Judassohn von Markus Heitz

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010, 704 Seiten.ISBN 3-426-65225-0.

»Judassohn« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Sie glaubt, sie sei die letzte ihrer Art: Theresia Sarkowitz, genannt Sia, ein »Kind des Judas«, uralt und ewig jung. Sorgfältig getarnt wacht sie über ihre Nachkommen, eine unschuldige junge Frau und ihr Kind, damit diese nicht dasselbe Schicksal erleiden wie sie einst als Untote wiederauferstehen zu müssen. Doch dann taucht eine Gestalt auf, die Sia seit Jahrhunderten gesucht hat. Eine Gestalt, deren Kräfte ausreichen, sie zu töten. Und die voll Rachedurst ist …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Blutrünstige Wohltat“95

Fantasy-Rezension von Amandara M. Schulzke

Sia fährt in Eiseskälte mit ihrem Motorrad nach Hause. Zwei Autos rasen durch das nächtliche Leipzig. Sie beschließt, ihnen zu folgen und landet in der Verbrennungskammer des Krematoriums. Die Vampirin beobachtet einen selbst für sie ungewöhnlichen Kampf und führt ihn zu Ende. Ihre Verwandten, Elena und Tochter Emma, bereiten ihre Silvesterparty vor. Als Sia endlich kurz vor zwölf die Wohnung betritt, sitzt eine ihr Unbekannte auf einem Thron von Leichen und greift sie an.

Eine Rückblende ins Jahr 1781 erzählt die Geschichte des Schilfbauern Tanguy, der eigentlich nur seine geliebte Gwenn heiraten will. Er macht sich auf, das Rätsel seiner Existenz zu lösen. Sandrine und an ihrer Seite die geliebte Aufhockerin Anjanka reisen durch ganz Europa – auf der Flucht und auf der Spur von Geheimnissen. Dominic de Marat hingegen ist bald ein Stück weiter und will Artefakte finden, die ihn befreien sollen. Zum Schluss kommt Harm Byrne ins Spiel – Londoner Unterweltboss, gnadenlos brutal und mächtig. Diesmal muss Sia ihre eigene Haut und das Leben von Elena und Emma retten. Denn eine seit Jahrhunderten geplante Rache droht sie zu überwältigen.

Geniale Verflechtung von Handlungssträngen

„Judassohn“ beginnt rasant und abenteuerlich. Schnell erinnert sich der Leser an Sia und ihre Verwandten, die sie beschlossen hatte zu verschonen. Das nächtliche Leipzig zeigt seine verborgenen Ecken. Doch dann braucht er Geduld. Die Storys über die anderen drei Protagonisten sind anfangs nicht sehr eindeutig, obwohl auch in bewährter Heitz-Manier fesselnd und kurzweilig. Trotzdem reizt es den Leser, schon früher zu erfahren, wie es mit Sia im modernen Leipzig weiter geht.

In „Kinder des Judas“ hatte Heitz genial die Entwicklung der Persönlichkeit Jitka gleich Scylla gleich Theresia beschrieben. Fehlte das beim „Drachenkaiser“, hat er jetzt wieder bewiesen, dass äußere Ereignisse und Situationen sowie Erkenntnisse die Charaktere dazu bringen, sich zu ändern, zu wachsen. Dadurch ist der Roman nicht einfach nur ein schnelllebiger Thriller, sondern füttert auch unseren Geist. Die Leser seiner Werwolfromane „Ritus“ und „Sanctum“ sowie des Dämonenbuches „Blutportale“ treffen alte Bekannte wieder. Es ist schon bewundernswert, wie Heitz seine anderen Geschichten und Handlungsstränge parat hat und sie miteinander verflicht. Mehrmals geben Werwölfe und Dämonendiener der Handlung ungeahnte Wendungen.

Freude machen seine Exkursionen in die Geschichte Europas, seine Interpretationen der französischen Revolution zum Beispiel. Eindrucksvoll auch der Bau und die Fahrt des ersten U-Bootes.

Bei Horror und Grausamkeit legt Heitz hier noch einen Zahn zu. Vor allem, wenn die Vampire vorher oder im Nachhinein zu den Opfern emotionale Beziehungen aufgebaut hatten.

Schizophren finden wir die Gestalt des Harm Byrne. In den vielen Jahren seines Unlebens hat er zwei Mal die Liebe erfahren dürfen. Immer wieder bemüht er sich, das Leben der Benachteiligten zu verschonen und hält sich dafür an Adlige und Reiche. Über Jahre hat er das Bedürfnis, einfach nur in Ruhe leben zu können. Die Wandlung zur berechnenden herrschsüchtigen Bestie vollzieht sich in kürzester Zeit. Obwohl das nicht wirklich in dieser Konsequenz nachvollziehbar ist, bringt es dem Roman große zu bewältigende Herausforderungen.

Dämonen und Werwölfe beeinflussen das Geschehen stark. Bei den Gruppen wäre dienlich gewesen, mehr und früher über ihre Motivationen zu erfahren. Wer „Blutportale“ und die Werwolfromane nicht kennt, hat Schwierigkeiten, ihr Tun einzuordnen.

„Judassohn“ ist eine Wohltat in der deutschen Literaturlandschaft und in der Welt der Vampire. Eine Leseprobe aus „Judastöchter“ – soll im Dezember erscheinen – am Ende des Buches lässt Ärger aufkommen, dass wir noch Monate warten müssen.

Ihre Meinung zu »Markus Heitz: Judassohn«

Leos zu »Markus Heitz: Judassohn«07.01.2011
2/10

Das war ein Griff ins Klo für Herrn Heitz. Vornherein ich bin ein großer Fan der Zwerge - Bücher und auch von "Kinder des Judas", aber dieser Roman ist wirklich unterstes Trashlevel.
Es folgen Szene auf Szene blutige Gemetzel, merkwürdige Dialoge und schlechte Sexszenen. Man sollte meinen man wäre in einem Vampir-D-movie und nicht in einem Roman von Markus Heitz.
Die Charaktere bleiben durchgehend flach. Die Story um das magische Schwert wirkt brüchig konstruiert und kann nicht überzeugen. Der Protagonist Tanguy mit seiner schizophrenen Vampirpersönlichkeit ist zu verwirrend. Erst gegen Ende wird dem Leser klar, dass es sich bei allen auftauchenden Personae um die selbe handelt. Auch kein besonders guter Kunstgriff, der nur von "ich habe jetzt soviel geschrieben, ist zu schade zum wegwerfen, also bring ich das jetzt eben zu ende". Vieles könnte man ersatzlos streichen und auch die erwähnten historischen Momente sind kaum ausgeleuchtet und zeugen nicht von Heitz' sonstiger journalistischer Fackkompetenz wie zuletzt in "Ritus", "Sanctum", "Kinder des Judas" und "Die Mächte des Feuers".
Fazit: Ein durchweg enttäuschendes Buch, das in der Mitte viele Längen aufweist und sonst nur aus blutigen Kämpfen und Sexszenen besteht.
Nicht zu empfehlen!
Blutportale und Drachenkaiser waren ja auch schon Reinfäll, ich habe manchmal das Gefühl Markus Heitz steigt der Ruhm zu Kopf und das schlägt sich auf die Qualität seiner Bücher nieder. Aufjedenfall, wenn das so weitergeht kommen mir Heitz-Bücher nicht mehr ins Haus, allenfalls als Grillanzünder.
cookie1511 zu »Markus Heitz: Judassohn«06.11.2010
Meine Meinung:

Da ich den ersten Band dieser Reihe gelesen habe, war ich schon gespannt auf den Nachfolger. Das Cover gefiel mir auf Anhieb gut: Eine große Fratze ist darauf abgebildet und lässt so schaurige Geschehen erwarten.
Darunter stehen der Name des Autors und der Titel.

Sia, eine Vampirin und ein „Kind des Judas“, hat sich entschlossen, ihre letzten Nachfahren, Emma und deren Tochter Elena, doch nicht zu töten, sondern sich mit ihnen anzufreunden. Mittlerweile pflegt sie ein familiäres Verhältnis zu ihnen. Die beiden bereiten gerade eine Silvesterfeier vor und freuen sich auf den Besuch von ihrer Tante Sia. Doch da schellt es und eine vermeintliche Cousine von Sia steht vor der Tür ...

Das Buch schließt nahtlos an den Vorgänger an. Allerdings führt der Autor den Leser schon kurze Zeit später zurück in die Vergangenheit, um nach und nach ein Geheimnis um Sia aufzudecken. In dem Zusammenhang gibt es mehrere große Kapitel, in denen verschiedene Charaktere die Hauptrolle spielen, aus deren Sicht erzählt wird. Zwischendurch habe ich mich ein wenig gewundert, denn die Figuren schienen ohne Zusammenhang zu sein, auch wenn es untereinander Verstrickungen gab. Aber letztendlich hat der Schriftsteller es geschafft, mich geschickt zu täuschen und ich war baff, als ich die Gründe erfuhr. Nebenbei spielt die Französische Revolution im Hintergrund eine Rolle.
Die Protagonistin Sia kann ich sehr gut leiden, sie hat sich mit ihrem Dasein als Vampirin arrangiert und macht das Beste daraus. Daneben gefiel mir auch die Figur des Dominic de Marat gut: ein Räuber mit Charakter.

Am Ende befand ich mich wieder in der Gegenwart und es ging rasant zu. Nachdem Sia ein Geheimnis über sich selbst gelüftet hat, muss sie sich behaupten, um ihre Familie zu schützen.

Der Schreibstil ist auch hier wieder sehr flüssig. In einigen Kapiteln gab es sogar erotische Szenen, die nichts für prüde Leser wären. Daneben fehlten Blut und Gewalt allerdings auch nicht. So war die Spannung und Unterhaltung während des ganzen Buches gegeben.

Ich bewundere den Schriftsteller dafür, wie er es mal wieder hervorragend geschafft hat, in diesem Buch mehrere Handlungsstränge seiner anderen Werke einfließen zu lassen, ohne dass diese direkt zur Reihe gehören. So kommen in diesem Roman nicht nur verschiedene Vampirarten vor, sondern auch von Dämonen und Werwölfen ist diesmal die Rede.
Mike zu »Markus Heitz: Judassohn«22.10.2010
Habe es soeben zuende gelesen und kann nur sagen, dass es ein würdiger Nachfolger der Kinder des Judas ist. Zu den sexistischen Ausdrücken bzw. drastischen Umschreibungen : hey, ein ultrabrutaler Mörder Gangsterboss wie Harm denkt und redet halt so; finde ich eher nachvollziehbar als abschreckend.
Was für mich ein klitzekleiner Kritikpunkt ist: während ich die Charaktere von Tanguy, Dominic und Sandrine noch vielschichtig in ihrer Handlungsweise nachvollziehbar und sympatisch fand, empfinde ich Harm nur noch als Kotzbrocken......ohne jegliche Identifizierungsmöglichkeit...ist aber kein gravierender Kritikpunkt und auch wohl so vom Autor gewollt.
Insgesamt 95 Punkte
Morticia zu »Markus Heitz: Judassohn«04.05.2010
Auf dieses Buch hatte ich lange gewartet und wurde auch nicht enttäuscht.
Es hat eine super gute Handlung und sehr kurzweilig beschrieben.

Was mich durchaus etwas genervt hat war das ewig lange Sex-Kapitel über Dominics Vorlieben. So genau wollte ich es dann doch nicht wissen!
Natürlich sollte dieses sein Wesen beschreiben, nur weiß man das nicht wenn man mitten im Buch ist. Manchmal geht es dann ja fröhlich so weiter, was ja zum Glück nicht so war.

Also, lieber Autor, wenn Sie das lesen sollten:
Bitte den Sex nicht soooooo ausführlich. Danke!
Wenn ich einen Hardcore Porno lesen will dann besorge ich mir solche Bücher wissenltlich.

Mir hat es besonders gut gefallen, dass das Buch erstmal wie aus vielen verschiedenen Geschichten bestand. Diese haben sich ganz am Ende dann zusammengefügt.
Auch die Vielfalt an Vampirarten hat mir sehr gefallen. Anjanka war meine absolute Lieblingsgestalt!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
cocoa zu »Markus Heitz: Judassohn«10.04.2010
Obwohl ich alle Bücher aus der Sparte "Dark Urban" von Heitz gelesen habe, sind mir nicht einmal mehr die Charaktere und Geschehnisse von "Kinder des Judas" geläufig gewesen (und das obwohl ich normalerweise beim lesen ziemlich schnell wieder reinkomme) mir fiel die Handlung partout nicht mehr ein... Aber man kann das Buch auch ganz gut lesen, ohne genau bescheid zu wissen.

Zum Inhalt: Ich fand das Buch wirklich ausgesprochen spannend und habe es binnen kürzester Zeit durchgelesen.
Wie der Kommentator vor mir fand auch ich die Sexbeschreibungen mehr als gewöhnungsbedürftig, aber man darf in Bezug auf solche Bücher nicht allzu zart besaitet sein, denn auch die Kampfszenen waren mehr als blutig geschrieben. Ich denke die Sexszenen sollten nur den Charakter des Protagonisten unterstreichen, der eben etwas derber an solche Sachen rangeht.

Als Fazit kann ich sagen, durchaus empfehlenswert, ich hoffe nur beim dritten Buch habe ich nicht wieder alles vergessen...
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Iris53 zu »Markus Heitz: Judassohn«09.04.2010
Also erstmal: Wer Judassohn lesen möchte, kommt nicht umhin, sämtliche Vorgänger zu kennen. Hier kommen so viele Bemerkungen über Handlungen und Personen aus den vorherigen Bänden, die für einen Nichtkenner überaus irritierend sind, da auch nicht näher erklärt. Ich mußte manches Mal schwer überlegen, in welchem Zusammenhang ich die ein oder andere Person kennengelernt habe. Außerdem kommen hier unheimlich viel neue Protagonisten vor, die jeder ihre eigene Geschichte haben. Natürlich ist es wieder gut und flüssig zu lesen und jedes "Lamento", wie Heitz es nennt ist spannend. Allerdings hat mich die Ausdrucksweise bei den Sexabschnitten echt angewidert. Dies kam bei der Person Dominic de Marat und bei Harm Byrne (die Ausdrücke für Emma) besonders zum Tragen.
Außerdem fand ich den von Heitz hergestellten Zusammenhang zwischen den Personen unlogisch und nicht, wie er wohl meinte, überraschend.
Desweiteren fand ich seinen, wenn auch nebensächlichen, Plot mit Marquis de Sade unnötig.
Insgesamt also ein zwar spannendes Buch, weil Heitz es wirklich versteht Kampfszenen zu beschreiben. Trotzdem, durch die vielen Einzelgeschichten eher verwirrend. Ich hab mich jedes Mal gefragt, wie derjenige jetzt wieder da reinpaßt.
Ihr Kommentar zu Judassohn

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.