Schock! von Markus K. Korb

Buchvorstellungund Rezension

Schock! von Markus K. Korb

Originalausgabe erschienen 2012, 186 Seiten.ISBN 3864020433.

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In Kürze:

Wenn sich der Geisterkutscher nachts aus dem Sumpf erhebt, Kinder ein namenloses Grauen auf dem eingeschneiten Einsiedlerhof bekämpfen, der Fußballplatzwart von nackten Alien-Frauen bedroht wird und im leerstehenden Hotel merkwürdige Geräusche zu hören sind ...
 …dann ist es an der Zeit für SCHOCK! – 13 schockierende Storys vom Friedhof der Finsternis.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Das ist ja Schund! Das soll ja auch Schund sein!“82

Horror-Rezension von Horst Illmer

So etwas kommt also dabei heraus, wenn man die Kinder einfach Comics lesen lässt! Oder Gruselgeschichten! Oder gar beides!! Markus K. Korb ist erklärtermaßen ein Freund klassischer Grusel- und Horrorgeschichten und hat bereits in mehreren Büchern bewiesen, dass er durchaus in der Lage ist, seine Begeisterung auch in die eigenen Erzählungen einfließen zu lassen. Sein neuester Streich ist ein Kurzgeschichtenband mit dreizehn „schockierenden Storys“, die ihren Ursprung diesmal jedoch in Korbs zweiter großer Liebe haben (oder kamen die Comics sogar noch vor Edgar Allan Poe?) – in den „Horror“-Comics der 1970er und 1980er Jahre.

In Christian Krank hat Korb einen echten „Bruder im Geiste“ gefunden, der nicht nur den gleichen „abseitigen“ Geschmack besitzt, sondern auch die erstaunliche Fähigkeit, mit modernster Technik dreizehn farbige Titelbilder und ein Dutzend Schwarzweiß-Illustrationen zu zeichnen, die aussehen, als wären sie den vergilbten Seiten jener uralten Groschenheftchen entsprungen.

Gemeinsam schufen sie mit „SCHOCK!“ eine absolut stimmige Hommage an den Geist jener alten Grusel-Comic-Hefte – und es ist müßig zu fragen, ob nun Kranks Bilder die Vorlagen für Korbs Geschichten waren oder ob sie nach dessen Vorgaben entstanden. Wichtig ist nur, dass die Texte und Bilder von der ersten Seite an (bzw. von Vorder- bis Hinterdeckel) eine Einheit bilden und man sich das Eine ohne das Andere gar nicht vorzustellen vermag.

Bevor die einzelnen Geschichten betrachtet werden, sollte noch kurz auf die Figur des „Gravedigger“ – des einäugigen Totengräbers – eingegangen werden, der in einem Dutzend Vor- und Zwischenbemerkungen zu den Texten hinführt. Dieser Totengräber (zeichnerisch als Comic mit Sprechblasen umgesetzt) lauscht des Nachts an den Gräbern auf die Morsezeichen, welche die (Un-)Toten mit ihren Knochenfingern aus ihren Särgen senden, und erzählt diese dann mit offensichtlichem Vergnügen an den schaurigen Details genüsslich weiter. Doch auch der Gravedigger ist nicht das, was er zu sein vorgibt …

Der Schatz des alten Geizkragens

Ein reicher Diamantenhändler stirbt und hinterlässt seiner habgierigen Verwandtschaft nur einen einzigen Stein – und das Versprechen auf einen riesigen Schatz! Es folgt ein gnadenloses Hauen und Stechen, bei dem die moralischen Schwächen der Erben aufgedeckt werden. Die Diamanten jedoch bleiben verschwunden …

C – M – B

Was beginnt wie ein ganz normaler Dreikönigs-Zug der vier Sternsinger durch ein kleines Dorf in der fränkischen Rhön, entwickelt sich durch die Begegnung mit cthulhuiden Tentakelwesen zu einem furchterregenden Alptraum: Alien-Invasion oder Wahnsinn?

Der Scherbennarr

Nirgendwo in dieser Sammlung ist Korb seinem Lieblingsautor Poe näher als hier. Als Vorlage diente ganz offensichtlich die schaurige Erzählung vom „Froschhüpfer“ („Hop-Frog“, 1849), jenem verkrüppelten Hofnarren, der sich für das ihm zugefügte Leid auf eine ultimative Art und Weise rächt. Auch der „Scherbennarr“ sinnt nach jahrelanger Qual auf blutige Rache – und findet eine überaus „originelle“ Form dafür.

Jahrhundertwinter

Schnee-Apokalypse in Schweinfurt: Trotz der Liebe zur Familie und der Verpflichtung diese zu schützen fällt es zunehmend schwerer, die Regeln von Sitte und Anstand zu bewahren. Das Feigenblatt der Zivilisation fällt sehr schnell, wenn die Speisekammern leer sind.

Der elektrische Sarg

Wer Angst davor hat, lebendig begraben zu werden, besitzt in der modernen Technik eine wirksame Verbündete – oder er macht alles nur noch schlimmer.

Schneechaos

Der Winterdienst im Steigerwald hat bei starkem Schneefall viel zu tun – und manchmal muss er zusätzlich sogar noch eine Alien-Invasion abwehren. Da hilft dann nur noch ein Kräuterlikör.

In der Domäne des Wurms

Im „Kreislauf des Lebens“ ist auch die „Arbeit“ der Friedhofs-Würmer nicht ohne tiefere Bedeutung …

Nachts am schwarzen Loch

Eine Gruppe Jugendlicher erlebt am eigenen Leib, welche Gefahren es mit sich bringt, die alten Geschichten und Legenden zu ignorieren.

Sommerschnee

Auf einen Platzwart wie Horst kann jeder Fußballverein einfach nur Stolz sein: fleißig, immer für den Verein da, einfallsreich und furchtlos – selbst im Angesicht von sechs nackten Weibern in Cowboystiefeln!

Nachts in der Hammermühle

Nicht jedes Mädchen, das sich zu einer Schmuse-Party in einem stillgelegten Hotel „überreden“ lässt, meint es gut mit ihrem Liebsten – manchmal steckt ein blutrünstiges Geheimnis hinter den düsteren Mauern und nicht immer kommt man mit dem Schrecken davon …

Unternehmen Siegfriedwall

Eine Elite-Einheit der US-Armee erobert in den verschneiten Wäldern der Rhön kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs eine geheime Forschungsstation der Nazis und erbeutet dabei eine jener „Wunderwaffen“, mit denen die Wehrmacht den Krieg noch gewinnen wollte. Da niemand versteht, wie sie funktioniert, wird sie gut bewacht zurückgelassen – und eine brave deutsche Putzfrau rettet kurz darauf damit die Welt vor einer Alien-Invasion.

Blackout

Die intensive und stimmungsvolle Science-Fiction-Horror-Story spielt an Bord der Internationalen Raumstation ISS. Nachdem die Erde durch ein kosmisches Sporenfeld geflogen ist, bedroht ein außerirdischer Pilz alles Leben auf der Erde. Die vier Wissenschafts-Astronauten auf der ISS schaffen es schließlich, ein Gegenmittel zu entwickeln – aber gelingt ihnen die Rückkehr zur Erde noch rechtzeitig?

Das Geheimnis des Totengräbers

Während des Ferienlagers erzählt Horst, der allseits beliebte Platzwart, seinen Schützlingen am Lagerfeuer die Geschichte, wie er vor langer Zeit das grausige Geheimnis des Gravediggers entdeckte – aber dieses Geheimnis ist nicht nur schockierend, sondern auch tödlich …

Lokal-Horror?

In vielen dieser Geschichten spielen die Fränkische Rhön, der Steigerwald, das Maintal um Schweinfurt herum eine wichtige Rolle – und wenn es inzwischen jede Menge „Lokal-Krimis“ gibt, warum darf es dann nicht auch einmal „Lokal-Horror“ sein? So wie der Texaner stolz auf sein Kettensägen-Massaker ist, gelingt es unter bestimmten Umständen wohl auch einmal dem fränkischen Gärtner, seinen Nachbarn mit dem Laubbläser in den Wahnsinn und Selbstmord zu treiben. Markus K. Korb erweist sich in diesem Erzählungsband nicht nur erneut als Kenner und Liebhaber des „altmodischen“ Horrors, sondern auch als genauer und feinfühliger Beobachter seiner fränkischen Heimat und ihrer bemerkenswerten (um nicht zu sagen „merkwürdigen“) Bewohner.

Mit einem wohligen Gänsehaut-Gruseln (und vermutlich auch mit einem amüsierten und/oder schadenfrohen Grinsen im Gesicht) schließt man dieses Buch. Zwar sind nicht alle Geschichten von gleich hohem Niveau (wo legt man auch den Maßstab an, wenn die Stories ja gerade „schundig“ sein wollen?), aber selbst bei den schwächeren fühlt man sich durchweg gut unterhalten – und von einigen (wie etwa „Blackout“ und „Jahrhundertwinter“) wird man vielleicht sogar den einen oder anderen Alptraum bekommen.

Sei’s drum: Wenn letztlich sowas wie „Schock!“ dabei herauskommt, wenn man die Kinder Comics lesen lässt – oder Gruselgeschichten – oder beides – dann soll es uns recht sein!

(Horst Illmer, November 2012)

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