Drachenkaiser von Markus Heitz

Buchvorstellungund Rezension

Drachenkaiser von Markus Heitz

Originalausgabe erschienen 2009, 560 Seiten.ISBN 3-492-70153-1.

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In Kürze:

Unsere Welt gehört den Drachen – seit Anbeginn der Zeit haben sie Länder und Kontinente unter sich aufgeteilt, säen Hass und Intrigen zwischen den Völkern, entfachen politische Konflikte und Kriege. Doch im Europa des Jahres 1926 gibt es Menschen, die sich den übermächtigen Geschöpfen entgegenstellen. Die Drachentöterin Silena, Fürst Grigorij und ihre Gefährten haben die erste Schlacht gegen die Drachen geschlagen. Die feuerbewehrten Herrscher der Alten Welt sind geschwächt und zerstritten. Dies lockt einen neuen Drachen aus dem Fernen Osten herbei, der seine gierigen Klauen nach Europa ausstreckt. Silena und ihre Mitstreiter müssen verhindern, dass der Machtkampf der Drachen zur Unterdrückung der gesamten Menschheit führt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Rasantes Spektakel ums Überleben“94

Fantasy-Rezension von Amandara M. Schulzke

Großmeisterin Silena gilt als tot. Doch mit einem Drachenknochen im Halswirbel, der ihr das Überleben schenkte, kämpft sie als Gräfin Anastasia Zadornova mit ihren Skygards gegen die unheilbringende Brut. Ihr Mann Grigorij wird von seiner Mutter, der Zarin, heimlich zu einem Gespräch nach Sankt Petersburg bestellt. Auf der Rückreise schießt vermutlich der russische Geheimdienst seinen Zeppelin ab. Grigorij verschwindet spurlos. Silena beginnt die Suche nach ihm mit ihrer inzwischen besten Freundin Leida Hancock, der Anführerin der bekanntesten Drachenjägereinheit. Unterdessen intrigieren chinesische Drachen in Europa, um den Kontinent zu übernehmen. Parallel dazu macht sich das Medium Lady Ealwhina Snickelway auf den Weg von Yorck an den Triglav bei Kiew, um für einen ominösen Auftraggeber den Weltenstein zu finden. Der ist zerstört, doch bekommt sie ein anderes mächtiges Artefakt in die Hände. Das klerikale Officum erkennt in Zadornova die Großmeisterin Silena und will sie wiederhaben. Auf der Suche nach ihrem Mann begegnet Silena dem geheimnisvollen Ichneumon, einem Ägypter, der in „Die Mächte des Feuers“ einen kurzen Gastauftritt hatte, der im ersten Band der Drachenstory nicht logisch einzuordnen war. Leida hatte sich inzwischen mit dem Gargoyle Cyrano angefreundet, auch der verschwindet spurlos. Von den Altvorderen hatten nur zwei die Schlacht am Triglav überlebt, sie bemerken schnell die gelbe Gefahr oder ist es die Chance für das marode Europa?

Feuerwerk der Ereignisse

Schon diese wirklich kurze Inhaltsbeschreibung signalisiert, dass Heitz in einen großen Rahmen viele verschiedene Handlungsstränge gepackt hat. Alte Bekannte geben sich die Ehre und konfrontieren sich mit neuen Mit- und Gegenspielern. Dieser zweite Band funktioniert nicht, ohne den ersten gelesen zu haben. Zu viele Status quo und Entscheidungen der Protagonisten würden im Dunklen bleiben.

Teilweise geht es so schnell, dass der Leser kaum zum Nachdenken kommt. Nachdem sich die verschiedenen Geschichten entwickelt haben, fragt sich der Leser, ob das wohl am Ende so zusammen kommt, dass ein schlüssiger Schluss entsteht. Denn was hat dieses Medium und ihr Artefakt mit all dem zu tun? Und die ganzen Geister Yorcks?

Nach und nach gelingt es Silena, die verschiedenen Intrigen und Verwicklungen um die Weltherrschaft zu durchblicken. Verschiedene Gruppierungen und Einzelkämpfer wollen Macht und noch mehr Macht. Und hier gebührt Heitz wieder einmal ein großes Lob! Es ist unglaublich, wie er es schafft, die verschiedenen Konstellationen in der Welt der 20er Jahre zu beschreiben und damals tatsächlich stattgefundene Ereignisse auf die Ebene der Magie und Phantasie zu heben. Meisterhaft. Er muss keinen belehrenden Zeigefinger heben, damit wir Leser begreifen, dass wir es sind, die verantwortlich sind für politische Entwicklungen und leider keine bösen Drachen haben, denen wir eine Schuld zuschieben könnten.

Ein neues Meisterwerk

In Rezensionen zum ersten Band gab es kritische Stimmen, die bemerkten, dass bestimmte Dinge nicht so historisch korrekt gewesen seien. Und genau hier liegt der Vorzug der Fantasy und der des Autors. Sich das Reale zum Hintergrund nehmen und etwas ganz Eigenes zu entwickeln. Und Heitz hat für dieses Buch sehr gut recherchiert. Ich liebe es, dass er sich nicht an detailreichen Schilderungen festbeißt, sondern sein Motto „Action, Action, Action“ heißt.

Warum bekommt Heitz „nur“ 94°? Diese Schwangerschaftsübelkeit Silenas ist etwas zu dick aufgetragen. Am Anfang des Romans stellt Grigorij bei seiner Frau eine leichte Wesensveränderung zu mehr Gewalt und Sturheit fest und vermutet, dass es mit dem Drachenknochen zusammenhängt. Doch taucht dieses Verhalten im weiteren Verlauf nicht mehr auf, bleibt also in den Raum gestellt und versandet. Etwas schade. Die Enthüllungen um den Tod der Lady Ealwhina Snickelway scheinen ein wenig an den Haaren herbeigezogen.

Wir wünschen uns, dass Heitz schnell die Zeit findet, einen dritten Teil zu schreiben. Das Ende schreit geradezu danach!

Ihre Meinung zu »Markus Heitz: Drachenkaiser«

Klaus Beck-Ewerhardy zu »Markus Heitz: Drachenkaiser«11.05.2011
Mit großem Personalaufwand und über große Teile der Welt verteilt wird hier eine alternative Geschichte der Welt in den Jahren 1926/1927 präsentiert, in der es überall zu wichtigen Ver-änderungen kommt, die von den Drachen als heimlichen Drahtziehern immer mal wieder beeinflusst werden.

Eine interessante Gegenüberstellung der europäischen und asiatischen Ideen von Drachen – wobei im Endeffekt aber das negative europäische Bild des Drachen die Oberhand behält. Die Figuren sind insgesamt ausreichend ausgeführt, dass sie auch ohne Kenntnis des ersten Bands für die Leserinnen und Leser nachvollziehbar werden und auch von der Handlung kann dieser Roman durchaus allein stehen – wenn er auch mit seinem Ende problemlos ein Anschlusswerk ermöglicht. Das vielleicht auch Spaß machen könnte.
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