Die Klingen des Lichts von Lois McMaster Bujold

Buchvorstellungund Rezension

Die Klingen des Lichts von Lois McMaster Bujold

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „Beguilement“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 412 Seiten.ISBN 3-404-20571-5.Übersetzung ins Deutsche von Alexander Lohmann.

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In Kürze:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der alte Krieger und das junge Mädchen“50

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Fawn kommt aus einer bäuerlichen Familie. Ihr Leben hat sie bislang im Stall und auf den Feldern verbracht. Nun, gerade 18 Lenze alt geworden, will sie endlich wissen, was an Sex so toll sein soll. Eine Feier mit zu viel Apfelwein, der gutaussehende Sohn einer angesehenen Familie und ein Weizenfeld später ist sie schwanger und wird als leicht zu habendes Mädchen von ihrem Galan verunglimpft.

Um der Schande zu entgehen, packt sie drei ihrer Kleider zusammen und macht sich auf den Weg in die nächst grössere Stadt, Glashütten. Auf dem Weg begegnet ihr eine Truppe der Streifenreiter – Nomaden, die die Aufgabe übernommen haben, das Land vor den Landzehrern, magischen Geschöpfen, die das Böse hervorbringt, zu schützen. Noch glaubt sie sich sicher auf dem viel befahrenen Weg; und mal ehrlich, wer glaubt schon wirklich an die Ammenmärchen von den Landzehrern? Das ist doch nur eine Ausrede, um Unterstützung, Kost und Logis von den dankbaren Bauern zu erhalten, ohne dafür bezahlen zu müssen. Doch nur zu bald belehrt das Schicksal sie eines Besseren. Zwei von dem Landzehrer aus Tieren geschaffene Mischwesen verschleppen sie zum Bau des an ihrer Leibesfrucht interessierten Übels.

Reines Glück, dass einer der Nomadenwächter in der Gegend ist. Zusammen besiegen sie den Landzehrer durch den Einsatz eines der magischen Knochendolche der Seelenreiter. Doch Fawn verliert das Ungeborene und wird schwer verwundet. Nur die aufopfernde Pflege durch den Streifenreiter Dag rettet sie.

Es kommt, wie es kommen muss: Fawn verliebt sich in ihren Retter, der älter als ihr Vater ist. Trotz aller gesellschaftlichen Unterschiede, trotz der Zugehörigkeit zu einander misstrauenden Volksgruppen beschliessen die beiden zu heiraten – ein Unterfangen, das den Kampf gegen den Landzehrer einfach erscheinen lässt ..

Bestsellerautorin auf neue Pfaden

Lois McMaster Bujold hat in der SF fast alles gewonnen, was ein Autor auch nur gewinnen kann. Ihre Sammlung an Hugo, Nebula und Locus Awards für ihre Romane um den verkrüppelten Miles Vorkosigan (dt. bei Heyne auch als Barrayar-Zyklus) füllt einen ganzen Raum, mit ihrer Chalion-Trilogie (dt. Bastei-Lübbe) hat sie gezeigt, dass sie sich auch in der klassischen Fantasy zu behaupten weiss.

Nun, nachdem sie all ihren Kritikern bewiesen hat, dass sie auch im Bereich der Fantasy zu punkten weiss, hätte ich erwartet, dass sie sich wieder der SF zuwendet. Überraschend aber legt sie erneut einen klassischen Fantasy-Plot – diesmal zumindest vorerst einen Zweiteiler – auf.

Actionreicher Beginn

Die Handlung beginnt, wie von Bujold gewohnt, temporeich. Mit einigen wenigen Sätzen zieht die Autorin uns in ihre Handlung und fesselt uns mit ihrer Protagonistin. Geschickt weckt sie die Sympathie mit der etwas klein geratenen, von vielen unterschätzten Fawn. Sie zeigt uns einen Dickkopf, der bereit ist, die Folgen ihrer unbedachten Handlung zu tragen, die zwar enttäuscht und desillusioniert ist, dennoch aber ihr Los akzeptiert und nicht den scheinbar einfachen Weg einer Abtreibung für sich in Betracht zieht. Zwar sucht sie vor der Ausgrenzung und dem Tratsch, der einer unehelichen Schwangerschaft unweigerlich folgt, zu flüchten, doch ihr Freigeist lässt auf der anderen Seite nicht zu, die Verantwortung für ihr weiteres Leben einfach den Eltern aufzubürden oder gar den Freitot zu wählen. Erst als sie dem engen Korsett ihrer Familie entflüchtet, offenbart sich ihr ganzes Potential. In dem kleinen Körper verbirgt sich eine grosse Kämpferin. In der Folgezeit entwickelt sich ihr Wesen, von Bujold sehr intim und anschaulich aufbereitet, immer weiter. Die Begegnung mit dem Landzehrer sorgt für die nötigen dramaturgischen Elemente und der nähere Kontakt zu Dag erlaubt Bujold die Lebensweise der Nomaden, ihre Mission und die Geschichte ihrer Welt zu erzählen.

Die Zäsur

Nach rund der Hälfte des Buches erfolgt dann ein Bruch. Stand der erste Part des Buches ganz im Zeichen der Darstellung der Welt, ihrer Bewohner und der Auseinandersetzung mit dem Übel, so wendet sich das Interesse jetzt mehr und mehr dem Zwischenmenschlichen zu. Die Verwicklungen und Probleme der Zuneigung der beiden so unterschiedlichen Personen wandert ins Zentrum des Textes. Der grosse Altersunterschied der beiden Liebenden, die Ablehnung der Verbindung durch die Gesellschaft, deren sie jeweils angehören und ihre Liebe, die gerade durch die Ablehnung, derer sie sich ausgesetzt sehen, wächst, erinnert an grosse Liebesromane.

Kitsch, Schmalz oder mehr?

Wäre Bujold nicht die grosse Erzählerin, die sie ist, das Buch wäre unerträglich kitschig und sentimental. So aber vermittelt sie uns glaubwürdig grosse Gefühle, ohne dabei aber zu schmalzig zu werden. Bujold hat schon bislang immer wieder in ihren Romanen Liebesgeschichten integriert. Diesmal aber macht sie die Love-Story zum eigentlichen Inhalt ihres Buches  und benutzt ihr glaubwürdig ausgearbeitetes Fantasy-Konzept als Gerüst, vor dessen Hintergrund sie ihre rührige Geschichte platziert. Die zugrundeliegende Frage, ja die einzig wirklich im Buch wichtige Frage, nämlich ob unsere beiden Liebenden zueinander finden, ist eigentlich von vorne herein gesetzt, so dass die Autorin sich ein wenig selbst den Wind aus den Segeln nimmt.

Das fordert Bujold kaum, das lässt glaubhafte Verwicklungen, ergreifende Geheimnisse und packende Actionszenen mal abgesehen von den ersten knapp einhundert Seiten vermissen. Immer wieder einmal blitzt Bujolds Ideenreichtum auf, überrascht und fasziniert sie ihre Leser. Die Knochendolche, aus menschlichem Gebein von Wächtern geschnitzte Messer, die im Zeitpunkt des eigenen Todes von den Streifenreitern durch ihren Selbsttod gebunden werden oder die mysteriös bleibenden Landzehrer, die sich als Helfer Tiere holen, die sie mit ihren Kräften zu menschenähnlichen Kreaturen transmutieren lassen, sind solch ergreifende Ideen. Doch all dies ordnet sich ab dem zweiten Drittel des Buches ganz der Romeo und Julia-Story unter.

Romance Fantasy mit der weiblichen Zielgruppe, voller ergreifender Schicksale, die bewegen, dafür ohne grosse Schlachtengemälde oder packende Verwicklungen erwarten den Leser – nicht mehr und nicht weniger.

Ihre Meinung zu »Lois McMaster Bujold: Die Klingen des Lichts«

Christian Emmler zu »Lois McMaster Bujold: Die Klingen des Lichts«07.07.2007
Ich stimme größteteils mit dem obigen Urteil überein, nur die Kurze Inhaltsangabe bezieht sich auf ein völlig anderes Buch und muss geändert werden.
Das hier ist der erste Eintrag den ich auf dieser Seite gelesen habe, da das Buch zufällig der letzte Roman ist der durch meine gierigen Hände ging. ich stöber jetzt mal weiter
Ihr Kommentar zu Die Klingen des Lichts

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