The Red - Prüfungen von Linda Nagata

Buchvorstellungund Rezension

The Red - Prüfungen von Linda Nagata

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „The Trials“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 520 Seiten.ISBN 3959811543.Übersetzung ins Deutsche von Helga Parmiter.

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Das meint Phantastik-Couch.de: Die Nabelschau der aufgerüsteten US Marines – oder Integrität lohnt sich nicht69

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Lieutenant James Shelley hat seinem Land viel gegeben. Seine Beine zum Beispiel, die durch künstliche Cyborg-Gestänge ersetzt wurden, seine Privatsphäre, dank des permanent eingeschalteten neuralen Netzes das seinem Gehirn einoperiert wurde, seine Freiheit und nicht zuletzt seine Überzeugung, einer gerechten Sache zu dienen.

Dafür, dass er und seine Kameraden, allesamt vernetzte Super-Soldaten, die Gefahr durch Atomschläge einer Terroristin ausgeschaltet haben, hätten sie eigentlich das Purple Heart verdient gehabt. Dass sie die Schuldige einem anderen Staat zur Aburteilung auslieferten, erweist sich nun als Krux.

Die Propaganda-Maschinerie schiebt Überstunden, um die Helden in einem schlechten Licht zu präsentieren, steht doch deren Prozess an. Initiiert von den Mitwissern, Strippenziehern und Verbündeten der Terroristin, die nach wie vor unerkannt und wohl vernetzt in den Machtpositionen der Regierung sitzen, soll ihnen der Prozess gemacht werden. Ihnen droht lebenslängliche Haft oder die Todesstrafe – und über allem thront, wohl verborgen „Das Red“ – das intelligente Computerprogramm, das es gar nicht geben dürfte …

Entschleunigter Beginn, der mehr an eine Anwaltsserie erinnert, als an Military SF – aber das bleibt nicht lange so

Im ersten Teil der Trilogie erwartet den Leser das, was er gemeinhin bei Military-SF sucht. Aufrechte Kämpfer mit dem Gefühl für Recht und Sitte, die sich einer übermächtigen Gefahr stellen und allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz triumphieren.

Nun, im zweiten Band wechselt das Bild. Statt packender Kämpfe, statt dem Bild einer um sich greifenden Herrschaft der internationalen Konzerne, stellt die Autorin ihre Marines ins Zentrum.

Diese wissen, was ihnen droht, wissen auch, dass sie, wenn sie die Schuld auf den getöteten Vorgesetzten schieben, mit einem blauen Auge davonkommen würden, sind aber so integer, dass sie diesen Ausweg eben nicht wählen. Stattdessen stehen sie zu ihren Prinzipien, verschließen sich dem vermeintlich einfachen Weg, um ihre Ehre nicht zu beflecken.

Fazit:

All das weckt Sympathien beim Leser, man schlüpft gerne in die Haut der unbequemen aber aufrechten Soldaten und folgt ihnen in den Kampf des David gegen den Goliath.

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