Im Schatten des Wolfes von Lois McMaster Bujold

Buchvorstellungund Rezension

Im Schatten des Wolfes von Lois McMaster Bujold

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „The Hallowed Hunt“,deutsche Ausgabe erstmals 2006, 508 Seiten.ISBN 3-404-20547-2.Übersetzung ins Deutsche von Alexander Lohmann.

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In Kürze:

Lord Ingrey wurde in die Ländereien Prince Bolesos geschickt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission: Der Prinz, verbannt und angeblich halb verrückt, wurde umgebracht. Da der König im Sterben liegt und nun der nötige Thronerbe fehlt, beauftragt man Ingrey damit, die Wogen der Aufregung zu glätten. Er soll die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin, eine Adelige, vor Gericht bringen. Doch an der jungen Frau ist mehr, als der äußere Anschein vermuten lässt. Schon bald komplizieren Geheimnisse, Verrat und Liebesgefühle Ingreys Mission. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen schrecklichen „;Blutpreis“; aus der Vergangenheit zollen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Die Hugo und Nebula Preisträgerin auf Fantasy-Pfaden“;80

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Lord Ingrey ist ein kleiner, unbedeutender Adeliger in Diensten des Siegelwahrers Hetwar. Seit er als Kind in einem verbotenen magischen Ritual mit der Seele eines Wolfes verschmolzen wurde, ist ein trotz eines Dispenses der Kirche ein von den Meisten gemiedener Mann. So ist er froh, für den Siegelwahrer Aufträge am Rande der Legalität ausführen zu dürfen. Als einer der Söhne des sterbenden Königs ermordet wird, sendet ihn sein Lehnsherr aus, den Leichnam und die Täterin in die Hauptstadt zu geleiten. Am Tatort angekommen, muss er jedoch feststellen, dass der wahnsinnige Prinzen Boleso sich mit verbotener Magie beschäftigt hat. Bei dem Versuch, die Seele eines Leoparden an sich zu binden, und dabei Lady Ijada als Opfer zu missbrauchen ging etwas schief. Jetzt wurde die Seele des Leoparden an die Adelige aus Chalion gebunden, die sich der Vergewaltigung durch den Prinzen mittels eines Kriegshammers zu erwehren wusste. Um den ganzen Schlamassel dann noch die Krone aufzusetzen, bemerkt Ingrey, dass er verzaubert wurde. Jemand Mächtiges will Lady Ijada tot sehen, den Skandal unter den Tisch kehren, und er selbst soll der Täter sein. Fünf mal ertappt er sich bei dem Versuch, die unschuldige Frau umzubringen. Erst einer Freundin Ijadas, einer Priesterin und Zauberin gelingt es, das Geas von ihm zu nehmen. Doch wer steckt hinter dem dunklen Zauber, und warum? Steckt hinter dem heimtückischen Anschlag etwa der Siegelbewahrer, oder hat der Kronprinz etwas mit den Vorkommnissen zu tun. Und warum taucht Graf Wencel, einer der mächtigsten Adeligen des Reiches just zum richtigen Zeitpunkt auf, und bietet seine Hilfe an? Und wie ist dies alles mit einer vor über 400 Jahren stattgefundenen Schlacht verknüpft, bei der die letzten Schamanen und Tiermagier grausam von der jetzt herrschenden Königsfamilie dahingeschlachtet wurden? Als sich dann auch noch die fünf Götter einmischen, und tausende ruheloser Geister um ihre Erlösung bitten weiss Ingrey, dass er eigentlich überfordert ist – doch das schert die Beteiligten wenig…

Kein müder Aufguss

Wenn der Leser heute in einer Buchhandlung an das Regal mit den Fantasy-Titeln geht, und einen Roman zur Hand nimmt, weiss er oftmals nicht, ob er das Buch überhaupt kaufen soll. Ist es vielleicht der x-Teil einer Reihe, bei denen die Lektüre der vorherigen Bände vorausgesetzt wird, oder gar der zweite Teil eines für die Übersetzung gesplitteten Romans, dessen Inhalt er ohne den ersten Teil gar nicht folgen kann?Nun, solche Sorgen kann er bei Lois McMaster Bujolds Chalion-Saga getrost aussen vor lassen. Jeder Roman ist in sich abgeschlossen, in jedem der mittlerweile drei Bände widmet sich anderen Protagonisten, neuen politischen Bündnissen, einer unverbrauchten lokalen Geschichte und jeweils unterschiedlichen Gegenden.

Verbindendes Glied ist zum Einen die mittelalterliche Welt, und zum Anderen die Kirche der fünf Götter. Obwohl sich die Götter diesmal weitestgehend aus der Handlung heraushalten, ihre „;menschlichen Hände“; kaum einmal nutzen, sind sie immer präsent und als Hintergrund ebenso faszinierend wie unabdingbar.

Wie aber kann man vorliegendes Werk zutreffend charakterisieren. Es geht um politische Machtspiele, um Ränke, um uralte, verbotene Magie, um Verbrechen, um Verrat und Geheimnisse.

Spannung nicht durch blutige Kämpfe, sondern durch Rätsel

Während andere, weniger talentierte Autoren ihre Leser mit Schlachtgemälden förmlich zuschütten, sind handfeste Auseinandersetzungen bei Bujold Mangelware. Spannung erzeugt sie durch die intelligent aufgebauten, verschachtelten Rätsel, die ihre Protagonisten, Helden mag ich diese oftmals geschundenen Menschen nicht nennen, zu lösen haben. Dabei erfahren diese, und mit ihnen der Leser immer wieder Neues, das das bisherige Geschehen in einem ganz anderen Licht dastehen lässt. Wie bei einer Zwiebel löst sich Scheibchen um Scheibchen das Mysterium, müssen wir neu werten und bisherige Erkenntnisse angesichts der veränderten Hinweise umwerfen. Das erfordert vom Leser Mitdenken, die Bereitschaft sich einzubringen, ist aber gleichzeitig ungleich befriedigender, als das „;Herunterlesen“; der x. Version eines bekannten Plots.

Bujold zeigt uns auch diesmal dass, wie energisch Menschen ihr Schicksal und ihre Zukunft auch zu planen versuchen, die Welt um sie herum, das Leben mit ihnen oftmals macht, was es will, ohne auf ihre Wünsche Rücksicht zu nehmen. Sofern man sein Schicksal anzunehmen bereit ist, eben auch wenn es nicht ganz den eigenen Vorstellungen entspricht, kann dies aber dennoch zu einem erfüllten, glücklichen Leben führen.

Trotz der komplexen Mixtur aus politischer Intrige, theologischer Vielfalt, einer Liebesgeschichte, vieler meist verbal ausgetragener Auseinandersetzungen und einer grossen Anzahl von Nebendarstellern, die allesamt eine wichtige Rolle für die Handlung spielen liest sich das Buch nicht nur spannend und interessant, sondern auch flüssig ein einem Rutsch durch. Nach einem etwas gemächlichen Start begeben sich die Puzzelstücke, eins ums Andere nach und nach an ihren Platz, bis sich zum Finale ein unerwartetes aber in sich stimmiges Bild ergibt.

Zwar haben mich die ersten beiden Chalion Romane noch einen Tick mehr in ihren Bann gezogen, waren die Helden dort noch eingängiger und sympathischer gezeichnet, doch auch diesmal beweist Bujold, dass sie eine begnadete Erzählerin ist, die ihre Leser immer von Neuem mit frischen unverbrauchten Ideen zu verzaubern weiss. Ein Wort auch noch zum tollen, extra für diesen Roman gefertigten Titelbild von Arndt Drechsler, der einmal mehr beweist, dass heimische Künstler international mithalten können.

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