewordenen Platz übernommen. Ein Weltkrieg mit dem Abwurf einer Atombombe über dem Gebiet von Vegas hat zu einem stabilen Frieden der beiden Hegemonien geführt, die Mafia wurde als braver Steuerzahler legalisiert, Drogen und Gewalt sind ebenso alltäglich wie Hexen & Co. Anleihen beim Cyberpunk und Shadowrun sind sicherlich kein Zufall und fügen dem Setting Rasanz und dunkle Ausstrahlung hinzu.

In diese Welt nun hat die Autorin ihre Protagonistin gesetzt. Eine junge Frau, die in ihrem Leben schon viel mitgemacht hat. Ausgesetzt von ihren leiblichen Eltern wuchs sie im Waisenhaus auf, wurde im Rahmen ihrer Ausbildung missbraucht und gefoltert. Im Auftrag Luzifers hat sie erstmals ihre Grenzen kennengelernt, hat sich verliebt um am Schluss doch wieder nur mit einem Aschehaufen aus Hoffnungen und Gefühlen zurückzubleiben. Sie überkompensiert den erlittenen Verlust durch Arbeit, bei der Jagd auf übersinnlich begabte Killer geht sie an und über ihre Grenzen. Und sie hat es – scheinbar – verlernt zu lieben, sich zu öffnen. Freunde, Ex-Liebhaber die sie unterstützen wollen, die für sie da sind, stößt sie zurück, ihre Unfähigkeit sich selbst und andere anzunehmen ist ihr selbst mehr als peinlich. So ist es nicht nur die faszinierende Welt, die den Leser packt, sondern auch die Person, die aller Kampfeskunst und übernatürlichen Kräften zum Trotz auf uns verletzlich wirkt, in deren Haut sich leicht schlüpfen lässt.

Schon der Auftaktroman bot hier entsprechende Erkenntnisse, vorliegend wird über die Pseudohistorie unserer Erzählerin der Charakter weiter ausgeleuchtet. Dabei hebt sich der Schleier über die traumatischen Geschehnisse, die Dante in jungen Jahren prägten, nur langsam, erfahren wir erst zögerlich, was damals passiert ist. Dies trägt zur größeren inneren Überzeugungskraft des Romans bei, kann man doch gut nachvollziehen, dass sich keiner mit derartig belastenden Erinnerungen abgeben mag.

Unter dieser Sicht nach Innen leidet – gerade im Vergleich zum ersten Roman – ein wenig die Handlung. Mit Ausnahme des Auftaktes des Buches sucht man rasante Verfolgungsjagden und Kämpfe weitestgehend umsonst. Im Mittelpunkt steht die Suche nach dem Täter und nach Selbsterkenntnis. Insgesamt eine gelungene Mischung aus Kriminalelementen in einem Urban-Fantasy-Umfeld, das sich durch seine eigene Ausgestaltung von den Konkurrenten wohltuend abhebt.

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