Lloyd Biggle

Lloyd Biggle, jr., wurde am 17. April 1923 in Waterloo, US-Staat Iowa, geboren. Während des II. Weltkriegs diente er als Verbindungsoffizier bei der Infanterie, war u. a. in Deutschland stationiert und wurde dort zweimal im Gefecht schwer verwundet. Nach dem Krieg studierte Biggle Musikwissenschaften an der Universität von Michigan in Detroit. Nach seiner Promotion war er in den 1950er Jahren Dozent für dieses Fach.

Parallel dazu begann Biggle 1955 eine Karriere als professioneller Schriftsteller. Er war erfolgreich, und nach der Veröffentlichung des Romans „All the Colors of Darkness“ (1963, dt. „Für Menschen verboten“) schrieb er hauptberuflich. Dabei fand er rasch seinen eigenen Stil, der „harte“ SF-Technik mit der Extrapolation zeitgenössischer Kunst, klugen Gedanken über mögliche gesellschaftliche Entwicklungen und vielschichtigen Figuren verband. Besonders die Musik der Zukunft hatte es Biggle angetan, wie schon der Titel eines seiner Hauptwerke („The Still, Small Voice of Trumpets“, 1968, dt. „Fanfaren der Freiheit“) deutlich macht. Komponisten wie Jimmy Webb und berühmte Schriftsteller-Kollegen wie Orson Scott Card machen ausdrücklich Biggles Einfluss auf ihr Werk geltend.

Weniger bekannt als der SF-Autor Biggle ist der Verfasser spannender, oft im viktorianischen England spielender Kriminalgeschichten. Mit Großvater Rastin oder Lady Sara Varnley schuf er eigene, recht populäre Protagonisten in diesem Genre. Biggle schrieb auch neue Geschichten um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes.

In den 1970er Jahren gründete Biggle die „Science Fiction Oral History Association“, um Reden und Diskussionen kompetenter Autorinnen und Autoren der SF aufzuzeichnen und zu sammeln, die sonst unwiederbringlich verloren wären. Lange Jahre war er außerdem Schatzmeister der „Science Fiction Writers of America“ – ein ungemein rühriger, hochaktiver Mann ungeachtet dessen, dass er seit den frühen 1980er Jahren gegen eine Leukämie- und Krebserkrankung kämpfte, der er am 12. September 2002 schließlich zum Opfer fiel. [Michael Drewniok]

Phantastisches von Lloyd Biggle, jr.:

  • Herausgeber
    • (1972) Gute Nachrichten aus dem Vatikan und andere „Nebula“-Preis-Stories
      Nebula Award Stories 7
  • Sonstige
    • Sherlock Holmes
      • (1986) The Quallsford Inheritance: A Memoir of Sherlock Holmes from the Papers of Edward Porter Jones, His Late Assistant
      • (1990) The Glendower Conspiricy
    • Pletcher & Lambert
      • (1987) Interface for Murder
      • (1991) A Hazard of Losers
      • (1994) Where Dead Soldiers Walk
    • Storysammlung
      • (2007) The Grandfather Rastin Mysteries
    • Über Lloyd Biggle, jr.
      • (2001) Phil Stephensen-Payne: Lloyd Biggle, Jr.
      • (2003) Gunther Barnewald: Lloyd Biggle jr. (mit einer Bibliografie von Hans-Peter Neumann)(SF-Personality 14)