Das geheime Land von Lisa Tuttle

Buchvorstellungund Rezension

Das geheime Land von Lisa Tuttle

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „The Mysteries“,deutsche Ausgabe erstmals 2006, 400 Seiten.ISBN 3-492-26652-5.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Seit Jahrhunderten verschwinden Menschen von einem Tag auf den anderen, ohne je wieder aufzutauchen. Privatdetektiv Ian Kennedy hat sich auf diese unheimlichen Fälle spezialisiert. Auch sein Vater ist einst verschwunden. Dieses traumatische Erlebnis holt den Detektiv ein, als die junge Peri als vermißt gemeldet wird. Ian ermittelt, und bald macht er eine Entdeckung, die gefährlicher ist, als er ahnen kann: Neben unserer Welt existiert ein geheimes Land der keltischen Mythen und Legenden, das durch Tore mit der Gegenwart verbunden ist. Dort regiert ein unberechenbarer Gegner. Um Peri zu retten, muß Ian den Schritt in das magische Reich wagen…

Das meint phantastik-couch.de: „;Das Verschwinden von Menschen – ein Mysterium der keltischen Mythologie“;84

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

„;Das geheime Land“; (Originaltitel „;Mysteries“;) verbindet eine realistische Detektivgeschichte mit Fantasy-Elementen aus der irischen und britischen Mythologie. Der Buchcover-Text ist etwas irreführend, denn er klingt, als würde es sich um die Aufklärung eines Vermissten-Falls handeln, bei dem der Ermittler zufällig eine Parallelwelt entdeckt und über seine Abenteuer dort erzählt. Richtig ist, dass es in diesem faszinierenden Buch um mehrere Fälle mit verschwundenen Personen geht und es nur wenige direkte Beschreibungen der verborgenen Welt gibt. Vielmehr wird das Reich der Sidhe in rätselhaften Geschichten und in Nacherzählungen alter, keltischer Märchen charakterisiert.

Die Suchenden: Laura und Hugh

In London beauftragt Laura Lensky den amerikanischen Privatdetektiv Ian Kennedy ihre Tochter Peregrine zu suchen, die seit zweieinhalb Jahren vermisst wird. Laura ist ebenfalls Amerikanerin, die einige Jahre in London gearbeitet hat und bald in die Vereinigten Staaten zurückkehren wird. Sie hofft auf eine letzte Chance, doch noch ein Lebenszeichen von ihrer Tochter zu bekommen. Der Letzte, der Peri in London gesehen hatte, war ihr Freund, der Regisseur Hugh Bell-Rivers. Sie besuchten einen sehr eleganten und etwas seltsamen Club. Ein surrealer Abend endete im Streit mit einem Mann, der von Hugh seine Freundin als Wetteinsatz für ein Go-Spiel gefordert hatte. Das Paar verließ daraufhin den Club und Hugh brachte seine sehr benommen wirkende Freundin zur Wohnung ihrer Mutter.

Laura kann sich an den Abend nicht erinnern. Sie sagt, dass Peri offensichtlich nach Hause gekommen sei, die Wohnung von innen abgesperrt habe und dann spurlos verschwand. Einige Monate später, erhielt Laura von ihrer Tochter einen kurzen Telefonanruf aus Edinburgh, in dem Peri ihrer Mutter lediglich sagte, dass sie glücklich sei.

Die Verschwundenen: Peri und Amy

Peris Verschwinden erinnert in mancher Hinsicht an Ians ersten Vermisstenfall, Amy Schneider. Eine Nachbarin bat ihn, in Schottland Nachforschungen über ihre Tochter anzustellen, die von einer archäologischen Forschungsreise nicht zurückgekehrt war. In Aberfoyle befragte Ian Personen, die zu Amy Kontakt hatten. Eine alte Dame erzählte ihm, sie habe Amy in Begleitung des „;Liebredners“; gesehen, er habe sie verzaubert und mit sich genommen. Die eigensinnige Fred war Amy nie begegnet, berichtete aber von einem verborgenen Eingang zur Anderswelt der Unsterblichen. Zu Beginn der Ermittlungen im Fall Peri Lensky liest Ian das Tagebuch des Mädchens. Peri beschreibt darin die Begegnung mit einem seltsamen Mann, der ihr erzählte, sie sei in einer anderen Welt einst seine Ehefrau gewesen.

Anfangs ziemlich verwirrend

„;Das geheime Land“; beginnt mit der Geschichte, wie Ians Vater verschwunden ist. Diese mystische Erzählung wird sogleich als Phantasie entlarvt und es folgt die profane Wirklichkeit. Danach beginnt die Haupthandlung, in der zunächst der abgebrannte Privatdetektiv Ian Kennedy und der Fall Peri Lensky aus der Perspektive ihrer Mutter vorgestellt wird. Dazwischen werden immer wieder historische Fälle und Erzählungen von verschwundenen Personen, Rückblenden in Ians Leben und schliesslich Hughs Geschichte erzählt. Im späteren Verlauf drängt sich der Vermisstenfall Amy Schneider in den Vordergrund.

Diese vielen Handlungsebenen, die dem Leser zunächst etwas zerstückelt und zusammenhanglos erscheinen, ergänzen sich nach und nach und erläutern die Bedeutung der Geschichte. Wie in einem Puzzle, entsteht aus vielen unscharfen Konturen ein dreidimensional erscheinendes Bild mit Formen, Farben und Schattierungen. Immer mehr Anhaltspunkte weisen darauf hin, dass sich hier ein Thema aus einem der großen irischen Epen wiederholt. Der Mythos „;The Wooing of Etain“; zieht sich als roter Faden durch jede Handlung dieses Romans.

Mider und Etain

Von der Verführung, dem Raub, dem Betrug und der Wiedergeburt der schönen Etain durch die Intrigen des Fürsten der Sidhe, erzählt die alte irische Sage „;The Wooing of Etain“;. Die älteste Version dieser mythologischen Erzählung geht auf das achte Jahrhundert zurück. Es existieren viele verschiedene Varianten und unvollständige Fragmente von „;The Wooing of Etain“;, die dennoch die sensible, romantische Art und das hohe Niveau der alten irischen Literatur veranschaulichen.

Fanatiker und Fatalist

Ian Kennedys bisheriges Leben wurde dadurch geprägt, von geliebten Menschen ohne Abschied verlassen zu werden, zuerst von seinem Vater, später von seiner Lebensgefährtin. Bewusst wahrt die Autorin zunächst einen gewissen Abstand zu ihrem Hauptcharakter und enthüllt seine Motive indirekt durch Rückblenden in seine Vergangenheit. Der Leser erarbeitet sich selbst ein Bild über die Persönlichkeit dieses ungewöhnlichen Menschen, dem die verzweifelte Suche nach verschwundenen Personen zur Obsession geworden ist.

Ihm gegenübergestellt, wird das passive, resignierende Verhalten von Hugh. Er hat seiner Freundin mit seinem Film „;“;The flower faced Girl„; ein Denkmal gesetzt, sein Leben fortgesetzt und seinen Schmerz über den Verlust tief vergraben. So ist der Umgang mit dem realen und emotionalen Verlust ein zentrales Thema dieses Romans, denn er setzt sich mit Entfremdung, Trauer und Einsamkeit auseinander. Diese rätselhafte Fantasy-Story stellt dem Leser die Frage, wie gut man einen Menschen überhaupt kennen kann und fordert trotz der möglichen Desillusionierung dazu auf, sich dem Leben und den Menschen zu stellen.

Anspruchsvolle Fantasy-Literatur

Lisa Tuttle konstruiert in “;Das geheime Land„; ein subtiles Geflecht aus Beziehungen der realen zur mythologischen Welt. In diesem eher stillen und einfühlsam erzählten Mystery-Roman entsteht so ein ebenso faszinierender, wie tiefgründiger Erzählhintergrund. “;Das geheime Land„; dürfte Fans aktionsreicher Heroic-Fantasy weniger ansprechen, aber statt dessen die Liebhaber irischer Mythologie umso mehr begeistern und fesseln.

Zur besonderen Note dieses Romans, gehört auch eine gewisse schöpferische Ambiguität, nicht alle Fragen erhalten eine eindeutige Antwort. Die Autorin kommentierte ihre Vorliebe zum Geheimnisvollen in einem Interview wie folgt: “;In the end it is the mystery that lasts and not the explanation. ";

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