Seelentausch von Martin S. Burkhardt

Buchvorstellungund Rezension

Seelentausch von Martin S. Burkhardt

Originalausgabe erschienen 2013, 292 Seiten.ISBN 3942661551.

»Seelentausch« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Peter Heyde lebt mit seiner Freundin Maren auf dem elterlichen Hof in Schleswig Holstein. Die Atmosphäre zwischen den Familienmitgliedern ist bedrückend. Oft ist ein wortkarger alter Freund der Familie zu Besuch, den Maren seltsam, ja unheimlich findet. Karl Gustav Lackner ist ein Kamerad des verschwundenen Großvaters zu den Großeltern selbst hat die Familie seit Peters Geburt keinerlei Kontakt mehr. Maren beginnt sich Sorgen um Peter zu machen: Immer öfter bekommt er Visionen von Kriegseinsätzen im Schnee, einem diabolischen Hauptmann und im Kampf erlittenen Verletzungen, die oft noch lange nach den Visionen schmerzen. Als Maren Nachforschungen anstellt, entgeht sie nur knapp einem Mordversuch durch den unheimlichen Lackner, der schließlich die Wahrheit ans Licht fördert: Lackner und Peters Großvater waren als junge Soldaten in einer Höhle in Finnland auf eine Wesenheit gestoßen, die sich von menschlicher Energie ernährt und Seelen in andere Körper verpflanzen kann. Die beiden jungen Männer ließen sich auf einen teuflischen Handel ein: Alle Kameraden ihrer Einheit gegen ein zweites Leben in jungen Körpern. Lange nach ihrer Rückkehr aus dem Krieg machen sich die beiden tatsächlich mit einem Säugling auf den Weg zurück nach Finnland: dem neugeborenen Peter. Seit dem Seelentausch wartet Karl darauf, dass die Seele seines Freundes in Peter zum Vorschein kommt. Peter und Maren machen sich in Lackners Begleitung auf den Weg nach Finnland …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Eine Variation zur Seelenwanderung ohne sonderliche Überraschungen“48

Horror-Rezension von Carsten Steenbergen

Was, wenn man seine Seele in den Körper eines anderen Menschen verpflanzen könnte? Alle Erfahrungen und Erinnerung mitnehmen und irgendwie von vorne anfangen? Selbst wenn hierzu ein ungeheurer Preis zu zahlen ist? Der Traum des ewigen Lebens scheint damit nahe gerückt. Und mal ehrlich, was auf der Welt ist schon umsonst? Martin Stefan Burkhardt hat sich des hochbetagten Themas der Menschheit angenommen und es mit „Seelentausch“ in ein neues Gewand zu kleiden versucht. Der Mix aus Kriegserinnerungen aus einem Blickwinkel, welchem im Geschichtsunterricht eher eine unbeachtete Nebenrolle zuteilwurde, einer Handlung im modernen 20. Jahrhundert, gepaart mit einer archaisch anmutenden Kreatur, die Seelen verspeist. Durchaus apart, will man meinen.

Auf der Suche nach der Glaubwürdigkeit

Recht schnell freundet sich Peter mit der Überzeugung an, dass seine Visionen keine Hirngespinste oder Ausdruck eines Gehirntumors oder ähnliches, sondern echt Erinnerungen sind. Und das der unheimliche Hauptmann, der ihm erscheint, irgendwie in diese Sache verwickelt ist. Mit der Unterstützung seiner Freundin Maren, die sich nach anfänglichem Zögern ebenfalls dieser Tatsache bewusst wird, deckt er nach und nach die lang gehüteten Geheimnisse seiner Familie auf. Beginnend mit dem Verschwinden seines Großvaters vor einigen Jahren bis hin zu seiner eigenen Entführung als Säugling. Das, was Peter bislang als harmonisches Familienleben erlebte, wandelt sich immer mehr zu einem persönlichen Alptraum. In welchem Karl Gustav Lackner, ein Freund der Familie und ein alter Kamerad seines Großvaters, offensichtlich eine nicht unbeträchtliche Rolle spielt. Sowie eine grausige Begebenheit in den Wäldern Finnlands des 2. Weltkriegs.

Feinfühliger Grusel oder doch eher Splatter?

Gerade beim geschriebenen Horrorstoff steht am Anfang die Entscheidung an, in welche Richtung die Handlung gehen soll. Eher unter die Gänsehaut a la Stephen King mit andauernder Bedrohung? Oder lieber mit knallharter Angst punkten? Denn ist der Weg erst einmal aus den Augen verloren, schwindet auch die erwünschte Wirkung dahin. Lässt man die Visionsanfälle Peters außen vor, bleibt der Seelenfresser überaus passiv, er tritt erst im letzten Drittel bzw. im Finale so richtig zu Tage. Echte Gänsehaut aufgrund der ausbleibenden Bedrohung eher Fehlanzeige.

In „Seelentausch“ wird man als Leser zu Beginn an ohne jeglichen Zweifel darüber informiert, dass eine anscheinend übersinnliche, durchweg böse Kreatur nur eines im Sinn hat: Nämlich Seelen fressen. Und aus ihrem Gefängnis entkommen. Oft genug wird man daran erinnert. Nervenkitzel löst das nicht unbedingt aus. Im Gegenteil. Zu oft gesehen, zu oft gehört oder gelesen. Die Spannung bleibt für den Phantastik-gewöhnten Leser durch diesen Kniff ziemlich auf der Strecke.

Viel mehr überrascht die Tatsache, dass die beiden Protagonisten recht zügig akzeptieren, dass hier eine übersinnliche und eigentlich beängstigende Erfahrung ansteht. Bedenkt man dann die niederträchtige, wirkliche bösartige Absicht der beiden Antagonisten, die ebenfalls nur bedingt glaubhaft im Sinne ihrer Motivation handeln, wirkt das Handlungskonstrukt etwas dünn. Überzeugungskraft sieht anders aus.

Durch die interessante Hintergrundstory und der bildhaft überzeugenden Beschreibungen wird dieses Manko streckenweise recht ordentlich wettgemacht. Die Geschichte schreitet zudem durchaus sinnvoll voran und ist in einem soliden Schreibstil verpackt. Mitunter mag der sanfte Grusel, im Rahmen aller Überlegungen der Folgen eines Seelentauschs, insbesondere der einer zwanghaften Natur folgend, auf der psychologischen Ebene durchaus packen. Allerdings zum persönlichen Bedauern nicht anhaltend.

Insbesondere an den Handlungspunkten, wo der sanfte Grusel durch handfeste Erinnerungsszenen (und umgekehrt) plötzlich abgelöst wird, sackt der erhoffte Nervenkitzel rapide ab. Im Grunde schließt das eine das andere ja nicht aus, im Gegenteil, ein Tempowechsel kann unheimlich belebend sein. Allerdings sollte dann ein Spannungsbogen mit unerschütterlichem Rückgrat gegeben sein, mit dem solche Sprünge aufgefangen werden. Das wirkt in Seelentausch leider nicht besonders gelungen.

Fazit

Ein mitunter solide geschriebener und lesbarer Roman, dessen Charaktere nur teilweise überzeugen können. Auch wenn Seelentausch nicht unbedingt mit Originalität aufwartet, gibt es ein paar hübsche Details zu entdecken.

Ihre Meinung zu »Martin S. Burkhardt: Seelentausch«

Ihr Kommentar zu Seelentausch

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.