Krieg der Drachen von Michael A. Stackpole

Buchvorstellungund Rezension

Krieg der Drachen von Michael A. Stackpole

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „At the Queen´s Command“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 500 Seiten.ISBN 3-453-52666-X.Übersetzung ins Deutsche von Reinhold H. Mai.

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In Kürze:

Eingezwängt zwischen verfeindeten Imperien laufen die Kronkolonien von Mystria ständig Gefahr, angegriffen zu werden. Zusätzlich wird das Land von innenpolitischen Machtkämpfen und Aufständen zermürbt. Verzweifelt setzt der junge Prinz Vladimir alles daran, seine Heimat zu retten, doch seine Macht ist begrenzt. Einzig, dass er einen Drachen besitzt, verleiht seiner Stimme ein gewisses Gewicht. Doch als Mystria von einer teuflischen Gefahr bedroht wird und Vladimirs Drache eine seltsame Wandlung durchmacht, scheint das Schicksal des Reiches besiegelt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Magie, fremdartige Wesen, Heldentum und Kämpfe satt“70

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Anno 1763 wird einer der Lindwurmreiter ihrer Majestät in die Kolonien entsandt, um dort das künftige Schlachtfeld gegen den Erzfeind aus Tharynge auszukundschaften.

Kapteyn Owen Radband, zwar von – angeheirateten – adeligem Geblüt, aber in seiner Heimat eher als Abkömmling aus zweifelhafter Familie angesehen, ein mustergültiger Soldat, hofft nach dem Einsatz mit einem eigenen Adelstitel sowie einer dicken Börse bedacht zu werden, um seiner hochherrschaftlichen Frau ein ebenso angenehmes wie gesichertes Leben bieten zu können. Doch kaum in den Kolonien angekommen, muss er feststellen, dass dort die Uhren ein wenig anders gehen als in Auropa.

Die Zwielichtvölker, wie die Eingeborenen sich nennen, beherrschen und nutzen weit mächtigere Magie als in Mystria bekannt und von der Kirche toleriert. Die Menschen, allesamt Abkömmlinge von deportierten Sträflingen sind ein ganz eigener, aufrechter Menschenschlag. Hier zählt weder Titel noch Abstammung viel, hier richten sich die Menschen nach dem, was in einem steckt, wie man sich verhält.

Der formelle Herrscher über die Kolonie, Prinz Vladimir, der den größten Teil seines Lebens als Forscher in der Kolonie verbracht hat, macht ihn mit dem Trapper Nathaniel Wald und Prinz Kamiskwa von den Altashie bekannt, mit denen zusammen er sich aufmacht, die Grenze zu den Tharynge auszukundschaften.

Schon auf dem Weg dorthin stoßen sie auf wiedererweckte Tote – Wendigos, wie die Eingeborenen sie nennen, die im Dienste des erst kürzlich in die Kolonien abgeschobenen Magiers und Feldherren Guy du Malphias das Land vermessen. Gerüchte wollen wissen, dass du Malphias im Landesinneren durch seine Pasmortes eine uneinnehmbare Festung errichten lässt. Gerüchte, die sich als wahr erweisen, als Owen vor der Feste Friedensreich verwundet und gefangen genommen wird. Während du Malphias seine grausamen Forschungen an dem Gefangenen betreibt, kehren seine Begleiter zunächst zum Prinzen zurück und berichten von den unheiligen Plänen Guys.

Owen gelingt es zu fliehen, doch dann entsendet die Queen einen ihre unfähigen Feldherren, um der Bedrohung Herr zu werden. Zusammen mit seinen Freunden und unter tatkräftiger Mithilfe von Prinz Vladimir und dessen Lindwurm versucht Owen das Schlimmste zu verhindern …

Lederstrumpf trifft auf Zombies

Es ist unschwer zu erkennen, dass Stackpole die Kolonisation Amerikas und Australiens als Vorbild für sein geo-politisches Weltbild im Auftaktband des Kronkolonie-Zyklus genommen hat. Mühelos kann der Leser in Auropa Europa, in Mystria England und in Tharynge Frankreich erkennen. Geschickt lässt er in seine Handlung dann auch erste Freiheitsbestrebungen der Kolonisten einfließen, erinnern die Beschreibungen der herrschenden Klasse auf beiden Seiten des Kanals frappierend den Tatsachen im 18. Jahrhunderts.

In diese dem Leser leidlich bekannte Ausgangslage fügt der Autor dann, recht behutsam, übernatürliche Elemente ein. Es gibt Lindwürmer, die in den Schlachten eingesetzt werden. Die lange vom Klerus und den Adeligen unterdrückte und verleugnete Magie, in engen Grenzen im Krieg gefördert, dient zum Entzünden des Pulvers in den Pistolen, Musketen und Kanonen.

Die erste Hälfte des Romans dient dem Autor dazu, seine Handelnden einzuführen, ihre Umgebung zu beschreiben und Konflikte wie auch Liebschaften vorzubereiten. Dabei bemüht sich der Autor darum, die Eingeborenen – Indianer – lebensecht zu zeichnen, sie weder zu verklären noch sie als naiv oder unterentwickelt zu beschreiben. Mit dem Auftauchen der zombieähnlichen Pasmortes und der Einführung des großen Antagonisten Guy du Malphias nimmt die Handlung dann eine weitere Wendung.

Das Tempo zieht deutlich an, die Handlung wird actionreicher, Kämpfe rücken ins Zentrum. Letztere weiß Stackpole, wie seine früheren Romane beweisen, faszinierend zu schildern. Ein wenig zu oft aber zieht er sich in der Folgezeit, insbesondere was die Zeichnung der Personen anbelangt, auf Stereotypen zurück. Gerade die aus der Heimat eingeschiffte Verstärkung mit ihrem aufgeblasen wirkenden Anführern passt nicht ganz ins Bild. Die entsprechenden Beschreibungen des eitlen Gecken wirken eher lächerlich als überzeugend, dass sich Prinz Vladimir der Bevormundung durch den Militärgouverneur einfach beugt, dass sich Trapper wie Zwielichter dessen Befehlen folgen, ist so nicht ganz nachvollziehbar.

Der Sturm der Festung bietet dem Leser dann alles, was er von einem Fantasy-Abenteuerroman erwartet – Magie, fremdartige Wesen, Heldentum und Kämpfe satt. Im Finale werden dann die ein wenig in den Hintergrund getretenen Autonomiebemühungen wieder angesprochen, so dass man hier für den zweiten Band mit entsprechenden Entwicklungen rechnen kann. Dabei wird es nicht nur um das wirtschaftliche Lösen vom Mutterland und dessen Bevormundung gehen, sondern sicherlich auch das Diktat, wie man mit der Natur umgeht – ein Leben in Einklang mit selbiger, wie es die Zwielichtvölker vormachen oder die Beherrschung durch die Menschen – aber auch um den Umgang mit der klerikal verteufelten Magie.

(Carsten Kuhr, Februar 2012)

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